Umweltzonen in Frankreich, wie geht das?

Ab April benötigen auch ausländische Fahrzeuge in Frankreich eine Schadstoffplakette, wenn eine der Umweltzonen befahren werden soll. Derzeit herrscht bei vielen Wohnmobilisten Unklarheit, was zu tun ist. 

Sobald es um Umweltzonen geht, schlagen die Wellen hoch. Die Diskussion wird nicht immer sachlich und ruhig geführt. Daher habe ich mich entschieden, in diesem Artikel einfach nur die Regelungen in Frankreich zu beschreiben und nicht weiter auf die Hintergründe einzugehen. Als Gast in einem Land gelten die örtlichen Regelungen und müssen so hingenommen werden.

Wo bestehen Umweltzonen mit Plakettenpflicht?

Ähnlich zu den bei uns bekannten Umweltzonen werden derzeit in Frankreich Sperrzonen für Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoss neu ausgewiesen. Aktuell bestehen drei Gebiete mit einschränkenden Regelungen. Es handelt sich um die Innenstadt von Paris (Innerhalb des Bd Peripherique) , den Großraum Grenoble und das Stadtgebiet von Lyon.

Viele weitere Städte unterschiedlicher Größe beschäftigen sich mit der Einführung. Im Netz stehen Hinweise auf ca. 60 unterschiedlich große Gemeinden. Für uns deutsche Besucher ist besonders die Entwicklung in Strasbourg interessant. Die Einführung einer Umweltzone soll noch 2017 erfolgen. Aktuell wird noch die Ausgestaltung diskutiert.

Welche Plaketten erhalten die Wohnmobile?

In unserem Nachbarland  gibt es 6 verschiedene Schadstoffstufen. Ein Beispiel: Wohnmobile unter 3,5to mit Euro 5  erhalten eine gelbe Plakette (Stufe2), die jedoch zum Befahren aller Gebiete berechtigt. Nach meinen Recherchen ist es nicht möglich, mit Dieselfahrzeugen eine bessere Einstufung zu erreichen. Selbst Euro 6 Fahrzeuge mit Dieselmotor werden in diese Gruppe eingestuft.

Darf ich mit meiner Plakette in die Umweltzone fahren?

So schlimm, wie die ersten Meldungen klangen, ist die Regelung nicht. Zur Zeit gibt es eine Entwarnung für alle Frankreichfreunde. Fahrzeuge mit gelbem Aufkleber an der Frontscheibe dürfen die bisher festgelegten Gebiete ohne Einschränkung befahren.

Für uns Besucher ist es schwierig, den Überblick zu bewahren, denn für die einzelnen Umweltzonen gelten unterschiedliche lokale Regelungen. Während die Innenstadt von Paris nur zu bestimmten Tageszeiten für Fahrzeuge ohne Plakette gesperrt ist, entscheidet bei anderen Zonen die tatsächliche Schadstoffbelastung der Luft. Die Sperrungen werden am Tage vorher veröffentlicht. Zusätzlich sollen Hinweisschilder auswärtige Fahrer informieren,

Eine gute Übersicht über den jeweils aktuellen Stand findet man auf der Seite des französischen Tourismuszentrale. Dort sind die einzelnen Gebiete beschrieben.

Wie erhalten Touristen die Schadstoffplakette?

Für ausländische Fahrzeuge reicht bis zum1.4.2017 der Fahrzeugschein als Beleg der Schadstoffklasse. Erst nach dem Stichtag wird eine Plakette zum Befahren benötigt.

Die einzige Möglichkeit, die bunten Aufkleber ohne einen saftigen Aufpreis zu erhalten, führt über die Internetseite des französischen Umweltministeriums. Dort kostet die Ausstellung 4,80€. Leider gibt es die Seite nicht in deutscher Sprache. Nur eine englische Übersetzung steht zur Verfügung. Zur Bezahlung benötigt man eine Kreditkarte. Der Fahrzeugschein muss eingescannt und hochgeladen werden. Gemäß den Angaben auf der Seite soll die Bearbeitung innerhalb von 30 Tagen erfolgen.

Alle anderen Fundstellen im Netz verkaufen ebenfalls die offiziellen Plaketten. Allerdings verlangen die Anbieter dafür eine erhebliche Gebühr. Die Gesamtkosten belaufen sich dann auf ca. 25€. Die einzige Mehrleistung ist eine deutsche Webseite. Die Plaketten kommen alle aus der gleichen Quelle. Auf ein Verlinken dieser Anbieter verzichte ich an dieser Stelle.

Meine Erfahrung

Da ich in Kürze in Paris unterwegs sein werde, habe ich meine Plakette direkt in Frankreich bestellt. Für den sehr einfachen Bestellvorgang reichen wirklich rudimentäre Kenntnisse der englischen Sprache. Nach Auswahl des Menüpunktes müssen in einem Fenster einige Daten des Halters und des Fahrzeugs eingegeben werden. Anschließend wird der Benutzer aufgefordert, den Fahrzeugschein hochzuladen.

Zu beachten ist, dass die Plakette immer an die im Schein angegebene Anschrift des Halters versandt wird. Eine Lieferung an eine andere Anschrift ist anscheinend aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Bei diesem Vorgang erhielt ich eine Fehlermeldung, da meine Datei auf Grund der Größe abgelehnt wurde. Erst ein neuer Scan mit geringerer Auflösung brachte die Lösung und der upload funktionierte reibungslos.

Meine Kreditkarte wurde sehr schnell mit dem Betrag von 4,80€ belastet. Die im Netz versprochene Statusverfolgung klappte nicht, da die Eingabemaske die Eingabe des deutschen Kennzeichens nicht akzeptierte. Derzeit, eine Woche nach der Bestellung, warte ich auf die Unterlagen aus Frankreich. Ich werde an dieser Stelle weiter berichten.

Mittlerweile erhielt ich eine Mail mit der Rechnung und dem Zertifikat. Wie erwartet ist das Fahrzeug in Gruppe 2, (Gelb) eingestuft. Der Aufkleber befindet sich noch in der Produktion. Bis zur Lieferung dient das Zertifikat als Beleg. Bis jetzt dauerte der Vorgang 4 Wochen.

Letzter Stand:

Die Plakette ist angekommen. Der Vorgang dauerte fast zwei Monate und kostete mir keine 5€. Die lange Bearbeitszeit lag nicht am Verfahren, sondern in Engpässen bei der Plakettenfertigung. Jede Plakette wird einzeln mit dem Kennzeichen und einem Datenfeld bedruckt. Wie wir in Frankreich erfuhren, warten zur Zeit auch noch viele Franzosen auf die Aufkleber.
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3 Kommentare zu “Umweltzonen in Frankreich, wie geht das?

  1. Ist bereits bekannt, ob es – wie in Deutschland – auch in Frankreich Ausnahmeregelungen bei der Beförderung von Menschen mit Behinderung gibt/geben wird?

    • Hallo Marlene
      Mit dem Gesichtspunkt des Themas habe ich mich noch nicht beschäftigt. Vielleicht kann ein Leser etwas dazu beitragen?

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