Eine Reise mit dem Wohnmobil in die Bretagne, Teil 1

Die Bretagne ist eines der Lieblingsziele der Wohnmobilgemeinde. Auch für mich gehört die Westspitze Frankreichs zu einem gern besuchten Urlaubsziel. In einer kleinen Artikelserie beschreibe ich eine virtuelle Rundreise durch die Bretagne, die aus einer Zusammenfassung unserer Besuche entstanden ist.

 

Die An- und Abreise in die Bretagne

Um die Bretagne bereisen zu können, ist eine lange Anfahrt erforderlich. Gleich am Anfang möchte ich darauf hinweisen, dass nach unserer Erfahrung ein Besuch in diese herrliche Region nur lohnenswert ist, wenn mindestens drei Wochen Zeit zur Verfügung stehen. Dies gilt vor allem für die Startorte im Osten der Bundesrepublik. Wir versuchen immer,  große Entfernungen in mehreren Etappen aufzuteilen und vielleicht unterwegs das eine oder andere interessante Ziel einzubauen.

Mautstellen an der AutobahnAutobahn oder Nationalstraße?

Immer wieder diskutiert wird die Frage der Autobahnnutzung in Frankreich.  Die grundsätzliche Umgehung der Autobahnen lohnt sich aus meiner Sicht nicht, da wir auf einigen Nationalstrassen nur langsam voran kamen. Dagegen rollt man auf den meisten Autobahnen gemütlich ohne viel Verkehr dem Ziel entgegen. Es hängt einfach von der Situation ab, welche Strassen ich wähle.

Dazu noch ein Tipp. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unser 6m langes 3,10m hohes Wohnmobil bei automatischer Messung einige Male in Kategorie 3 eingestuft wurde, während das Personal immer die Kategorie 2 wählt. Ob der nicht von vorn sichtbare Fahrradträger das entscheidenden Kriterium ist, kann ich nicht sagen.

„Hindernis“ Paris

Durch die Ausrichtung der Hauptstraßen auf Paris gehört bei den meisten Anreiserouten die Durchquerung der Stadt dazu. Dieser Teil ist immer eine Besonderheit. Leider passierte es uns zwei mal, das wir am Freitag Nachmittag die Stadt durchqueren mussten. Diese Fahrten gehören zu unseren besonderen Erlebnissen.

Der EifelturmWenn sich im Stau zwei dreispurige Autobahnen zu einer Autobahn mit vier Fahrspuren vereinen, gilt das Recht des Stärkeren. Rücksicht gab es nur selten. Insbesondere die durch die Gassen zwischen den Autos hindurch fahrenden Motorräder brachten meinen Kreislauf auf Touren. Manchmal hätte ich gern einen Knüppel aus dem Fenster gehalten, wenn wieder ein Motorrad mit Minimalabstand an unserm Wohnmobil vorbei flog. Ich empfehle daher, die Stadt möglichst außerhalb der Hauptverkehrszeit zu durchfahren. Leider bekamen wir einmal etwas mehr Schwierigkeiten in der Millionenstadt, als unser Wohnmobil beschloss, dort eine mehrtägiger Pause einzulegen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Unsere meist genutzte Anreiseroute führt über Metz, Reims, Paris. Für Zwischenstopps bieten sich die genannten Städte an. Für Geschichtsbewusste liegen die Schlachtfelder des ersten Weltkrieges bei Verdun fast an der Strecke. Wenn es passt, ist ein Abstecher in die Champagne (Epernay) herum lohnenswert. Dabei kann man gleich einige Autobahnkilometer sparen und die Getränkevorräte stilvoll auffüllen.

Strand bei CabourgVon Paris in die Bretagne

Ab Paris stehen mehrere Varianten zur Auswahl. Wer schnell an das Meer möchte, wählt die Route in Richtung Normandie im Seinetal entlang, Richtung Le Havre oder Caen. Die Bretagne erreicht diese Route in der Nähe von Saint Malo am Mont St. Michel. Diese Route nutzten wir mehrfach. Besonders unsere Kinder genossen einen eingeschobenen Badetag in Cabourg oder Houlgate. Allerdings sind die Badeorte sehr gut besucht. In den Sommerferien kann es schon mal eng werden. In der Nähe von Le Havre wird die Pointe de Normandie, eine wirklich imposante Brücke, genutzt.

Die nächste Alternative führt von Paris nach Chartres und weiter über Le Mans nach Nantes. Hier bietet es sich natürlich an, die Kathedrale in Chartres zu besuchen.  Diese Route empfand ich landschaftlich langweilig, obwohl der Besuch der Kirche sehr lohnenswert war.

Die Route über Orleans und Nantes bietet landschaftlich ebenfalls nicht viel. Jedoch geht die Reise am Tal der Loire entlang. Es bietet sich an, die Reise dort für einen oder zwei Tage zu unterbrechen und den Schlössern der Loire einen Besuch abzustatten. Stellvertretend möchte ich hier nur die Anlagen Chambord, Chenonceau, Blois oder Amboise nennen. Wenn man alle Bauwerke besichtigen möchte, reicht das Programm schon für einen ganzen Urlaub. Bei der Wahl dieser Route besteht die Möglichkeit, Paris zu umgehen und über Troyes und Metz zu fahren.

Amboise an der Loire

Für die Pferdefreunde unter Ihnen habe ich noch einen Tipp, wenn sie eine der Südrouten wählen sollten. In Samur zwischen Angers und Tours liegt die staatliche Reitschule Cadre Noir und kann besichtigt werden. Dort werden Elitepferde und Reiter ausgebildet. Meine Mädchen waren begeistert.

Auf meinen Reisen nutzte ich meist einmal eine nördliche Route auf der Hinfahrt und eine südliche Strecke für die Rückfahrt. Wesentliche Auswirkungen hat das erste und letzte angefahrene Ziel in der Bretagne. In der folgenden Tabelle habe ich die Länge der einzelnen Strecken ab Metz dargestellt.  Als Ziel habe ich immer den ersten Ort an der Küste in der Bretagne verwendet, um die Routen vergleichbar zu machen.

Übersicht der Routen

Route Entfernung Vorteile Nachteile
Metz – Paris – Caen – St. Malo 740km kurz,Kultur Staurisiko Paris, Langweilig
Metz – Paris – Chartres – St Malo 730km kurz, am Meer Staurisiko Paris
Metz – Paris – Tours – Vannes 890 Viele Schlösser Staurisiko Paris
Metz – Troyes – Tours – Vannes 880km schnell, ohne Paris teilweise langweilig

 

Fazit

Sie sehen, egal welche Strecke man wählt, es ist viel zu fahren, um in die Bretagne zu kommen. Die Ideallösung für jeden Leser kann ich hier nicht anbieten. Wichtig ist nur, dass es mit dem Wohnmobil grob 9Std. – 10Std. Fahrzeit von der Grenze einzuplanen sind. Mir ist das für einen Tag zu viel. Deshalb rechneten wir jeweils 3Tage für die An- und Abreise. Schließlich geht es um Urlaub und nicht um eine Flucht.

One Reply to “Eine Reise mit dem Wohnmobil in die Bretagne, Teil 1”

  1. Hallo,

    Paris muß man nicht durchqueren, wenn man sich etwas auskennt. Bruflich bedingt, war ich etwas über 1000 !!! mal dort ( Uni Evry ). Ich fahre, aus dem Großraum Rhein Main kommend, über Luxemburg, Metz, Nancy, Autobahnen Kostenlos bis Nancy. Kurz vor Nancy entscheide ich mich, kürze ich über nebenstrecken etwa 30 Km ab, fahre aber dafür 40 Minuten länger, oder fahre ich die Autobahn bis Nancy, 30 Km mehr, aber wesentlich flotter, besonders bei etwas höherem Verkehrsaufkommen.
    Hier, bei Nancy kann ich auf der N4 direkt von Osten nach Westen auf der Nationalstraße 4, welche fast durchgehend 4 Spurig wie eine Autobahn ausgebaut ist, und –Kostenfrei!
    Die Strecke geht bis Vitry Le Francois 4 Spurig, danach ist die Strecke etwa 60 Km nur noch 2 Spurig, ist aber gut und fliesend zu fahren. Auf die eine oder die andere Radarfalle ist in jedem Falle zu achten. Bei Chaumes en Brie geht es auf die „Südumfahrung“ von Paris. Das Navi hilft hierbei, An Paris vorbei, immer in Richtung Bordeaux, geht es, mit etwas Glück in ungefähr 30 Minuten, bis zur A 10. Das wäre dann die Autobahn in Richtung Chartres, Les Mans, Bordeaux. Hier kann man sich entscheiden, weiter bis Versailles und über Nationalstraßen bis in die Bretagne, oder die Autobahnen. Z.B. über Le Mans oder Rennes, oder z.B. Fougeres und Le Mont ST Michel.
    Man kann also völlig Kostenfrei bis in die Bretagne gelangen. Die Routen sind gut und flüssig befahrbar. Das bedeutet, das man nicht mehr als 2- 2 1/2 Tage unterwegs sein wird, wenn man das möchte!
    Allerdings wird man auf dem Weg durch die Champagne mit einem landschaftlich sehr schönen Teil Frankreichs belohnt! Und, so man denn möchte,. im Champagnerland, auch der Gaumen gut belohnt!
    Diese Strecke bin ich sehr oft gefahren. Sie ist abwechslungsreich und nicht so eintönig wie die Autobahn. Und das diese Strecke kleine Teile 2 Spurig verläuft, stört im Grunde nur bei der Planung und auf dem Papier!
    Stellplätze und / oder Campingplätze findet man an dieser Strecke ausreichend. Den Zustand kann ich nicht beschreiben, da wir fast immer nur in Ligny en Barrois im Kanalhafen übernachteten. (Stellplatz kostenlos Mit fast direktem Kontakt zur Boulangerie, wegen der frischen Baquettes und Croisants)
    Und nun viel Vergnügen, dem der es ausprobieren möchte!

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