Schweißperlen am Jaufenpass

Jedes Fahrzeug hat so seine Eigenarten. Es dauert einige Zeit, bis der Besitzer sich an die kleinen Macken gewöhnt hat. Auf unserer Südtirol-Tour machte eine solche Eigenart unseres Pössl eine  Passfahrt  zum Abenteuer.

Unsere Route führte uns von Meran durch das Passeiertal zum Jaufenpass. Von dort sollte es über Sterzing und den Brenner in Richtung Heimat gehen. Als sparsamer Mensch entschied ich, nicht mehr in Italien zu tanken, die Preise erschienen mir zu hoch. Die Anzeige zeigte mir noch eine Restreichweite von 380km an. Dies sollte für die 80km bis Österreich locker reichen.

Am Anstieg zum Jaufenpass angekommen, wurde ich etwas ruhiger. Die Ursache war die Tankanzeige. Innerhalb weniger Minuten sprang die Restreichweite von 280km auf 60km um. Na ja, das schwere Fahrzeug und die große Steigung erhöhten den Momentanverbrauch.

Der Aufstieg ging weiter, Kehre um Kehre arbeiten wir uns den Pass hinauf. „Piiiiieeeeep“ meldete sich unser Auto:“Kraftstoff auffüllen, Reichweite 0km“ lautete die Botschaft. 1500m über dem Meeresspiegel zeigte ein Schild. Vor uns lagen noch weitere 500 Höhenmeter.

In meinem Kopf spielten die Gedanken verrückt. Wenn der Tank leer ist, schafft man es. ohne Bremskraftverstärker und Lenkhilfe zurück ins Tal?  Was kostet wohl eine Taxe hier auf den Pass? Wo kann ich notfalls ausrollen? Sollen wir umdrehen?

Wir entschieden, mutig weiter den Pass hinauf zu fahren und hofften auf eine Fehlanzeige. Mein Gasfuß kam nur noch sehr vorsichtig zum Einsatz. Anfangs fuhren wir  gemütlich einem ortsansässigen Lieferwagen hinterher. Jetzt entwickelten wir uns zum Verkehrshindernis. Zum Glück herrschte nur geringer Verkehr. Das wunderbare Bergpanorama in der hellen Sonne nahmen wir nur noch nebenbei wahr. Reicht der Tankinhalt?

Nach einer gefühlten Stunde weiter bergauf erreichten wir die Passhöhe. Wir schauten nur kurz auf das schöne Panorama, bevor wir uns auf die Abfahrt begaben. Unser ganzes Interesse galt nur dem Tankinhalt.

Bereits nach wenigen Metern in der Abfahrt geschah das Wunder. Unser Tank füllte sich mit jedem gefahrenen Meter. Die Anzeige pendelte sich wieder auf 200km Restreichweite ein und die Reserveleuchte erlosch. Unten im Tal betrug die Restreichweite wieder 200km. Hatte unser Wohnmobil heimlich irgendwo getankt?

Von meinen früheren Wohnmobilen her kannte ich schon die Ungenaugkeiten der Tankanzeige des Fiat.  Auch wirkten sich Steigungen  immer auf die Tankanzeige aus. Bei dem 60Liter-Tank gab es Schwankungen um ca. 10 bis 15Prozent. Damit konnten wir gut leben, denn wir kannten unsere Tankuhr.

Seit dem Umstieg auf den Citroen mit dem 120Liter Tankinhalt machten wir uns um den Tankinhalt nur noch wenige Gedanken. Einige Male erlebten wir, dass es keine Problem war, den Tankinhalt bis zur Warnmeldung zu entleeren. Bisher, vorwiegend im Flachland, erfolgte die Anzeige sehr zuverlässig.

So rechneten wir nicht mit derartigen Abweichungen. Im Tal bei Sterzing angekommen, befand sich die Tankuhr weit oberhalb des roten Bereichs . Gern hätte ich gewußt, wie leer der Tank wirklich war. Aber bei den Preisen in Italien wollte ich keine 100 Liter tanken.

Die Schweißperlen auf dem Anstieg zum Jaufenpass waren uns eine Lehre. Wir kennen diese Eigenheit unseres Dicken jetzt. Wir werden uns von der Bordelektronik nicht nochmals so eine Fahrt vermiesen lassen. Manchmal zahlt auch ein erfahrener Wohnmobilbesitzer Lehrgeld.

Anmerkung: Die Bilder stammen nicht vom Jaufenpass, zum Fotografieren des spektakulären  Panoramas fehlte mir die Ruhe!

Schweißperlen am Jaufenpass
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