Santiago de Compostela, ein Reisetipp in Nordspanien

Spätestens nach der Lektüre von „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling ist Santiago de Compostela als Wallfahrtsort bekannt geworden. Jedoch ist es nicht nur die religiöse Bedeutung, die die Stadt zu einem lohnenswerten Reiseziel macht. 

Die Menschen

Pause in Santiago de Compostela

In der von historischen Altstadt treffen sich täglich verschiedenste Menschen auf begrenztem Raum. Die Pilger freuen sich, den langen Marsch erfolgreich hinter sich gebracht zu haben. Vor der Kathedrale umarmen sich die vom Jakobsweg gezeichneten Wanderer und bannen die Erinnerungsfotos auf die Speicherkarten. Nach einer Pause reihen sich  die erschöpfen Sieger schnell wieder in die Warteschlange ein, um an einem der Pilgergottesdienste teilzunehmen.

Die Besucher aus aller Welt zieht es ebenfalls zum Praza do Obradoiro, dem Platz vor der Kathedrale. Egal, ob Japaner oder Amerikaner, Polen oder Deutsche, alle möchten das bekannte Gotteshaus sehen. In den Kaffeehäusern und Restaurants füllen sich die Plätze bereits am Vormittag schnell.

Santiago de Compostela, Markthallen

Santiago de Compostela, Markthallen

Die Bewohner der Stadt gehen gleichzeitig ihrem Tagwerk nach. Durch die große Universität sind es vorwiegen junge Leute, die das Stadtbild prägen. In den Markthallen wird rege eingekauft, die Straßen um die Altstadt herum sind zweitweise verstopft. Für die Pilger und für die Besucher haben die Bewohner nur selten einen Blick, denn das gehört zum Alltag in Santiago de Compostela.

Die Altstadt

Zu einem Besuch der Stadt gehört ein Spaziergang durch die Gassen der Altstadt. Selbst ohne Reiseführer gibt es viele schöne Ecken in den engen Gassen zu entdecken.

Santiago de Compostela in der Altstadt

Santiago de Compostela in der Altstadt

Insbesondere abseits der Hauptstrecken stößt der Besucher immer wieder auf sehenswerte kleine Plätze und Gebäude. Das Areal ist nicht sehr groß, so ist es gut möglich, zu Fuß zu einem Bummel aufzubrechen.

Sobald sich der Besucher wenige Schritte vom Hauptstrom der Reisegruppen entfernt, werden die Gassen leerer. Interessant ist die Altstadt auch abseits der touristischen Hauptrouten.

Die Kathedrale

Kathedrale in Santiago de Compostela

Kathedrale in Santiago de Compostela, der Altar

Selbstverständlich ist die Kathedrale der Anziehungspunkt in der Stadt. Jeder Besucher, egal ob Pilger oder Tourist, möchte sich einen Besuch nicht entgehen lassen. So kommt es manchmal zu Wartezeiten. Insbesondere um die Mittagsmesse herum bilden sich lange Schlangen vor dem Eingang zum Gotteshaus.

Der hohe Andrang verursacht eine große Unruhe im Gotteshaus. Die Besucher werden teilweise über Lautsprecher aufgefordert, sich ruhiger zu verhalten. Eine lange Schlange von Besuchern sammelt sich neben dem Altar, um die Figur des heiligen Santiago auf dem Altar zu berühren. Für die Pilger ist dies der traditionelle Abschluss der Reise.

Ebenso begehrt ist ein Besuch der Krypta mit der Reliquie des heiligen Santiago. Wieder sind zeitweise Wartezeiten nicht zu vermeiden. Dennoch ist die Kathedrale einen Besuch wert. Sehr schön ist erkennbar, dass ein ursprünglich romanischer Bau zu einer Barockkirche umgebaut wurde. Allein der mächtige Barockaltar mit dem vielen Gold und Silber zeigt die Bedeutung des Gotteshauses und den Reichtum der Kirche.

Der Kommerz

Kathedrale in Santiago de Compostela

Kathedrale in Santiago de Compostela Warteschlange

Natürlich gibt es in einer Stadt mit dieser Anziehungskraft auch die negativen Auswirkungen des Tourismus zu spüren. So steigen die Preise in Richtung Kathedrale mit jedem zurückgelegtem Meter. Die große Zahl der Souvenir- und Andenkengeschäfte ist unübersehbar. Überall werden Pilgerstöcke und Jakobsmuscheln aus Kunststoff angeboten. (Welcher echte Pilger kauft den Stock am Ziel der Wanderung?)

Flugblattverteiler werben für Rundfahrten durch Galicien und Bettler versuchen, bei den Besuchern Mitleid zu erregen.

Reisegruppen werden von lautstarken Führern durch die Gassen zur Kathedrale geführt. In den Gaststätten herrscht Andrang, die Preise sind nicht überall angemessen.  Diese Auswüchse sind verständlich, denn Jeder möchte ein Stück von diesem Kuchen abbekommen.

Praktische Tipps

Besuch der Kathedrale

Die Kathedrale kann tagsüber kostenlos besichtigt werden. Wer ohne nennenswerte Wartezeiten das Bauwerk besichtigen möchte, sollte die Zeiten der Messen meiden. Insbesondere der Mittags- und Abendgottesdienst verursachen Schlangen. Zur Teilnähme an einem der Gottesdienste ist es ratsam, rechtzeitig zu erscheinen, um noch Einlass zu erhalten. Für manche Besucher wird der Gottesdienst zur Enttäuschung, denn das aus den Medien bekannte Weihrauchfass kommt eher selten zum Einsatz.

Santiago de Compostela in der Altstadt

Santiago de Compostela in der Altstadt

In der Kirche sind große Rucksäcke verboten. Am Eingang erfolgte bei unserem Besuch eine kurze Kontrolle der Taschen. So warf ein Sicherheitsmitarbeiter auch einen Blick in meine sehr kleine Fototasche. Insgesamt wird Sicherheit an diesem herausragenden Ort der Christenheit groß geschrieben. Nirgendwo in Nordspanien erlebten wir eine derartig ausgeprägte Präsenz der Polizei.

Für die besonderen Führungen mit Besichtigung der Pórtico de la Gloria und der Dächer der Kirche können vorab im Internet Karten erworben werden. So ist sichergestellt, einen Platz zu erhalten.  Zur Zeit, im Jahre 2017, ist der Besuch des Gotteshauses eingeschränkt, da umfangreiche Restaurierungen stattfinden. So kann das bekannte Portal Pórtico de la Gloria zur Zeit nicht besichtigt werden. Die Arbeiten sollen bis zum Jahre 2022 fortgesetzt werden.

Die Übernachtung

Für Wohnmobilreisende bieten sich in Santiago de Compostela zwei Übernachtungsmöglichkeiten an. Es gibt einen Stellplatz und einen Campingplatz. Da wir den Stellplatz nicht besucht haben, beschränke ich mich hier auf den Campingplatz.

Selbst bei unserem Besuch Ende September füllte sich der Platz in den Nachmittagsstunden schnell. Daher nehme ich an, dass es in der Hauptsaison  zu Engpässen kommen wird. Der Platz liegt etwas außerhalb auf einem der Berge der Stadt.

Die Innenstadt ist zu Fuß ca. 3km entfernt. Dabei ist zu bedenken, dass Santiago de Compostela in einem sehr hügeligem Landstrich liegt. Einfacher gelangt man mit dem Bus in 12Minuten in die Stadt. Der Fahrpreis beträgt 1€ pro Person. Dafür spart sich der Camper manch Schweisstropfen auf dem Rückweg.

(Eine Beschreibung des Platzes erfolgt in Kürze in einem extra Artikel)

Wissenswertes

  • In Santiago de Compostela leben ca. 100.000 Einwohner. Durch die große Universität mit ca. 20.000 Studenten, bevölkern sehr viele junge Menschen Galliens Hauptstadt.
  • Bereits im 9. Jahrhundert entwickelte sich die Kirche zu einem Wallfahrtsort. Die Echtheit der Reliquie des heiligen Santiago ist umstritten. So gibt es in Jerusalem die Jakobskirche. Dort soll der Schädel des Apostels begraben sein. Die Katholische Kirche geht jedoch davon aus, dass Santiago de Compostela die Grabeskirche des Jüngers ist.
  • Bereits 1989 ernannte die Unesco die Stadt zum Weltkulturerbe.
  • Das traditionelle Pilgern auf dem Jakobsweg erlebte in den letzten Jahren einen Aufschwung. Derzeit pilgern jährlich über 200.000 Menschen auf den historischen Pfaden nach Santiago. Nicht für alle ist die anstrengende Wanderung an der Kathedrale beendet. Sie setzen die Reise bis zum ca. 80km entfernten Cap Fisterra.
  • Da zu den Pilger noch die Touristen hinzukommen, verwundert es nicht, dass das Dienstleistungsgewerbe der größte Wirtschaftszweig der Stadt ist.
  • Zu den sehenswerten Bauwerken aus vergangener Zeit gesellte sich vor kurzem das Cidade da Cultura , ein großes Kulturzentrum des bekannten Architekten Peter Eisenman. Durch die Lage auf einem der Berge ist die moderne Architektur unübersehbar.
  • Aus Deutschland bestehen mehrmals täglich Flugverbindungen nach Santiago de Compostela.

Fazit

Ein Besuch in Santiago de Compostela gehört einfach dazu, wenn eine Reise in die Nähe führt. Von den Stränden Galliens sind es oft nur 100km in die Stadt. Die vielen schönen Bauten und die Mischung der Menschen in der Stadt sorgen für eine besondere Stimmung. Da nimmt der Gast die negativen Begleiterscheinungen des Massentourismus gern in Kauf und erträgt die zeitweise erforderlichen Wartezeiten.

Obwohl ein zwiespältiger Eindruck bleiben wird, die Stadt und die Kathedrale sind einen Reisetipp wert.

 

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