Wohnmobilzubehör für Anfänger, welche Erstausstattung wird benötigt?

Das neue Wohnmobil steht vor der Tür, jedoch sieht das Fahrzeug sehr leer aus. Es geht los, die Erstausstattung muss beschafft werden. Die Zubehörshops freuen sich. Viele Dinge klingen sinnvoll und wandern schnell in den Einkaufswagen.

Gerade am Anfang steht die Geldbörse steht weit offen und die Anschaffungen häufen sich. Leider zeigt sich der Nutzen erst im Nachhinein. Nicht jede Anschaffung erweist sich später als zweckmäßig.

Mein Tipp ist es, vor der ersten Reise nur die unbedingt erforderlichen Anschaffungen zu tätigen. Unterwegs werden fehlende Dinge schnell bemerkt. Wir nutzten immer eine kleine Einkaufsliste, die zum Notieren der fehlenden Dinge bereit liegt. Dennoch gibt es einiges Zubehör, dass vor der ersten Reise an Bord sein muss, um die Reise beginnen zu können.

Für das Fahrzeug

Leider fehlen bei einem neuen Fahrzeug einige unverzichtbare Dinge, die nicht zum serienmäßigen Lieferumfang gehören. An der Beschaffung geht kein Weg vorbei, um das Fahrzeug nutzen zu können.

Erste Hilfe Kasten, Warnwesten und Warndreieck

Es ärgert mich immer wieder, dass es noch Händler gibt, die Fahrzeuge ohne dieses gesetzlich vorgeschriebene Zubehör ausliefern. Falls es nicht bei der Übergabe angesprochen wird, hilft nur kontrollieren und gegebenenfalls die Fahrt zum KFZ-Zubehörhandel oder zur nächsten Tankstelle.

Gasflaschen

Aus für mich nachvollziehbaren Gründen werden die Neufahrzeuge ohne Gasflaschen ausgeliefert. So steht der Käufer erst einmal vor der Aufgabe, einen Baumarkt oder Campingfachhandel aufzusuchen. Dort steht der Neuling dann vor der Auswahl. Für welches System soll er sich entscheiden?

Aus meiner Sicht ist die Entscheidung einfach, da für mich der möglichst einfache Flaschentausch im Vordergrund steht. Gerade für den Einsteiger erscheint es mir zweckmäßig, erst einmal auf das System mit den grauen Eigentumsflaschen zu setzen. Der Tausch der Flaschen ist an sehr vielen Stellen in Deutschland möglich. Später, mit mehr Erfahrung, besteht dann immer noch die Umrüstmöglichkeit auf Aluminium- oder Kunststoffflaschen, um Gewicht zu sparen.

Als Erstausstattung reicht im Sommer eine 11kg Flasche und eine 5kg Flasche als Reserve. Besser ist die Anschaffung von zwei großen Flaschen, um längere Zeit unabhängig zu sein.

230V-Anschlusskabel und Zubehör

Ebenso gehört das Stromkabel nicht zum Lieferumfang eines neuen Fahrzeugs. Leider gilt es einige Vorschriften zu beachten. Nicht jedes Baumarktkabel ist für unsere Zwecke zulässig. Bei den Anschlüssen gilt es, auf die blauen Kupplungen und Stecker zu achten. Mit den Details zum Thema Landstromanschluss beschäftigt sich dieser Artikel sehr umfassend.

Zusätzlich gehört ein Adapter vom haushaltsüblichen Schutzkontaktstecker auf die blaue Kupplung hinzu, um das Fahrzeug notfalls mal an einer normalen Steckdose laden zu können. Leider entsprechen diese Zwischenstücke nicht ganz den geltenden Vorschriften. Ganz ohne geht es jedoch nicht, denn welcher Privathaushalt verfügt  über eine Steckdose für den blauen Stecker?

Wasserschlauch und Zubehör

Weiter geht es mit den unverzichtbaren Dingen der Erstausstattung. Irgendwie muss das Wasser in den Tank. Ein entsprechender Schlauch ist unverzichtbar. Mit einer Länge zwischen 5m und 10m wird es an jeder Station möglich sein, Frischwasser zu Tanken. Gute Erfahrungen machten wir mit einem Spiralschlauch, da es meist mühelos klappt, eine Bodenberührung zu vermeiden. Ein positiver Nebeneffekt ist es, den Schlauch nach der Benutzung einfach entleeren zu können.

Hinzu kommt ein Sortiment von Anschlüssen für den Wasserhahn. Obwohl der Bajonetanschluss weit verbreitet ist, gibt es Immer wieder Zapfstellen mit den unterschiedlichsten Gewindegrößen. Wir haben mittlerweile immer eine kleine Plastikbox mit den verschiedenen Adaptern mit dabei.

Manche Besatzungen schwören auf die Gießkanne für Frischwasser im Wohnmobil. Anfangs gehörte die Kanne auch zu unserer Ausrüstung. Mittlerweile reisen wir ohne diesen Platzdieb, denn in 25Jahren Wohnmobil  benötigten wir die Kanne sehr selten.

Für das Bad

Damit die Toilette nicht zu einem anrüchigen Thema wird, geht ohne eine Absaugtechnik kein Weg an der Chemie vorbei. Obwohl das Geschäftsmodell Toilettenchemie mit dem der Druckertinte vergleichbar abläuft, gehört eine Flasche mit der teuren Flüssigkeit einfach dazu. Eine Absauganlage z.B. von SOG, kann später noch nachgerüstet werden.

Zwei weitere Dinge für das Bad gibt es noch, die nicht sofort auffallen. Die Beschaffung von Toilettenpapier ist einfach, jeder Supermarkt verfügt über eine reichliche Auswahl. Spezial Campingpapier ist nicht erforderlich und hilft nur dem Handel.

Mehr Gedanken erfordert die Toilettenbürste zur Reinigung des WC. Es gilt, eine Lösung zu finden, die verhindert, dass das Teil nach jeder Fahrt irgendwo im Bad herumliegt. Hier ist die Kreativität des Heimwerkers gefordert.

Kellereinrichtung

Dias neue Wohnmobil verfügt über viel Stauraum in der Garage. Spätestens auf der Rückfahrt vom ersten Einkauf rutschen die Neueinkäufe in jeder Kurve durch den fahrbaren Kellerraum. Dies gilt es zu verhindern. Rutschhemmende Matten und einige Plastikboxen können helfen, den Stauraum ohne große Umbauten für die erste Reise nutzbar zu machen.

Die endgültige Ordnung, meist mit kleinen Basteleien,  kommt erst später an die Reihe, wenn klar ist, wie der verfügbare Raum wirklich genutzt wird. Hintergrund dieses Tipps ist eine eigene Erfahrung. Nach der Anschaffung des Kastenwagens machte ich mich schon nach einer Kurzreise an das Werk und baute eine Inneneinrichtung für den Stauraum. Derzeit bin ich dabei, meine Konstruktion völlig neu zu planen, da sich der Einbau in der Praxis nicht nur teilweise bewährte.

Haushalt

Wer denkt schon bei der Planung an einen Korkenzieher oder Flaschenöffner? Unterwegs, mit dem abendlichen Feierabendbier in der Hand, fällt der Mangel sofort auf. Irgendwie gelingt es, das Bier dennoch zu öffnen und auf der Liste erscheint ein neuer Punkt.

Eine weitere Kleinigkeit wird gern übersehen. Die Brotmaschine steht zu Hause, dennoch muss das tolle Bauernbrot irgendwie in Scheiben verwandelt werden. Schon steht ein großes Brotmesser auf der Liste der fehlenden Dinge.

Die dicken Kataloge der Campingausstatter können hilfreich sein, um einen Überblick über das Angebot zu bekommen. Für den Anfang reicht es jedoch aus, einmal im eigenen Haushalt zu schauen, welche Dinge für die ersten Reisen verwendet werden können. Es ist durchaus möglich, Geschirr und Bestecke aus den heimischen Beständen zu verwenden. Mit etwas Nachdenken beim Verstauen überleben sogar die Porzellantassen und die einfachen Gläser die Reise im Mobil.

Oft angeboten werden Geschirrsets aus Melanin oder Bambus. Zweckmäßig sind diese Campingartikel, wenn es um das Sparen von Gewicht geht. Wir machten jedoch die Erfahrung, dass  die tägliche Benutzung deutliche Spuren auf den Tellern hinterlässt. Die Schönheit der Artikel ist endlich.

Ein häufiger Anfängerfehler ist es, zu viel Geschirr mitzunehmen. Schon der begrenzte Raum in Küche und Spülbecken erfordern es, regelmäßig zu spülen. So reicht es, wenn für zwei Personen vier Gedecke an Bord sind, um den Campingalltag abzudecken.

Vor einiger Zeit schrieb mich ein Leser an, ob ich über eine Aufstellung aller Haushaltsgegenstände verfüge. Der nette Herr war dabei, eine Einkaufsliste zu erstellen. Natürlich kann dieser Weg gewählt werden. Alle Campingshops bieten eine große Palette schöner Haushaltswaren an. Meine Empfehlung ist es hingegen, am Anfang erst einmal eine Minimalausrüstung zusammenzustellen. Später, mit etwas Erfahrung können in Ruhe die fehlenden Dinge noch beschafft werden.

Dies Vorgehen erfordert am Anfang etwas Improvisation, hilft aber Fehlinvestitionen zu vermeiden. Hinzu kommt, dass so manches Teil, unterwegs gekauft, mit schönen Urlaubserinnerungen verknüpft ist. Wir freuen uns immer noch über den Flaschenöffner aus der Bretagne und die Tischsets aus Schweden.

Campingmöbel und Campingzubehör

Entgegen dem bisher geschriebenen rate ich bei diesem Punkt nicht zur Sparsamkeit. Stühle und Tisch müssen von Anfang an bequem und gemütlich sein. Was nutzt das schönste Wetter und die tolle Aussicht, wenn ein alter Holzschemel die einzige Sitzgelegenheit darstellt. Die Anforderungen an die Terrassenmöbel sind einfach: platzsparend, bequem und leicht lauten die Anforderungen. Leider merkt der Anfänger schnell, dass dann meist noch das Attribut teuer hinzukommt.

Dennoch lautet hier die Devise: „Wer billig kauft, kauft zweimal“. Die Möbel begleiten den Käufer bei der richtigen Wahl eine längere Zeitspanne. In 25Jahren  erneuerten wir einmal die Campingstühle, nachdem die ersten Modelle arg unter unseren Kindern gelitten hatten. Unseren ersten Tisch, ein Modell mit einer aufrollbaren Tischplatte, nutzen wir noch immer.

Damit ist der Freisitz schon komplett, denn alle weiteren Dinge wie Vorzeltboden oder Seitenwände für die Markise sind sehr speziell und gehören nicht zur Erstausstattung. Zuerst gilt es die Frage zu klären, ob solches eher vom Wohnwagen kommendes Zubehör zweckmäßig ist. Unser einmal gekaufter Vorzeltboden tat lange Zeit einen guten Dienst, er diente meiner Frau als Fußstütze vor dem Beifahrersitz. Seiner eigentlichen Aufgabe kam das unhandliche Teil nur sehr selten nach.

Eine Kleinigkeit gibt es noch, die Markisenbesitzer überlegen sollten. Die übliche Befestigung mit zwei Häringen an den Stützen reicht bereits bei leichtem Wind nicht aus. Auf dem Markt gibt es verschiedene Sturmanspannungen, die verhindern, dass bereits die erste Gewitterböe einen Schaden verursacht.

Sonstiges

So langsam füllt sich das Wohnmobil und wir können mutig die erste, kurze Testreise antreten. Allerdings gibt es noch einige Kleinigkeiten, die das Leben einfacher machen.

Für unverzichtbar halte ich eine Fußmatte vor dem Fahrzeug, um den größten Schmutz von den Schuhen draußen zu lassen. Eine gute Taschenlampe gehört ebenso zur Grundausstattung.

Meist fehlen in den Wohnmobilen irgendwo Haken zum Aufhängen von Handtüchern oder sonstigen Kleinigkeiten. Ein paar rückstandslos entfernbare Klebehaken lösen das Problem für den Anfang. Nicht immer ist die erste Stelle die beste.

Selbst wenn das Fahrzeug neu vom Händler kommt, gehört etwas Werkzeug immer mit dazu. Wer möchte schon die ganze Reise mit einer klappernden Schranktür verbringen, wenn eine Drehung mit dem passenden Schraubenzieher das Problem lösen kann?

Schlussbemerkung

Eine allgemein gültige Zubehörliste gibt es nicht. Jede Besatzung hat andere Vorstellungen. Deshalb verzichte ich hier ganz bewusst darauf, eine Packliste zu veröffentlichen. Sicher ist dagegen, dass immer wieder unnötige Dinge in das Fahrzeug wandern werde und nie benutzt werden. Mich erstaunt es immer wieder, was sich bei uns im Wohnmobil im Laufe der Zeit ansammelt.

Ebenso ist sicher, dass irgend ein benötigtes Teil fehlt. Selbst die beste Planung kann nicht verhindern, dass unterwegs ein Einkauf erforderlich wird. So haben wir es geschafft, eine Reise ohne Töpfe und Pfannen anzutreten. Aber das ist eine andere Geschichte.

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