Die Bretagne, unsere Erfahrungen und Tipps

letzte Änderung 05/12/2022

Unsere Tour im Frühsommer 2022 war nicht unsere erste Reise in die Bretagne. Bereits 1979 bereisten wir erstmals Frankreichs Westen. Mit einem Audi 50 und einem kleinen Zelt ging es auf die Reise. Es folgten mehrere Wohnmobilreisen mit unseren Kindern. Insgesamt war es unsere fünfte Tour in das Land der Hinkelsteine.

In diesem Artikel geht es um unsere Erfahrungen und Tipps, die wir auf den Fahrten in die Bretagne gesammelt haben.

Die Anreise

Die Anreise in die Bretagne ist lang. So müssen wir Franken ca. 1000 km bewältigen, um in die Nähe der Bretagne zu gelangen. Egal welche Route gewählt wird, immer stellt sich in unserem Nachbarland die Frage Autobahn oder Nationalstraße.

Die Autobahnen in Frankreich werden schnell zu einem teuren Vergnügen. Für die Strecke von Saarbrücken bis Caen zahlten wir in Kategorie 2 (bis 3,5t, über 2m) fast 70€ an Mautgebühren. Achtung, die Autobahn Automaten nehmen nur Bargeld und Kreditkarten. Die Girokarten gehen nicht an jeder Zahlstelle.

Autobahnmauststelle in Frankreich
Mautstellen – Standard auf den Autobahnen

Für das Geld fährt der Reisende fast völlig stressfrei über freie Autobahnen. Dagegen kann es auf den Nationalstraßen abschnittsweise nervig werden. Viele LKW meiden die Autobahnen und nutzen die Landstraßen. Nicht immer gibt es drei oder vier Fahrspuren. Hinzu kommen immer die Ortsdurchfahrten.

Für uns spielt die verfügbare Zeit und unsere Stimmung bei dernStraßenwahl die entscheidende Rolle. Meist wählen wir einen Mix aus den Straßentypen.

Das zweite Thema ist das Hindernis Paris. Fast alle Routen führen zumindest in die Nähe der französischen Metropole. Wir verbrachten dort schon viel Zeit im Stau. Die besten Erfahrungen machten wir auf dem westlichen Teil des Außenringes (A86) auf der Route Reims-Paris-Rouen. Dagegen stauten wir uns mehrfach auf der östlichen Umfahrung von Paris.

Das Wetter

Regen in der Bretagne
Reisen ohne Schönwetter-Garantie

Diesmal klappte es erstmals, im Mai und Juni unterwegs zu sein.  Wir hatten großes Glück, denn die atlantischen Tiefausläufer blieben uns erspart. Tagsüber strahlte oft die Sonne und die Temperatur stieg an einigen Tagen auf 22°C bis 24°C . Öfter erlebten wir es, dass es zum Sitzen in der Sonne zu warm und im Schatten zu kalt war. Nachts kühlte es auf ca. 12°C ab. Einen Abend vor dem Wohnmobil erlebten wir nur einmal gegen Ende unseres Urlaubs.  

Auf unseren vorhergehenden Hochsommertouren erlebten wir jedes denkbare Wetter. Tagelang hintereinander Regenschauer und Wind gab es genauso wie einen Woche bestes Badewetter. Beständigem Sommerwetter darf man in der Bretagne nicht erwarten. Vom Atlantik kommt schnell mal ein Tiefdruckgebiet über die Bretagne nach Europa.

Reisezeit

Aus unserer Sicht bestimmen neben dem Wetter die französischen Sommerferien die Reisezeit. Die Franzosen machen traditionell meist Urlaub im eigenen Land. Daher wirken sich die Ferien in den Urlaubsgebieten sehr stark aus. Gefühlt ganz Frankreich macht in der Zeit vom 1.Juli bis zum 15. August Urlaub.

Strand bei Meneham
Nebensaison mit viel Platz am Strand

Entsprechend ist der Andrang auf die Feriengebiete. Es gibt volle Campingplätze und Gedränge auf den Stellplätzen. Die Sehenswürdigkeiten sind stark frequentiert. Es kommt zu Wartezeiten.

Daher empfehlen wir die Zeiten außerhalb dieser Hauptreisezeit. Allerdings besuchten wir mit den Kindern die Bretagne mehrfach in der Hauptreiszeit und fanden immer noch ein Plätzchen für uns und unser Wohnmobil.

Übernachten mit dem Wohnmobil

Die Bretagne galt lange Zeit als ein Geheimtipp für Wohnmobilreisende. Es gab viele schöne Plätze für Freisteher und günstige Stellplätze. Leider hat sich die Situation in del letzten Jahren etwas geändert. Leider sind Wildcamper nichtmehr überall willkommen. Die bekannten Teppichstangen und Verbotsschilder sind reichlich vertreten.

 Nach unserer Einschätzung ist die Abgrenzung zwischen Stellplatz und Campingplatz ähnlich fließend wie in Deutschland. Ein ausgeschilderter Stellplatz kann ein normaler Parkplatz für Wohnmobile sein. Ebenso ist es möglich,  Parzellen mit reichlich Platz für Tisch und Stühle vorzufinden. 

Einige Stellplätze verfügen über ein an ein Parkhaus erinnerndes automatisches Kassensystem. In einigen Fällen muss  der neue Gast erst eine spezielle Karte zu erwerben, bevor der Platz befahren werden kann.

Die Campingplätze in drei Kategorien eingeteilt. Wir übernachteten auf Plätzen der Kategorie 2 und 3. Zufällig stellten wir fest, dass wir vorwiegend auf gemeindeeigenen Plätzen, Camping Municipal, übernachteten. Diesmal hatten wir mit unserer Auswahl meist Glück. Es gab nur einen Platz, den wir nicht wieder anfahren würden.  Die Preise für zwei Personen und einen Hund lagen zwischen 19€ bis 35€. Meist zahlten wir ca 25€ für die Nacht in der Vorsaison.

Die Ausstattung der von uns besuchten Plätze war für uns immer ausreichend. Richtige Luxusplätze waren bei unserer zufälligen Auswahl nicht dabei. Insgesamt sind die Campingplätze meist einfacher ausgestattet und angelegt.

Bei Reisen innerhalb der französischen Sommerferien kann eine Reservierung zweckmäßig sein. Wir mussten in dem Zeitraum schon mehrfach in das Hinterland ausweichen, da alle Plätze an der Küste belegt waren.

Baden in der Bretagne

Die bekannten Badestrände und Badeorte liegen an der Südostküste der Bretagne. Dort gibt es die besseren Bedingungen für Badespass im Meer.

Strand in der Nähe von St Malo
Riesiger Strand bei Ebbe, bei Flut gibt es kaum noch Platz für das Handtuch

An der Nord- und Westküste gehört oft ein Pool zur Ausstattung der Campingplätze. Das Wasser an der nordfranzösischen Atlantikküste erreicht nur selten Werte über 20°C. Hinzu kommt, dass der große Tidenhub (St. Malo ca. 12m) und die starke Brandung das Badevergnügen beeinträchtigen. Oft ist das Baden nur in einem kleinen Zeitfenster möglich.

Die Strände sind meist naturbelassen und werden nicht regelmäßig von Tang und anderen angespülten Dingen befreit. Für uns war dieser sichtbare Rand jedoch nie ein Problem. Das gehört zum Meer einfach dazu.

Obwohl es in der Bretagne sehr schöne sehenswerte Sandstrände gibt, würden wir für einen Badeurlaub ein anderes Ziel wählen. Wetter, Temperaturen und Tidenhub beeinträchtigen den Badespass immer wieder.

Die Höhepunkte einer Bretagnetour

Natürlich ist es nicht möglich, alle Sehenswürdigkeiten hier aufzuführen. Daher gibt hier nur eine kleine Auswahl, ganz subjektiv aus meiner Sicht. In Der Bretagne gibt es neben den Höhepunkten viele kleine interessante Dinge zu entdecken.

Zum Beispiel kann sich der Besucher auf die Suche nach dem von Fotos bekannten Haus machen. Allerdings sollte der Fahrer keine Angst vor engen Straßen haben. (Suchhilfen: Le Gouffre und Cap due Chateau)

Die Links in der Aufstellung führen zu dem entsprechenden Reisebericht.

  • Saint Malo, die Ville Close Die Besonderheiten dieser Stadt sind die Stadtmauer, die einheitliche Bebauung und die Lage. Ein Bummel auf der massiven Stadtmauer gehört fest zu einer Bretagnetour.
  • Die Cote Granit Rose Die sehenswerten rötlichen Felsformationen ziehen immer wieder viele Besucher an. Besonders sehenswert ist die Küste beim Phare de Ploumenac`h in der Nähe von Perros-Guirec.
  • Die Côte des Légendes bei Kerlouan Dieser Küstenabschnitt mit endlosen Sandstränden, vielen Felsen und dem Leuchtturm Phase de Pontusval gehört zu unseren ganz persönlichen Lieblingsorten in der Bretagne.
  • Pointe du Raz Das bekannteste Cap der Bretagne ist sehenswert. Andere, nicht so gut besuchte Punkte ohne Souvenirladen fanden wir ebenso schön. Übrigens liegt der westlichste Punkt Frankreichs nicht an der Pointe du Raz. (Pointe de Corsen bei Le Conquet).
  • Die Crozon Halbinsel. Die Halbinsel im Westen gehört zu unseren absoluten Lieblingsorten. Die zerklüfteten Felsen an der Steilküste mit der Pointe de Penhir locken viele Besucher an.
  • Concarno Die Hauptsehenswürdigkeit ist die kleine Ville Close. Wie auch in St.Malo gehört ein Rundgang auf der Mauer dazu. Zwischen den Stadtmauern warten viele Läden und Gaststätten auf die Kreditkarten der Besucher.
  • Menhire Die von Obelix bekannten. Hinkelsteine findet der Besucher an vielen Orte. Die größte Ansammlung gibt es in Carnac. Der größte noch stehende Menhir befindet sich in in der Nähe von Dol de Bretagne.
  • Der Mont St Michel ganz bewusst steht die Hauptattraktion am Schluss der Liste. Erstens kennt jeder den Klosterberg. Zweitens liegt der Mont St Michel um wenige Meter in der Normandie.

Die Preise

In ganz Frankreich zeigt sich wie auch in anderen Ländern, dass unsere Lebensmittelkosten immer noch vergleichsweise niedrig sind. Insbesondere an der Kasse der großen Supermärkte wird der Unterschied unübersehbar. Hinzu kommt , dass das Warenangebot und die Präsentation dafür sorgen, dass der Wagen gut gefüllt ist.

Das Essen in Lokalen gehört ebenso zu den teureren Vergnügen. Allerdings schwanken die Preise und das Angebot so stark, dass eine Beschreibung den Rahmen sprengen würde.

Derzeit ist es nicht möglich, die Kraftstoffpreise zu vergleichen.Dazu sind die unkalkulierbaren Schwankungen zu groß. Weiterhin gilt jedoch, dass die Supermarkttankstellen am günstigsten sind.

Eine gute Nachricht ist es, dass es weiterhin in der ganzen Bretagne keine mautpflichtigen Autobahnen gibt.

Wie oben schon beschrieben, sind die Übernachtungskosten für Stell-und Campingplätze im Vergleich zu anderen Feriengebieten günstig. Allerdings erfolgt in den Sommerferien oft ein Preisaufschlag.

Die Verständigung

Autofahrern fällt es schnell auf. Im Westteil der Bretagne sind die Richtungsangaben zweisprachig. Die bretonische Sprache wird zumindest auf den Schildern noch gepflegt. Im täglichen Leben spielt die keltische Sprache jedoch keine Rolle mehr.

Geld für Nackte?

Wie auch in anderen Ländern mögen es die Bretonen nicht, auf Deutsch angesprochen zu werden. Ein paar Brocken französisch am Gesprächsbeginn erleichtert das folgende Gespräch. Dann kann es notfalls mit Händen und Füssen (und Google Translate) weiter gehen.

Insgesamt sind die Fremdsprachenkenntnisse vieler Franzosen gering. Englisch ist nicht so weit verbreitet wie z.B. in den skandinavischen Ländern. Oft können jüngere Leute helfen, Sprachbarrieren zu überwinden. In Tourismusgebieten, auf Campingplätzen und bei Sehenswürdigkeiten hatten wir nie Sprachschwierigkeiten. Anders sah es da in den Läden und Supermärkten aus.

Eine Besonderheit: Der Wanderweg GR34

der Fernwanderweg Grande Randonnée 34 (GR34) umrundet die Bretagne. Bekannt ist der Weg als Zöllnerpfad, da die Strecke über 1700km immer der Küstenlinie folgt.

Der Weg ist nicht nur für passionierte Wanderer ein lohnenswertes Ziel. Immer wieder lohnt es sich, am jeweiligen Urlaubsort dem Weg ein kleines Stück zu folgen. So gelangt man immer wieder an schöne Küstenabschnitte und Aussichtspunkte. Unser Tipp zum Abschluss: Wandeln Sie auf den Spuren der Zöllner!

Bretagne Cancale Pointe de Grouin
Der „Sentier des Douaniers“ (Zöllnerpfad) bei Cancale

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