Die Gasanlage, Wohnmobiltechnik für Anfänger

In der kleinen Serie „Wohnmobiltechnik für Anfänger“ geht wieder einmal um Energie. Dank der Gaseinbauten müssen wir nicht frieren und verfügen über eine Kochmöglichkeit. Leider hat das Gas eine schlechten Ruf, denn es kann explodieren.

Der Gaskasten, Vorratsraum und Zentrale

Die meisten Wohnmobile verfügen über einen nur von außen zugänglichen Gaskasten mit Platz für zwei 11kg-Gasflaschen. Gleichzeitig ist die Zentrale der Gasversorgung dort untergebracht. Die Vorschriften und Technischen Regeln stellen einige Anforderungen an den Gaskasten. So muß der Kasten zum Fahrzeuginneren abgedichtet sein und eine Entlüftung bestimmter Größe besitzen. Für die Gasflaschen sind Halterungen vorhanden, um die Flaschen verzurren zu können.

Der richtige Druckminderer sorgt für Komfort

Um den Druck der Gasflschen auf den Nenndruck unserer Gasgeräte zu reduzieren, ist in der einfachsten Ausführung ein Druckregler direkt an der Gasflsche angebracht. Bei Neu- oder Ersatzbeschaffung ist zu beachten, dass es Gasanlagen mit 30mbar und 50mbar Nenndruck gibt. In der letzten Jahren werden die meisten Campingfahrzeuge mit 30mbar Anlagen gebaut. Vorsicht, viele Gasgrills arbeiten mit 50mbar! Die Verbindung vom Druckregler zum Fahrzeugnetz erfolgt mittels eines Spezialschlauchs. Beide, Schlauch und Regler dürfen nicht über 10 Jahre alt sein. Mit dieser Regelung soll das Risiko von Beschädigungen gesenkt werden. Die einfache Technik ist sehr zuverlässig, hat aber viele Nachteile. Sobald die erste Flasche verbraucht ist, muß der Druckminderer auf die Reserveflasche umgesetzt werden. Dies führte in unsrer Anfängerzeit mehrfach dazu, dass ich mitten in der Nacht bei Regen das Wohnmobil verlasen mußte. Angenehm war es nie. Weiterhin ist es nicht zulässig, diese einfache Ausführung während der Fahrt zu betreiben. Doch dazu später mehr. Besser und viel bequemer ist es, Druckregler mit automatischer Umschaltung einzusetzen, die einige Hersteller anbieten. Die Geräte erkennen, das die Flasche leer ist und schalten automatisch um. Je nach Ausführung erfolgt bei einigen Geräten eine Anzeige im Wohnteil und informiert die Besatzung.

Sind Gasfilter erforderlich?

Sobald das Thema Gasfilter angesprochen wird, beginnt die Diskussion. Von Geldschneiderei bis zu unbedingt erforderliches Zubehör reichen die Aussagen. Wenn ich die Diskussionen im Netz verfolge und meine eigenen Erfahrungen einbringe, so ergibt sich für mich das folgende Bild. So lange die einfachen Druckminderer für 10€ eingesetzt werden, gibt es keinen Grund, einen teuren Filter einzubauen. Ich kenne bisher keinen Fall, bei dem Verunreinigungen im Gas zum Ausfall des Reglers führten. Ganz Vorsichtige können ja zusätzlich einen Ersatzregler mitführen. Ganz anders stellen sich die Ausfälle bei automatischen Reglern dar. Die hohe Zahl der Ausfälle führten im Netz zu massiven Vorwürfen gegen den Marktführer Truma. In allen Fällen soll verschmutztes Gas die Ausfälle verursacht haben. Aus meiner Sicht ist es durchaus denkbar, dass die Regler mit automatischer Umschaltung und Crashsensor sehr viel empfindlicher auf Verunreinigungen reagieren. Für mein Fahrzeug habe ich mich entschieden und die erforderlichen zwei Filter eingebaut.

Crashsensor oder Handbetrieb

Alle Wohnmobile mit einer  Fahrzeuge haben GlückErstzulassung nach dem 1.1.2007 benötigen einen Crashsensor, wenn die Gasflaschen während der Fahrt geöffnet bleiben sollen. Die Besitzer älterer Fahrzeuge haben Glück, eine Nachrüstpflicht besteht nicht. Da wir auch im Winter unterwegs sind, ist es für uns wichtig, während der Fahrt die Heizung betreiben zu können. So mussten wir in den sauren Apfel beißen und einen Crashsensor installieren. Auf dem Markt gibt es noch meinen Erkenntnissen nur 2 Produkte, die die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.  Truma bietet ein mechanisches System an. Bei einem Unfall verschließt eine Kugel den Gasdurchfluss. Beim System der Fa. TGO erkennt eine Elektronik den Anprall und verschließt dann die Ventile elektrisch. Die Preise liegen zwischen 180€ und 220€. I m Preis ist dann auch die automatische Flaschenumschaltung enthalten. Zusätzlich wird je Gasflasche ein Verbindungsschlauch mit Bruchsicherung benötigt.

Rote Flaschen, graue Flaschen oder doch „Tankflaschen“

Spätestens nach der Abholung des Neuen stellt sich die Frage, welche Gasflaschen beschafft werden sollen. Im Baumarkt oder Gashandel warten graue und rote Flaschen auf Kunden.- Der Inhalt und der Anschluss sind gleich, dennoch gibt es einen großen Unterschied. Die graue Kaufflasche  wechselt den Besitzer und geht in das Eigentum des Käufers über. Die Anbieter sind nicht verpflichtet, die Anschaffungskosten zu erstatten, wenn irgendwann keine Gasflasche mehr benötigt wird. Bei den roten Leihflaschen gilt das Pfandprinzip. Die Flasche bleibt im Eigentum des Lieferbetriebes. Bei Rückgabe gibt es den Pfandbetrag zurück. Der Tausch leer gegen voll läuft bei beiden Systemen gleich. Der große Nachteil der roten Flaschen  ist, dass viele Tauschstellen nur eigene Flaschen tauschen. So kann es unterwegs zu Nachschubproblemen kommen. Die graue Eigentumsflasche kann dagegen in Deutschland problemlos getauscht werden. Eine Besonderheit sind Tankflaschen. Die Flaschen verfügen über besondere Anschlüsse, die das Betanken an LPG-Tankstellen ermöglichen. Leider erschweren die Technischen Regeln die Verwendung. So dürfen nur fest verbaute Flaschen an Tankstellen betankt werden.

Butan oder Propan, Gas für Wohnmobil und Grill

Nach so viel Technik kommt jetzt auch noch die Chemie dazu, wenn es ums Gas geht. Oberflächlich betrachtet enthalten alle Campinggasflaschen LPG-Gas, wie es z.B. an Autogastankstellen verwendet wird. Meist handelt es sich um eine Mischung von Propan und Butan. Für uns spielt das Gas-Mischungsverhältnis nur bei niedrigen Temperaturen eine Rolle. Der Siedepunkt (Übergang von Flüssig auf Gasförmig) liegt bei Butan bei -0,5Grad C, und bei Propan bei -42Grad C. Das bedeutet, dass im Winter ein hoher Propananteil erforderlich ist, um die Funktion bei Minusgraen sicherzustellen. In der Regel werden die Campinggasflaschen in Deutschland bereits vom Gaslieferanten mit einem entsprechenden Mischungsverhältnis geliefert. Anders ist es im Ausland. Insbesondere in Südeuropa gibt es Flaschen mit reiner Butanfüllung, die bei niedrigen Temperaturen Probleme verursachen können

Gasflaschen Anschlusschaos in Europa

Viele Dinge sind in Europa einheitlich geregelt. Die Bananen sind gleich gekrümmt und bei Staubsaugern ist die maximale Leistung einheitlich begrenzt. Bei Campinggas dagegen kochen die Länder ihr eigenes Süppchen. Meist sind es nur der Gewindetyp und Durchmesser, die in fernen Ländern den Anschluss verhindern. Im Handel gibt es entsprechende landesspezifische Adapter für geringes Geld zu erwerben. Die Besorgung sollte vor der Reise erfolgen, da vor Ort die Beschaffung schwierig werden könnte. Schlussbemerkung Die Gasversorgung unserer Wohnmobile ist ein komplexes, aber einfach zu bedienendes System. Viele weitere Punkte gibt es zu besprechen. Ein weiterer Artikel zum Thema folgt demnächst. Zum Schluss noch der Hinweis, dass nur Fachleute Arbeiten und Umbauten vornehmen dürfen. Schließlich kann ein Gasaustritt schlimme Folgen haben.

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