Südengland mit dem Wohnmobil, Teil 2

Im zweiten Teil unserer Reise durch Südengland besuchen wir Cornwalls Küsten und Stonhenge. Der Badeort Brighton bildet den Abschluss unserer Rundreise.

Kynance Cove, eine sehenswerte Bucht

Da der besondere Campingplatz in Lizard nicht so unser Fall war, verließen wir ihn am nächsten Morgen wieder. Obwohl der Wetterbericht Regenschauer angekündigt hatte, begann der Tag mit Sonnenschein. Das Wohnmobil brachte uns schnell zu dem nur wenige Kilometer entfernten Parkplatz des National Trust in der Nähe von Kynance Cove. So sparten wir einmal mehr die in England überall übliche Parkgebühr. Die Bewachung der Fahrzeuge übernahm eine Herde Rinder, die frei zwischen den Fahrzeugen herumlief.

Über einen kurzen Abschnitt des Küstenwanderweges gingen wir zu der Bucht. Das ablaufende Wasser ermöglichte es uns, direkt am Ufer entlang zu gehen. Bei Flut ist die Bucht nur eingeschränkt begehbar. So kletterten wir auf den Felsen herum und staunten über die rauhe Küste und die Kraft des Meeres.

Auf einer Wiese legten wir eine Pause ein uns ließen uns von der Sonne bescheinen, während einige Meter unter uns das Meer rauschte. Cornwall, wie man es sich vorstellt!

Im kleinen Strandkiosk erstanden wir ein kleines Mittagsmahl und genossen dabei weiterhin den Ausblick. Leider fand unser Hund nicht alle Gäste nett. So fiel der Aufenthalt nur kurz aus.

Auf dem Rückweg trafen wir auf eine Reisegruppe unserer Landsleute. Eine Dame sagte lautstark, dass sich der weite Fußweg nur zum Besuch des kleinen Cafe’s nicht gelohnt hätte. Kann es sein, dass die Dame es nicht mitbekommen hatte, einen der spektakulärsten Küstenabschnitte Europas zu sehen?

 

Dank der guten Wache der Rinder stand unser Mobil unbeschädigt auf dem Parkplatz. Wir legten noch ein kleines Mittagsschläfchen ein, bevor wir uns auf den Weg Richtung Sennen machten.

Wieder einmal viel unsere Wahl auf einen Campingplatz bei einer Farm. Orientierungsschwierigkeiten bei der Suche der Platzeinfahrt führten dazu, dass wir direkt vor  Lands End wenden mussten. Das Wenden klappte wie immer, und wie immer fuhr ich anschließend auf der rechten Straßenseite weiter. Den Irrtum bemerkten wir erst, als uns ein Fahrzeug entgegenkam. Es war bis hierhin das einzige Mal, dass ich nicht an den Linksverkehr dachte.

Schließlich fanden wir den Platz. Warum haben alle Campingplätze braune Hinweisschilder und nur das Schild des gesuchten Platzes ist gelb?

Das Wetter verschlechterte sich und mehrere sehr heftige Regenschauer hinderten uns an weiteren Unternehmungen. Erst am späten Abend schaffte es unser Hund, uns nochmals zu einem Spaziergang zu überreden. Nur mit Glück erreichten wir das Wohnmobil wieder, ohne nass zu werden. So hatten wir zumindest dem Strand von Sennen Cove einen kurzen Besuch abgestattet.

 

St. Michels Mount, die englische Version des Klosterberges

Der nächste Tag begann wie immer, wenn wir auf Reisen sind. Hundegasse, Frühstück und dann die Tagesplanung. Wir entschieden uns, den Campingplatz für weitere zwei Nächte zu verlängern und von dort aus kürzere Touren mit dem Wohnmobil zu unternehmen.

Eines der bekanntesten Ziele in Frankreich ist der Mont. St. Michel. England bietet in Cornwall St. den St. Michels Mount, ebenfalls ein Klosterberg auf einer Insel. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Nach kurzer Fahrt trafen das erste Mal in diesem Urlaub den Massentourismus und die Folgen zu spüren. Vor dem Ort gab es mehrere große Parkplätze mit saftigen Preisen. Für unser Mobil zahlten wir 6Pfund Parkgebühr. Dennoch waren die Parkplätze gut besucht. Die deutschen Kennzeichen traten vermehrt in Erscheinung. Die Pfingstferien in Bayern und Baden-Württemberg hatten begonnen, wie wir unschwer an den Kennzeichen erkennen konnten.

Leider trafen wir zu spät ein, um den bei Ebbe zu begehenden Fußweg durch die Bucht nutzen zu können. Wir wichen auf den Bootstransfer zur Insel aus, da wir trockenen Fußes die Insel erreichen wollten. Die Fahrt war lustig, denn bedingt durch den starken Wellengang schaukelte das kleine Boot mächtig. Kurz nach der Abfahrt gab es mehrere Grundberührungen. „There will be some bumps“ war der trockene Kommentar des Bootsführers.

Nach der geglückten Überfahrt erstiegen wir den Berg und besichtigten das Bauwerk. Der Aufstieg zeigte sich mühsam, da sich der historische Pflasterweg sich als sehr schwer begehbar erwies. Im Vergleich zu dem Gegenstück in Frankreich ist vom ehemaligen Kloster nichts mehr erhalten, da die Anlage noch als Festung und später als herrschaftlicher Wohnsitz genutzt wurde. So besichtigt man eher einen englischen Herrensitz. Dennoch ist die Besichtigung lohnenswert.

Schön fanden wir die Gärten an der Südseite des Berges. Das Wetter besserte sich und wir schlenderten durch die gepflegten Anlagen, bevor wir wieder den Hafen aufsuchten. Durch den mittlerweile gestiegenen Wasserstand verlief diese Überfahrt reibungslos. Ganz nebenbei erhielten wir noch Unterricht im Steuern des Bootes, da der Kapitän gerade den Nachwuchs anlernte.

Information St. Michels Mount
Der Grundaufbau entspricht dem bekannteren Bauwerk in der Normandie. Auf einer Insel im Wattenmeer, dicht vor der Küste entstand ein Kloster. Die Ähnlichkeit ist nicht ganz zufällig, denn nach Einmarsch der Normannen in England gelangte der Berg in den Besitz der Benediktinermöcher vom Mount St. Michel. Im 13. Jahrhundert errichteten die Mönche eine Kapelle auf dem Berg. Es entstand eine Pilgerstätte.

Im 15. Jahrhundert wurden jedoch alle Verbindungen nach Frankreich gekappt und die militärische Nutzung überwog.So meldeten die Posten auf dem Berg als erste Station den Angriff der Spanischen Armada auf England. Im 16. Jahrhundert verlor der Berg seine strategische und militärische Bedeutung und gelangte in Privatbesitz. im 18. Jahrhundert erfolgte der Umbau in einen Wohnsitz. Heute gehört die Burg dem National Trust, jedoch sicherten sich die letzten Besitzer ein vererbbares Wohnrecht für einen langen Zeitraum.

Quelle National Trust

 

 

Auf der Rückfahrt zum Campingplatz nutzen wir die Gelegenheit zu einem kleinen Einkauf. Diesmal konnten wir nicht widerstehen und kauften eine große Portion Erdbeeren und Cream. Die Erdbeeren fanden wir lecker, Cream kommt nicht wieder auf die Einkaufsliste.

Nach der Pause auf dem Campingplatz stiegen wir erneut den steilen Weg zum Meer hinab. Im Gegensatz zum Vorabend schafften wir es, den Strand zu erreichen. Entsprechend anstrengend zeigte sich der Rückweg, den wir getrennt antraten, da ich noch wartete, wie sich die abendlichen Lichtstimmungen entwickelten. Leider schaffte die Sonne es nicht ganz, noch einmal durch die Wolken zu schauen.

Lands End, ein Jahrmarkt an der Küste

Der nächste Tag begann mit Sonnenschein. Nach dem üblichen Morgenspaziergang mit dem Hund beschlossen wir, den Tag ruhiger angehen zu lassen. So verbrachten wir den Vormittag auf dem Campingplatz, bevor wir uns mit den Rädern auf den Weg machten. Wer in Cornwall reist, kommt an Lands End nur schwer vorbei. Natürlich besuchten auch wir den westlichsten Punkt Englands. Die zu radelnde Strecke betrug nur ca. 5km. Also machten wir uns mutig auf den Weg.

Am Anfang kamen wir gut voran. Es ging meist bergab. Allerdings folgte bald die erste Steigung, die uns zu Schieben zwang. Wir überwanden den Anstieg und erreichten das Ziel. Als Lohn für unsere Mühe sparten wir die saftige Parkgebühr.

Kaum hatten wir unsere Räder abgestellt, da meinten wir auf einem Rummelplatz zu stehen. Mehrere Filmtheater boten Filme in 3D und 4D an. Mehrere Shops und ein Schnellrestaurant lockten uns nicht an. Allerdings durchwanderten Besuchermassen diese an dieser Stelle unpassenden Gebäude.

Wir gingen schnell weiter an den Bauten vorbei zur Küste. Nach einigen Metern vorbei an fotografierenden Reisegruppen wandelte sich das Bild. Die geteerten Wege hörten auf und die Besuchermassen blieben zum großen Teil hinter uns. Später beobachteten wir, dass ein Großteil der Besucher nur kurz an die Küste schauten, einige Fotos aufnahmen und anschließend gleich wieder den Rückweg antraten.

Die Küste bei Lands End ist sehenswert, so wie viele andere Abschnitte in dieser Region. Uns gefiel die Landschaft um Lizard Point wesentlich besser. Insgesamt fanden wir den Besuch durch die vielen Reisegruppen und starke Vermarktung nicht lohnenswert. Wir werden sicher Cornwall nochmals besuchen, Lands End werden wir dann meiden.

Das Besondere ist nur die geografische Lage, die durch clevere Eigentümer massiv vermarktet wird. Im Radio hörten wir, dass die Anlage noch erweitert werden soll. Die einheimische Bevölkerung lehnt die Baumaßnahme jedoch mehrheitlich ab.

 

 

Vor uns lag noch die Rückfahrt mit den Rädern. Da uns der Wind leicht half, gab es nur drei Abschnitte, die wir nur schiebend überwinden konnten. Wir legten noch einen kurzen Abstecher ein, um Sennen Cove einmal aus einer anderen Sicht zu sehen. Wieder zurück am Campingplatz brauchten wir dringend ein Kühlwasser im Schatten, um uns von der Fahrt zu erholen.

 

 

Am Abend folgte wieder ein längerer Spaziergang an den Strand in der Nähe des Campingplatzes. Allerdings gab es wie schon gestern keinen Sonnenuntergang in das Meer, da Wolken die Sonne verdeckte. Dann war wieder ein Urlaubstag zu Ende.

St. Ives, die Urlauber- und Künstlerstadt

Nach drei Tagen auf dem gleichen Campingplatz zog es uns zu neuen Abenteuern. Wir besuchten die Künstlerstadt St.Ives und fuhren weiter die Küste entlang.

Aber beginnen wir von vorn. Trotz des strahlenden Sonnenscheins verlief der Start zäh. Wir steuerten zuerst einen Supermarkt an. Das Getränkefach musste gefüllt werden und frisches Brot brauchten wir auch. Die Kassiererin muss uns für schwer krank gehalten haben, denn wir kauften zusätzlich den Jahresbedarf unserer gesamten Familie an Schmerztabletten, Nasenspray und Hustensaft. 20 Tabletten Ratiopharm für unter 50Cent, das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Standard-Tabletten unterliegen in England nur dem Marktpreis und sind im Supermarkt frei verkäuflich.

Weiter ging es Richtung St. Ives. Große Schilder wiesen uns darauf hin, nicht dem Navi zu folgen, sondern den Schildern Richtung Großparkplatz zu folgen. Das Thema war gerade sehr aktuell, denn eine Tageszeitung titelte: „Navichaos in St. Ives“.

Wir hielten uns an die Beschilderung (unser Navi übrigens auch). Schnell standen wir mit einigen hundert weiteren Fahrzeugen auf dem zentralen Platz. Die Parkgebühr fanden wir in Ordnung. Für 1Pfund pro Fahrt brachte uns anschließend ein Kleinbus in das Stadtzentrum.

Wir schlenderten ziellos durch die engen Gassen und schauten uns die Auslagen der Geschäfte an. Dabei gelangte ein schöner Pullover aus Schafwolle in unsere Taschen. In einer Auslage im Geschäft erfuhren wir von der Aktion: „Sag ja zum Schaf“ Schirmherr ist, typisch für England, Prinz Charles.

Am Hafen entlang führte unser Weg zu den gut besuchten Stränden der Stadt. Wir bewunderten die schöne Aussicht auf die angrenzenden Küstenabschnitte, bevor wir uns auf den Rückweg zur Bushaltestelle machten.

Information St. Ives
Die Stadt St. Ives in Cornwall hat heute ca. 11.000Einwohner. Der Hauptwirtschaftszweig ist der Tourismus. Durch die schöne Lage und die hellen Häuser macht die Stadt einen fast südländischen Eindruck. Hinzu kommen mehrere schöne Sandstrände in der Stadt und der näheren Umgebung.

Um den verkehr zu kanalisieren, ist die Stadt weitgehende autofrei. Nur die Anlieger dürfen die engen Gassen befahren.Durch die 1928 gegründete Künstlerkolonie entstand der Ruf als Künstlerstadt. Einige Galerien und Museen erinnern an diese Geschichte der Stadt. Mehrere Romane, darunter einige Werke von Rosamunde Pilcher, spielen in der Gemeinde und der Umgebung.

Quelle: Wikipedia

 

Die Fahrt mit dem Bus gestaltete sich im Vergleich zur Hinfahrt spektakulärer. Bedingt durch die Einbahnstraßenregelung führte die Route durch kleinste und  sehr enge Gassen. Eine Malerfirma musste die Streicharbeiten an einem Haus einstellen und die Leitern wegräumen, damit der Bus durchfahren konnte. Wie lange die Arbeiten dadurch wohl dauern, wenn alle 10 Minuten ein Bus kommt?

Unsere Lieblingsküste in Cornwall

Unsere Fahrt ging weiter die Küste entlang. Ab Newquay wählten wir die kleine Küstenstraße Richtung Padstov. Das Fahren auf der kleinen kurvenreichen Straße erwies sich als anstrengend. Es ging ständig steil bergauf und bergab. Bei Gegenverkehr war Augenmaß gefordert. Wir begannen mit der Suche eines Übernachtungsplatzes. In der Nähe des kleinen Dörfchens Porthcothan entdeckten wir einen einfachen Platz auf einem Bauernhof. Spontan folgten wir den Hinweisschildern.

Der Anmeldeprozess gestaltete sich schwierig, da es außer einfachen Sanitäranlagen kein weiteres Gebäude auf dem Gelände gab. Dabei war es ganz einfach. Die Chefin drehte jeden Abend und jeden Morgen mit dem Auto die Runde um die großen Wiesen und kassierte die Gebühren. Nur 11 Pfund für einen Platz ohne Strom, dafür in einer Traumlage, da beschwerten wir uns nicht.

Natürlich nutzten wir den schönen Abend noch zu einer Küstenbesichtigung und besuchten den bei Flut sehr kleinen Strand in der Nähe des Platzes. Im Vergleich mit Lands End gefiel uns die Küste hier wesentlich besser.

Bedruthan Steps und viel Ruhe

Wenn man mit dem Wohnmobil eine Region bereist, darf die Erholung nicht zu kurz kommen. So verbrachten wir einen weiteren ruhigen Tag an der Küste Cornwalls. Da wir bereits am Vorabend beschlossen hatten, den Campingplatz noch einen weiteren Tag zu nutzen, begann der Tag entsprechend langsam. Die aufgehende Sonne versprach einen schönen Tag. So beschlossen wir, die 5km zu dem bekannten Strand Bedruthan Steps mit dem Auto zurückzulegen. Uns stand der Sinn nicht auf Bergetappen mit dem Rad.

Am Ziel angekommen, wanderten wir zu der steilen Treppe in die Bucht hinunter. Unser Besuch wurde von den Gezeiten begünstigt, denn der Strand kann über die 90 Stufen nur bei Ebbe gefahrlos erreicht werden. Aus Sicherheitsgründen wird der Zugang bei Flut gesperrt. Dann wird der gesamte Strand vom Wasser überflutet. Die Höhe des Wasserstandes konnten wir gut an den Felsen erkennen.

Der merkwürdige Name der Bucht stammt aus einer Sage. Der Riese Bedruthan soll demnach die Steine der Bucht als Treppe benutzt haben.

Wir gingen zwischen den Felsen umher und überquerten die gesamte Bucht. Die Felsen und die vom Meer herausgewaschenen Höhlen beeindruckten uns. Auf dem Sand laufend, erinnerte mich das Raumgefühl an eine große von der Natur geschaffene Kirche: Ich fühlte mich klein im Vergleich zu den Bauwerken der rauhen See. Obwohl das Meer sehr einladend aussah, gilt ein strenges Badeverbot, da gefährliche Strömungen auftreten können.

Gegen Ende unserer Wanderung freuten wir uns, wieder in den Schatten zu kommen. Obwohl die Temperatur nur 20Grad C betrug, brannte die Sonne auf der Haut. Dazu mussten wir natürlich erst die steile und schwer zu gehende Treppe hinaufklettern. Leicht schnaufend erreichten wir wieder unser Mobil.

 

Wir fuhren zu unserem einfachen Farmcamping zurück und verbrachten einen faulen Nachmittag. Ich sichtete meine Bilder der letzten Tage und führte die Datensicherung durch. Anschließend arbeitete ich an diesem Reisebericht, bis der Akku leer war. Einen Stromanschluss gab es nicht. Veröffentlichen konnte ich die Artikel leider nicht, da selbst mit Mobilfunk ein Netzzugang nicht möglich war.

Am Abend ging ich nochmals den kurzen Weg an die Küste, um einige Langzeitaufnahmen der Brandung zu fotografieren. Dabei entdeckte ich drei augenscheinlich einheimische Jugendliche, die einen vom Wasser umspülten Felsen als Sprungturm nutzten. Die jungen Burschen kannten genau den einzigen Punkt, vom Wasser auf den Felsen zu kommen, ohne von den Wellen zerschmettert zu werden.

 

Nach einer langen Hundegasse kurz vor dem Sonnenuntergang ging ein erholsamer Urlaubstag zu Ende

Von den Stränden Cornwalls nach Exmoor

Langsam näherte sich unsere Reise dem Ende, die Fahrtrichtung zeigte das erste Mal wieder ostwärts. Als Ziel wählten wir Lynton im Exmoor Nationalpark aus.

Wir verließen unseren Campingplatz auf dem Bauernhof in Richtung Bristol. Das sonnige Wochenende sorgte für starken Ausflugsverkehr auf den engen, küstennahen Straßen. Bis zum Erreichen der Hauptstraße mussten wir häufig sehr dicht an die Seite fahren, um die anreisenden Küstenbesucher passieren zu lassen. Irgendwo an einer solchen Engstelle verloren wir die Abdeckung der oberen Begrenzungsleuchte. Höchstwahrscheinlich war eine Berührung mit einer der Hecken zu heftig für das nur aufgesteckte Stück Kunststoff. Einige Male ging es sehr eng zu.

Wir erreichten wohlbehalten die Hauptstraße und kurze Zeit später mal wieder einen Tesco. Es gab neue Getränke und Lebensmittel für uns, das Wohnmobil erhielt eine neuen Diesel. Weiter ging die Fahrt Richtung Exmoor. In Lynton angekommen, erlebten wir es das erste Mal, dass wir auf einem Campingplatz abgewiesen wurden. Die Ursache war sehr einfach: Der Platz verfügte nur über 10 Plätze für Wohnmobile und Wohnwagen. Der Schwerpunkt lag auf der Vermietung von Campinghütten.

Beim nächsten Platz hatten wir mehr Glück. Wie alle Plätze des Campingclubs gab es jeden Komfort. Allerdings legte man großen Wert auf die richtige Aufstellung des Fahrzeugs auf der großen Wiese, obwohl noch sehr viel Platz war. Es dauerte einige Zeit, bis der Einweiser und der Wohnmobilfahrer das Mobil entsprechend der nicht erkennbaren Einteilung geparkt war.

Irrwege in Lynton

Nach einer Kaffeepause machten wir uns auf in den Ort. Wir entschieden uns für die Fahrräder, obwohl das Gebiet einige Steigungen versprach. Ein Radweg führte direkt am Platz vorbei. Kaum hatten wir auf der kleinen Straße (not suitable for cars) den kleinen Anstieg vom Campingplatz hinter uns gebracht, sahen wir eine sehr steile und lange Abfahrt vor uns. Wir entschieden uns, die Räder zu parken und den Weg zu Fuß fortzusetzen.

Die gesamte Strecke, laut Beschilderung 1 Meile, ging es steil bergab. Irgendwann erreichten wir Lynton, einen hübschen kleinen Ort oberhalb der Küste. Das obenstehende Bild entstand vom Wanderweg aus. Unser Ziel lag bei dem weißen Gebäude in der Bildmitte.

Mit Glück erwischten wir gerade noch eine der letzten Fahrten der Standseilbahn hinunter nach Lynmouth. Die kleine Reise mit der alten Bahn hinab zum Meer war ein Erlebnis. Der nette Schaffner gab uns noch den Rat, direkt mit der nächsten Fahrt wieder zurückzufahren, um uns den Fußweg zu ersparen. Es war die letzte Abfahrt für den Tag, danach war Feierabend. Wir hätten der Bahn gern noch länger zugeschaut, da die Konstruktion und die eingesetzte Technik wirklich einen Besuch wert sind.

Durch unseren langen Anmarsch entging uns auch die Besichtigung des kleinen Ortes Lynmouth, der durch die Flutkatastrophe von 1952 bekannt geworden ist. Damals traten sehr heftige Regenfälle auf. Eine Schlammlawine zerstörte 2/3 des Ortes.

Informationen: Die Bahn Lynton – Lynmouth
Die Eröffnung der Bahn fand 1890 statt. Der Bau der Standseilbahn erfolgte, um die Erreichbarkeit und die Versorgung der auf einem Höhenzug am Meer liegenden Siedlung Lynton zu verbessern. Bis zu diesem Zeitpunkt transportierte man die meisten Güter mit Pferden oder Eseln den Berg hinauf.

Die Strecke ist zwar nur 260m lang, der zu überwindende Höhenunterschied beträgt jedoch stolze 150m.Das Besondere an der kleinen Bahn ist die damals schon sehr umweltfreundliche Antriebsart. Die beiden Wagen verfügen jeweils über einen Wassertank unterhalb der Fahrgastkabine. Nach Ankunft in der Bergstation wird der Tank des oberen Wagens mittels einer Rohrleitung aus einem Fluss befüllt.

Zur Abfahrt der Bahn entleert man das Wasser im unteren Wagen soweit, bis der Zug sich in Bewegung setzt. Das Gewicht des oberen Wagens zieht dann die untere Kabine den Berg hinauf. Die Bahn benötigt durch diese Technik keinen Strom oder eine andere Energieart.

 

 

Von Lynton zurück zum Campingplatz stand uns nun der lange Aufstieg bevor. Fast 30min benötigten wir, um den Berg zu ersteigen. Nur die Schafe auf den Weiden beobachteten unsere Anstrengungen. Mehrfach blieben wir kurz stehen, um zu verschnaufen. Das letzte Teilstück unseres Triathlons (Radfahren, Bergwandern, Bahnfahren)  legten wir dann dank unserer Räder, die wir von Schafen gut bewacht abgestellt hatten, sehr kraftsparend und schnell zurück.

Nach einem guten Abendessen aus der Bordküche und der üblichen Abendrunde mit dem Hund ging wieder ein schöner Tag zu Ende.

Von Exmoor Richtung Osten

Der nächste Morgen in Lynton begann wie immer mit Hund, gemütlichem Frühstück, Aufräumen und Entsorgung. Anschließend machten wir uns auf den Weg. Es ging nach Osten. Gleich hinter Lynmouth erwartete uns ein aufregendes Stück Straße. Mit 25% Steigung ging es hinauf auf die Hochflächen des Exmoor Nationalparks. Die Aussichten aus dem Auto waren unbeschreiblich. Für Leute mit Höhenangst ist die Straße nicht zu empfehlen. Wir hielten auf einem kleinen Parkplatz und genossen die Aussicht über die grünen Hügel und das blaue Meer.

Leider kann ich diesmal nicht mit guten Fotos dieser tollen Landschaft dienen, da anscheinend mein Akkuladegrät in einen Streik getreten war. Nach dem Wechsel auf meine Reservekamera vergaß ich die üblichen Kontrolle der Einstellungen und erstellte die Aufnahmen mit einer sehr hohen Empfindlichkeit. Die entstandenen Bilder sind nur bedingt vorzeigbar. Hinterher konnte ich mich dann richtig ärgern, denn das Ladegerät war in Ordnung, nur der Stecker war nicht richtig eingesteckt.

Wir setzten unsere Fahrt durch den Nationalpark langsam fort und bestaunten die Landschaft. Wie schon in Dartmoor begleiteten uns freilaufende Schafe. Am Ende ging es natürlich wieder bergab. Selbst im 2. Gang benötigte ich öfter die Bremse, um die 25% Gefälle unbeschadet hinunter zu kommen. Ich befürchte, dass meine Frau ist auf den Steigungs- und Gefällestrecken um Jahre alterte.

Der Rest der Fahrt verlief ereignislos. Der Himmel bezog sich. In der Nähe von Stonehenge fanden wir kleinem kleinen, sich noch im Aufbau befindlichen Campingplatz. Nach einem ruhigen Abend und einer sehr ruhigen Nacht stand der Besichtigung von Stonehenge nichts mehr im Wege.

 

Der Besuch in Stonehenge

Um Wartezeiten zu vermeiden, bestellten wir die Eintrittskarten bereits am Vorabend im Internet. Wie sich vor Ort zeigte, war diese Maßnahme nicht nötig. Mennenswerte Wartezeiten gab es nicht. Vom neu errichteten Besucherzentrum verkehren Busse zu der früheren Kultstätte, die sich über eine Meile entfernt befindet.

Im Bus erlebten wir einen Besucher, der während der Fahrt seine große Canon-Vollformatkamera im Dauereinsatz hatte. Als Motive gab es wirklich nur Wiesen und Heuballen durch die  spiegelnde Scheibe zu fotografieren.

An der eigentlichen Ruine von Stonhenge angekommen, schlenderten wir in Ruhe einmal um den Steinkreis. Verständlicherweise ist es nicht erlaubt, direkt zwischen die Steine zu gehen. Da die Absperrung nur aus einem einfachen Seil bestand, empfanden wir es nicht als störend.

Beim Betrachten der Ruine stellt man sich automatisch vor, welche Mühe es gemacht haben muss, das Bauwerk zu errichten. Nach etwa einer Stunde hatten wir genug gesehen und fuhren mit dem Bus zurück zum Besucherzentrum. Wir durchquerten den Shop erfolgreich und besuchten noch die kleine Ausstellung über die Geschichte von Stonehenge.

Information Stonehenge
Derzeit geht man davon aus, dass die Anfänge von Stonehenge  ungefähr im Jahre 3000 v. Chr. entstanden. Die Errichtung der Steine soll etwa 2500 v. Chr. stattgefunden haben. Danach nutzten unsere Vorfahren die Anlage bis ins 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Dabei erfolgten einige Umbauten an den Steinkreisen.

Der Zweck der Anlage ist weiterhin unbekannt. Von religiösem Zentrum bis zu einem astronomischen Kalender reichen die Theorien. Fest steht, dass die Anlage so errichtet wurde, dass die Winter- und Sommersonnenwende die Ausrichtung vorgaben.

Heute ist die Anlage eine der Hauptbesucherziele in England. Um die Besucherströme besser lenken zu können, wurde in den letzten Jahren ein neues Besucherzentrum mit einer kleinen Ausstellung errichtet. Wer sichergehen möchte, Stonehenge zum gewünschten Zeitpunkt besichtigen zu können, wird empfohlen, die Karten vorab im Internet zu erwerben.

 

 

 

Dann hatten wir genug Geschichtsunterricht und begaben uns zum Wohnmobil. Wir wollten noch bis Brighton fahren, obwohl wir dort Schwierigkeiten bei der Wahl eines Übernachtungsplatzes erwarteten. Das bei mir direkt mit der Musik der Rockgruppe „The Who“ verknüpfte Seebad war unser letztes Ziel in England.

 

Brighton, der bekannte Badeort

Wir erreichten Brighton am späten Nachmittag. Allerdings nur die Abfahrt von der Schnellstraße, denn dort begann ein Stau bis fast zum Campingplatz. Die Ursache war eine Sperrung der Durchgangsstraße an der Küste. Erst kurz vor 18:00Uhr erreichten wir den Campingplatz. Unsere vorhergehenden Recherchen zum Platz gaben ein uneinheitliches Bild. Aber alle Quellen erwähnten die hohe Belegung des Platzes. So stieg unsere Spannung, was uns erwarten würde.

Wir hatten Glück und erhielten einen der letzten freien Plätze für unser Wohnmobil, bevor die Rezeption schloss. Und zu unserer Überraschung handelte es sich um einen sehr schönen, gepflegten und sauberen Platz. Die schlechten Bewertungen stammen aus der Vergangenheit, der Platz scheint den Betreiber gewechselt zu haben. Allerdings wirkte die Anfahrt auf uns abschreckend, denn an der engen Straße standen einige geparkte Wohnmobile, der Müll der Fahrzeuge verteilte sich auf der Straße.

Das Glück blieb uns hold, denn der Fernsehempfang klappte reibungslos. Dank der BBC erlebten wir den Sieg der Deutschen Nationalmannschaft über Portugal. Die englischen Reporter zeigten sich begeistert vom Auftreten der Deutschen Mannschaft.

Abendtour durch in die Stadt

Nach unserem Abendessen nutzten wir wieder einmal unsere Räder und fuhren entlang der langen Strandpromenade bis zum Pier. Wieder einmal spürten wir, dass das Kreuzen von Straßen durch den Linksverkehr sehr gewöhnungsbedürftig ist. Ob ich mich jemals daran gewöhnen kann?

Bei nur 16Grad C, viel Wind und starker Bewölkung fanden wir den Strand fast menschenleer vor. Das große Riesenrad drehte leer seine Runden und die Großbildleinwand des Public Viewing lief nur für sehr wenige Zuschauer. Uns gefiel die Architektur der Häuser an der Seaside. Entgegen der bisher durchfahrenen Seebäder fanden wir wenige Fassaden, die sanierungsbedürftig waren. Der Glanz der Vergangenheit war spürbar.

Auch uns vertrieb das Wetter die Lust auf weitere Entdeckungen. Wir radelten langsam zurück zum Wohnmobil. Wieder war ein Urlaubstag vorbei.

Sonne am Strand in Brighton

Am nächsten Morgen weckte uns die Sonne. Das Wetter machte  Lust auf weitere Unternehmungen.  Dank unserer Räder gelangten wir schnell in die Innenstadt. Wir gingen am Strand entlang und beobachteten das von Jugendlichen und Touristen geprägte Treiben. Für uns war der Betrieb in der Großstadt nach der Ruhe und Abgeschiedenheit in Cornwall eine große Umstellung.

 

Weiter ging es in die Stadtmitte. Wir besuchten einige Läden in einem Einkaufszentrum und erstanden einige Kleidungsstücke. Natürlich besuchte ich den dortigen Apple Store, allerdings ohne einen Einkauf, da die Preise beim derzeitigen Umrechnungskurs keine Schnäppchen waren.

Das nächste Ziel auf unserem Rundgang war das Royal Palais, einer architektonischen Verrücktheit. Wir verzichteten auf eine Besichtigung der Innenräume, da wir bei dem schönen Wetter keine Lust auf Kultur hatten. Dafür bummelten wir noch durch die engen Gassen der Altstadt, Lanes genannt, und am Strand gab es noch ein Eis zur Stärkung für den Rückweg.

 

 

Unterwegs legten wir noch einige Stopps ein, um die Volks-Railway genannte Strandeisenbahn bei ihrer Tätigkeit zu beobachten. Den Abend verbrachten wir ruhig auf dem Campingplatz, um Kraft für die große Überfahrt zu sammeln. Der letzte Urlaubstag war vorbei.

 

Die Rückfahrt: Von Brighton nach Calais

Nach einer ruhigen Nacht in Brighton begann für uns leider die Rückreise. Jede Reise geht einmal zu Ende. Um Kraft zu sparen, wählten wir die länger Route über die Autobahnen in Richtung Dover. Um uns den Abschied zu erleichtern, verschlechtere sich das Wetter und die Scheibenwischer kamen nach längerer Zeit wieder zum Einsatz.

Die Fahrt verlief glatt und ohne Behinderungen erreichten wir Folkestone. Im dem an der Autobahn liegenden Tesco kauften wir noch einmal ein. Zusätzlich zu den benötigten Lebensmitteln wanderten noch einige landestypische Artikel in den Einkaufswagen. Anschließend erhielt das Mobil noch eine Dieselfüllung.

Ein letztes Mal ging es auf der falschen Seite durch eine Anhäufung von Kreisverkehren. Wir erinnerten uns an unsere Unsicherheit bei der Ankunft auf der Insel und lächelten über die Neuankömmlinge. Die nächste Schwierigkeit war es, die merkwürdige Verkehrsführung im engen Fährhafen zu verstehen.

Zusätzlich verhinderten einige LKWs die Durchfahrt, da die Fahrer bewusst die PKW und Wohnmobilspuren nutzen, um sich weiter vorn in der Schlange zu positionieren. Die Fernfahrerkollegen verhinderten, dass die Drängler sich wieder einordnen konnten. So kam die PKW-Abfertigung zeitweise zum Erliegen.

Im Gegensatz zur Hinfahrt erfolgten keinerlei Kontrollen. Die Behörden zeigten wenig Interesse an uns und unserem Wohnmobil. Niemand wollte unsere Papiere sehen. Nach einer kurzen Wartezeit begann die Verladung. Wir gehörten zu den ersten Fahrzeugen, die auf das Schiff gelangten. Vom Oberdeck aus beobachteten wir die Verladung der weiteren Fahrzeuge und die Abfahrt. Mit etwas Wehmut verabschiedeten wir uns von England.

Da das durchwachsene Wetter verhinderte einen längeren Aufenthalt an Deck des Schiffes. Wir besuchten kurz den Shop bevor wir es uns im fast leeren Restaurant gemütlich machten. Da nur sehr wenige PKW an Bord waren, herrschte an Bord eine sehr ruhige und erholsame Stimmung. Die meist auf den Skandinavienfähren erlebte Unruhe blieb uns erspart. Allerdings verfügte das Schiff, die Pride of Burgundy, nicht über den Komfort der Pride of France von der Hinfahrt.

Von Calais nach Franken, die Rückfahrt

Planmäßig erreichten wir nach der ruhigen Überfahrt den Hafen von Calais. Da uns der Aufenthalt dort nicht gefallen hatte, beschlossen wir, entgegen unserer Planung noch einige Zeit in Richtung Deutschland zu fahren. Allerdings verlangte unser Hund noch etwas Aufmerksamkeit. Die Fährfahrt im leeren Wohnmobil stellt immer eine Belastung für das Tier dar. So legten wir noch in Calais einen Stopp ein und gingen einige Schritte mit dem Hund.

Die Weiterfahrt bis Brügge strengte an, da ein vom Meer kommender starker Seitenwind herrschte. Beim Überholen der zahlreichen LKWs musste ich aufpassen, um nicht vom Winde verweht zu werden. Erst nach dem Richtungswechsel in Richtung Brüssel stellte der Wind kein Problem mehr dar. Nachdem wir Brüssel staufrei durchquert hatten, legten wir noch eine längere Pause ein, bevor es weiterging.

Mittlerweile waren wir fast allein auf der Autobahn. Große Leuchttafeln erinnerten die LKW-Fahrer an das Feiertagsfahrverbot in Deutschland. Jetzt kannten wir den Grund, weshalb keine Fernfahrer mehr unterwegs waren. So gelangten wir nach einer eher langweiligen Fahrt nach Deutschland. Beim Tanken entdeckten wir an der Raststelle  Aachen einen relativ ruhig gelegenen Platz und entschieden uns, dort zu übernachten.

Es gelang mir, den Fernseher rechtzeitig zu aktivieren, um das Ausscheiden der Spanier bei der WM in Brasilien live mitzuerleben. Der erste Teil der Rückfahrt lag hinter uns.

Nach einer halbwegs ruhigen Nacht schliefen wir etwas länger. So kamen wir erst spät zurück auf die Autobahn. Ohne die Brummis kamen wir gut voran. Nur durch einige Pausen unterbrochen erreichten wir am Nachmittag wohlbehalten Franken. Eine schöne Reise war leider zu Ende.

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