Spätsommer an der Nordseeküste (3) – Föhr mit Sturmflut und Altweibersommer

letzte Änderung 05/11/2021

Unsere Route von Dorum nach Föhr versprach unterhaltsam zu werden. Uns standen zwei Fährüberfahrten bevor.

Daher begann unser Tag früh, fast vor dem Aufstehen, da wir eine Überfahrt mit der neuen Fährlinie von Cuxhaven nach Brunsbüttel gebucht.hatten. Pünktlich erreichten wir 25 Minuten vor der Abfahrt den Fährhafen in Cuxhaven. Unterwegs hörten wir im Radio, dass ein erster heftiger Herbststurm auf die Küste zukam. Auch von einer leichten Sturmflut war die Rede.

Mit Elblink von Cuxhaven nach Brunsbüttel 

Fast zeitgleich mit uns traf das Elblink Fährschiff ein und entlud viele Lkws und PKWs. Anschließend begann sofort die Beladung. Pünktlich begann. die Fahrt auf der Elbe nach Brunsbüttel.

An Bord suchten wir uns einen windgeschützten Platz auf dem Oberdeck und genossen die Fahrt auf der Elbe. Leider gab es nur wenig Schiffsverkehr zu beobachten. Hinzu kam, dass das dunstige Wetter den Uferblick erschwerte. Immerhin konnten wir den Strand von Otterndorf, unseren Urlaubsort im Frühsommer, einmal vom Wasser bewundern. 

Pünktlich erreichten wir nach ca. einer Stunde Brunsbüttel. Nach dem Verlassen der Fähre machten wir uns auf den Weg nach Dagebüll. Das Wetter verschlechterte sich immer mehr. Der Wind rüttelte am Wohnmobil, während sich Sonne und Platzregen abwechselten. 

Elbefähre Cuxhaven – Brunsbüttel

In Husum legten wir einen Einkaufsstop ein, um unsere Lebensmittel- und Gasvorräte aufzufüllen. Das Wechseln der Gasflasche erforderte eine zweite Person, um um die Hecktüren festzuhalten.

Während der Mittagspause lasen wir im Internet, dass wetterbedingte Fahrplanänderungen im Fährverkehr nach Föhr und Amrum möglich sind. Die Überfahrten zu den Halligen fielen bereits dem kommenden Hochwasser zum Opfer.

Fährfahrt bei Sturmflut

Etwas beunruhigt fuhren wir nach Dagebüll. Nach dem kontaktlosen Einchecken standen wir in der Wartespur und sahen die Bescherung. Obwohl der höchste Wasserstand noch nicht erreicht war, schlugen die Wellen hoch gegen den Fähranleger und überspülten diesen bereits leicht. 

Auf dem Rückweg von einer schnellen Fotorunde mußte ich mich beeilen, denn wenige Minuten später wäre der Rückweg nur noch mit nassen Füssen möglich gewesen. Immer wieder sahen wir Besucher mit nassen Hosen, die sich zu weit auf die Mole hinaus gewagt hatten.

Aller Befürchtungen zum Trotz erschien das Fährschiff Utlande pünktlich am Anleger. Die beförderten Fahrzeuge verließen das Schiff durch etwa 15cm hohes Wasser. Immer wieder hatten einige Fahrzeuge Pech und wurden von einer Gischtwelle regelrecht geduscht.

Gespannt schauten wir zu, denn das Wasser stieg langsam, aber stetig. Irgendwann hatten alle Fahrzeuge das Schiff verlassen und die Beladung begann. Die Zufahrt zur Fährrampe stand unter Wasser, ganz langsam suchten sich die Autos den Weg auf das Schiff. Erst ganz zuletzt durften die zwei großen Fahrzeuge an Bord. 

Mutig und mit Schrittgeschwindigkeit fuhren wir durch das Wasser. Natürlich erwischte uns die Duschwelle voll und sorgte für eine Teilreinigung mit Salzwasser.

Wir waren froh, als wir das Deck der Fähre unbeschadet erreicht hatten. Durch den hohen Wasserstand ging es steil hinauf. Wieder einmal bangte ich bei einer Fährverladung um die Trittstufe, dem tiefsten Punkt unseres Pössl.

Die Überfahrt verlief erstaunlich ruhig. Nur der Himmel bot uns ein spannendes Schauspiel. Auch die Entladung der Fähre verlief reibungslos und ohne nasse Reifen.

Nachdem wir wieder festen Teer unter den Reifen hatten, erreichten wir schnell unsere Adresse für die nächsten Tage, den Wohnmobil-Ankerplatz Utersum. Dort wartete schon ein schöner Stellplatz auf uns. (Mehr dazu in unserem Reisetipp: “Föhr, Inselurlaub mit Wohnmobil?” der in Kürze erscheint.)

Schon die erforderliche Hunderunde führte uns an den Strand. Dort zeigte sich das Wattenmeer sturmbedingt als wildes Meer mit Wind und Wellen. Obwohl Hochwasser schon vorbei war, überflutete das Wasser noch den Anlegesteg.

Der Wind rüttelte weiterhin am Wohnmobil und in der Nacht klopfte der Regen lautstark auf das Dach. Erst am nächsten Morgen besserte sich das Wetter etwas. Der starke Wind sorgte für einen ständigen Wechsel zwischen Regen, dunklen Wolken und Sonnenschein. Nach jedem Spaziergang freuten wir uns, wieder in das warme und windstille Wohnmobil zurück zu kommen.

Dann hatte der Wettergott ein Einsehen mit uns.  Die nächsten Tage herrschte sehr angenehmes Herbstwetter mit Temperaturen bis 18Grad. Erst am Vorabend unserer Abreise verhinderte der Dauerregen unseren Spaziergang zu einem Restaurant.

Föhr, ein Urlaub mit Erinnerungen

Unsere früheren Besuche auf Föhr liegen ca. 25 jähre zurück. Damals besuchten wir mit unseren kleinen Kindern gern die Insel, da der endlose kinderfreundliche  Sandstrand ein idealer Ort für einen entspannten Familienurlaub war. So ist es nicht verwunderlich, dass an vielen Stellen Erinnerungen an die damaligen Reisen aufkamen.

Einmal machten wir uns gezielt auf die Suche nach den damaligen Unterkünften. Fündig wurden wir nur einmal am Wyker Südstrand. Ebenso sicher sind wir, dass der Lieblingseisverkauf unserer Kinder von einem Andenkenladen verdrängt wurde.

Utersum, Urlaub zwischen Wiesen, Deich und Meer 

Vom schönen Wohnmobilstellplatz ist es nicht weit zum Sandstrand von Utersum. So ist es nicht verwunderlich, dass es uns immer wieder an das Wasser zog. Bei Ebbe gingen wir im festen Sandwatt spazieren und beobachteten Wattwürmer. Bei Flut patschten wir im seichten, noch warmen Wasser umher.

Da der Utersumer Sandstrand an der Westseite der Insel beginnt, wandert der Blick immer auf die vorgelagerten Inseln Sylt und Amrum. Gleichzeitig ist der Strand ein vielbesuchter Platz, um den Sonnenuntergang im Wattenmeer zu beobachten.

Morgens um 8:00Uhr ist Für noch in Ordnung

Zu unserer Morgenroutine gehört die Morgenrunde mit unserem Hund Sam. Gleich nach dem Aufstehen gehts los. Noch vor dem Frühstück erkunden wir die Welt. Auf Föhr führte uns der Weg immer an den menschenleeren Strand.

Bereits am ersten Morgen fotografierte ich die morgendliche Stimmung. Da sich der Blick über das Wattenmeer in Richtung Amrum und Sylt jeden Tag änderte, entstand anfangs unbeabsichtigt die folgende Bilderserie aus sehr ähnlichen, aber doch verschiedenen Aufnahmen. Abschließend mogelte sich dann noch ein Abendbild in die Serie.

Ausflüge mit dem Rad 

Föhr ist eine Radfahrerinsel. Das Rad ist das optimale Verkehrsmittel zur Erkundung der Insel. So kamen auch unsere Räder mehrfach zum Einsatz. Dank Elektroantrieb störte uns der dauernde Gegenwind nur wenig.

Wir besuchten die hübschen Inseldörfer Nieblum und Oldsum und fuhren an der nicht besiedelten Nordküste entlang. Dabei sorgte der Scooter meiner Frau für Unterhaltung. Aus unerklärlichen Gründen begann er immer öfter zu quietschen. Trotz intensiver Suche und dem massiven Einsatz von Öl und Fett fanden wir den Verursacher nicht. 

Dennoch machten wir uns immer wieder zu Touren auf den Weg. Wir trafen Wildgänse und Schafe, mutige Wattwanderer und hübsche Cafés. Mit leckerem Eis Märkten wir uns gern für die Rückfahrt. Auch einige Fruchtaufstriche wanderten in das Wohnmobil. Marmelade darf ich nicht schreiben, sagt die Lebensmittelfachfrau.

Eine jahreszeitliche Besonderheit gab es auf den Wiesen der Marsch im Norden der Insel. Dort wurden die Radfahrer immer vom Geschnatter der Wildgänse begleitet. Tausende dieser Vögel standen auf den Wiesen und unterhielten sich lautstark über die Lage der Dinge. Ab und an standen Flugübungen auf dem Programm.

Besuche in der Inselhauptstadt

Obwohl auf Föhr die Entfernungen überschaubar bleiben, nutzten wir mehrfach das Wohnmobil, um Wyk einen Besuch abzustatten. In Hafennähe fanden wir immer einen Parkplatz, meist in der Nähe der Supermärkte (Rewe und Lidl). Wie bereits vor 25 Jahren schlenderten wir den Sandwall, die Hauptstraße des Ortes, entlang. Die Besonderheit ist, dass die Straße stellenweise einer Strandpromenade gleicht. Der Meer- und Strandblick ist garantiert.

Viele Dinge erkannten wir wieder. Nur die Musik in der Konzertmuschel hat sich im Laufe der Zeit verändert. Wo früher die klassische Geige den Ton angab, erklangen diesmal Stücke von Jimi Hendrix. Auch die Kurmusik ist einem Wandel unterworfen.

Wir schlenderten mehrfach am endlosen Sandstrand entlang und patschten am Hundestrand im Wasser. Insbesondere der endlose Südstrand kam uns sehr vertraut vor. Obwohl die Insel im September noch gut besucht war, gab es wie immer am Strand genug Platz für jeden Besucher.  

Abschied von Föhr 

Nach einer Woche lief unsere Zeit auf Föhr ab und die Fähre erwartete uns, um uns wieder an das Festland zu bringen. Zum Abschied weinte sogar der Himmel und der Sturm heulte. Wie schon bei unserer Anreise brachte der Wind den Fährplan durcheinander. Diesmal bekam das Wohnmobil keine nassen Räder. Jedoch verzögerte sich die Abfahrt um eine Stunde.

Rückblickend verbrachten wir eine schöne Zeit auf Föhr. Die erhöhten Kosten für die Fähre bereuten wir nicht. Dafür bekamen wir eine wirklich erholsame Urlaubswoche als Gegenwert. Es wird nicht unser letzter Aufenthalt auf Föhr gewesen sein.

Über Nordstrand nach Büsum

Hallig Nordstrandischmoor mit Regenbogen

Da wir es nicht eilig hatten, wählten wir eine Route immer an der Küste entlang nach Süden. Spontan entschieden wir uns, unsere Mittagspause am Beltringharder Koog auf Nordstrand zu verbringen. Diesen Küstenabschnitt und den Parkplatz mit Meerblick kannten wir schon von einer früheren Tour.

Es folgte dort wieder einmal ein Deichspaziergang bei Sonnenschein und Sturmböen. Wieder zurück im Wohnmobil genossen wir noch die Aussicht auf das Wattenmeer und die Insel Pellworm. Nur ab und zu störte uns das wackelnde Wohnmobil im Wind.

Die nächste spontane Entscheidung führte uns weiter nach Büsum. Auf dem uns gut bekannten Campingplatz (Reisebericht: Nordfriesland im September) fanden wir problemlos einen Platz. Allerdings klappte der Deichspaziergang nicht ganz. Diesmal wechselten Sonnenschein und Regen zu schnell. So erhielten wir eine kalte Dusche.

Am nächsten Tag wollten wir mit der Kleinbahn “Krabbenexpress” vom Campingplatz in das Zentrum fahren. Leider erschien die Bahn nicht zur planmäßigen Abfahrtszeit. Nach einiger Wartezeit machten wir uns zu Fuß auf den Weg Richtung City. Dort erfuhren wir, dass die Kleinbahn bei Sturm nicht verkehren darf. Die Fahrzeuge sind zu leicht und könnten bei Sturm umkippen.

Wir schafften es auch zu Fuß, immer auf dem Deich entlang, die Einkaufsmeile zu erreichen. Ohne größere Ausgaben gingen wir weiter zum Hafen und zum Ankerplatz. Dort gab es leckere Fischbrötchen und ein Eis, bevor wir uns auf den “langen” Rückweg begaben.

Rückfahrt mit einem kleinen Umweg

Am nächsten Tag stand die erste Etappe der Rückfahrt auf dem Programm. Beim Frühstück teilte uns der NDR mit, dass in Hamburg mit erheblichen Staus zu rechnen sei. Hinzu kam, dass wir noch keine richtige Lust hatten, die Küste zu verlassen.

Wieder einmal war es meine Frau, die die richtige Idee hatte. Eine schnelle Routenplanung bestätigte die Machbarkeit. So starteten wir die Rückfahrt nach Süden mit einer kurzen Fahrt nach Norden. Von Büsum ging es nach St.-Peter-Ording an den endlosen Sandstrand.

Dank des wechselhaften Wetters, kurze Schauer und Sonnenschein wechselten sich einmal mehr ab, gab es noch viel Platz am Strand für unser Wohnmobil. Nach einem kurzen, aber heftigen Regenschauer hatten wir den endlosen Strand fast für uns allein.

Den Tag über hörten wir im Radio von langen Staus vor dem Elbtunnel in Richtung Süden. Die Großbaustellen in Hamburg verursachten die erwarteten Schwierigkeiten. Wir stauten nicht mit, sondern genossen unseren zusätzlichen Strandtag auf Spaziergängen und im warmen Wohnmobil.

Ein teures Bild von der Rückfahrt

Erst gegen 17:00Uhr machten wir uns klar zur Abfahrt. Und wir hatten Glück, unser Plan ging auf. Ohne jeden Stau fuhren wir am Abend durch Hamburg und den Elbtunnel. Kurz nach 20:00Uhr erreichten wir unser Tagesziel. Wieder einmal nutzten wir den autobahnnahen Stellplatz in Soltau zur Zwischenübernachtung auf der Rückfahrt.

Wie schon im Frühjahr klappte der pünktliche Start in Soltau auch diesmal nicht. Wir schliefen lange und die Hunderunde durch den schönen Wald dauerte seine Zeit. So erreichten wir erst gegen 10:30Uhr die Autobahn.

Da ich die Route über die A7 nicht mag, wählten wir die Alternative über Osterode und Nordhausen nach Erfurt und Nürnberg. Die Route ersparte uns die üblichen Staus und Baustellen auf der A7 und dauerte gemäß Navi nur 15 Minuten länger.

Es klappte gut und wir erreichten nach mehreren Pausen am frühen Abend unsere Heimat. Der einzige Fehler war der Fotograf an einer unscheinbaren Baustelle bei Nordhausen. Das nicht gut gelungene Foto in mieser Druckqualität kostete 30€.

Damit endete mal wieder eine Reise. Da wir drei Orte mit sehr unterschiedlichem Charakter besuchten, folgt in Kürze das Fazit in einem eigenen Artikel.

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