28.12.2015

Die Stromversorgung im Wohnmobil - 230V Landstrom

Kategorie: Wohnmobiltechnik

Die Stromversorgung eines Wohnmobils ist wichtig, um den Wohnkomfort zu gewährleisten. Da ich unserer Neuerwerbung  eine neue Kabeltrommel spendieren wollte, beschäftigte ich mich etwas näher mit dem Thema. Diesmal geht es nur um die 230V-Versorgung unserer Fahrzeuge. Der 12V Bordversorgung werde ich später einen gesonderten Artikel widmen.

Das Anschlusskabel

Die einfachste Art der Energieversorgung ist der Anschluss an das Landnetz auf Stell- und Campingplätzen. Für eine kleine Gebühr gibt es fast Strom ohne Ende. Allerdings sollte sich der Wohnmobilfahrer auch mit diesem Thema beschäftigen, um keine verhängnisvollen Fehler zu begehen. Auf den Plätzen sieht man immer wieder abenteuerliche Konstruktionen aus Kabeltrommeln, Mehrfachsteckdosen und Verlängerungen jeder Art und Qualität.  Da mir immer die elektrische Sicherheit am Herzen liegt, habe ich mich einmal mit den einschlägigen Normen beschäftigt.

Beginnen wir mit dem Kabel und dem Kabelroller, so wird die "Kabeltrommel" in den Normen bezeichnet. Auf dem Markt findet man leider Angebote, die den technischen Regeln nicht ganz entsprechen. Die Vorgabe lautet, dass nur Kabel des Typs H07RN-F  mit 2,5qmm Querschnitt verwendet werden dürfen. Diese Kabel sind nicht günstig und haben ein großes Gewicht. Hinzu kommt, dass diese Kabelqualität nur selten in den bekannten Baumärkten zu finden ist.

Die Vorschrift berücksichtigt dabei die besondere mechanische Belastung dieser Kabel. Jeder wird schon einmal über ein Kabel des Nachbarn gefahren sein. Zuleitungen liegen in Pfützen oder im Tiefschnee. Eine ordnungsgemäße Leitung verträgt dies problemlos.

Der hohe Querschnitt wird gefordert, um ein Ansprechen der vorgeschalteten Sicherungen im Fehlerfall zu gewährleisten. Aus dem gleichen Grund dürfen die Anschlusskabel nicht beliebig verlängert werden. Mit einer Maximallänge von 25m  ist der Wohnmobilreisende auf der sicheren Seite.

Die Anschlüsse  auf beiden Seiten müssen mit dem blauen CE-Anschlussstecker bzw. -kupplung ausgerüstet sein. Der  Anschluss an einfache Steckdosen ist nicht zulässig. Insbesondere dürfen Zwischenstücke von üblichen Schutzkontaktsteckdosen  auf das CE-System gemäß der Vorschriften nicht verwendet werden. Das Ziel dieser Vorgabe ist es, immer eine gleiche Belegung der Steckkontakte sicherzustellen. Im Gegensatz zur  bekannten Steckdose kann der Stecker nur in einer Position  eingeschoben werden, ein Verdrehen ist mechanisch ausgeschlossen.

An dieser Stelle zeigt sich wieder einmal, dass nicht jede Norm in der Praxis komplett umsetzbar ist. Wer hat schon eine entsprechende Steckdose im Haus? Was macht man, wenn der Camping- oder Stellplatz noch nicht auf das neue System umgerüstet ist? Insbesondere in Frankreich und Schweden fand ich noch die alten Säulen.

Es wird in den nächsten Jahren immer Situationen geben, wo gegen diese Vorgabe verstoßen werden muss, um das Wohnmobil an das Stromnetz anzuschließen. Allerdings sollte jeder Besatzung klar sein, dass dies Vorgehen nicht den aktuellen technischen Regeln entspricht und sich entsprechend verhalten. Der Zusammenbau solcher unerlaubten Zwischenstücke  erfordert Überlegung und sorgfältige Arbeit. Etwas verwundert stellte ich im Rahmen der Recherche zu diesem Artikel fest, dass derartige Zwischenstecker im Campinghandel nach wie vor angeboten werden.

Der Tipp, dass bei  hohen Strombelastungen die Trommel vollständig abgerollt werden sollte, um Hitzeentwicklung zu vermeiden, wird mittlerweile in jedem Wohnmobil bekannt sein. Insbesondere größere Verbraucher, z.B. eine Elekroheizung,  könnten anderenfalls zu Hitzeschäden am Kabelroller führen.

Wie sich ein einfaches zu billiges Kabel auswirken kann, habe ich an eigenem Leib erfahren müssen. Ein Kabelbruch im Verlängerungskabel kostete mir einen halben Urlaubstag und viel Schrauberei. (Pleiten, Pech und Pannen: Der Stromausfall im Wohnmobil)

Die 230V-Anlage im Wohnmobil

Im Wohnmobil befinden sich in der Nähe der Anschlussdose zwei Sicherungsautomaten zur Absicherung der bordeigenen Installation. Wie ich im Rahmen einer Nachbarschaftshilfe auf dem Stellplatz feststellen musste,  kennen einige der Besatzungen die Lage der Sicherungen nicht. Die Hersteller verstecken die Automaten gut in Schränken oder hinter Abdeckungen um den wohnlichen Eindruck aufrecht zu halten.

Die weitere Anlage ist übersichtlich. Je nach Mobil gibt es nur wenige 230V Verbraucher. Einige Steckdosen, der Kühlschrank und das Batterieladegerät bzw. der Elektroblock werden mit Netzspannung versorgt. Die weiteren Verbraucher laufen über das 12V-Netz.  Die öfter installierten Wechselrichter möchte ich an dieser Stelle nicht näher betrachten, da es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.

Absicherung auf dem Campingplatz

Auf einigen Campingplätzen wird man an der Rezeption gefragt, welche Absicherung erforderlich ist. Dazu eine kleine Abschätzung.  Das Batterie-Ladegerät wird direkt nach der Ankunft die Batterien laden. Je nach Ladezustand und Größe wird der Strom ca. 2A - 3A benötigen, um die Batterie wieder zu füllen. Hinzu kommt der Kühlschrank mit einer Stromaufnahme von 1A. Damit ist der Grundbedarf des Mobils gedeckt.

Wenn dann am Abend der Fernseher hinzu kommt, ist das Laden der Bordbatterie bereits beendet. So ist es möglich, bereits mit einem 5A Anschluss klarzukommen.

Allerdings kommen da noch die individuellen Gewohnheiten hinzu. Kaffeemaschine, Föhn Backofen, Mikrowellengerät müssen zusätzlich berücksichtigt werden. Da es diese Dinge bei uns an Bord nicht gibt, reichte uns in Italien einmal sogar eine 4A Absicherung.

Um schwierige Abrechnungen und  teure Messgerät zu sparen, rechnen die meisten Plätze den Stromverbrauch pauschal ab. Damit die Einnahmen die Kosten für das Campingplatznetz und für den Verbrauch decken, erfolgt eine Mischkalkulation.  Camper mit geringem Verbrauch zahlen dabei für Vielverbraucher mit.

Wie wir immer wieder beobachten konnten, nutzen einige Wohnmobilisten die pauschale Abrechnung aus.  Selbst wenn im Fahrzeug keine Elektroheizung installiert ist, kommt der elektrische Heizlüfter zum Einsatz, um das teure Gas zu sparen. Wie mir ein Platzbetreiber erzählte, reduzierte die Umstellung von Strompauschale auf Einzelabrechnung den Stromverbrauch des Platzes erheblich. Auch er sah die Ursache bei den "Stromheizern" mit den 2kW-Heizlüfter im Fahrzeug.

Das einfache Thema Strom kommt aus der Steckdose gilt leider nicht für uns Wohnmobilfahrer. Allerdings sind es nur wenige Dinge, die es zu beachten gilt, um sicher und zuverlässig den Landstrom nutzen zu können.