Umstieg auf den Kastenwagen, unsere Bilanz nach der ersten großen Tour

Gespannt machten wir uns auf die erste große Reise mit dem Pössl 2Win. Bisher waren wir immer mit einem großen Alkovenmobil unterwegs. Wie würde sich unser Kleiner schlagen? Reicht der geringere Platz für unseren ganzen mobilen Hausrat? Wie klappt das Leben im Kastenwagen bei schlechtem Wetter?

Das große Packen

Die Grundausstattung befand sich bereits im Fahrzeug, Jetzt warteten ein Berg Kleidung für jede Wetterlage, Lebensmittelvorräte, Hundefutter und unsere Reiseliteratur auf einen Platz im Pössl. Zu meiner Überraschung gab es keine Stauprobleme. Zu unserem Erstaunen war der Sitzkasten unter den hinteren Sitzen nach Abschluss der Aktion noch fast leer.

Sehr bewährten sich meine kleinen Einbauten in unserem Pössl. Der mit Regalböden versehene Kleiderschrank bot genug Platz für Fotoausrüstung, Bücher, Computer und das Strickzeug. Die Jacken wanderten in das Fach über dem Führerhaus. Der Doppelboden im Heck nahm im ersten Stock oberhalb der Campingmöbel noch 4 Klappboxen mit Getränken, Schuhen, Hundefutter und Werkzeug auf.

Nach dem Beladen lautete das Fazit: Mehr Sachen hatten wir zu zweit im Alkoven  nicht mit. Einschränken mussten wir uns nicht.

Die lange Anreise

Während der Anreise nach Schottland zeigte sich ein großer Vorteil des Kastenwagens. Ohne besonders schnell unterwegs zu sein, steigerte sich unsere Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Autobahn von 80km/h auf  100km/h. Gleichzeitig reisten wir mit mehr Komfort, da der Neue gut ausgestattet ist. Im Fahrerhaus ging es ruhiger zu, kein Klappern oder Quietschen von hinten quälte unsere Ohren.

Ein weiterer positiver Effekt zeigte sich in der Brieftasche, denn der Pössl entwickelte deutlich weniger Durst wie gewohnt. Dies überraschte uns nicht, denn unser Alkovenmobil hatte den CW-Wert eines fahrenden Kleiderschrankes.

Keine Unterschiede stellten wir bei Zwischenübernachtungen und in Reisepausen fest. Der „Umbau“ vom Fahrzeug zur Wohnung verlief sehr ähnlich. Wie immer empfanden wir es sehr schön, immer die eigene Toilette dabei zu haben. Selbst die Dusche reicht für  die Körperpflege aus. Leider erwies sich die Durchflussmenge am Duschkopf als zu sparsam. Da muss ich  mir noch etwas einfallen lassen.

Das Campingleben

Den größten Vorteil des Kastenwagens bemerkten wir erst spät auf der Reise. Die große Frontscheibe bezogen wir sofort und ohne große Überlegung in die Platzwahl mit ein. Wir genossen den Panoramablick einfach.  Durch die Volldinette des bisherigen Mobils gab es diese Rundumsicht vorher nicht.

Entgegen unserer Befürchtungen vor dem Kauf empfanden wir es in der abends in der Sitzecke niemals eng. Jeder fand einen Platz für seine abendlichen Aktivitäten. Es fehlte uns nur manchmal die zweite Dinette unseres Weinsberg, wenn es darum ging, mal schnell etwas abzulegen. Wir hatten uns angewöhnt, die nicht genutzten Sitzplätze als schnelle Ablage für Handtasche oder Fotoausrüstung zu nutzen. Jetzt müssen wir mehr Ordnung halten und die Dinge gleich richtig verstauen.

Einen weiteren Vorteil, die Frischluftzufuhr durch die große Schiebetür, konnten wir nur bedingt nutzen. Unser Hund Sam, das vierbeinige Nervenbündel, blieb nicht bei offener Tür im Fahrzeug. Immer wieder rein und raus lautete sein Motto. Die Lösung für das Problem gibt es schon, die Umsetzung folgt erst in den nächsten Wochen. Ich werde berichten.

Mittlerweile haben wir über 30 Nächte im Pössl geschlafen. Selbst meine 180cm passten immer in das Querbett. Das gewohnte Anstoßen an das Dach im Alkoven fehlte mir nicht.  Wir schliefen gut und erwachten ausgeruht.

Unterwegs in Schottland

Bei einigen Streckenabschnitten der Reise freuten wir uns richtig über unseren kleinen Kasten. Wir fanden immer Parkplätze und hatten nie Probleme mit der Fahrzeugbreite. Im fließenden Verkehr stellten wir nie ein Verkehrshindernis dar. Der Kastenwagen zeigte seine höhere Flexibilität auf der Straße.

Einen Minuspunkt  zeigte sich beim Wenden und beim Rangieren. Der lange Radstand des Fahrzeugs erforderte etwas mehr Raum, da waren wir von dem Vorgänger mit dem langen Überhang verwöhnt.

 

Kleine Konstruktionsfehler

Es passierte uns auf der Reise mehrfach, dass wir, besser unsere Schuhe, unbeabsichtigt die Leuchte im Fußboden am Einstieg auf Dauerlicht schalteten. Hier ist der Elektriker gefordert, eine Lösung zu finden. Es besteht sonst die Gefahr, bei schönem Wetter unbemerkt die Starterbatterie zu belasten. Die Leuchte gehört leider zum Fahrzeugteil der elektrischen Anlage.

Wie wir bereits auf unseren ersten Kurztripps erkannten, klappte das Entsorgen des Grauwassers nicht immer, da der Wasserauslass sich fast mittig unter dem Fahrzeug befindet. Unterwegs bastelte ich eine schnelle Lösung. Mit einem Abwasserrohr verlängerte ich den Auslass bis zur linken Fahrzeugseite. Die Befestigung erfolgte auf die Schnelle mit einigen Kabelbindern an der Bedienungsstange des Ablassventils. Irgendwann muss ich noch eine bessere Befestigung bauen.

Fazit

Für uns zwei Personen erwies sich unser Pössl 2Win als vollwertiges Wohnmobil.  Die Einschränkungen durch das kleinere Fahrzeug fielen äußerst gering aus. Wir haben den Umstieg nicht bereut. Einige Kleinigkeiten werden wir noch ändern, insbesondere werden wir die Packordnung an die Erfahrungen anpassen.

Um fair zu bleiben, gilt diese Aussage nur für zwei Personen und einen Hund. Bei unseren Reisezielen ist die „Terrassennutzung“  wetterbedingt nicht immer möglich. Dann würde es mir mit drei oder vier Personen zu eng im Kastenwagen.

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