Eine Reise entlang des Götakanals

Bei allen unseren Aufenthalten in Schweden besuchten wir den Götakanal an vielen Häfen und Schleusen. Insbesondere für Wohnmobilurlauber lohnt sich eine Reise entlang des Kanals.Wie an vielen Stellen in Schweden sind es nicht die großen bedeutenden Sehenswürdigkeiten, sondern viele interessante Kleinigkeiten, die den Besuch abwechslungsreich gestalten.

Dieser Reisebericht schildert eine Reise, die so niemals stattfand. Wir besuchten alle Kanalabschnitte auf unserern Reisen durch Schweden. Aus unseren Erlebnissen auf vielen Reisen entstand diese fiktive Reiseschilderung.

Die Geschichte des des Wasserwegs durch Schweden

Bereits im 18. Jahrhundert erfolgte der Bau des Trollhättekanals, der unter weitgehender Nutzung des Flusses Göta Älv bis Trollhättan reichte. Erst 1800 überwand man den Wasserfall in Trollhättan mit einer in den Fels gehauenen Schleusentreppe. Damit bestand ein Wasserweg bis zum Vänernsee, dem größten Binnensee in Westeuropa.

Der Leiter des Trollhättekanals, Baltzar von Platen, hatte die Idee, den Wasserweg bis zur Ostsee zu verlängern. In einem ersten Schritt wurde die Kanalstrecke vom Vänern zum Vättern gebaut. Die Errichtung erfolgte überwiegend durch schwedische Soldaten. 1822 feierte man die Eröffnung dieses Teilstücks in Hajstorp. Die Fertigstellung des letzten Abschnitts 1832 von Motalla bis Mem erlebte von Platen nicht mehr.

Zur damaligen Zeit stellte der Kanal eine große Ingenieurleistung und eine große Kraftanstrengung dar. Insgesamt musste ein Höhenunterschied von 92m überwunden werden. Dazu bauten die Errichter insgesamt 58 Schleusen.

Durch die fortschreitende technische Entwicklung verlor der Kanal schnell seine wirtschaftliche Bedeutung. Heute wird der Kanal nur noch im Sommer zu touristischen Zwecken genutzt. Nur der Trollhättekanal dient noch zur Frachtbeförderung und wird regelmäßig von Handelsschiffen befahren

Von Göteborg zum Vännern

Unsere Tour beginnt in Göteborg am Hafen. Hier mündet der Fluss Göta Älv in das Meer. Und gleichzeitig beginnt hier der Wasserweg quer durch das Land. Der Fluss, mit 90km Länge ist es der längste Fluss Schwedens, wird für die Schifffahrt bis zum Vänern genutzt. Dazu baute man in Lilla Edet eine Schleusenanlage.

Göteborg, Lipstick vom alten Hafen aus gesehen

Im alten Teil des Göteborger Hafens befindet sich der Anleger der Kanalschiffe, die im Sommer regelmäßig die Wasserstraße befahren.

Der erste wasserbautechnische Höhepunkt befindet sich in Trollhättan.  Dort muss der Kanal die bekannten Wasserfälle überwinden und den Schiffen den Aufstieg zum Vänernsee ermöglichen. Da man die Schleusentreppen im Laufe der Geschichte drei mal umbaute, kann der Besucher heute die Überbleibsel der alten Schleusentreppen und die modernen Schleusen besichtigen. Das Gelände ist sehr gut für Besucher erschlossen. Wenn man Glück hat, kann man erleben, wie ein gerade in die Schleusen passendes Frachtschiff den Höhenunterschied überwindet.

 

An den schleusen gibt es ein Cafe sowie ein kleines Museum. Durch den Bau der Schiffstreppen legte man den ursprünglichen Wasserfall trocken. In den Sommermonaten öffnet man einmal am tag die Schieber und leitet das Wasser auf dem ursprünglichen Weg über den Wasserfall. Das Spektakel findet in der Regel am Nachmittag statt. Informationen zu den genauen Zeiten findet man auf den Webseiten des Touristikbüros.

Wasserfall in Trollhättan

Nach Trollhättan erreicht unser Wasserweg bei Vännersborg den Vänern, europas drittgrößten Binnensee. Am See liegen viele für Besucher interessante Orte. Bei entsprechendem Wetter besteht an den Stränden die Möglichkeit, einen Badetag einzulegen.

Unsere Reise führt über Lidköping mit dem Schloss Läckö und der Porzellanmanufaktur weiter nach Sjötorp, wo der eigentliche Götakanal in Västergötland beginnt. Gleich zu Anfang sind die ersten typischen Kanalschleusen zu finden. Sjötorp ist gut für Touristen erschlossen. es gibt einige Restaurants und ein Kanalmuseum im Hafen.

Von Sjötorp nach Karlsborg

Die Schleusen am Kanal sind immer einen Besuch wert. Für mich war es oft ein kleines Vergnügen, den Sportbooten zuzuschauen. Insbesondere die deutschsprachigen Besatzungen boten durch die Diskussionen über die richtigen und falschen Manöver in der Schleuse eine gute Unterhaltung. Einige Male fragte ich mich, ob es für eine Ehe förderlich ist, eine Bootstour durch den Kanal zu unternehmen.

Für sportliche Besucher beginnt in Sjötorp der schöne Radweg immer am Kanal entlang bis nach Karlsborg. Die Gesamtstrecke beträgt ca. 75km.  Dabei sind nur geringe Höhenunterschiede an den Schleusen zu überwinden. Räder können in vielen Orten am Kanal ausgeliehen werden.

Am Götakanal

Weiter geht unsere Reise zu den zwei Doppelschleusen in Hajstorp. Die Wohnmobilfahrer sollten sich nicht von den Verbotsschildern an den Zufahrtstrecken (2,5to) abschrecken lassen. Die Beschränkung gilt nur für die alte Kanalbrücke. Die Brücke wird immer zur Seite geschoben, wenn Schiffe in die Schleusen einfahren.

 

In dem keinen Örtchen kann man gut erleben, wie es zur Zeit des Kanalbaues aussah. Die Gebäude sind meist im Ursprungszustand erhalten. Es gibt im ehemaligen Schleusenwärterhaus ein kleines Cafe und im Sportboothafen einen Stellplatz für vier Wohnmobile. Im Sommer übernachten an manchen Tagen die alten Kanalschiffe in Hajstorp.

Mit Törreboda erreichen wir einen größeren Ort mit einem Wohnmobilstellplatz. Als erstes fällt ein großes Getreidesilo auf. Der Kanal bietet hier eine witzige Besonderheit. Eine kleine Fähre, zumindest die kleinste Fähre die ich kenne, transportiert regelmäßig Radfahrer und Fußgänger über den Kanal. Der Antrieb erfolgt mit Muskelkraft mit Hilfe eines Seiles. Wer in der Gegend unterwegs ist, sollte sich die Kuriosität nicht entgehen lassen und eine Fahrt mit der Lina unternehmen.

Töreboda Fähre

Der nächste sehenswerte Ort am Kanal ist die kleine Siedlung Tatorp. Hier endet die Kanalstrecke vorläufig, denn der See Viken, zugleich der höchste Punkt des Kanals, ist erreicht. Die Schleuse in Tatorp hat die Besonderheit, dass hier die Schleusentore noch wie früher überall üblich, mit der Hand bedient werden. Wer nett fragt, darf vielleicht dem Schleusenwärter bei der kräftezehrenden Tätigkeit helfen und im Kreis laufend ein Tor zu öffnen oder zu schließen. Für Wohnmobilfahrer besteht hier die Möglichkeit, zu übernachten.

 

Am Ende des Sees Viken führt ein kurzes Kanalstück nach Forsvik. Dort befindet sich die älteste Schleuse des Kanals. Der Bau des Wasserwegs begann in dem alten Sägewerks- und Schmiedeort.
Immer wenn eines der Kanalschiffe die Schleuse passiert, begrüßt ein kleiner Chor das Schiff und die Gäste mit Folklore und religiösen Liedern. Für die Besucher gibt es einen Wohnmobilstellplatz und ein Café an der Schleuse. Weiterhin können die alten Werkstätten besichtigt werden.

 

Unser Wasserweg hat jetzt die Höhe des Vätternsees erreicht. Vor der Überquerung des Sees liegt nur noch  Karlsborg. Die Stadt ist bekannt für die große Festungsanlage aus dem 19. Jahrhundert. Gebaut wurde die Anlage, um ein Ausweichquartier für die Regierung zur Verfügung zu haben. Es ist eines der größten Festungsbauwerke in Europa.

Für mich war jedoch immer der Sportboothafen und das Gebiet um die Klappbrücke spannender. Es gibt immer etwas zu sehen. Im Sommer wird die Brücke regelmäßig zur vollen Stunde geöffnet. Nur für die fahrplanmäßig verkehrenden Schiffe gibt es Ausnahmen. Am Hafen findet man natürlich auch einen Kaffee oder ein Mittagessen. In der Nähe liegt ein schöner Campingplatz. Wer Glück hat, kann einen Stellplatz direkt am Wasser erwischen.

Karlsborg an der Klappbrücke

Die Schiffe überqueren anschließend den Vättern. Die nächste Kanalstrecke beginnt  wieder in Motala. Für die Autofahrer steht ein größerer Umweg an. Falls man dem Kanal folgen möchte, empfehle ich, den See nördlich zu umrunden und dem Naturreservat Tiveden ganz in der Nähe von Karlsborg einen Besuch abzustatten. Das Gebiet eignet sich hervorragend für eine Wanderung.

Vom Vättern zur Ostsee

In Motala befindet sich die Zentrale des Kanals. In zwei kleinen Gebäuden am Kanal befindet sich ein Museum, dass sich mit der Geschichte des Kanals beschäftigt. Motala ist sicherlich die Stadt, die den größten Vorteil durch den Bau hatte. Erst der Wasserweg ermöglichte die Entwicklung zur Industriestadt. Für kulturinteressierte ist ein Abstecher nach Vadstena mit dem Kloster der heiligen Birgitta und dem Schloss empfehlenswert.

Von Motala ist es nur ein kurzes Kanalstück bis zur zweitgrößten Schleusentreppe des Kanals in Borenshult. Eie Anlage führt den Kanal hinab auf die Höhe des Borensees. Wieder wurde ein See in die Route einbezogen. Erst in Borensberg beginnt wieder die Kanalstrecke. Dort befinden sich wieder handbediente Schleusen und das als Fotomotiv bekannte Göta Hotell direkt am Ufer des Kanals.

Weiter geht des durch die landwirtschaftlich geprägte Landschaft Västergötlands. Als nächsten Höhepunkt erreicht der Kanal Berg. Hier überwindet der Kanal in zahlreichen Schleusenkammern einen Höhenunterschied von ca. 40m hinab zum See Roxen. Die in zwei Anlagen geteilte Schleusentreppe mit Gästehafen in der Mitte ist ein vielbesuchtes Ausflugsziel. Die nahe Autobahn führt dazu, dass auch viele Durchreisende einen Zwischenstopp mit Schiffsbeobachtung einlegen.

 

Natürlich ist das Schleusengebiet gut auf Besucher eingestellt. Es gibt alles, was ein Tourist benötigt. Für Wohnmobile gibt es einen Stellplatz an der Schleuse. Da die Schleusenvorgänge einige Zeit in Anspruch nehmen, ist im Sommer immer etwas zu sehen. Man kann gut mit den Schiffen mitlaufen und die Manöver beobachten. Für Badelustige gibt es eine Badestelle direkt neben den Schleusen im See Roxen.  Unsere Kinder fanden das Wasser jedoch immer zu kalt zum Baden.

In diesem Gebiet spielt der bekannte Krimi mit Kommissar Beck und seiner Mannschaft, die hier versucht, das Rätsel um „Die Tote vom Götakanal“ zu lösen. Als Einstimmung auf eine Reise kann ich das Buch empfehlen, da die Stimmung auf den Kanalschiffen gut beschrieben wird.

 

Leider enden hier meine persönlichen Erfahrungen aus Besuchen am Kanal. Meine Reise entlang des folgenden Abschnitts bis Mem liegt zu lange Zeit zurück. Deshalb folgt ich hier der Vollständigkeit halber nur noch eine kurze Wegbeschreibung.

Bei Norsholm verlässt der Kanal wieder den See Roxen und ein weiteres Kanalstück folgt. Bis Söderköping folgen weitere Schleusen, die insgesamt 25m Höhenunterschied überwinden. Kurz vor der Stadt gibt es zwar viele dicht beieinander liegende Schleusen, aber keine mit Berg vergleichbare Schleusentreppe. In Mem erreicht der Kanal einen fjordähnlichen Arm der Ostsee.

Über die Ostsee und durch den Schärengarten erreichen die Schiffe dann Stockholm. Die alten Kanalschiffe legen dann direkt in der Altstadt an. Die Autofahrer erreichen von Mem über die Autobahn viel schneller und einfacher die schwedische Hauptstadt. Damit haben wir Schweden auf dem Götakanal durchquert.

Zusammenfassung meiner Eindrücke

Um es gleich noch einmal zu sagen, wir besuchen den Kanal, insbesondere den Abschnitt in Västergötland immer wieder gern. Die landwirtschaftlich geprägte Landschaft mit Feldern, Wäldern und Seen zieht uns immer wieder an. Wer jedoch große und bedeutende Sehenswürdigkeiten sucht, ist in dieser Region falsch. Dafür kommt man gut erholt zurück.

Zu beachten ist, dass das Wetter in Schweden auch im Hochsommer sehr wechselhaft sein kann. Wir haben schon 3 Wochen ohne jeden Regentropfen bei Tageshöchsttemperaturen um 25Grad C erlebt. Ebenso gab es eine Woche mit täglichen Regenschauern bei18Grad C. Für Sonnenanbeter gibt es bessere Ziele.

Die Bewohner sind gastfreundlich und nett. Allerdings sollte man wie überall in Schweden nie ein Gespräch in Deutsch beginnen. Ein paar Brocken Englisch oder sogar einige aufgeschnappte Worte Schwedisch erleichtern den Erstkontakt wesentlich. Dann kann es sein, dass der Gegenüber sogar einige Brocken Deutsch versteht. Wenn das Gespräch erst einmal begonnen hat, geht es notfalls mit Händen und Füßen und einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Schwedisch weiter.

Mit Wohnmobilstellplätzen und Campingplätzen machten wir gute Erfahrungen. Die Ausstattung ist meist einfach und zweckmäßig. An Sauberkeit fehlt es nicht. Die Preise sind für unsere Verhältnisse eher hoch. Dies gilt jedoch nicht nur für die Übernachtung. Ein billiges Urlaubsland für Schnäppchenjäger ist Schweden nicht.

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3 Kommentare zu “Eine Reise entlang des Götakanals

  1. Hallo Madie,
    kannst Du sagen, wie teuer eine Kanalreise mit den Kanalschiffen ist? Übrigens, ein schöner Bericht!

    Viele Grüße
    Erika

  2. Hach, Schweden hat was, aber Norwegen ist doch um einiges schöner 😛
    In göteborg war ich auch schon, und hoffentlich gehts im Sommer nach Stockholm 🙂

    • Stockholm im Sommer ist eine meiner Lieblingsstädte. Kann ich nur empfehlen. Ein Bummel ohne Ziel durch die Altstadt und eine Fahrt in die Schären gehören auf jeden Fall dazu.

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