Schiffe und mehr im Emsland

Da ich nochmals eine Schiffsüberführung der Meyer Werft miterleben wollte, plante ich zwei Wochen im März so, dass eine kurzfristige Reise ins Emsland möglich war. Das Glück war auf meiner Seite, denn meine Terminplanung passte zu den Terminen der Werft. Meine Frau zeigte Verständnis und genehmigte wohlwollend meinen Ausflug mit dem Wohnmobil.

Bei stahlendem Sonnenschein startete ich am Montag in Richtung Norden. Der Verkehr lief gut und mit einigen Pausen fuhr ich entgegen meiner Planung direkt in das Emsland nach Papenburg auf den Parkplatz der Werft. Geschafft von der Fahrt warf ich einen ersten Blick auf das direkt vor dem Wohnmobil liegende neue Riesenschiff.

Erst kurz vor dem Schlafengehen checkte ich nochmals Seite der Werft. Jetzt erfuhr ich, dass die Überführung um 12 Stunden vorverlegt war. Bereits am Dienstag um 14:00Uhr sollte es losgehen. Manchmal trifft man aus dem Bauch heraus die richtigen Entscheidungen.

Die Emsüberführung der Anthem of the Seas

Die Nacht war kurz, denn ab 6:00Uhr herrschte auf dem Werftparkplatz ein Kommen und Gehen. Ich musste ja unbedingt vorn in der ersten Reihe parken. Hinten auf dem Platz wäre der Morgen ruhiger verlaufen.

Nach dem Frühstück unternahm ich einen kleinen ersten Erkundungsgang am Ufer des Werfthafens. Zu meiner Belustigung versuchte man, einen großen Kran von einem Ponton abzuladen. Leider klappte es nicht, da die Fahrt im Matsch endete.

So langsam füllte sich der Parkplatz und die Wohnmobile nahmen stark zu. Da ich das Geschehen direkt aus dem Auto beobachten konnte, wartete ich bis die Schlepper mit dem Schiff verbunden waren, bevor ich mich auf den Weg macht. Der warme Sonnenschein  half mir bei meiner Entscheidung, mich mit dem Rad auf den Weg zu machen.

Nach einigen Fotos vom Deich am Werftgelände überquerte ich die Ems, um mir einen sonnigen Platz gegenüber der Dockschleuse zu suchen. So konnte ich die Durchfahrt an dieser Engstelle gut beobachten.

Es geht los

Nach einiger Wartezeit kam Bewegung auf, da sich die Anthem of the Seas zu ihrer ersten Reise aufbrach. Unter den Klängen von “Ist time to say goodbye” schlich das Schiff auf die Ems und an den zahlreichen Zuschauern vorbei.Die Schlepper hatten reichlich zu tun, das Schiff auf dem richtigen Kurs zu halten.

Nachdem das Schiff an meiner Beobachtungsposition vorbei war, stieg ich wieder auf das Rad und fuhr weiter an der Ems entlang. Obwohl die Zufahrtsstrassen gesperrt waren, hatten es viele Autofahrer geschafft, bis an den Deich vorzudringen. Zusammen mit vielen Radlern entstand auf den schmalen Wegen ein kleines Chaos. Ein Wohnmobilkollege schaffte es ebenfalls auf den engen Weg. Später sah ich das Wohnmobil sehr schräg fast in einem Graben stehend. Ich würde gern wissen, ob das Ausparken ohne fremde Hilfe gelang.

Wieder fand ich einen schönen Aussichtspunkt auf dem Deich in der schon sehr tief stehenden Sonne. An dieser Stelle erkannte man gut, weshalb die Naturschützer die Schiffstransporte ablehnen. Die gesamte Ufervegetation stand durch den künstlich angehobenen Wasserstand der Ems unter Wasser.

Langsam sanken die Temperaturen. Ich hatte genug gesehen und machte mich auf die Rückfahrt zum Wohnmobil. Der Parkplatz der Wert zeigte, dass die meisten Besucher das Gelände wieder verlassern hatte. Mit nur noch fünf anderen Wohnmobilen verbrachte ich eine ruhige Nacht mit Blick auf den leeren Werfthafen. Nur ab und an hörte ich noch das Schiffshorn der Anthem of the Seas.

Eine ausführlichere Beschreibung mit weiteren Bildern gibt es in meinem Extrabericht:Die Emsüberführung der Anthem of the Seas

 

Durch das Emsland bis Emden

Das schöne Wetter am Mittwoch wollte ich nutzen,  Emden einen Besuch abzustatten. Nur über Landstraßen fuhr ich an der Ems entlang. Überall konnte man fleißige Helfer sehen, die die besonderen Verkehrsregelungen während der Schiffsüberführung entfernten. Nur die Wohnmobile standen meist mit zugezogen Fenstern auf den Plätzen. Viele Besucher werden fast die ganze Nacht auf das verspätete Schiff gewartet haben.

In Emden beschloss mein Navi, mir den Hafen zu zeigen. Der Plan war gut, ich gelangte bis auf fünfhundert Meter an mein Ziel, einen Parkplatz im Außenhafen. Während der Fahrt wiesen Schilder auf eine Beschränkung auf 7,5to hin. Leider verrieten die Schilder nicht, dass die Brücke der Seeschleuse auch für Fahrzeuge über 2m Breite gesperrt ist. Das entsprechende Schild stand erst direkt vor der Brücke.Für mich blieb nur der Rückweg. Acht Kilometer fuhr ich um den Hafen herum, um mein Ziel von der anderen Seite zu erreichen.

Den Rest des Tages verbrachte ich im Emdener Hafen. Direkt vor meinen Wohnmobilfenstern fuhren ohne Ende neue SUV in den Bauch eines großen Autotransporters. Die Fahrer gelangten immer mit einem Kleinbus zurück vom Schiff zu den nächsten Fahrzeugen.

Obwohl ich die schwimmenden Parkhäuser für die hässlichsten Fahrzeuge auf den Weltmeeren halte, fand ich es sehenswert, einen dieser Kästen in der Schleuse zu beobachten. Ich genoss das schöne Wetter und beschloss, den Ausflug in die Emdener Innenstadt auf den nächsten Tag zu verschieben.

 

 

Am Abend schossen die deutschen Damen bei der Biathlon-WM daneben und Bayern gewann mal wieder in der Championsleague. Da mir bewusst war, in einer Hafenumgebung zu übernachten, rechnete ich mit Schiffs- und Ladegeräuschen in der Nacht. Allerdings es kam wieder einmal anders. Gegen 2:00Uhr  erwachte ich von einem Weckergeräusch. Irgendetwas klang wie ein Rufzeichen im Telefon. Ich schälte mich aus dem Bett und kontrollierte meine Technik. So verschlafen wie ich war, gelang es mir nicht, die leise Quelle zu orten.

Nach einiger Zeit des vergeblichen Suchens kam ich auf die Idee, einmal die Tür zu öffnen. Draußen herrschte dichter Nebel. Und der Wecker entpuppte sich als Leuchtfeuer in der Hafeneinfahrt. Von Nebelhörnern hatte ich schon gehört, aber einen Nebelpieper kannte ich nicht. Schnell stieg ich wieder in mein warmes Bett. Da ich die Ursache gefunden hatte, störte mich das Geräusch nicht mehr. Es lärmte fröhlich noch beim Frühstück.

Nebel in Emden

Der Donnerstag begann mit einem Besuch in der Emdener Innenstadt. Auf dem Rad bekam ich noch kalte Finger. Der Nebel begann sich nur langsam zu lichten und der blaue Himmel kam erst ab Mittag zum Vorschein. Ich füllte meine Packtaschen bei Feinkost Albrecht und bummelte durch die Innenstadt.

 

 

Bei meinem Rundgang fielen mir die Namen der Schiffe im Stadthafen auf. Da fand man versteckte Vergangenheit, Fernsehstars und Werbung. Eine sehenswerte Kombination! ( Anmerkung 12.2016: Die „Freundschaft“ ist mittlerweile unter den Schneidbrenner gekommen)

 

 

Nach einer Mittagspause im Wohnmobil bemerkte ich Hektik im Hafen. Schnell war die Ursache klar. Wieder einmal erreichte ein großes schwimmendes Parkhaus den Hafen. Drei Schlepper drehten das Schiff und legten es auf den Meter genau an die richtige Stelle der Kaimauer. Man merkte, dass die Beteiligten das Manöver schon öfter durchgeführt hatten. Leider wirkte die Florida Highway auf mich wie ein grauer schwimmender Kasten. Schön fand ich das Schiff nicht.

 

Eine Radtour zu den Wildgänsen

Nachdem ich das Manöver bei einer Tasse Kaffee beobachtet hatte, stieg ich wieder auf das Rad. Ich fuhr gegen den Wind die Ems aufwärts. Das ca. 12km entfernte Emssperrwerk war mein Ziel. entlang des Hafengebietes ging es seeseits den Deich entlang. Einige Fotostops unterbrachen die Fahrt. Kurz hinter Emden verhinderte ein verschlossenes Weidetor meine Weiterfahrt. Ich musste auf die Landseite ausweichen.

Einige Kilometer weiter erkannte ich den Grund der Sperrung. Im gesamten Deichgebiet bei Petkum lebten tausende von Wildgänsen. Dank einer Informationstafel erfuhr ich, dass die skandinavischen Gänse jeden Winter hier an der Ems verbringen, wenn es ihnen in Schweden zu kalt ist.

Ich verbrachte viel Zeit bei den Gänsen. Leider fand ich nicht heraus, wie es funktionierte dass 1000 Wildgänse gleichzeitig zu einem kleinen Rundflug aufbrachen um dann wieder an der gleichen Stelle zu landen. Allerdings muss es in der Gänsegemeinde viele Neuigkeiten gegeben haben, denn die Tiere unterhielten sich ständig in hoher Lautstärke. Leider lag mein großes und schweres Teleobjektiv im Wohnmobil. Auf Tierfotos war ich nicht vorbereitet. Dennoch versuchte ich die Gänse zu fotografieren.

 

Da ich noch bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen das Wohnmobil erreichen wollte, reichte die Zeit nach mehreren Gänsebeobachtungsstops nicht mehr für das Sperrwerk und ich begab mich auf die Rückfahrt. Der Rückenwind half mir, die 10km schnell hinter mich zu bringen.

Der Rest des Tages verbrachte ich wie immer, wenn ich allein auf Reisen bin, vor der Glotze oder mit einem Buch. Die Biathleten schossen wieder daneben und die Forderungen aus Griechenland klangen nicht gut.

Diesmal blieb die Nacht klar, kein Nebelpiepser störte meinen Schlaf. Am Morgen war es an der Zeit, langsam die Rückreise zu beginnen. Das erste Ziel, einmal mehr das Emssperrwerk lag ganz in der Nähe. Ich wollte die  Gegend nicht verlassen, ohne diese umstrittene Anlage besucht zu haben.

Das Emssperrwerk, ein umstrittener Bau

Schon beim Bau  in der Zeit von 1998 bis 2002 war das Emssperrwerk umstritten. Die Hauptaufgabe des 476m langen Bauwerks ist es, die Gebiete an Ems und Leda vor Hochwasser zu schützen. Innerhalb kurzer Zeit kann das Sperrwerk geschlossen werden. Damit wird das Einströmen des Wassers bei Sturmflut verhindert.

Die zweite Aufgabe des großen Wehres ist die Aufstauung der Ems, um den für große Schiffe erforderlichen Pegelstand zu gewährleisten. Nur durch diese Aufstauungen sind die Überführungen der Kreuzfahrtschiffe möglich. Mittlerweile sind die Anzahl und die Dauer der Sperrungen reglementiert.

 

 

Weiter ging die Fahrt über die leere Autobahn Richtung Norden. Ein weiteres technisches Bauwerk, das Museum Schiffshebewerk Henrichenburg, war mein Ziel. Wir wollten das technische Wunderwerk früher schon einmal besichtigen. Leider fehlte uns damals die Zeit.

Das Museum Schiffshebewerk Heinrichenburg

Nach einer ereignislosen Fahrt und der Mittagspause machte ich mich auf den Rundgang durch das interessante Museum. Die alte völlig analoge Technik beeindruckte mich. Anschließend bummelte ich noch zu den neueren Bauwerken. Insgesamt gibt es vier verschiedene Technikgenerationen, die zu verschiedenen Zeiten dazu dienten, den Höhenunterschied zwischen dem und dem Kanal zu überwinden.

Insgesamt war es für mich ein sehr interessanter Besuch, den ich allen Technikinteressierten nur empfehlen kann. Die einzelnen Bauwerke zu beschreiben, würde diesen Bericht sprengen. Daher werde ich in Kürze einen ausführlicheren Reisetipp zum Schleusenpark Henrichenburg schreiben.

 

 

Nach dem längeren Rundgang und einer Tasse Kaffee im Wohnmobil ging die Fahrt weiter. Allerdings schien es mir, dass sich mittlerweile ganz Nordrhein-Westfalen auf der Fahrt ins Wochenende befand. Es ging nur zäh voran. Ursprünglich wollte ich noch ein größeres Stück Richtung Heimat fahren, aber am Autobahnkreuz Düsseldorf entschied ich spontan, dem Stellplatz am Rheinufer ein weiteres Mal aufzusuchen.

Abend in Düsseldorf

Mit Glück fand ich noch einen freien Stellplatz. Da viele Wohnmobilfahrer die Schilder ignorierten und die Fahrzeuge parallel zum Rhein geparkt hatten, entstand durch dies Verhalten ein überflüssiger Platzmangel.

Wieder stand Biathlon auf dem Programm. Diesmal trafen unsere Mädels und gewannen das Rennen. Anschließend machte ich mich nochmals auf den Weg, um eine Nachtaufnahmen der Düsseldorfer Skyline zu fotografieren. Damit war dieser spannende Tag vorbei.

Vom letzten Tag meiner kleinen Reise gibt es nicht viel zu berichten. Ohne Staus erreichte ich am Nachmittag die fränkische Heimat. Dort wartete schon der gedeckte Kaffeetisch auf mich. So müsste jede Reise enden!

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