14.03.2016

Im Winter mit dem Wohnmobil an die Ostsee

Kategorie: Reisebericht, Region: Deutschland

Ende Februar ist nicht die große Zeit für einen Wohnmobilurlaub. Eine familiäre Verpflichtung in Norddeutschland und der Resturlaub brachten uns auf die Idee, einige Tage auf Tour zu gehen. Als Ziel wählten wir auf Grund der Wetterprognosen die deutsche Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern.



Die Anreise

So machten wir uns am Freitag auf den Weg in den Norden. Wieder einmal brachte uns die A9 staufrei Richtung Berlin. Wir kamen bis Werder (Havel). Bei Frosttemperaturen parkten wir auf dem Stellplatz in der Stadtmitte. Nach einem späten Abendessen und einer kurzen Hundegasse ging es ins Bett.

Am Morgen zeigte sich Werder ganz in weiss unter einer Rauhreifschicht. Der Hundespaziergang führte uns auf der Stadtinsel immer am Wasser entlang. Nur die kalten Hände störten beim Genießen der Stimmung an diesem schönen Wintermorgen. Auf dem Rückweg erstanden wir frische Brötchen für unser Frühstück, die wir im warmen Wohnmobil verspeisten.


Weiter ging die Fahrt über den Berliner Ring. Wir wollten über Neustrelitz und Neubrandenburg Richtung Usedom fahren. Leider plante unser Navi eine kleine Abkürzung über 10km schlechte Straßen und kleine Dörfer ein, bevor es uns auf die B96 brachte. So verloren wir einige Zeit auf engen und hoppeligen Alleen.

Peenemünde auf Usedom

Die weitere Anreise verlief ereignislos, wenn man mein Blutdruckproblem nach dem Gaskauf in einem Baumarkt (29,00€) nicht weiter beachtet. Am frühen Nachmittag erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein die Insel Usedom.

Etwas Schwierigkeiten hatten wir beim Finden des angesteuerten Stellplatzes in Peenemünde. Irgendwie glaubten wir nicht so recht an einen Stellplatz in der sehr verlassen wirkenden Hafenumgebung. Nachdem unser armes Mobil die Fahrwerksteststrecke an der Einfahrt zum Platz heil überstanden hatte, fanden wir einen schönen, urwüchsigen Stellplatz für ganz viele Wohnmobile vor, den wir uns nur mit einer weiteren winterharten Besatzung teilen mußten.

Bereits die Hundegasse in der untergehenden Wintersonne zeigte uns, dass wir wie erwartet am Ende von Nirgendwo gelandet waren. Am Peenestrom entlang gingen wir ganz allein in völliger Ruhe einen kleinen Weg entlang. Es war einfach nur schön und erholsam. Erst gegen Ende der Tour, nach dem Sonnenuntergang, machte sich die Kälte bemerkbar. Eigentlich wollte ich keine Sonnenuntergänge mehr fotografieren, aber....


In der Nacht musste unsere Heizung durcharbeiten, denn bei sternklarem Himmel sanken die Temperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt. Der nächste Morgen begann mit einem Schreck. Nur etwa 50m vom Wohnmobil entfernt sprangen zwei Rehe durch den Schilfgürtel. Unser Hund Sam brauchte einige Zeit, bis er sich wieder vom Schreck erholt hatte. Wieder genossen wir die Ruhe und die Landschaft am Peenestrom.


Weiter ging es zum Historisch-Technischen-Museum in Peenemünde. Wir besichtigten den weltweiten Geburtsort der Raketentechnik. Das Museum im ehemaligen Kraftwerk der Versuchsanstalt schafft es, die Gradwanderung zwischen technischer Entwicklung und dem damit verbundenen Leid gut darzustellen. Weiterhin erfährt der Besucher viel über die Tätigkeiten der wichtigsten Know-How Träger nach Ende des zweiten Weltkriegs. Leider fanden wir keine Spuren vom Opa meiner Frau, der damals als Soldat in Peenemünde tätig war.


Nach dem langen Museumsbesuch beschafften wir noch die fehlenden Dinge in einem Supermarkt mit Sonntagsöffnung, bevor wir das Wohnmobil wieder auf dem Stellplatz abstellten und einen faulen Spätnachmittag und Abend einlegten.

Der Montag begann wieder mit einem Spaziergang am Peenestrom. Nach der Ver- und Entsorgung des Wohnmobils suchten wir einen Strandabschnitt ohne Hundeverbot. Dies gelang uns erst im dritten Anlauf. Das Suchen lohnte sich, der Strandspaziergang bei Wind und wechselnder Bewölkung gefiel uns und unserem Hund gleichermaßen. Auf ein Bad verzichteten wir, nur Sam testete das Wasser. Eine Folge des Spaziergangs zeigte sich am Abend. Ein großer Sandhaufen musste vom Hundeplatz im Mobil beseitigt werden.


Rügen

Wir verließen Usedom und machten uns auf den Weg Richtung Westen. Ganz spontan hatten wir nach einem Blick auf die Wetterprognose beschlossen, wieder einmal Rügen zu besuchen. Die geplante Nutzung der Rügenfähre fiel aus, da im Winter kein Fährverkehr stattfindet. So gelangten wir auf dem üblichen Weg über die Brücke auf die Insel.

In Sassnitz suchten wir nach Spuren des alten Fährhafens. In unserer Jugend reisten wir mehrfach über Sassnitz nach Schweden. Wir bummelten durch das Hafengebiet und bestaunten die neue interessante Fußgängerbrücke vom Hafen in die Stadt.


Da für uns eine Übernachtung auf dem Parkplatz im Hafen nicht in Frage kam, (siehe Stellplatzbeschreibung) fuhren wir zum Kap Arkona und übernachteten auf dem dortigen Parkplatz.

Nach einem langsamen Start am Morgen sorgte unser jüngster Beleiter Sam mal wieder für Aufregung. Die Pferde vor den Kutschen zum Kap Arkona standen bei ihm auf der Speisekarte. Dennoch schafften wir es, an den Pferden vorbei in die Kap-Arkona Bahn einzusteigen, die uns zum nicht ganz nördlichsten Punkt der Insel brachte. Wir schlenderten an den Leucttürmen vorbei und folgten bei angenehmen, aber kaltem Wetter der Küste bis zum alten Fischerdorf Vitt. Die Ostsee zeigte sich von der wilden Seite. Die Wellen brachen sich lautstark am Ufer, während sich die Wolken weiter verdichteten.

Da die nächste Bahn erst in 25Minuten abfuhr, legten wir den Weg von Vitt zum Wohnmobil ebenfalls zu Fuß zurück. Für das nächste Mal wissen wir, dass die Strecken am Kap Arkona  auch ohne die Touristenbahn oder die Pferdekutsche gut zu bewältigen sind.


Da sich das Wetter verschlechtern sollte, wählten wir für den Rest des Tages den Stellplatz am nahen Knaus Campingpark. Zusammen mit einem weiteren Wohnmobil genossen wir den ungehinderten Ostseeblick und den Komfort des Platzes. Bis auf einen Strandspaziergang mit unserem Hund verbrachten wir wieder einen ruhigen Nachmittag im warmen Wohnmobil, während drausen die Wellen an den Strand rauschten. Nach dem Sieg des ruhmreichen 1. FCN gegen Sandhausen war wieder ein schöner Tag zu Ende.

Abstecher nach Zingst

Der nächste Morgen begann völlig ungeplant mit einem Schreck in der Morgenstunde. Auf der üblichen Morgengasse riss mir unser Hund die Leine aus  der Hand und entschwand im Dickicht der Uferbeflanzung. Erst nach einigen Mühen kamen wir wieder zusammen, da sich die Leine im Gebüsch verhakt hatte. Die ganze Geschichte gibt es später an anderer Stelle zu lesen.

Leider stimmte der Weterbericht, es nieselte oder regnete den ganzen Vormittag. So verließen wir  Rügen und machten uns weiter auf den Weg immer an der Küste entlang in Richtung Westen. In Stralsund kauften wir ein und beschafften eine neue Hundeleine.

Zum Glück besserte sich das Wetter und wir wählten wir einen Umweg über die Halbinsel Zingst-Darß-Fischland. In Zingst spazierten wir am Strand entlang und besuchten die Seebrücke. Wir entdeckten eine ältere Dame, die bei ca.5Grad C Außentemperatur ein sicherlich erfrischendes Bad in der Ostsee nahm. Ganz so abgehärtet sind wir leider nicht, uns wurde schon beim Zusehen kalt.



Da uns Zingst sehr gut gefiel, werden wir bestimmt noch einmal wiederkommen und ausgiebig am Strand entlang wandern. Den Stellplatz begutachteten wir schon einmal aus der Ferne.

Warnemünde 

Die Nacht wollten wir auf dem bekannten Parkplatz Mittelmole in Warnemünde verbringen, nachdem wir von dem Platz schon viel gelesen und gehört hatten.  Nur die Anreise erwies sich schwierig. Unser Navi führte uns sicher zum Zaun des Stellplatzes. Die Einfahrt lag leider auf der anderen Seite der Eisenbahn und wir standen auf dem Kai des Kreuzfahrtterminals. Da wollten wir nicht hin. Immerhin war es für uns eine Premiere, mit einem Wohnmobil direkt an der Kaimauer entlang zu fahren. Wir wendeten ("Vorsicht, hinter uns ist ein Schiff!") und gelangten mit etwas Suchen auf den Platz. Wer es uns nachmachen möchte: Es ist nicht verboten, am Kai entlang zu fahren, allerdings führt die Spielstraße nur in eine Sackgasse.

Zur Belohnung durften wir den ganzen Abend den regen Schiffsverkehr vor dem Wohnmobil beobachten. Die Fähren nach Dänemark und Schweden sorgten für Unterhaltung. Als Schiffsfreund freute ich mich, noch einmal die altgedienten Fährschiffe auf der Linie Rostock - Gedser bei der Arbeit zu sehen. Die modernen hybridgetriebenen Nachfolger der "Prinzen" sind fertig und stehen kurz vor den ersten Einsätzen. Damit geht auf dieser Fährlinie eine Ära zu Ende.


Beim nächtlichen Rundgang mit dem Hund erlebte ich wieder eine Überraschung. Auf einem Bohlenweg verlor ich den Halt und ging mit schlechten Haltungsnoten zu Boden. Ganz einfach, die Bretter waren völlig mit Raureif überzogen. Zum Glück überstand ich die Aktion mit einem blauen Fleck.

Das Wetter verbesserte sich in der kalten und windigen Nacht weiter, denn am nächsten Morgen weckte uns Sonnenschein und blauer Himmel. So stand unserem Stadt- und Strandbummel in Warnemünde nichts im Wege. In der angenehmen Frühlingssonne erkundeten wir den Badeort an der Warnowmündung. Da unser letzter Besuch schon 20 Jahre zurück lag, erkannten wir das Seebad kaum wieder. Der Bummel durch den Ort bis zum Leuchtturm auf der Mole gefiel uns sehr gut. Leider fiel der Strandspaziergang aus, da Baumaschinen den Sand für die Sommersaison vorbereiteten.


Nach über 2 Stunden Bummel freuten wir uns, wieder im warmen Wohnmobil angekommen zu sein. Leider war damit die kurze Urlaubsreise plötzlich und unvorhergesehen beendet. Unser geplanter Besuch in Wismar fiel aus, da es meiner Frau gesundheitlich nicht gut ging. So verbrachten wir die Nacht nochmals in Warnemünde, bevor wir uns am nächsten Tag auf den Weg zu unserer Familie machten. So blieb mir Zeit, nochmals die Fährschiffe zu fotografieren.

Fazit

Entgegen vieler Meinungen kann es sehr reizvoll und schön sein, im Winter an der Küste unterwegs zu sein. Wir hatten Glück mit dem Wetter, die Vorhersagen für unseren Reisezeitraum stimmten sehr genau. Es war zwar kalt, aber bis auf einen Vormittag immer trocken und manchmal sogar sonnig. Während es in Franken schneite, gingen wir in der Wintersonne spazieren.

Besonders gefallen hat es uns, die im Sommer meist sehr vollen Orte an der Ostsee einmal im Winter zu erleben. Ein Strandspaziergang hat zu jeder Jahreszeit seinen Reiz. Allein die Ruhe und die fehlenden Besuchermassen machten unsere Spaziergänge zu einem Erlebnis.

Gleichzeitig war es die erste längere Tour mit unserem neuen Wohni. Unser Pössl  2win hat sich wacker geschlagen. Einige kleine Umbauten werde ich auf Grund unserer Reiseerfahrung noch in Angriff nehmen, aber das ist ein anderes Thema.

Und für den Fall, dass ich mal müde sein sollte, fanden wir einen weiteren Ersatzfahrer....

Sam unser neuer Aushilfsfahrer