Mit dem Wohnmobil in die Normandie

In diesem Jahr führte unsere erste Tour an die Küste der Normandie in Frankreich. Viele werden es nicht verstehen, dass wir wieder Anfang März auf Tour gingen.  Wir lieben es, bei etwas schlechterem Wetter am Meer spazieren zu gehen und die ersten leisen Frühlingsboten zu geniessen.
Leuchtturm von Le Treport von den Felsen aus gesehen

Fahrt in die Nacht

Wieder eimal begann wir eine Reise am Abend. Diesmal lag es am Urlaubsbeginn meiner Frau, dass wir erst in der Dämmerung uns auf den Weg machten. Zur Entschädigung kamen wir flott ohne jede verkehrsbedingte Behinderung über Heilbronn und Speyer nach Kaiserslautern. Nur Regenschauer und Windböen behinderten unsere Fahrt leicht.

Zum Übernachten steuerten wir den Parkplatz des Monte Mare Freizeitbades in Kaiserslautern an. Die zwei Minuten von der Autobahn entfernte Übernachtungsmöglichkeit kannten wir schon von früheren Touren. Dort verbrachten wir eine ruhige Nacht. Vom Sturm bemerkten wir nichts. Nur einmal weckte uns ein lautes Flugzeug im Anflug auf Rammstein.

Durch Frankreich nach Le Treport

Nach einem kleinen Einkauf in St. Ingbert reisten wir mit vollem Tank nach Frankreich ein. An der Grenze bemerkten wir nichts von schärfen Kontrollen. Wie auf allen unseren letzten Reisen rollten wir ohne anzuhalten über die Grenze. Ohne Schilder hätten wir die Grenze nicht bemerkt.

Die Fahrt auf den französischen Autobahnen verlief wie immer ruhig und störungsfrei. Wieder war es der böige Wind, der unser Fortkommen erschwerte. Dennoch stellte ich sicherlich einen persönlichen Rekord auf. Noch nie blieb der Tempomat so lange ununterbrochen in Betrieb. Nur die Gymnastik an den Mautstellen (oberer Ausgabeschacht) nervte mich.

Am Nachmittag erreichten wir endlich die Alabasterküste in der Normandie. Unser erstes Ziel war die kleine  Stadt Le Treport. Auf einem Stellplatz oberhalb des Ortes fanden wir einen ruhigen Stellplatz. Zu unserer Überraschung waren wir nicht die einzigen Reiselustigen, die keine Angst vor schlechtem Wetter hatten. Insgesamt übernachteten 6 Wohnmobile auf dem Platz.

Wissenswertes – Le Treport

Die Gemeinde Le Treport mit 5000 Einwohnern liegt an der Mündung der Bresle in den Kanal. Am anderen Flussufer direkt gegenüber befindet sich der Ort Mers-les-Bains. Die Klippen der Kreideküste ragen in Le Treport bis zu 100m über den Meeresspiegel empor. Der Hauptwirtschaftszweig des frühere Fischerortes ist der Tourismus. Viele Fischrestaurants prägen das Bild des Ortes.

Da sich bei unserer Ankunft alle Wolken verzogen hatten, nutzen wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages noch zu einem kleinen Spaziergang. Der Weg oberhalb der Abbruchkante gefiel nicht nur unserem Hund. Auch wir genossen die Aussicht auf den Ort und die Küste. Mit dem Funiculaire, einem Schrägaufzug, fuhren wir hinunter an den Strand und schauten der Brandung zu, bis uns die Dämmerung wieder zum Wohnmobil trieb. Auch nach Einbruch der Dunkelheit hatte der Blick von den Klippen auf den Ort seinen Reiz.

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Le Treport, Stadtbummel mit Aufzug

Nach dem üblichen Morgenprogramm starteten wir zu einem ersten Rundgang durch Le Treport. Der automatische Schrägaufzug brachte uns durch einen Tunnel und entlang der Felskante bequem in den kleinen Ort.

Wissenswertes – Funiculaire du Tréport

Der heutige Schrägaufzug ist bereits die dritte Anlage an dieser Stelle. Bereits seit 1908 bestand eine Standseilbahn, für deren Strecke der Tunnel gebaut wurde. Die Bahn überstand den zweiten Weltkrieg nicht. Auf einen Wiederaufbau verzichtete man aus wirtschaftlichen Gründen.

Erst später folgte eine Seilbahn auf gleicher Strecke, die sich nicht bewährte und nach wenigen Jahren wieder stillgelegt wurde.Im Jahre 2005 griff die Gemeinde die Idee wieder auf. Es entstand der heutige Schrägaufzug mit vier Kabinen. Aus Tradition wird der Aufzug immer noch als Funiculaire du Tréport bezeichnet.

Wir bummelten durch die engen Gassen zum Hafen und zum Leuchtturm. Die Menschen im Ort waren hauptsächlich mit den Vorbereitungen für die Saison beschäftigt. Wie immer, wenn wir in Frankreich sind,  schaute auf dem Rückweg ein frisches Baguette aus unserem  Rucksack heraus. Pünktlich zum Mittag waren wir wieder zurück am Mobil.

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Nach der längeren Pause machten wir uns erneut auf den Weg in die Kleinstadt. Diesmal führte uns der Weg in den Hafen und vorbei an den Speiselokalen. Kurz vor Sonnenuntergang waren wir wieder zurück am Mobil.

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Am Abend erlebten wir noch den Ansturm der Wochenendausflügler auf den Stellplatz. Bis kurz vor Mitternacht reisten Wohnmobile an. Der Grossteil zog nach einer Platzbesichtigung weiter, denn es gab nur einen Stromanschluss.

Zwei weitere kleine Erlebnisse sorgten am Spätabend noch für Unterhaltung. Zum einen zog ein kurzes, aber heftiges Gewitter vorbei. Der Sturm brachte unseren Pössl zum Wackeln. Nach 10 Minuten war der Spuk vorbei. Außerdem schienen unsere Stellplatznachbarn einen Defekt zu haben.  Dauernd lief der Motor des Wagens. Sobald Ruhe einkehrte, ging das Licht in ihrem Fahrzeug aus. So lief der Motor fast den ganzen Abend. Zum Glück endete der Lärm gegen 22:00Uhr.

Von Le Treport nach St. Valery en Caux

Der Samstag begann mit dem bekannten Tropfgeräuschen auf dem Dach. So fand die morgendliche Hunderunde  bei Regen statt. Der schwere Boden auf den Felsen sorgte für richtig schmutzige Schuhe und einen sehr unansehnlichen Hund. Zum Glück besserte sich das Wetter und wir ver- und entsorgten das Wohnmobil ohne nass zu werden. Wieder einmal bewährte sich die Kreditkarte, die der Automat anstandslos akzeptierte.

Kurz vor der Abfahrt erlebten wir noch einen Besuch der örtlichen Polizei. Von acht Fahrzeugen auf dem Platz fanden die Beamten gleich zwei sparsame Besatzungen, denen die 6€ Stellplatzgebühr zu hoch war. Die Anwesenden durften nach einer Ermahnung unter Aufsicht ein Ticket kaufen, das zweite Mobil erhielt einen Strafzettel.

Wir fuhren an der Küste entlang bis Dieppe. Dort nahmen wir die zwei Stellplätze in Augenschein. Anbetracht der Wettervorhersage fuhren wir jedoch weiter bis zum Stellplatz in St. Valery en Caux. Wenn der vorhergesagte Regen wirklich kommen sollte, wollten wir wenigstens einen schönen Blick auf des Meer haben.

Wissenswertes – Saint Valery en Caux

Die Gemeinde Saint Valery en Caux in der Normandie hat ca. 4000 Einwohner. Früher diente der geschützte Hafen hauptsächlich dem Fischfang. Mittlerweile liegen fast nur Freizeitschiffe im Hafenbecken nahe der Stadtmitte. Die Haupteinnahmequelle ist der Tourismus. In Strandnähe wartet ein großes Spielkasino auf die Besucher.

Erst einmal besserte sich das Wetter immer weiter. Der Bummel durch St Valery en Caux fand bei leichtem Sonnenschein statt. Bei unserer Rückkehr erlebten wir erneut eine Parkscheinkontrolle der örtlichen Polizei. Wieder fanden sich reichlich sparsame  Besatzungen. Diesmal erklärten die Beamten einem Herrn sogar den Automaten.

Gegen Abend bewunderten wir die verachiedenen Lichtstimmungen über dem Meer und am Leuchtturm, bevor ein gemütlicher Abend im Wohnmobil begann.

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Auf Nebenstrassen durch die Normandie

Der Sonntag begann wie von der Wetterapp vorhergesagt regnerisch. Selbst der Hund musste bis nach dem Frühstück auf seine Runde warten. Wind und Regen nahmen uns die Lust.

Zum Glück besserte sich das Wetter bald und Sams Morgenspaziergang konnte Regenjacke stattfinden. Leider versprach der Wetterbericht nicht viel Gutes. Ein Orkantief kam über den Kanal auf uns zu.

So entschlossen wir uns, die Küste mit dem Auto weiter zu erkunden. Über kleine und kleinste Strassen fuhren wir von St. Valery en Caux bis Fecamp. Immer wieder wechselten sonnige Perioden mit starken Regenschauern.

Auf einem etwa 2km langen Strassenstück  hatten wir das Gefühl, in einem Bach bergauf zu fahren. Wassermassen kamen uns auf der Strasse entgegen. Den Grund fanden wir in der nächsten Ortschaft. Es gab einfach keine Regenwassereinläufe. Das gesamte Oberflächenwasser lief einfach die Hauptstrasse  hinab und auf der Strasse ins nächste Tal. Die einheimischen Autofahrer störte das Wasser überhaupt nicht. Anscheinend kannten die Einwohner die Situation.

Dieppe mit viel Wind

Unsere Rundfahrt endete in Dieppe auf dem Stellplatz am Strand. Nach einer kurzen Mittagspause nutzten wir den Sonnenschein. Mutig begaben wir uns hinaus. Auf der Strandpromenade kämpften wir gegen den Wind. Das auflaufende Meer schäumte mächtig und hohe Wellen brandeten an den Strand. Uns erstaunte, wieviele Menschen mit uns auf der Promenade unterwegs waren und den windigen Sonntagsspaziergang genossen.

Wissenswertes – Dieppe

Die Stadt Dieppe mit 30.000 Einwohnern erlebte eine wechselvolle Geschichte. Bereits zwei mal zerstörten kriegerische Auseinandersetzungen die Stadt, bevor der zweite Weltkrieg Dieppe erneut hart traf. Zuerst bombardierten die Deutschen die Stadt, anschließend scheiterten dort die Engländer dort bei einem Landungsversuch.

Durch den natürlichen Hafen gehörte die Seefahrt immer fest zur Stadt. Der Fischfang gehört auch heute noch zur Stadt. Allerdings dominiert auch in Dieppe die Freizeitschifffahrt den Hafenbereich. Eine Fährverbindung verbindet die Stadt mit England.

Nach dem Kampf gegen die Naturgewalten schmeckte der Kaffee  im Wohnmobil richtig gut. Der Ausblick auf den Strand im Sonnenschein liess uns den Wind vergessen.

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Das zweite Mal wagten wir uns bei Hochwasser hinaus. Die tosenden Wellen in der Abendsonne boten ein sehenswertes Naturschauspiel. Mit einem Sonnenuntergang im Meer ging der Sonntag zu Ende.

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Im Laufe des Abends nahm der Wind immer weiter zu. Obwohl wir mit der Stirnseite in Windrichtung parkten, brachten die Böen das Wohnmobil zum Schwanken. Nach unserer Wetterapp erreichte der Wind Geschwindigkeiten über 100km/h. Selbst Sam, unser Hund, beschloss nach wenigen Metern auf die Abendgasse zu verzichten. Anschließend legten wir uns in das leicht schwankende Bett. Richtig tief schlafen konnten wir erst nach Mitternacht, da der Wind deutlich an Kraft verlor.

Dieppe und eine endlose Promenade

Auch am nächsten Morgen herrschte noch eine steife Brise,  immer wieder schaute die Sonne heraus. Wir verbrachten wir den Vormittag in der interessanten Innenstadt von Dieppe. Wir schlenderten durch die Fußgängerzone mit vielen kleinen Geschäften und betrachteten das Angebot. Sogar die Kultur kam nicht zu kurz, wir besichtigten die gotische Kathedrale Saint-Jacques, die Hauptkirche der Stadt.

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Nach der Mittagspause machten wir uns gegen den Wind auf den Weg, die lange Strandpromenade komplett  entlang zu gehen. Unser erfahrener Promenadenhund begleitete uns auf den zwei Kilometern vom Stellplatz bis zum Ende an den Kreidefelsen. Die Stadt putzte sich gerade für den Saisonbeginn heraus. Gabelstabler und LKW brachten die Eis- und Pommesbuden an die Promenade. Bereits stehende Buden wurden gereinigt und fein herausgeputzt. Die Saison kann bald beginnen.

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Vom kalten Wind durchgefroren erreichten wir wieder unser warmes Wohnmobil. Später wagte ich mich noch einmal vor die Tür, um die Abfahrt der Englandfähre zu beobachten. Da gerade ein Tankschiff an der Fähre lag, gab es viel zu sehen, bevor sich die „Seven Sisters“ leicht verspätet auf den Weg durch den Kanal machte. Wieder trieb mich die Temperatur zurück.

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Kreidefelsen und Sonnenschein in Etretat

Der nächste Tag begann mit Einkäufen. Das Wohnmobil brauchte Gas und Diesel, der Kühlschrank zeigte große Lücken. Im Auchan bei Dieppe lösten wir alle Versorgungsengpässe. Wir tankten und besuchten den großen Supermarkt.

Spannender war die Gasbeschaffung. Mit dem Einsatz von Händen und Füssen schafften wir es, eine 13kg-Flasche zu erstehen, die genau in den Gaskasten passte. Dank dem Adapter aus unserer Grundausstattung klappte der Anschluss sofort.  Nur beim Preis muss der Dame ein Fehler unterlaufen sein. Wir bezahlten inklusive Flaschenpfand 24€.

Am nächsten Ziel, in Etretat, hatten wir grosse Schwierigkeiten, einen Parkplatz für unser Mobil zu finden. Auf allen Schildern standen nur Verbote für Wohnmobile. Nachdem zwei Ortsdurchfahrten uns keinen erlaubten Parkplatz gebracht hatten, stellen wir unser Auto auf einem völlig freien Parkplatz mit Wohnmobilverbot.

Wissenswertes – Etretat

Die völlig auf den Tourismus ausgerichtete Gemeinde hat ca. 1400 Einwohner. Früher gingen die Bewohner der damals schlecht von aussen erreichbaren Siedlung dem Fischfang nach. Eine Besonderheit war, dass die kleinen Fischerboote mit Winden auf den Strand gezogen wurden, da es keinen herkömmliches Hafenbecken gab. Reste dieser Anlagen sind heute noch sichtbar.

Die Besonderheit sind die Felsformationen an der Kreideküste. Die Strömung wusch mehrere Torbögen aus den Kreidefelsen heraus. Die Bilder dieser Naturerscheinung sind in vielen Kalendern zu finden.

Bei schönem Wetter, die Sonne schaute immer öfter einmal vorbei, erstiegen wir die Felsen an der Küste und bewunderten die vom Wasser geschaffenen Kunstwerke. Anschließend waren wir durchgeschwitzt. Durch die Erfahrung der letzten zwei Tage waren wir einfach viel zu dick eingepackt.

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Nach diesem schönen Spaziergang an der wirklich sehenswerten Küste fuhren wir noch weiter bis zum Stellplatz Honfleur und verbrachen den Abend mit dem Blick auf die Ponte de Normandie im Wohnmobil.

Regen in der Normandie oder der ausgefallene Tag

Der Plan für den neuen Tag war gut. Die Besichtigung von Honfleur stand auf dem Programm. Leider kam es anders. Bereits beim Aufwachen hörten wir das bekannte, aber unbeliebte Geräusch auf dem Dach. Unsere Wetterapp versprach ein Regenende im Laufe des Vormittags. So liessen wir uns Zeit und hofften auf  eine längere Regenpause.

Nach dem Mittagessen war noch keine Besserung in Sicht. Es regnete immer noch mit wechselnder Intensität. Wir gaben wir das Warten auf. Um noch etwas sinnvolles an dem verregneten Tag zu unternehmen, fuhren wir weiter, immer möglichst an der Küste entlang.

Wir fuhren durch Orte wie Deauville und Trouville, die wir bereits aus vergangenen Urlauben kannten, nach Ouistreham. Weiter ging es an der von der Invasion geprägten Küste und den langen Sandstränden entlang.

Wir landeten schließlich in Arromanches auf einem kleinen Stellplatz im Ort. Gleichzeitig hörte der Regen auf. So konnten wir noch im Trockenen einen kleinen Bummel entlang der Promenade und durch das kleine Örtchen machen.

Mit dem Sieg von Borrusia Dortmund in der Championsleague endete dieser verregnete Tag vor dem Fernseher.

Invasionsküste und ein langer Strandspaziergang

Am nächsten Morgen zeigte sich der Wettergott gnädig und hatte ein Einsehen mit uns. So besuchten wir das Invasionsdenkmal bei Arromanches und schauten auf die Reste des Behelfshafens, den die Alliierten zur Versorgung der Truppen angelegt hatten. Überall im Meer und am Ufer sieht man Spuren der Kämpfe.

Insgesamt lösten die Überbleibsel bei uns eine bedrückende Stimmung aus. Wir fanden den Gedanken schrecklich, dass an diesem Küstenabschnitt tausende von Soldaten aller Länder ums Leben kamen.

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Weiter ging unsere Tour nach Ouistreham an den Strand. Wir hatten unserem Hund schon länger einen Strandspaziergang versprochen. Endlich konnte er an dem mehrere Kilometer langen Strandabschnitt toben und rennen. Auch uns gefiel es, so am Flutsaum des menschenleeren Strandes entlang zu gehen.

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Honfleur, der zweite Anlauf

Nach soviel frischer Luft und Natur wagten wir uns wieder nach Honfleur. Das Wetter spielte mit und wir verbrachten den Nachmittag in der historischen Hafenstadt. Vorbei am Vieux Port mit den schmalen Häusern schlenderten wir durch die Gassen der Altstadt. Überall gab es etwas zu sehen. Viele kleine Läden mit interessanten Auslagen zogen uns an.

Wissenswertes – Honfleur

Die Stadt Honfleur hat heute ca. 7500 Einwohner. In der Vergangenheit war es eine wichtige Hafenstadt an der Mündung der Seine. Da jedoch der Hafen zum Versanden neigte, entstand am anderen Seineufer Le Havre.

Dank der vielen erhaltenen Gebäude entwickelte sich Honfleur zu einem sehenswerten Ort und zog insbesondere Künstler an. Heute ist es einer der meist besuchten Orte in der Normandie. Besonders sehenswert sind die Holzkirche aus dem 15. Jahrhundert und die schmalen Häuser rund um das alte Hafenbecken.

Natürlich besuchten wir die grosse Holzkirche. Die ruhige Ausstrahlung im Inneren gefiel uns ebenso wie die erkennbare Handwerkstechnik der damaligen Zeit. Es ist bewundernswert, mit welchen einfachen Mitteln das Gotteshaus errichtet wurde.

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Bei Einbruch der Dunkelheit erreichten wir wieder das Wohnmobil auf dem Stellplatz. Leider mussten wir uns bei unserer Rückkehr mal wieder über Mitglieder der Wohnmobilfamilie  ärgern. Obwohl auf dem Platz mindestens 70 freie Plätze vorhanden waren, hatte sich ein Zeitgenosse so eng neben uns gestellt, dass es kaum möglich war, zwischen den Spiegeln durchzugehen.

Noch bevor ich das Auto aufschloss, nahm ich die Kabeltrommel und ging 10m weiter. Schnell holte ich das Fahrzeug nach. Das Umparken um diese paar Meter verschaffte uns riesige Freiräume nach beiden Seiten. Wohnmobilkuscheln ja, aber nur wenn es unvermeidlich ist!

Entlang der Seine nach Rouen

Der vorletzte Tag unserer frühen Frühlingstour  begann mit der üblichen Wohnmobilroutine. Frühstück, Hundegasse und die Ver-und Entsorgung unseres Pöss wurden erledigt, bevor wir in Richtung Seinetal aufbrachen.

Über die Pont de Tancarville gelangten wir auf das nördliche Seineufer. Diese mautpflichtigen Brücke aus dem Baujahr 1959 ist noch heute die längste Hängebrücke Frankreichs. Entlang des breiten Flusses führte unser Weg vorbei an großen Industriegebieten und kleinen Dörfern weiter flussaufwärts.

Zu unserer Unterhaltung hatten Bauarbeiter eine ganz spezielle Überraschung in die Strecke eingebaut. In einem kleinen Ort gab es eine Umleitung durch eine sehr enge und winklige Gasse. Manchmal blieben nur wenige Zentimeter zwischen Hauswand und dem Außenspiegel. An einer rechtwinkligen Abbiegung standen noch Oleandertöpfe als besondere Hindernisse vor einer Haustür.  Mit unserem Alkovenmobil  hätten wir die Töpfe umstellen müssen, um nicht stecken zu bleiben.

Rouen, eine lebendige Stadt mit viel Geschichte

Die Parkplatzsuche in Rouen stellte die nächste Schwierigkeit dar. Alle Parkplätze verfügten über Balken oder waren belegt. Leider unterschieden die Hinweisschilder nicht zwischen Parkplatz und Parkhaus. Mehr durch Zufall fanden wir den offiziellen Parkplatz für Wohnmobile. Obwohl der Platz nicht gerade einladend wirkte, stellten wir dort unser Fahrzeug ab. der Fußweg in die Stadt betrug nur wenige Minuten.

Wissenswertes – Rouen

Rouen ist die Hauptstadt der Region Normandie und hat ca. 110.000 Einwohner. Durch die günstige Lage an der Seine ist es die fünftgrößte Hafenstadt Frankreichs. Insbesondere der Getreideumschlag spielt eine große Rolle. In Rouen ist der Tidenhub der Gezeiten noch deutlich sichtbar, obwohl die Stadt etwa 80km von der Seinemündung entfernt liegt.

Bekannt wurde die Stadt insbesondere durch Jeanne d’Arc, die als 19 jährige im Jahre 1431 auf dem Marktplatz der Stadt verbrannt wurde. An der Stelle steht heute eine 1979 erbaute moderne Kirche.

Das Wahrzeichen der Stadt ist die gotische Kathedrale. Das Bauwerk inspirierte Monet zu seinen bekannten Werken. Die Kirche litt im 2. Weltkrieg schwere Schäden. Die nach Kriegsende begonnene Restaurierung dauerte bis 1985. Eine weitere Besonderheit der Stadt ist die gut erhaltene Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern. Entgegen der Entwicklung in anderen Orten ist die Altstadt heute das Einkaufszentrum der Stadt.

Der unübersehbare Dom zeigte uns den Weg in die Altstadt . So besuchten wir dies imposante gotische Bauwerk gleich zu Beginn unseres Rundganges.  Uns beeindrucke insbesondere die Höhe des Bauwerkes und alten Glasfenster. Anschließend bummelten wir durch die Haupteinkaufsstraße mit den vielen Fachwerkhäusern. Die Innenstadt ist wirklich sehenswert.

Die Moderne Kirche Jeanne d’Arc besichtigten wir nicht, da sich während unserer Anwesenheit  eine Trauergemeinde vor der Kirche versammelte. Wir wollten nicht stören. Wir schlenderten noch durch einige enge Gassen abseits der Hauptstraße, bevor wir uns auf den Rückweg zum Wohnmobil machten. Wieder einmal schaute ein frisches Baguette aus dem Rucksack.

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Übernachtung in Mareuil-sur-Ay

Nach diesem schönen Stadtrundgang starteten wir die erste Etappe der Rückfahrt. Um unsere früheren Erlebnisse mit dem Wochenendverkehr in Paris nicht zu wiederholen, wählten wir die nur 20km längere Route über Amiens nach Reims.

Schon bei der Abfahrt in Rouen hatten wir uns überlegt, wieder einmal auf dem kleinen Stellplatz in Mareuil-sur-Ay, direkt am Marne Seitenkanal, zu übernachten. Dieser absolut ruhige Platz in dem kleinen Örtchen ist einer unserer Lieblingsplätze, wenn wir Richtung Paris oder in die Bretagne unterwegs sind. Jedes mal nehmen wir uns vor, die Champagne  einmal zu einem Ziel für eine Kurzreise zu machen. Mal sehen, ob es irgendwann klappt.

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Die Rückfahrt

Nach einer wie erwartet ruhigen Nacht zwischen den hohen Bäumen in Mareuil-sur-Ay starteten wir zuerst in Richtung Supermarkt, um uns für das kommende Wochenende einzudecken.  Zusätzlich wollten wir noch die eine oder andere Spezialität zu erwerben. Wieder einmal traten unerwartete Schwierigkeiten auf. Diesmal hinderten uns Höhenbegrenzungen an der Parkplatzeinfahrt. Erst nach einer Ehrenrunde durch zwei Kreisverkehre entdeckten wir einen Hinweis zu gesonderten Parkplätzen für Wohnmobile.

Mit gut gefülltem Kühlschrank ging es weiter Richtung Heimat. Die Rückfahrt verlief reibungslos. Mit einigen Pausen erreichten wir am Abend wieder heimatliche Gefilde. Leider kamen wir in ein kaltes Haus, denn unsere Heizung hatte beschlossen, sich ebenfalls einmal vom Stress des Winters zu erholen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit

Obwohl das Wetter nicht immer mitspielte, erlebten wir eine schöne Zeit in der Normandie. Wie erwartet sorgte der Golfstrom für angenehmere Temperaturen. Es war hauptsächlich der Wind, der uns kräftig um die Nase blies. Insgesamt erlebten wir in den 10 Tagen nur einen verregneten Tag. Sehr positiv empfanden wir den späteren Beginn der Dämmerung. Zwischen unserer Heimat und der Normandie sind es ca. 45 Minuten, die die Sonne länger am Himmel steht.

Wir erlebten schöne Orte und viel frische Luft. Wieder einmal zeigte sich Frankreich als lohnenswertes Reiseland. Auch außerhalb der Saison waren alle Einrichtungen der Stellplätze in Betrieb. Zu unserer Überraschung gab es viele einheimische Besatzungen, die mit uns unterwegs waren.

Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir den Resturlaub zu einer kleinen Reise im März nutzen werden.

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