Nordfriesland im September

Dieser Reisebericht ist in mehrerer Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen war es die erste Reise nach meiner Hüftoperation. So gehörten die Unterarmgehhilfen (Krücken darf ich nicht schreiben) immer dazu und meine eingeschränkte Beweglichkeit bestimmte den Reiseplan. Dennoch überwiegte meine Freude, wieder mit dem Pössl auf Tour  zu können.

Weiterhin beginnt unsere Reisebeschreibung nicht wie üblich in Mittelfranken. Persönliche Verpflichtungen sorgten dafür, dass der Start in den Urlaub erst in Niedersachsen erfolgte. 

Die erste Urlaubsnacht verbrachten wir auf dem kleinen aber feinen Stellplatz an der Mariana Watenbüttel ganz in der Nähe von Braunschweig. Der nächste Tag begann mit einem kleinen Regenschauer, das uns nicht an einem kleinen Spaziergang am Mittellandkanal hinderte. Schließlich warteten wir schon Wochen auf Regen.

Da wir keine Lust auf die Autobahnen A2 und A7 hatten, fuhren wir über die Landstraße nach Soltau. Wieder einmal fielen uns die vielen Wohnmobile mit den roten Herzen in den Waldwegen auf. Weiter ging es über die A7 und durch den Elbtunnel zum derzeitigen Dauerstau in Hamburg.

Spätsommer in Büsum

Am Nachmittag erreichten wir unser erstes Ziel, den Badeort Büsum an der Nordsee. Nach dem üblichen Einchecken auf dem Campingplatz starten wir zu einem ersten Rundgang auf dem Deich. Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um 20Grad störte die übliche steife Brise nicht.

Nach dem Abendessen holte ich noch unseren E-Scooter aus dem Wohnmobil und drehte eine Runde durch den Kurort. Schnell merkte ich, dass ich für das Fahren zu dünn angezogen war. So beschränkte ich mich auf eine kleine Runde durch Hafen.

Auf der Rückfahrt zeigten die Büsumer Einbahnstrassen ihre Tücken. Erst mit Hilfe meiner Handynavigation fand ich den kürzesten Weg zum Campingplatz zurück. 

Unseren ersten richtigen Urlaubstag nutzten wir, um uns Büsum näher anzuschauen. Mit der auf der Straße fahrenden Kleinbahn, die in Büsum als Busersatz dient, gelangten wir schnell und dank unserer Kurkarte kostenfrei in das Zentrum.

Obwohl der Wind heftig blies, besuchten wir die Watttribüne am Deich und schlenderten bis zur Spitze an der Hafeneinfahrt. Leider mussten wir den gleichen Weg zurück gehen, da eine Großbaustelle für ein neues Hotel den kürzeren Durchgang in Richtung Hafen und Innenstadt verhinderte. Dennoch erreichten wir mit einem kleinen Umweg die Fußgängerzone.

Wir nutzten das Angebot eines Fischladens und stärkten uns für weitere Unternehmungen. Mit einem Rundgang durch die Fußgängerzone ging es weiter. Irgendwann hatten wir genug vom sehr touristisch geprägtem Angebot der Läden und begaben uns wieder zum Startpunkt der Bahn. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die Bilder des Stadtbummels versehentlich sicher gelöscht habe.

Nach einer ausführlichen Mittagspause besuchten wir noch die Seeseite der Familienlagune. Für Freunde des Wassersports entstanden zwei Wasserbecken, die durch eine Insel vom Meer abgetrennt wurden. Stauwehre verhindern das Ablaufen des Wassers bei Ebbe. So entstand eine immer mit Meerwasser gefüllte Bucht. Während unseres Besuchs zeigten einige unerschrockene Kitesurfer ihre Kunststücke.

Familienlagune am frühen Morgen

Eine Verschlechterung des Wetters brachte das typische? Nordseeklima, graue Wolken und viel Wind. Wir verzogen uns in das warme Wohnmobil und verbrachten einen ruhigen Abend.

Regen und einige Heuler

Der Samstag begann spät und regnerisch. Immer wieder prasselten kurze, heftige Regenschauer auf das Dach unseres Pössl. Wir nutzten das schlechte Wetter zum Einkaufen. Unser Kühlschrank bedurfte einer erneuten Füllung und im Edeka störten uns die Schauer nicht.

Gut versorgt verließen wir Büsum in Richtung Friedrichskoog, Luftlinie ca. 15km von Büsum entfernt. Mit dem Auto wurden es dann fast 50km über kleine und kleinste Straßen. Bei der Umrundung der Melldorfer Bucht durchquerten wir mehrere Köge und kreuzten alte Deichanlagen.

So dauerte es seine Zeit, bis wir die Seehund-Aufzuchtstation erreichten. Durch Zufall fand bei unserer Ankunft gerade die Fütterung der Jungtiere statt. Um die Gesundheit der Tiere nicht zu gefährden, ist die Beobachtung jedoch nur aus den Fenstern im ersten Stock des Gebäudes in einiger Entfernung möglich.

Anschließend besuchten wir die „Dauereinwohner“ der Aufzuchtstation. Da die Becken auch über Fenster unter der Wasseroberfläche verfügen, konnten wir den eleganten Schwimmstil der Seelöwen gut beobachten. Zu unserem Erstaunen „spielte“ ein Jungtier mit einem Mädchen hinter der Scheibe. Der Seehund folgte dem Kind und versuchte das Plüschtier zu fangen. Ich fand es traurig, dass der junge Seehund nicht ausgewildert werden darf,  da er in Gefangenschaft zur Welt kam.

Friedrichskoog: Leider trennt uns die Scheibe..

Wissenswertes über die Sehundaufzuchtstation Friedrichskoog

An der Nordseeküste gibt es in Norddeich und in Friedrichskoog Seehundaufzuchtstationen. Dort werden Seehund- und Robbenwaisen behandelt und gepflegt, die sonst in der Nordsee verendet wären.

Zur Zeit unseres Besuchs waren in Friedrichskoog 52 Tiere in Pflege. Die Heuler werden tierärztlich betreut und teilweise mit der Flasche aufgezogen, bis der erste Fisch verdaut werden kann. Ziel ist es, die Jungen systematisch auf ein Leben in der freien See vorzubereiten und anschließend auszuwildern.

Neben den Heulern leben einige Seehunde ständig in der Aufzuchtstation. Diese Dauereinwohner können in zwei Becken auch unterhalb der Wasseroberfläche beobachtet werden.

Die Station wird von einem eingetragenem Verein betrieben und finanziert sich nur über Eintrittagelder und Spenden. Neben der Heuleraufzucht gehören Umweltbildung und Forschung zu den Aufgaben. In einer Ausstellung erfährt der Besucher viel über die putzigen Nordseebewohner.

Unsere ursprüngliche Planung sah vor, in der Meldorfer Bucht einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Leider verhinderte das nächste heftige Regenschauer unser Vorhaben. So besichtigten wir das neu gewonnene Land mit den vielen Vögeln nur aus dem Wohnmobil.

Nach unserer Rückkehr zum Campingplatz in Büsum holten wir die ausgefallene Hunderunde nach. Leider erreichten wir am Ende der Tour fünf Minuten zu spät das Wohnmobil. Ein heftiges Schauer erwischte uns und verursachte einen ungeplanten Kleidungswechsel. So endete der Tag vom Regen geprägte Tag im Wohnmobil.

Von Büsum nach Husum

In der Nacht verzog sich der Regen und am nächsten Morgen lachte die Sonne am blauen Himmel. Uns zog es weiter in Richtung Norden. Schnell merkten wir, dass sehr viele Tagesausflügler unterwegs waren. Das schöne Wetter und das Wochenende zog die Menschen ans Meer.

Den ersten Stopp legten wir auf dem Parkplatz am Eider-Sperrwerk ein. Die bekannte Hochwasserschutzanlage mit ihren großen Toren schützt das große Eidergebiet vor Sturmfluten.  Gleichzeitig steuert das Bauwerk den Durchfluss bei Ebbe und Flut, um eine Versandung der Eider zu verhindern. 

Schautafeln erklären dem interessierte Besucher die Aufgaben und die Funktion des Sperrwerkes und der dazu gehörenden Schleuse. Das begehen der Sperrmauer ist interessant, denn erst aus der Nähe werden die Dimensionen der Tore erlebbar. Da der Verkehr unterhalb des Fußweges in einem „Tunnel“ verläuft, bekommt der Besucher von der viel befahrenen Bundesstraße nur wenig mit.

Da gefühlt alle Hamburger Autos nach St. Peter-Ording an den Strand unterwegs waren, verschoben wir den Strandbesuch auf später und unternahmen irgendwo im Nirgendwo einen Deich- und Strandspaziergang. Bis auf unseren Hund, der immer noch keine Schafe mag, genossen wir die frische Luft und den Sonnenschein. Diesen Abschnitt der Küste hatten wir fast für uns allein. Erst später stellten wir fest, dass wir in Everschopsiel unterwegs waren. 

Wieder ging es durch Köge und über Deiche, schließlich landeten wir am Strand von Husum. Der folgende Strandspaziergang führte uns zu den Husumer Windhosen, einem Kunstwerk direkt am Meer.  Dabei entdecken wir den zu dieser Zeit noch völlig leeren Stellplatz am Campingplatz. Wir entschieden spontan, die Nacht dort zu verbringen.

Am Abend startete ich noch zu einer Runde mit dem Scooter. Die Fahrt führte mich in das Zentrum von Husum und durch den Hafen. Unterwegs stattete ich auch dem vollen Stellplatz in der Stadt einen Besuch ab. Unsere Entscheidung für den Platz in der Einsamkeit der Marsch bereute ich nicht. 

Am nächsten Morgen zwang uns die Vorratslage in die Stadt. Wir brauchten Gas und eine neue Füllung für den Kühlschrank. Wieder einmal durfte ich den Gasflaschenwechsel in einem Baumarkt üben. Der Ablauf ist in jedem Markt anders geregelt. Muß das sein? 

Der Beltringer Koog mit vielen Vögeln und Eisenbahnverkehr

Von Husum ging es wieder über kleine Straßen durch die Kooge. Unser Ziel war der Beltringer Koog. Die Eindeichung des Areals geschah erst in den 80ziger Jahren. Es entstand ein Naturschutzgebiet, dass viele Vögel gern annahmen.

Wieder einmal führte uns unser Weg auf den Deich. Beim nächsten Urlaub an der Nordsee zähle ich mit, wie oft der künstliche Berg bestiegen wird. Diesmal blickten wir auf das Wattenmeer mit der Hallig Nordstrandischmoor. Wir hatten Glück und erlebten die Ankunft zweier Loren der kleinen Halligbahn. Die urige, ganz einfache Bahn dient zur Versorgung der Bewohner von Nordstrandischmoor durch das  Wattenmeer. 

Während unseres Spaziergangs bewarb sich unser Hund Sam mehr oder weniger erfolglos als Bewegungstrainer für Schafe. Irgendwie müssen wir ihm den richtigen Umgang mit den laufenden Wollknäulen noch beibringen. Nur fehlen uns dazu in unserer Heimat die Trainingstiere.

Weiter ging es über die kleinen Straßen in Richtung Nordstrand. Wir überquerten die Halbinsel und landeten schließlich auf dem kleinen Campingplatz im Elisabeth-Sophien-Koog. Wie wir dem Ortsschild entnehmen konnten, waren wir angekommen, wo wir schon immer hin wollten, nach Oben.

Wir richteten uns häuslich ein und genossen die Ruhe und die spätsommerliche Nachmittagssonne. Am Abend kam wieder einmal der E-Scooter zum Einsatz. Ich fuhr noch den Deich entlang bis zum Hafen der Ausflugsschiffe und der Pellwormfähre. Die Rückfahrt verlief spannend, da ich der Reichweite des Scooters noch nicht ganz traute. 

Die Ladung der Batterie reichte und der Scooter brachte mich wieder zum Campingplatz zurück. So stand einem ganz ruhigen Abend, nur vom Geschrei der Wildgänse unterbrochen, nichts mehr im Wege

Westerhever, der bekannte Leuchtturm 

Der Wetterbericht hatte recht, schon am Morgen bei meiner Frührunde zeigte sich das Wetter von der besten Seite. Wir bummelten wieder einmal bei der Morgenroutine und beim Frühstück. So starteten wir leicht verspätet zu zwei der bekanntesten Punkte in Nordfriesland.

Zuerst fuhren wir nach Westerhever zum dortigen Leuchtturm. Schon vorher war uns klar, dass wir den markanten Turm nur aus der Ferne zu sehen bekommen, da der Fußweg durch die Salzwiesen für mich und meine Unterarmstützen, Krücken genannt, zu weit war. So beschränkten wir uns auf den Blick vom Deich auf die Warft mit dem bekannten Turm und seinen Nebengebäuden.

Ein kleiner Tipp am Rande: Der Parkplatz am Leuchtturm funktioniert nach dem Parkhaussystem mit Schranken an der Ein- und Ausfahrt. Die Gebühr richtet sich fairerweise nach der Parkdauer.

Westerhever: Der Deich als Aussichtspunkt
Westerhever Weg zum Leuchtturm
Westerhever: Der Leuchtturm

Sankt-Peter-Ording, zwei Sommertage im September

Weiter ging es zum zweiten Ziel des Tags, an den Strand von Sankt Peter Ording. Nach Errichtung der Park- und Kurgebühr hatten wir das Glück, einen Parkplatz in der ersten Reihe des riesigen Strandparkplatzes zu ergattern.

So verbrachten wir den Rest des Tages am Strand. Durch das Sommerwetter im September pulsierte das Strandleben fast wie im Hochsommer. Ganz Mutige wagten sich sogar in die Fluten oder fröhnten der Freikörperkultur.

Erst am Abend entschieden wir uns, nochmals nach Büsum zum uns bereits bekannten Campingplatz zu fahren. Die neuen Duschen konnte ich gut mit meinen Krücken nutzen. Mit einem Besuch auf dem Deich und einem leckerem Essen aus der Bordküche ging dieser Tag zu Ende.

Das schöne Sommerwetter blieb uns am nächsten Tag erhalten. Schon auf dem Weg zum Brötchenkauf schien die Sonne an einem durchgehend blauen Himmel. So überlegten wir nicht lange und beschlossen, einen weiteren Strandtag in Sankt Peter-Ording zu verbringen.

In St-Peter-Ording dürfen die Autos mit an den Strand. Der Sand ist fest genug um befahren zu werden. Gegen Zahlung der Gebühr (12€ für 1 Womo und zwei Personen) dürfen auch die Wohnmobile mit an den Strand. Leider hat die Freude spätestens um 22:00Uhr ein Ende, dann herrscht Parkverbot.

Während unseres Besuchs Mitte September gab es immer noch ein Plätzchen in der ersten Reihe. So konnten wir im Windschatten des Wohnmobils sitzen oder bequem aus der Sitzgruppe den Strand beobachten. In der Hauptsaison wird dies kaum möglich sein, denn selbst im September glich die erste Parkreihe einer Wohnmobilausstellung.

Der Rest ist schnell erzählt. Strandspaziergänge, Hundebaden und viel Ruhe prägten den Tag. Erst gegen Abend machten wir uns auf den Weg ein wenig Neuland zu erkunden. Wir landeten auf dem Wohnmobilstellplatz in Tönning, direkt an der Eider gelegen. Mit einer kleinen Ortsbesichtigung gingen diese herrlichen Sommertage im September zu Ende.

Von der Eider an den Nord-Ostsee-Kanal

Am Morgen merkten wir es deutlich, der Sommer nahm endgültig Abschied. So frühstückten wir ganz in Ruhe und beobachteten das auflaufende Wasser der Eider. Nach einer längeren Hunderunde ging es weiter. 

Begleitet von Regenschauern fuhren wir an den Nord-Ostsee-Kanal. Zum Abschluss unseres Kurzurlaubs stand Schiffsbeobachtung auf dem Programm. Wir landeten auf dem Stellplatz in Schacht Audorf und fanden am Mittag sogar noch einen annehmbaren Stellplatz.

Damit war der weitere Tagesablauf festgelegt. Mit Spaziergängen am Kanal, Schiffsbeobachtung und viel Ruhe verbrachten wir den Rest des Tages. Der Wind nahm zu und der NDR warnte vor dem ersten heftigen Herbststurm des Jahres.

So blieb Zeit für den Blog. Meinen älteren Artikel zum Nord-Ostsee-Kanal gibt es dank des ungemütlichen Windes jetzt in einer aktuellen Version,

Am nächsten Morgen erreichte der angekündigte Sturm Norddeutschland. So erleichterte uns das Wetter das Urlaubende. Allerdings litt die erste Etappe der Rückfahrt stark unter den Wetter. Selbst auf der Autobahn konnten wir nur langsam fahren, um im starken Regen nicht vom Winde verweht zu werden. 

So schafften wir es gerade noch halbwegs pünktlich, bei Verwandten in Walsrode anzukommen. Und damit endet dieser Bericht, wie er begonnen hat, irgendwo in Niedersachsen. 

Fazit

Der Kurzurlaub im September zeigte uns wieder einmal, dass es reicht, nur für ein paar Tage aus dem Alltag zu entfliehen, um den Kopf frei zu bekommen. Für mich persönlich war die Reise ein einziges Erfolgserlebnis, da sich meine Beweglichkeit und mein Laufen täglich besserte.

Die besuchten Orte bestätigten wieder einmal unsere Vorurteile gegen die deutschen Badeorte. Kurtaxe an jeder Ecke, strenge Regeln und viel Tourismus. Dennoch werden wir immer wieder mal an die Nordsee fahren, um die Weite und die frische Luft zu geniessen.

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