Spätsommer an der Nordsee (2) – Dorum an der Wesermündung

letzte Änderung 24/10/2021

Nach einigen Tagen in Ostfriesland starteten wir zum zweiten Teil unserer Nordseetour. Von Norddeich fuhren wir immer die Küste entlang bis nach Wilhelmshaven. Auf einem Strandparkplatz bei Hooksiel legten wir eine längere Pause ein und nutzten den Deich für einen Spaziergang am Beginn des Jadebusens.

Strand bei Hooksiel

Ein Hafen ohne Schiffe

Unser Pausenplatz befand sich in der Nähe des JadeWeserPorts Wilhelmshaven (Schreibweise von der Website übernommen), dem neuen deutschen Tiefwasser-Hafen. So überlegten wir, die Ausstellung in der Hafeninformation zu besichtigen.

Allerdings verabschiedeten wir uns schnell wieder von der Idee, nachdem wir erfahren hatten, dass für einen Ausstellungsbesuch sogar Gummi- Einweghandschuhe verlangt wurden. Diese Corona-Maßnahmen gingen uns zu weit. Schließlich ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Schmierinfektion nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Der zweite Grund war die gähnende Leere im Hafen. Nur ein einsames Feederschiff lag an der langen Kaimauer. Ich bin gespannt, ob aus dem teueren Projekt jemals ein richtig genutzter Hafen wird. 

Ein Campingplatz wird abgebaut

Dank des Wesertunnels erreichten wir bald unser Ziel, den Knaus Campingplatz in Dorumer Neufeld. Dort schlugen wir für die nächsten Tage unser Lager auf. Bei unserer Ankunft und am nächsten Wochenende herrschte noch normaler Betrieb auf dem Platz. Die Auslastung lag etwa bei 50% (geschätzt). Dies änderte sich stark zum Ende unseres Aufenthalts

Der Abbau des Platzes begann, viele Dauercamper räumten ihre Parzellen. Die Mietwohnwagen wurden zum Abtransport bereit gemacht. Durch die Lage vor dem schützenden Deich wird der Campingplatz jedes Jahr zum Winter hin komplett zurückgebaut. Nach Abschluss der Arbeiten werden nur noch Wege, Platzmarkierungen und einige Fundamente an einen Campingplatz erinnern. Selbst die Sanitäranlagen befinden sich in Containern und werden im Winter irgendwo hinter dem Deich gelagert.

Unseren Aufenthalt beeinflussten die Arbeiten nur wenig. Wir suchten uns nach Beginn der Arbeiten einen neuen Stellplatz ganz abseits der Arbeiten und genossen den sich täglich vergrössernden Freiraum um uns herum. Die gesamten Serviceeinrichtungen (Brötchen, Rezeption usw.) standen weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung. Es gab sogar weiterhin frische Brötchen.

Der Fisch steht im Mittelpunkt

Der kleine Hafen in Dorum wird noch von fünf traditionellen Krabbenkuttern regelmäßig genutzt. Während unserer Anwesenheit blieben die Kutter nur am Wochenende im Hafen. Da die Zufahrt nur bei Flut schiffbar ist, begann und endete die Arbeit der Fischer oft in den Nachtstunden.

Fischkutter in Dorum

Der Fisch steht in Dorum auch bei den Tagesbesuchern im Mittelpunkt. Direkt am Hafen stehen einige Buden mit Fischverkauf. Vom Fischbrötchen bis zum kompletten Backfischgericht reicht das Angebot. Bei schönem Wetter nahmen viele Besucher das Angebot gern an. Auch das eine oder andere Getränk wurde verzehrt. Am Wochenende herrschte fast Volksfeststimmung.

Ein historischer Leuchtturm mit neuen Aufgaben

In Dorum werden Hafen und Strand vom Leuchtturm Obereversand überragt. Die Geschichte des Leuchtturms ist beachtenswert, da das Seezeichen ursprünglich an anderer Stelle in der Wesermündung im Einsatz war.

Durch eine Änderung des Schifffahrtsweges entfiel die Aufgabe des Turmes an seinem Standort. Mehrere Jahre stand er ungenutzt in der Wesermündung. Erst 2003 versetzten die Betreiber das historische Bauwerk nach Dorum. Dort dient er als Anziehungspunkt für die Besucher der Wurster Küste und signalisiert die Hafeneinfahrt. Ganz nebenbei nutzt das Standesamt den Turm für Trauungen.

Dank Corona konnten wir den Turm nicht besichtigen. Uns blieb nur der Blick von den obersten Stufen der Zugangstreppe. Immerhin erwies sich der Leuchtturm als dankbares Fotomotiv.

Dorum, Leuchtturm Eversand

Ein Leuchtturm, viele Gesichter

Urlaub zwischen Wiesen und Watt 

Wir verbrachten unsere Tage mit Radtouren und Spaziergängen am, vor und auf dem Deich.  So besuchten wir die nächsten Kutterhäfen Cappel-Neufeld und Spieka-Neufeld.

Hinzu kamen natürlich einige Spaziergänge im Watt, Ein Aufenthalt am Wattenmeer ohne schmutzige Füße geht nicht. Zu unserem Erstaunen war die Wassertemperatur noch sehr angenehm und lud zum längeren Watttouren ein. Auch unser Hund fand den Meeresboden sehr spannend. Nur mit dem Geschmack des Wassers konnte er sich nicht anfreunden.

Spaziergänge im Watt und im Deichvorland

Bremerhaven, einmal um die Welt in drei Stunden

Da Bremerhaven nur wenige Kilometer entfern war, statteten wir natürlich der zweitgrößten deutschen Hafenstadt wieder einmal einen Besuch ab. Nach einer nicht ganz einfachen Parkplatzsuche begaben wir uns auf eine Reise um die Welt. Im Klimahaus führt die Ausstellung die Besucher in 9 Orte in unterschiedlichen Klimazonen. 

Um die Orte möglichst perfekt zu simulieren, wird sogar das Raumklima angepasst. Am Nordpol betrug die Raumtemperatur nur -9°C. Wenige Schritte vorher trieb uns das tropische Klima die Schweissperlen auf die Stirn.

Insgesamt gefiel uns die Ausstellung sehr gut. Die Bedeutung der Klimazonen und deren Veränderungen werden spannend und ohne erhobenen Zeigefinger dargestellt. Wir verbrachten viel Zeit auf dem Rundgang, ohne uns zu langweilen.

Auf weitere Besuche verzichteten wir, da wir die moderne Hafenstadt schon mehrfach besucht hatten. Hinzu kommt, dass ich Autotransportschiffe für die hässlichsten Schiffe der Meere halte. (In Wahrheit wartete unser Hund auf unsere Rückkehr)

Cuxhaven in der Nachsaison

Auf unserer Frühjahrstour nach Otterndorf verzichteten wir auf einen Abstecher nach Cuxhaven. Dies holten wir jetzt nach. Zu unserer Überraschung fanden wir sofort einen Parkplatz in Strandnähe, ohne gegen ein Verbot verstossen zu müssen. 

Da die Kurkartensaison bereits beendet war, durften wir sogar den Strand gebührenfrei in Augenschein nehmen. So erhielt sich meine Kurtaxen-Allergie keinen neuen Schub. 

Unser Ziel war wieder einmal die Kugelbake, die Grenze zwischen Elbe und Nordsee. Wieder war es nicht übersehbar, dass auch im Herbst noch viele Reisende unterwegs waren. Trotz des durchwachsenen Wetters besuchten zahlreiche Urlauber das Wahrzeichen von Cuxhaven. 

Strandbilder aus Cuxhaven

Nach einem langen Strandspaziergang an den Sandstränden von Cuxhaven fuhren wir nach Spieka an den Kutterhafen. Nach einer längeren Mittagspause ignorierten wir die Warnzeichen am Himmel und begaben uns auf die fällige Hundegasse. Es kam, wie es kommen musste. Der Himmel öffnete seine Schleusen. Obwohl wir nur ca. 500m zu gehen hatten, erreichten wir völlig durchnässt unser Wohnmobil. 

Dennoch fanden wir den Besuch interessant, denn am kleinen Hafen befindet sich ein Stellplatz, den wir uns schon für weitere Nebensaisonreisen gemerkt haben.

Abschied von Dorum

Nach einer schönen Woche verließen wir in aller Frühe Dorum und begaben uns auf den Weg zu unserer nächsten Station. Zwei Fähren und eine Sturmflut warteten an diesem Tag auf uns. Dies ist eine andere Geschichte und ein anderer Reisebericht…..

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