Tipps für Trips: Die Schiffshebewerke Niederfinow

letzte Änderung 08/11/2022

Schon seit längerer Zeit stand ein Besuch des Schiffshebewerkes in Niederfinow auf unserer Reisezielliste. Diesmal passte ein Besuch in die Reiseplanung. Unsere Route von der Ostsee nach Berlin führte uns in die Nähe der technischen Sehenswürdigkeiten. Nur ca. 20km abseits der A11 bei Eberswalde befinden sich mit den Hebewerken Niederfinow zwei ganz besondere technische Bauwerke.

Die Geschichte der Hebewerke

Beim Bau des Oder-Havel-Wasserweges um 1910 standen die Kanalbauer vor einem Problem. In Niederfinow musste geografisch bedingt ein Höhenunterschied von 36m überwunden werden. Damals entschieden sich die Ingenieure für eine Schleusentreppe mit 4 Schleusenkammern.

Diese Lösung bewährte sich bei zunehmendem Verkehr nicht. So griffen die Kanalbetreiber nach dem ersten Weltkrieg eine Idee aus der Bauzeit des Kanals wieder auf. Ein Schiffshebewerk sollte den Höhenunterschied überwinden. Dennoch dauerte es bis 1934. Dann war es so weit. Das Schiffshebewerk Niederfinow nahm seinen Betrieb auf.

Der Aufzug für Schiffe beförderte über 80 Jahre die Schiffe auf und ab. Erst 2022 übernahm das neue, viel größere Schiffshebewerk direkt neben dem Oldtimer die Aufgaben.

Der Neubau

Wieder waren es die größer gewordenen Schiffe, die den Neubau erforderlich machten. Nachdem der Kanal schrittweise an die neuen Schiffsgenerationen angepasst war. entwickelte sich das Hebewerk zum Nadelöhr. Wieder entstand ein spektakulärer Bau in direkter Nachbarschaft zum alten Hebewerk. So gibt es heute in Niederfinow zwei Generationen der Hebewerkstechnik zu besichtigen.

Erstaunlicherweise blieben die technischen Grundideen gleich. Nach wie vor ist der Trog über Umlenkrollen mit Gegengewichten verbunden, um das Gewicht auszugleichen. Auch die Vorrichtungen, die ein Kippen oder Verkanten des Troges verhindern sollen, arbeiten unverändert nach den Grundgedanken von 1930.

Die Besichtigung

Die Anlagen sind Besuchermagnete. So ist es nicht verwunderlich, dass alles auf Besucher vorbereitet ist. Es gibt einen großen Parkplatz mit Übernachtungsmöglichkeit für Wohnmobile und ein Restaurant. Für Interessierte wartet eine Ausstellung auf Besucher.

Gegen eine kleine Gebühr können große Teile beider Hebewerke besichtigt werden. Für den Neubau gibt es gesondert Führungen durch die Anlage. Wir beschränkten uns auf den Rundgang und verzichteten aus Zeitgründen auf die Führung.

Nach dem Aufstieg zum Oberwasser ist Schwindelfreiheit gefragt. 36m über dem Gelände führt außen ein Weg um das alte Hebewerk herum. Dabei sind alle wesentlichen Konstruktionsteile gut zu sehen. Beim neuen Hebewerk ist an der Einfahrt der Schiffe Schluss für die Besucher.

Von einem etwas weiter entfernten Anleger besteht die Möglichkeit, mit einem Schiff die Hebewerke zu durchfahren.

Unser Fazit

Der Besuch der Schiffshebewerke Niederfinow lohnte sich auf jeden Fall. Wieder einmal bewunderte ich die Leistungen unserer Vorfahren. Die Erbauer verfügten nicht über Computer oder Taschenrechner. Der Rechenschieber war noch ein wesentliches Hilfsmittel.

Aus Sicht des Ingenieurs gibt es viele spannende Details zu entdecken. Leider gelang es mir nicht, herauszubekommen, mit wie vielen Nieten das alte Hebewerk zusammengehalten wird.

Weiterführende Informationen

Bei meiner Infosuche stieß ich auf diese Seite des Wasser- und Schifffahrtamtes mit interessanten Informationen zu den Hebewerken in Niederfinow. Mehrere Broschüren können heruntergeladen werden.

Bereits vor längerer Zeit besuchte ich die weiteren Schiffshebewerke in Deutschland:

Schiffshebewerk Hohenwarte bei Magdeburg an der Elbe

Schiffshebewerk Henrichenburg in Datteln

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