10.01.2016

Der Einbau einer Rückfahrkamera in den Kastenwagen

Kategorie: Wohnmobiltechnik, Unser Wohnmobil

Aus meiner Erfahrung halte ich eine Rückfahrkamera für eine sehr sinnvolle Zusatzausstattung eines Wohnmobils. Beim Rangieren gibt es hinter dem Fahrzeug einen großen, nicht einsehbaren Bereich. Als Fahrer sieht man nicht, was direkt hinter dem Wagen geschieht. Da wird schon das Ausparken auf dem stark von Kauflustigen frequentierten Parkplatz eines Supermarktes zum Glücksspiel. Steht noch jemand hinter dem Auto?


Hinzu kommt, dass meine Frau vor einiger Zeit beobachtete, wie ein Handwerkerfahrzeug beim Ausparken aus einer Parklücke eine Dame anfuhr, die für den Fahrer unsichtbar hinter dem Kastenwagen stand. Die Dame landete leicht verletzt im Krankenhaus.

So stand der Einbau einer Rückfahrkamera  ganz vorn auf der Liste der kleinen Verbesserungen an unserem Pössl  2WIN. Im Netz fand ich spezielle Kameras für Kastenwagen, die ohne zusätzliche Bohrungen in die Öffnung des dritten Bremslichtes eingesetzt werden.

Schnell erfolgte die Bestellung und schon bald lag die Kamera auf meinem Schreibtisch. Damit begannen die Herausforderungen. Bei unserem Vorgängermobil verlegte ich die Kabel unter dem Fahrzeug hindurch. Dieser Kabelweg begeisterte mich nicht, da ich Marderbisse und Salzwasser fürchtete. Gleichzeitig verspürte ich nur geringe Lust, bei dem herrschenden winterlichen Nieselregen unter dem Wohnmobil herum zu rutschen.

Die Kabel sollten möglichst unsichtbar durch den Innenraum zum Radio geführt werden. Dabei wollte ich die Möbel nicht anbohren. So machte ich mich auf die Suche nach einem Kabelweg. Nach einigen Besichtigungen und kleinen Versuchen stand für mich fest, das Kabel auf der Beifahrerseite hinter den Verkleidungen der Oberschränke zu verlegen  Über die B-Säule führte meine Planung zum Radio.

Frohen Mutes machte ich mich an das Werk. Mit einem Zugdraht suchte ich meinen Weg, Dazu war es erforderlich, an einigen Stellen die Kunststoffverkleidung in den Schränken leicht zu lösen. So gelangte ich schnell vom  dritten Bremslicht  in den Innenraum und nach vorn bis zum Küchenschrank. Hier kam ich mit meiner Technik erst einmal nicht weiter. Erst nach der Demontage des Holzbrettes der Schrankrückwand (3 Schrauben) gelangte ich hinter die Bordkontrolle und die Heizungssteuerung.  Der weitere Weg bist zum Sicherungskasten in der B-Säule war schnell verlegt.

 Jetzt begann die große Demontage im Basisfahrzeug.  Die schwarze Abdeckung unten an der B-Säule und die Verkleidung der Einstiegsstufe Beifahrertür mussten weichen, um weiter voran zu kommen.  Ebenso entfernte ich die Abdeckungsleiste auf dem Radkasten.  Die Arbeit klingt schwieriger wie es war. Dank des Ausbaus der Verkleidungen nutzt das Kamerakabel jetzt den vom Hersteller geplanten Kabelweg von der B-Säule zum Radio,

Nach der Befestigung aller Verkleidungen und Abdeckungen war das Kabel verschwunden und klappersicher verlegt. Die ganze Aktion dauerte etwa 2 Stunden. Darin enthalten sind die Wegsuche und  die Erforschung der denkbaren Wege. Wenn ich nochmals ein Kabel einziehen müsste, gehe ich davon aus, dass die Arbeit in 45 Minuten erledigbar ist.

Leider kam der Baustopp an einer unerwarteten Stelle. Die Kameramontage klappte nicht, da die Einbauanleitung vorsah, das Plastikgehäuse von hinten festzuschrauben. Leider befinden sich dort jedoch die Oberschränke unseres Pössl. Es gibt keine Möglichkeit, die vorgesehene Befestigungsmethode zu nutzen. Wie soll man Schrauben festziehen, wenn man die Muttern nicht erreichen kann?

Leicht frustriert landete die Kamera auf meinem Schreibtisch und der Denksport ging weiter. Es dauerte einige Tage, bis ich eine gute und sichere Lösung fand. Dazu war es erforderlich, das Plastikgehäuse der Kamerahalterung mit leichter Gewalt zu öffnen und die vorgesehenen eingegossenen Befestigungsschrauben vorsichtig zu entfernen.

Jetzt gelang die Montage dank zweier Schrauben aus dem Bastelkeller ohne Probleme. Mittels Sikaflex, dem Problemlöser aller Wohnmobilbastler, fügte ich die Gehäuseteile  wieder wasserdicht zusammen. Die Kamera saß sicher. Die Monitoranzeige und die Bremsleuchte funktionierten wie gewünscht.  Zur Sicherheit dichtete ich später noch die Kante zwischen Gehäuse und Fahrzeug mit Sikaflex ab.

Bisher hatte ich den Radioanschluss nur notdürftig hergestellt. Nach dem ordnungsgemäßen Herstellen der Verbindungen folgte noch ein kleiner Schreck in der Abendstunde.  Mein Kamerabild stand plötzlich Kopf. Ich war ratlos und frustriert, denn einen solchen Fehler kannte ich nicht. Selbst im weltweiten Netz fand ich keinen ähnlichen Fehler oder gar eine Lösung.

Nach einigen Fehlversuchen kam ich auf die Idee, das Radio einmal komplett vom Strom zu trennen. Und? Ja, das Bild stand nicht mehr Kopf. Es erstaunt mich immer wieder, welche Fehler allein durch einen völligen Neustart zu beheben sind. Diese Methode hilft mittlerweile bei sehr vielen Geräten, nicht nur beim PC.

Fazit
Der Einbau der Kamera kostete mir viel Zeit und Überlegungen. Dennoch lohnte sich der Aufwand. Ich habe jetzt ein einwandfreies Bild, sobald ich rangiere. Dank der guten Kameraposition überblicke ich mindestens 10m hinter dem Fahrzeug.

Allerdings würde ich vor der Bestellung einer Kamera mit dem Hersteller/Lieferanten in Kontakt treten, um die Befestigungstechnik vorab zu klären. Obwohl mehrere Kameras auf dem Markt sehr ähnlich aufgebaut sind, gibt es doch Unterschiede im Detail. Vielleicht berücksichtigte ein Hersteller bereits, dass die Schrauben bei einem Wohnmobilausbau von innen nicht zugänglich sind. Dafür hätte ich gern einige Euros mehr auf den Tisch gelegt.

Anmerkung:
Sobald es draußen wieder einmal hell und trocken ist, werde ich diesen Beitrag noch mit einigen Bildern ergänzen.