Nürnberg: Ein Spaziergang durch die Sebalder Altstadt zur Kaiserburg

Die Nürnberger Innenstadt teilt sich in zwei Teile, die Lorenzer und Sebalder Altstadt. Die Pegnitz bildet die Grenze zwischen den Stadtteilen. Im folgenden Artikel beschäftige ich mich mit einem Teil der Sebalder Altstadt. Endlich habe ich es geschafft, wieder einmal einen Artikel der fränkischen Metropole zu widmen.

Anreise

In Reiseführern beginnt ein Rundgang durch die Sebalder Altstadt immer an der Nürnberger Kaiserburg. Dies ist für Wohnmobilfahrer nicht praktikabel, da es an der Burg keine geeigneten Parkplätze für das Mobil gibt. In der Adventszeit beobachtete ich zwei mal, dass auf den Anwohnerparkplätzen abgestellte Wohnmobile mit Tickets versorgt wurden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Burg zwar erreichbar, aber von den Wohnmobilstellplätzen der Stadt ist die Anreise umständlich.

Daher empfehle ich, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadtmitte (U-Bahn Lorenzkirche oder Bus  Weinstadel) zu fahren und den Rundgang am Hauptmarkt zu beginnen. Von dort geht es am Schönen Brunnen vorbei zum Rathaus. Während der große Strom der Besucher geradeaus den Berg zur Burg erklimmt, empfehle ich einen kleinen Umweg. Gehen Sie vom Rathaus über die Straße und an der Sebalduskirche vorbei zum Albrecht-Dürer-Platz.

Der Albrecht-Dürer-Platz und die Füll

Nürnberg Altstadt Chörlein am DürerplatzAuf dem Albrecht-Dürer-Platz fällt sofort das Pfarrhaus mit dem reich verzierten Anbau auf. Diese in Nürnberg Chörlein genannten Vorbauten stellen eine Nürnberger Besonderheit dar. Meist sind die Anbauten aus Holz gefertigt und wesentlich kleiner. Ursprünglich  im 14. Jahrhundert nutzte man den so geschaffenen zusätzlichen Raum als Kapelle. Später stand die Vergrößerung des Wohnraumes im Vordergrund. Vor den Zerstörungen im zweiten Weltkrieg gab es über 300 Chörlein in der Stadt.

Bevor wir den Aufstieg zur Burg beginnen, schlage ich noch einen kurzen Abstecher vor. Dazu verlassen wir den Platz oberhalb des Pfarrhauses und gehen in die Straße „Füll“. Der eigenartige Straßennamen leitet sich von einem aufgefüllten Graben ab. Die Straße beherbergt einige gut erhaltene Kaufmannshäuser und einige der typischen Holzchörlein.

Die ersten Chörlein entstanden als Hauskapellen. Daraus abgeleitet wurden die heute sichtbaren profanen Anbauten im ersten Stock, die nur zur Verzierung der Fassade und des angrenzenden Wohnraumes dienten. Leider wurden im zweiten Weltkrieg viele der Holzanbauten zerstört. Derzeit soll es in der Stadt noch über 70, manche Quellen sprechen von 80 der sehenswerten Anbauten geben.

Nach der Besichtigung der Häuser gehen wir zurück zum Albrecht-Dürer-Platz und wenden uns dem Dürerdenkmal am oberen Ende des Platzes zu. Das Denkmal stammt aus dem 19.Jahrhundert. Es ist das erste Denkmal in Deutschland, dass dem Gedenken an einen Kunstschaffenden gewidmet war.

Wir verlassen den Platz rechts vom Denkmal und steigen weiter in Richtung Burg hinauf. Schließlich gelangen wir direkt unterhalb der Freiung an den Burgfelsen, der hier gut sichtbar ist. Diese Gesteinsformation fast an der Pegnitz machte den Standort für eine Festung interessant. Den steilen Zugang zur Burg nutzen wir vorerst nicht, sondern gehen an den Sandsteinfelsen vorbei.

Die Nürnberger Burg besteht aus drei Bereichen, die in verschiedenen Epochen von drei Bauherren errichtet wurden. Beginnend von links nach rechts sehen wir vor uns die Kaiserburg aus dem 13.Jahrhundert, die Burggrafenburg aus dem 12. Jahrhundert und die Reichsstädtischen Bauten aus dem 15.Jahrhundert.

Die Nürnberger Burg

Vor uns liegen jetzt die Reichsstädtischen Bauten. Das große Gebäude mit dem steilen Dach ist die Kaiserstallung. Das imposante Bauwerk wurde früher als Speicher genutzt. Heute handelt es sich um eine der schönsten Jugendherbergen Deutschlands. Die Kaiserstallung errichtete man zwischen dem zur Burggrafenburg gehörenden Fünfeckigen Turm (11. Jahrhundert) und dem Turm Luginsland (14. Jahrhundert). Überliefert ist, dass der Luginsland gebaut wurde, damit die Stadtväter immer beobachten konnten, was sich auf der Kaiserburg tat. Dieser Teil wurde durch Bomben sehr stark zerstört und nach dem Krieg wieder in der ursprünglichen Weise aufgebaut.

Jetzt biegen wir nach links ab und folgen dem Fußweg zu einem Torbogen hinein die Burganlage. Dann befinden wir uns im Zentrum der einstigen Burggrafenburg, von der nur sehr wenig erhalten ist. Die Anlage wurde bereits im 15.Jahrhundert abgerissen. Gleich hinter dem Torbogen geht es nach links auf die Freiung.

Wenn’s Wetter passt, wie die Franken sagen, bietet sich ein schöner Rundblick über weite Teile der Stadt. Die großen Kirchen der Stadt, das Rathaus und ganz hinten die Kongresshalle des ehemaligen Reichsparteitagsgelände sind gut zu sehen. Übrigens, rufen Sie nicht gleich die Feuerwehr, wenn aus dem Gebäude unter Ihnen Qualm aufsteigt. Die Ursache ist der Grill in einem Restaurant, auf dem die Nürnberger Bratwürste für die Besucher zubereitet werden.

Durch das nächste Tor gelangen wir in den Vorhof der Kaiserburg. Direkt neben dem Tor steht der ursprünglich im 12. Jahrhundert errichtete Sinwellturm, der Bergfried der Anlage. Eine Besteigung des Turmes ist während der Öffnungszeiten möglich. Die weiteren Gebäude in diesem Abschnitt dienten der Versorgung der Burgbewohner. In dem kleinen Gebäude in der Mitte befindet sich das Brunnenhaus mit dem Tiefen Brunnen. Der Schacht wurde über 50m tief in den Sandstein gehauen, um das Grundwasser zu erreichen. Im Rahmen einer Führung kann der Brunnen besichtigt werden.

 

Jetzt geht es wieder durch ein Tor, vorbei am Heidenturm, in die eigentliche Kaiserburg aus dem 12. Jahrhundert. Die Anlage kann besichtigt werden. Im Eintrittspreis enthalten ist ein Rundgang durch den Pallas, und die Doppelkapelle sowie der Besuch der Dauerausstellung „Kaiser – Reich – Stadt“. gegen Aufpreis gibt es ein Kombiticket, das zusätzlich den Zutritt zum Brunnen und zur Besteigung des Sinwellturmes berechtigt. Der Höhepunkt ist die Doppelkapelle, bestehend aus zwei übereinander errichteten kleinen Kapellen. Für den Kaiser gab es noch einen Balkon im oberen Teil. So war damals selbst beim Gottesdienst die Hierarchie abgebildet.

Damit beenden wir die Besichtigung der Burg und verlassen die Anlage auf dem geraden, steilen Weg, bis wir wieder unterhalb der Burg an den Felsen angekommen sind. Hier trennt sich wieder unser Weg von der Route der meisten Besucher. Halten Sie sich rechts, direkt am Gasthaus vorbei und folgen der kleinen Straße direkt unterhalb der Burg. Ganz am Ende der Straße steigen Sie die kleine Treppe nach links herab.

Der Tiergärtnertorplatz

Schon stehen Sie auf dem Tiergärtnertorplatz mit seinen Fachwerkhäusern. In dem der Treppe gegenüberliegenden hohen Haus lebte Albrecht Dürer. Heute ist das Dürerhaus ein Museum. In der Ausstellung kann man das tägliche Leben Dürers nachvollziehen. Bilder gibt es keine, da die in Nürnberg vorhandenen Werke im Germanischen Nationalmuseum ausgestellt sind.

In Verbindung mit Dürers Werk steht die Skulptur eines Hasen auf dem Platz. Es soll die Qualen der Tiere in der heutigen Zeit darstellen. Das Werk ist sehr umstritten. Ich finde, so eine drastische Darstellung ist möglich. Jedoch finde ich die Figur an dieser Stelle am falschen Platz. Denn eine Reminiszenz an Dürer ist das Werk aus meiner Sicht nicht.

 

An dieser Stelle endet vorerst der kleine Bummel durch die Sebalder Altstadt. Es gibt vom Tiergärtnertorplatz mehrere Möglichkeiten, weiter zu gehen. Wenn Sie schnell zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen möchten, verlassen Sie den Platz durch das Stadttor. Früher begann an dieser Stelle der Hauptweg in Richtung Frankfurt. Die Straßenbahnhaltestelle befindet sich direkt hinter dem Burggraben.

Wenn Sie weiter die Stadt erkunden möchten, gehen Sie einfach eine der Straßen gegenüber der Stadtmauer bergab. Sie gelangen immer zurück zum Albrecht-Dürer-Platz und zum Ausgangspunkt.

Tiergärtnertor in Nürnberg

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