Meine Fotoausrüstung im Wandel der Zeit oder: Brauche ich ständig neue Kameras?

Nachdem in einer Google+ Community nach der ersten Kamera gefragt wurde, fiel mir mein älterer Artikel zu diesem Thema wieder ein.  Jetzt habe ich den Text überarbeitet und aktualisiert. Entstanden ist ein kleiner Ausschnitt aus der Geschichte der Fotografie.

Der Anfang

In meiner Familie spielten Fotos keine Rolle. Zwar dokumentierte mein Vater wichtige Ereignisse mit einer Agfa Box auf Rollfilm, aber meist kam der Fotograf für die ganz wichtigen Bilder.

Mein Einstieg in die Fotografie erfolgte um 1968. Zum Geburtstag wünschte ich mir einen Fotoapparat und erhielt ich eine Agfa Rapid 24x24mm. Sicher keine Topausrüstung, aber es reichte, um mich mit dem Virus Fotografie anzustecken. Immerhin habe ich heute noch Erinnerungsbilder aus der Zeit und die Kamera hat einen Ehrenplatz in der Vitrine.

leicht vergilbtes Bild eines Rosenbogens
Agfa Iso Rapid – belanglose Anfänger-
altes Bild eines Gartens
 Bilder auf einem haltbaren Diafilm
Nach einigen Farbfilmen stieg ich aus Kostengründen auf Dias um. Es entstanden die ersten Kisten mit Bildern. Aus meiner heutigen Sicht kann ich sagen, dass die damalige Diskussion über die Rahmungsarten einen eindeutigen Sieger hat. Alle Bilder in verglasten Rahmen sind mittlerweile unbrauchbar, während die glaslos eingerahmten Bilder noch eingeschränkt zu verwerten sind. Leider ist mein damaliger Lieblingsfilm von Agfa besonders stark von den Alterungserscheinungen betroffen.

Der Aufstieg

Der nächste Schritt erfolgte einige Jahre später. Ich sparte auf eine bessere Kamera. Die Wahl viel auf eine Zeiss Icon Icarex 35 mit dem 2,8/50mm Tessar. Die Kamera begleitete mich lange und bis an das Ende meiner Studienzeit. Die Anzahl der Diakisten stieg immer weiter. Leider machte ich aus heutiger Sicht den Fehler, die Kamera zu verkaufen, um auf modernere Geräte umzusteigen.

In meiner Studienzeit gab es noch einen kleinen Ausflug in das Fotolabor. Mittels günstig erworbener Gebrauchtgerätschaften und zwei Wolldecken konnte ich in meiner Studentenbude erste Erfahrungen sammeln. Die Episode fand schnell ein Ende, nachdem meine damalige Freundin, heute meine Frau, bei mir einzog.

Postkartenaufnahme der Wasserfälle
Die Krka Wasserfälle 1976
Ein Blitz aus meinem Zimmer gesehen 1974
Die Rose meiner Mutter ca. 1972

Abkehr vom Hobby

Obwohl die Pentax ME Super ein guter Ersatz war, drängten andere Aufgaben, Interessen und Herausforderungen die Fotografie in Hintergrund. Es blieb bei Urlaubs- und Erinnerungsfotos. Das Hobby befand sich auf dem Abstellgleis.

Der Wiedereinstieg

Erst durch die Geburt unserer Kinder rückte die Fotografie wieder stärker in den Blickpunkt. Die Pentax mit den zwei Objektiven stellte nicht mehr den Stand der Dinge dar. Eine neue Ausrüstung musste her, um die Entwicklung der Kinder zu dokumentieren. Am Anfang stand eine Fehlinvestition in eine Olympus APS-Kamera. Die damit erzielten Ergebnisse befriedigten mich nicht. Aus meiner Fotovergangenheit war ich bessere Ergebnisse gewöhnt. Das Negativformat war einfach zu klein. So war ich nicht sonderlich traurig, dass die Kamera durch eine Gedankenlosigkeit eine Fahrt auf dem Autodach nicht überlebte.

Es kam wie es kommen musste, eine Canon 1000s zog bei mir ein und stellte die Kinderbilder sicher. Zwei Zoomobjektive komplettierten die Ausrüstung.

Zeitgleich stieg ich von der Dias wieder auf Papierbilder um. Hintergrund war die schnellere Verfügbarkeit der Bilder für Oma und Opa. Der klassische Diaabend gehörte zum Glück der Vergangenheit an. Allerdings begann der Frust mit den qualitativ schlechten Ausbelichtungen der Labors.

Camping in Schweden (Olympus APS)
Schären in Schweden (Olympus APS)
Abend am See (Olympus APS)
Föhr (Canon 1000s)
Föhr (Canon 1000s)
Föhr (Canon 1000s )

 

Einstieg in die Digitalfotografie

Um die Jahrtausendwende gewann der Technik-Fan in mir die Oberhand und ich stieg in die Digitalfotogafie ein. Damit erfüllte sich der Jugendtraum einer eigenen Dunkelkammer, allerdings auf die elektronische Art. Bei der Kamerawahl hatte ich diesmal wieder Glück, die Olympus C-2100 erwies sich lange als guter Begleiter und verdrängte schnell die analoge Canon auf das Altenteil. Der Spaß am Hobby Fotografie erwachte neu. Durch meine eigene Ungeschicklichkeit beförderte ich die Kamera nach intensiver Nutzung in den Fotohimmel, da ich bei einem Sturz das Objektiv zerstörte.

Berner Oberland (Olympus C2100)
Die Brücke der Eisenbahnfans (Olympus C2100)
Unordnung im Hafen (Olympus C2100)
Anlegen auf Dänisch (Olympus C2100)

 

Da mein Interesse an der Fotografie durch den Umstieg in die digitale Welt wieder neu erweckt war, überlegte ich die Rückkehr in die Welt der Spiegelreflexkameras. Nach reiflicher Überlegung und in Abstimmung mit dem Sparbuch entschied ich mich jedoch für die Sony R1. Die relativ große Kamera brachte gute Ergebnisse und viel Spaß beim fotografieren. Der Weitwinkelbereich stand mir wieder zur Verfügung. Die R1 war eine sehr gute Anschaffung und ist noch heute einsatzbereit.
Was ist am Ende des Meeres? (Sony R1)
Hafenzugang auf Bornholm (Sony R1)
Der Brocken (Sony R1)
Meine Freundin (Sony R1)

Der Umstieg auf Olympus

Nur, die meisten Amateurfotografen kennen den Effekt, irgendwann wächst der Wunsch nach mehr Megapixeln und mehr Ausstattung. Wieder überlegte ich lange, las ausgiebig Testberichte und besuchte Fotoabteilungen. Das Ergebnis meiner Wahl war für andere Fotofans in meinem Umfeld eine große Überraschung. Ich entschied mich bewusst für die Olympus E-630. Damit hatte ich eine kleine Kamera mit allen erdenklichen Möglichkeiten. Objektive und Zubehör kamen hinzu.

Zwei Jahre später erwischte mich der PEN Micro-Four-Third Virus, gegen den ich erst lange ankämpfte. Ich erwarb eine E-PL1 als Zweitgerät und war überrascht über die Qualität der Ergebnisse. Die E-630 verbrachte viel Zeit im Schrank oder der Fototasche, während die PEN arbeiten musste.

Durch meine PEN-Begeisterung kam noch eine gebrauchte PEN E-P1 ins Haus, die derzeit von meiner ebenfalls fotografierenden Tochter genutzt wird.

Der Objektivpark wuchs, die E-630 durfte gehen und andere Fotofans begleiten. Als Ersatz zog die OM-D M5 bei mir ein. Die E-PL1 wanderte zu meiner zweiten Tochter und in meine Jackentasche kam eine PL3 Die Kamera, meist mit einer Festbrennweite,  habe ich oft dabei, bei gezielten Fotospaziergängen und -einsätzen kommt die OMD zum Einsatz.

Fazit

Rückblickend kann ich sagen, dass viele Anschaffungen nur dem Trend der Zeit und Mode geschuldet waren. Zum Wechsel führten neue Ausstattungen, die meist nur der Bequemlichkeit dienten, wie z.B. Belichtungsautomatik und Autofokus. Um die gleiche, teilweise bessere Bildqualität erreichen zu können, hätten für mich die folgenden Evolutionsstufen bei den Neuanschaffungen gereicht:
– Einstig mit der Agfa Rapid
– die Zeiss Icon Icarex oder die Pentax ME
– die Olympus c2100 oder die Sony R1
– die PEN oder die M5
Für mich ergibt sich daraus die Konsequenz, das Streben nach immer der neuesten Kamera  und der neuesten Superausstattung nicht mehr mitzumachen. Ausgehend von einem soliden hochwertigen Produkt zeigen sich im Nachhinein kaum Unterschiede in den einzelnen Innovationsstufen. Wenn Bilder 10Jahre alt sind, zählt nur noch der Inhalt. Die 100%-Ansicht spielt für mich bei alten Bildern keine Rolle mehr und wird zumindest von mir nur selten benutzt. Ein gutes Bild mit 2Megapixeln fotografiert, bleibt auf einem  60cm x 40cm vergrößerten Abzug noch ein gutes Bild, selbst wenn die Auflösung erkennbar nicht dem heutigen Stand der Technik entspricht.
Ja, höre ich es schon, aber mit der Olycaikonson 1738 mit 555Megapixel wären noch die letzten Details am Grashalm im Schatten erkennbar. Ja, mag sein, aber für das Bild und die Wirkung auf den Betrachter ist dies aus meiner Sicht zweitrangig. Damit möchte ich mich nicht auf die Seite derer stellen, die jedem Fortschritt entgegenstehen. Weiterentwicklung ist erforderlich und gut. Nur als Nutzer der Geräte werde ich nicht mehr jede Innovation sofort mitmachen. Auf der Basis der oben stehenden Erfahrungen werde ich nur noch in längeren Zeitabständen über Neuanschaffungen von Gehäusen oder neuen Systemen nachdenken.

Es sei denn, der „haben will“ Effekt schlägt zu und der Technik-Fan in mir gewinnt mal wieder die Oberhand.

Wie gehen Sie vor? Kaufen Sie immer die neuesten Geräte, oder sind die Kameras nur Mittel zum Zweck und werden länger genutzt? Über Ihre Erfahrungen würde ich mich freuen!

One Reply to “Meine Fotoausrüstung im Wandel der Zeit oder: Brauche ich ständig neue Kameras?”

  1. Hallo Manfred, zuerst mein großes Lob zur HP incl. der Bilder!
    Besondes haben mir die Beiträge zur Wohnmobilsicherheit (Gas) und über den Kamerawandel gefallen.
    Jetzt zum Thema Kamera.
    Ich bin auch sehr spät zu Digitalkamera gekommen und hatte viel Freude an meinen Dias und an den selbstentwickelten SW-Fotos. Den polnischen Vergrößerer habe ich heute noch.
    Eine einfache Sucherkamera war mein Einstieg. Dann folgten diese Minikameras, dann eine Praktia-Spiegelreflex meines Vaters, dann kam der Hammer, eine KONICA T3! Zusätzlich besorgte ich mir einen COKIN-Filtersatz.
    Diese Kamera hat mich über 10 Jahre begleitet. Hatte damals kpl. über 2000DM gekostet. Die Technik war faszinierend und gibt es heute noch im WWW zu lesen!
    Danach erwarb ich 2 Rollei 35, ein Meisterwerk der Feinmechanik, leider nur die Singapur-Variante. Mit diesen wollte ich 3D-Fotos machen.
    Die T3 war sehr robust und wurde nicht geschont. Zweimal fiel sie mir vom Rucksack und es waren keine Bildmacken erkennbar.
    Irgendwann kommt aber doch die Zeit des Wandels und ich erwarb eine Leica R3mot.
    Diese verwendete ich nur mit dem 90er Objektiv, da es mir aus Finanzgründen nicht mehr erlaubte.
    Die SW-Vergrößerungen und die Dias waren phantastisch.
    Danach gabe es noch 3 analoge NIKONs und irgendwann wurde der Kostendruck bei den Bildern zu groß und ich erwarb eine NIKON 5000.
    Ein Shiftobjektiv war auch ein Traum von mir. Konnte ich mir aber auch nicht leisten.
    Heute bearbeite ich die stürzenden Linien mit der Software.
    Früher hatte ich mehr fotografiert, heute knipse ich nur mehr, weil es egal ist.
    Ich hatte immer alle Einstellungen manuell gemacht, heute stelle ich auf P (ohne Blitz) oder gleich auf Vollautomatik.
    Dazu hatte man hunderte von Dias, heute sind es tausende an Digitalfotos.
    Die digitalen Fotos leiden unter der jeweiligen Bildschirmqualität. Dann stimmt auch das Papierformat nicht.
    Dann muss ich alle Bilder komprimieren, sonst ist meine HP gleich voll!
    Die Masse sieht die Qualität sowieso nicht und darum bleibe ich bei der 5000er, bis diese ihren Geist aufgibt.
    Wir haben uns eine neue NIKON für die Hosentasche zugelegt, die inzwischen technisch etwas besser ist als die 5000er.
    Ein Ziel habe ich noch, ich will zu den HDR – Aufnahmen. Die Software habe ich mir besorgt , ein Stativ habe ich noch aus den Analogzeiten, nur die Zeit fehlt mir noch dazu.
    Jedenfalls den Kamerawechseltrend mache ich nicht mit.

    Ich werde öfters hier bei Dir vorbei sehen!

    LG Wolfi

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