Ein Erbe mit Folgen oder Bilder beschriften ist sinnvoll

In den letzten Jahren war ich leider gezwungen, drei Haushalte der Familie aufzulösen. Beim Sortieren des Hab und Guts fand ich in jeder Wohnung eine oder mehrere Kisten mit alten Bildern. Sogar die sprichwörtliche Zigarrenkiste war dabei. Zum Schluss befanden sich fast 600 alte Bilder in meinem Besitz.

Manche Bilder kannte ich, manche Personen konnte ich zuordnen, manche Gesichter hatte ich nie gesehen. Was tun, um die Vergangenheit meiner Familie nicht weiter verstauben zu lassen?

moderne Landwirtschaft

Das große Sortieren begann. Auf meinem Schreibtisch lagen weit verteilt die ganzen Werke. Langsam aber sicher verlor ich den Überblick. Die Sortieraktion scheiterte. Nach der ganzen Arbeit blieben nur 2 Stapel übrig. Bilder mit bekannten Inhalt und Bilder mit mir unbekanntem Inhalt. Die ganze Familie beteiligte sich. Einzelne Bilder erhielten eine Beschriftung auf der Rückseite.

Die nächste Idee war,  je Sammlung ein Album  anzulegen.  Ich begann, die erste Sammlung entsprechend vorzubereiten. Das Ergebnis begeisterte mich nicht, da zu viele Bilder aussortiert werden mussten.

Angespannt ist..,

Nach weiteren Überlegungen beschloss ich, die Bilder zu digitalisieren und dann mittels Lightroom zu verwalten. Immer wenn es mir meine Zeit erlaubte, scannte ich Bilder. Sobald ich am Schreibtisch saß, lief nebenbei der Scanner. Die entstandenen Dateien importierte ich in einen getrennten Lightroom-Katalog. Die mir bekannten Personen und Ereignisse kennzeichnete ich mit Schlagwörtern. Besondere, klar zuzuordnende Bilder erhielten eine Bildbeschreibung.

Am Ende dieser Aktion hatte ich ca. 300 Bilder identifiziert. Leider standen noch 300 Bilder auf Status Inhalt klären.

Im Rahmen der Verschlagwortungsaktion begann ich, einzelne Bilder zu bearbeiten. Es erstaunte mich, was aus den Bildern noch herauszuholen war. Selbst die kleinen 4x4cm Bildchen erlaubten eine leichte Vergrößerung. Eine Anpassung des Kontrasts brachte noch Verbesserungen, insbesondere wenn es um die Erkennbarkeit von Personen ging. Die gesamte Aktion zog sich mittlerweile über zwei Monate hin.

Der nächste Schritt war die Klärung der unbekannten Inhalte. Jetzt ging es los, die Bilder herumzuzeigen. Dazu lud ich die Bilder auf mein Ipad und nutzte jede Gelegenheit, vorrangig die ungeklärten Bilder zu zeigen. Durch diese Aktion konnte ich ca. 100 weitere Bilder identifizieren. Ab und an entdecke ich Orte, die vor vielen Jahren den Hintergrund abgegeben haben könnten. Auch heute noch gibt es fast 200Aufnahmen, vorrangig sehr alte Bilder, die sich nicht zuordnen lassen.

Einen Erfolg der Aktion konnte ich schon verbuchen. Zu einer Fotoausstellung zum 1000jährigen Bestehen meines Heimatortes konnte ich viele Bilder beisteuern. Obwohl alle Familienmitglieder mit der Aktion einverstanden waren, blieb bei mir ein kleines Magengrummeln, da die Verjährung des Urheberrechtes und bei einigen Bildern noch nicht erreicht war.

Meine Lehre aus der Aktion war es, meine Fotos mit Erinnerungswert und die Bilder der Familie sauber zu kennzeichnen und für die Nachwelt nutzbar zu halten. Wenn dies bei jedem Import gleich erledigt wird, ist der Mehraufwand gering. Weiterhin rate ich, mit den Senioren der Familie mal deren Sammlungen durchzugehen und die besonderen Schätze zumindest kurz zu beschriften. Nur so kann man verhindern, dass aus den Erinnerungen der Vorfahren nur bedeutungslose alte Bilder von irgendwelchen Menschen werden.

Zum Schluss eine Entdeckung der besonderen Art: Auf einem Klassenbild um 1930 entdeckte ich, dass über die Hälfte der Gesichter leicht durchgestrichen waren. Mittlerweile kenne ich den traurigen Hintergrund. Alle durchkreuzten Personen verstarben im Laufe des zweiten Weltkriegs. Da wird man beim Betrachten sehr nachdenklich.

Mittlerweile hat es sich in der Familie herumgesprochen, dass ich die alten Bilder pflege und archiviere. So ist es nicht verwunderlich, dass eine weitere Kiste mit Erbstücken bei mir landete. Die bearbeiteten Bilder befinden sich auf vielen Rechnern unserer erweiterten Familie. Insgesamt hat sich die Arbeit gelohnt, ein Stück Familiengeschichte konnte so gerettet werden.

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