Fährschiffe – Die Verbindung Calais – Dover

Wer schon mehr in meinem Blog gelesen hat, kennt mein Interesse an Schiffen und Seefahrt. So ist es nicht verwunderlich, dass ich mir den Fährverkehr in Calais und Dover im Rahmen unserer Englandreise genauer ansah. Es gab Fährschiffe satt.

Aktualisierung:
Der folgende Artikel ist veraltet. Bei den Fährlinien gab es Veränderungen und die Flüchtlingskrise traf Calais hart. Zu gegebener Zeit folgt ein aktueller Artikel über die Verbindungen nach England.

Zwischen Calais und Dover verkehren drei konkurrierende Fährgesellschaften. Platzhirsch ist die englische Gesellschaft P&O Ferries.  Insgesamt verlassen Calais täglich ca.  40 Fähren in Richtung Dover.

Fährgesellschaften auf der Linie Calais – Dover

P&O
Die englische Fährgesellschaft bedient noch weitere Linen zwischen dem europäischen Festland und der britischen Insel. Auf der Hauptroute sind 5 Schiffe im Einsatz. Je Richtung kann der Reisende zwischen 25 Abfahrten wählen. Davon sind zwei Fähren fast neu. Die beiden Schiffe Spirit of Britain und Spirit of France entstanden zwischen 2010 und 2012. Es handelt sich um die größten auf dem Kanal eingesetzten Schiffe.Zur Zeit im Einsatz sind die folgenden Schiffe:
Spirit of France , Spirit of Britain, Pride of Kent, Pride of Canterbury, Pride of BurgundyDFDS Seaways
Die dänische Gesellschaft nahm den Kanalverkehr erst 2012 auf. Eingesetzt werden zwei Schiffe mit fünf täglichen Abfahrten.

Zur Zeit setzt DFDS die folgenden Fähren ein:
Calais Seaways und Dieppe Seaways

My Ferry Link
Nach dem Konkurs der Seafrance übernahmen ehemalige Mitarbeiter von Seafrance die Fährlinie in der Form einer Genossenschaft. Die drei Schiffe der Gesellschaft gehören der Eurotunnel-Gesellschaft, die die Schiffe an My Ferry Link verchartert hat. Je Richtung gibt es täglich 8 Abfahrten.

Aktuell sieht die britische Wettbewerbsbehörde, eine mit dem deutschen Kartellamt vergleichbare Behörde, durch das Mietmodell eine Gefahr für den freien Wettbewerb und untersagte den Betreibern das Geschäftsmodell. Derzeit läuft ein Berufungsverfahren. Der Betrieb geht bis zur Entscheidung unvermindert weiter.

Eingesetzte Fähren:
Rodin, Berlioz und Nord Pas-de-Calais

 

 

Fährhafen Calais

In Calais hatte ich Gelegenheit, einige Zeit an der Hafenmole und am Leuchtturm zu verbringen. Von dort ist der rege Verkehr gut zu beobachten.  Anfangs verwunderte es mich, dass kurz hintereinander ein Schiff jeder Gesellschaft den Hafen verließ. Danach trat erst einmal Ruhe ein, bis kurz hintereinander wieder mehrere Fähren den Hafen erreichten.

Ich überlegte, weshalb die Abfahrtzeiten bei konkurrierenden Unternehmen nicht stärker entzerrt abgewickelt wird. Irgendwann wurde mir klar, dass dies den Verhältnissen geschuldet ist. Alle Fähren wenden nach dem Ablegen in  Calais im Hafenbecken. Von Beginn des Manövers bis zum Verlassen des Hafens ist kein Gegenverkehr möglich. Es scheint so, dass daher die Schiffe nacheinander wenden und auslaufen.

Dies Vorgehen wirkt sich an anderer Stelle nachteilig aus. Vor der Abfahrt von drei Schiffen innerhalb von 45 Minuten ballen sich die Fahrzeuge an den Abfertigungsschaltern. Später bei der Ankunft in England erlebten es mit, dass das gleichzeitige Entladen von drei Schiffen  zu einem Verkehrschaos führte

 

Zurück nach Calais und zu meinen Beobachtungen an der Hafenmole. Auffällig war, der unterschiedliche äußere Zustand der Schiffe. Später hörte ich in einen Bericht der BBC, dass auf einige der Fährlinien größere Investitionskosten zukommen, da erhebliche Umbauten erforderlich sind, um die neuen Abgasnormen einzuhalten. Nach dem Bericht stehen die Werfttermine für die älteren P&O-Fähren bereits fest. Dies würde den mäßigen äußeren Zustand einiger Schiffe erklären.

 

In Frankreich steht landseitig sehr viel Platz für die 9 Fähranleger und die entsprechenden Warte- und Zufahrtspuren zur Verfügung. Die Schiffe legen alle mit dem Bug voran an den Brücken an. An der Seite gibt es jeweils einen Turm für die Fußgänger.

Die Fähren und die Hafenanlagen sind so angelegt, dass die Be- und Entladung der Fahrzeuge gleichzeitig auf zwei Ebenen erfolgen kann. Da in Calais nicht an Platz gespart wurde, fielen die Anlagen großzügig aus. Für die Fahrgäste gibt es keinerlei Orientierungsschwierigkeiten auf dem Gelände. So fanden wir bei unserer Überfahrt ohne Schwierigkeiten die Spur 132.

Unsere Überfahrten

Im Rahmen unserer Englandreise überquerten wir den Kanal mit der Fährgesellschaft P&O. Auf der Hinfahrt übernahm die Spirit of France die Aufgabe, uns sicher nach England zu bringen. Durch die gelungene Ausstattung mit reichlich Sitzmöglichkeiten, Restaurant, Bar und Shop empfanden wir die Überfahrt als erholsam, obwohl sich sehr viele PKW an Bord befanden. Besonders gut gefiel uns der Aufenthalt in der Bar an der Front des Schiffes.

Ganz anders war unsere Rückreise. Der Pride of Burgundy merkte man das ältere Baujahr deutlich an. Obwohl sich an dem Mittwoch nur sehr wenige PKW und Wohnmobile zwischen den LKW transportiert wurden, fanden wir den Aufenthalt auf dem Schiff ungemütlich. Die Restaurants und Einrichtungen versprühten keine Gemütlichkeit. Auch das Außendeck machte einen lieblosen Eindruck. Das SB-Restaurant versprühte den Charme früherer Jahre. Allerdings möchte ich die Messlatte an die Ausstattung nicht zu hoch legen, denn die Schiffe dienen überwiegend dem LKW-Verkehr.

Auf beiden Überfahrten konnten wir gut beobachten, dass die Fähren den Kurs so wählten, dass der Verkehr auf dem Kanal nicht behindert wird. Allerdings kamen die Nautiker dabei zu unterschiedlichen Routen. Während eine Fähre die Route so wählte, dass die Hauptverkehrsroute noch vor einem Schiff gequert wurde, nahm eine nur unwesentlich später gestartetes Schiff den Weg hinter dem Schiff entlang. Durch diese unterschiedlichen Wege entstand ein großer Abstand zwischen den Schiffen. Bei der Einfahrt in Dover betrug der Abstand wieder nur wenige Meter.

Noch ein Hinweis für die nicht ganz Seefesten unter den Lesern. Bei beiden Überfahrten zeigte der Kanal nur wenig Wellen. Den Seegang bemerkte man kaum.

Dover

Die Verhältnisse im Fährhafen Dover sind auf dem Wasser eher großzügig, während es an Land sehr eng und unübersichtlich zugeht. Die Schiffe aus Frankreich legen mit dem Heck voran an dem Anleger an. Da die einzelnen Brücken sehr dicht nebeneinander sind, befindet sich der Ein- und Ausstieg für Fußgänger ebenfalls hinten auf dem Schiff. Um den Zugang sicherzustellen, baute man einen extra Gang hinten auf die Schiffe.

 

Landseitig herrscht geländebedingt eine große Enge. Bei der An- und Abfahrt sind Konzentration und gute Nerven gefordert. Allerdings finden derzeit große Baumaßnahmen statt. Vielleicht werden die geforderten Fahrwege danach übersichtlicher.

Mit dem Wohnmobil auf die Fähre

Abschließend möchte ich noch kurz auf das Thema Wohnmobil und die Fähren eingehen, da sich die Besatzungen vor einer Überfahrt oft Sorgen machen.  Entgegen anderer Fährlinien gibt es für die Dickschiffe keinerlei Hindernisse, da die Fähren für starken LKW-Verkehr ausgelegt sind.

Die Rampen und Zufahrten auf das Schiff sind so gestaltet, dass keinerlei Risiko besteht, mit einem langen Überhang hinten aufzusetzen. Die Fahrspuren an Bord verfügen über eine entsprechende Breite für unsere rollenden Häuser. Rangieren an Bord war nicht erforderlich, zum Ein- und Aussteigen reichte der Platz gut aus.

Wenn jedoch eine Familie einen SUV besteigt, die Türen anschließend nicht schließt und damit den Zugang zu weiteren Fahrzeugen blockiert, kann es sein, dass ein Trucker deutliche Worte für das Verhalten findet. Wir konnten uns ein Grinsen nicht verkneifen.

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