Mit dem Wohnmobil durch Schottland, Teil 3

Nach unserem Besuch auf Skye führte unsere Schottland-Tour weiter zu Seeungeheuern und den Bauten der Golden Mile in Edinburgh. Wir gerieten in Sportveranstaltungen und beschäftigten uns mir Mary Stuart. Um alle diese Dinge geht es im letzten Teil des Reiseberichtes Schottland.

 Abschied von Skye

Das Wetterglück kehrte zu uns zurück. Schon beim Aufwachen sahen wir durch das Dachfenster den blauen Himmel. Der Tag begann wolkenlos mit warmen Sonnenschein. Diesmal wählten wir die Südwestküste der Insel Skye für die Rückfahrt von der Insel. Bei schönem Wetter gefiel uns Skye gleich viel besser. Wieder stoppten wir unterwegs öfter, um die Landschaft zu betrachten. Als wir Skye über die Brücke verließen, war uns klar, dass wir Skye nochmals länger besuchen werden.

 

 

Den nächsten Stopp legten wir am Eilean Donan Castle ein. Das erst um 1930 wieder errichtete Gebäude wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Festung diente immer wieder als Filmkulisse, da sie sehr dem Klischee einer schottischen Burg entspricht.Wir besichtigten die Anlage, die sich immer noch in Privatbesitz befindet, ausführlich. Der Fotograf hatte wieder einmal Pech, das Licht spielte einfach nicht mit, um gute Aufnahmen zu machen. Das Niedrigwasser trug ebenfalls nicht zu guten Bildern bei, denn die Festung war nur von Matsch umgeben.

 

Der verschwundene Campingplatz am Loch Ness

Bei der Weiterfahrt durch das Gebirge verschlechterte sich das Wetter mit jedem gefahrenen Kilometer. An unserem Tagesziel, dem Loch Ness, regnete es und die Außentemperatur war um 10 Grad gesunken. Wir suchten einen Campingplatz direkt am See. Leider fanden wir den Platz nicht. Irgendwann gaben wir auf. Später entdeckten wir, dass der Platz mittlerweile mit vielen neuen Ferienhütten zugebaut wurde. Den Campingplatz gibt es nicht mehr.

So fuhren wir zurück nach Fort Augustus und quartierten uns auf dem dortigen Platz ein. Wir trafen erneut eine Gruppe mit VW-Bulli-Oldtimern, die uns zuvor schon in Ullapool aufgefallen war. Nach einer kurzen Pause schauten wir uns noch die Schleusentreppe in dem kleinen Ort an. Die gesamte Anlage erinnerte uns sehr an den Götakanal in Schweden.  Die Geschichte der beiden Kanäle verlief sehr ähnlich. Ebenso wie der Götakanal wird der Caledonian Canal heute nur noch von Ausflugs- und Freizeitschiffen genutzt.

 

 

Den Tagesausklang verbrachten wir wie meist auf unseren Reisen mit unseren Freizeitbeschäftigungen im Wohnmobil nach, während Sam die Pferde auf der angrenzenden Koppel im Auge behielt.

Der Weltcup macht einen Strich durch unsere Planungen

Das Wetterglück blieb uns weiter erhalten. Bereits am nächsten Morgen lösten sich die letzten Nebelschwaden an den Berghängen auf. Wir packten wieder einmal unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg, das Ungeheuer von Loch Ness zu besuchen.

An unserem ersten Ziel, Urquard Castle, gab es Schwierigkeiten, einen Parkplatz für unseren Pössl zu finden. Erst nach Ende der ersten Suchrunde entdeckten wir unweit der Ausfahrt noch einen völlig leeren kleinen Zusatzparkplatz. So stand der Besichtigung nichts mehr im Wege.

Dank unserer Mitgliedschaft im Verein Historic Scottland gelangten wir über einen Mitgliedereingang schnell und kostenlos in das Besucherzentrum. Vor der Burgbesichtigung gab es einen kleinen Film über die wechselhafte Geschichte der Anlage zu sehen. Wir fanden den Film sehr gut gemacht, da die Ereignisse  mit einem dicken Schuss Humor dargestellt wurden. Am Ende fuhr die Leinwand auf und gab erstmals den Blick auf die Ruine frei.

Mittlerweile hatte es die Sonne geschafft, die Wolken zu verdrängen. So konnten wir die Anlage bei bestem Wetter erkunden. Das besondere von Uquart Castle ist die Lage auf einer kleinen Landzunge im Loch Ness. Natürlich schauten wir wieder und wieder auf den See, aber Nessi hatte keine Lust, sich uns zu zeigen.

 

 

Wir wollten uns die Schleusentreppe in Fort Augustus noch einmal in Betrieb ansehen. Daher fuhren wir zurück zum Ausgangspunkt unserer Tagesetappe. Wir hatten Glück und erlebten mit, wie ein Segelschiff die Schleusentreppe überwand. In der Sonne sitzend verfolgten wir das Geschehen.

 

 

Anschließend führte uns unsere Reise nach Fort William. Als erstes füllten wir unsere Vorräte in einem Lidl auf. Es gab sogar German Schwarzbrot zu kaufen. Anschließend suchten wir einen Platz für die Nacht. Leider erwies sich das Vorhaben als schwierig, denn der Weltcupzirkus der Mountainbiker machte gerade Station in der Kleinstadt. Große Zuschauermengen verursachten ein Verkehrschaos und sorgten für überfüllte Campingplätze. Schließlich landeten wir auf einem Long Stay Parkplatz direkt am Meer. Dort verbrachten wir die Nacht mit zahlreichen Wohnmobilen der Mountainbikefans. Erst später lasen wir, dass ca. 10.000 Zuschauer die Veranstaltung besuchten. Da kann es schon einmal einen Stau geben.

Aber bevor es in die Beten ging, bummelten wir noch durch die am Samstagabend sehr belebte Fußgängerzone. In den Pubs stärkten sich die Besucher für den zweiten Wettkampftag. Insgesamt fanden wir die Innenstadt wenig lohnenswert.

Ein Erlebnis der besonderen Art hatte ich noch, als ich kurz vor Mitternacht noch einmal kurz mit dem Hund ein paar Schritte ging. Ein Polizeifahrzeug hielt neben mir an, die Scheibe öffnete sich. Der Fahrer sprach eine für mich unverständliche Sprache. Mit meinem Schulenglisch vertand ich nur Dog, weiter kein Wort. „Oh, sorry, I am coming from Germany i don’t understand“ stotterte ich dem Polizisten entgegen. Dieser fing an zu lachen und sprach sehr langsam: „It is all ok, all ok“ drehte die Scheibe hoch und fuhr davon. Ratlos blieb ich zurück, da ich nie erfahren werde, was die Vertreter der schottischen Staatsmacht von mir wollten.

Der Angriff der Mitgets

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz lockte die Sonne zu neuen Unternehmungen. Die Besuchermassen des Weltcups strömten bereits zu den Zubringerbussen, als wir uns auf den Weg machten. Wir wandelten auf Harry Potters Spuren und besuchten den Glenfinnan-Viadukt. Die Züge Richtung Hogwarts überqueren im Film regelmäßig die schöne Steinbrücke. Wir saßen einige Zeit in der Sonne und genossen die Aussicht. Leider brauchten wir nicht auf einen Zug warten, da der Dampfzug außerhalb der Ferien nur selten und unregelmäßig verkehrt.

 

Auf dem Rückfahrt stoppten wir in Banavie, um uns die Staircases to Heaven, wie die Schleusentreppe im Volksmund genannt wird, anzusehen. Dort überwindet der Caledonien Canal mit 8 Schleusenkammern einen Höhenunterschied von 26m. Leider war zur Zeit unseres Besuchs kein Betrieb, da kein Schiff auf eine Schleusung wartete.

 

 

Nach einer Mittagspause im Schatten an der Schleusenanlage machten wir uns auf zu unserem Tagesziel, dem Campingplatz in Glencoe. Dort verbrachten wir einen faulen Nachmittag in der Sonne und sammelten Kraft für den letzten Reiseabschnitt, der uns wieder in dichter besiedelte Gebiete führen wird.

Am Abend lernten wir noch eine besondere Attraktion der schottischen Highlands kennen. Bisher schien auf unserer Reise oft die Sonne, aber der Wind schützte uns. In Glencoe herrschte Windstille und die Midgets griffen an. Wir konnten wir am Abend nicht mehr vor dem Wohnmobil sitzen und die schöne Aussicht genießen. Die kleinen Tiefflieger verleideten uns den Aufenthalt im Freien. Selbst der Hund wollte gern in das Fahrzeug. Im Fell transportierte Sam ganze Hundertschaften in das Wohnmobil.

 

Aus den Highlands nach Edinburgh

Nach einer Nacht mit ungebetenen Gästen im Miniformat setzten wir unsere Schottlandrundfahrt fort. Für den Abend hatten wir sicherheitshalber einen Campingplatz in Edinburgh reserviert. Aber vorher stand noch die Fahrt durch das Glencoe und nach Sterling auf dem Programm. Wir durchfuhren das bei Wanderern sehr beliebte Tal. Der Sonnenschein und die gute Sicht halfen uns, die Fahrt zu genießen. Wenn wir noch einmal in die Region kommen, werden wir dem Tal sicherlich mehr Zeit widmen.

 

 

Anschließend ging es bergab mit uns. Wir verließen die schottischen Highlands in Richtung Sterling. Das viel gelobte Castle wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Auffahrt zur Festung entwickelte sich dank unseres Navis zu einer kleinen Herausforderung für den Fahrer. Tantchen (das Navi) führte uns auf einer sehr engen Straße zum Parkplatz  direkt am Festungseingang. Dort angekommen stellten wir fest, dass selbst große Reisebusse den Parkplatz nutzen. Irgendwo muss es eine besseren Weg geben. Manchmal hat unser Tantchen schon seltsame Ideen.

Die lohnenswerte Besichtigung zeigte uns, das die Mächtigen bereits zu Marie Stuarts Zeiten wussten, wie es sich leben lässt. Hinzu kommt der schöne Blick vom Festungsfelsen über Stirling und das Tal des Forth. Als Mitglied von Historic Scottland erhielten wir zusätzlich zum freien Eintritt noch einen deutschsprachigen Audioguide, der uns viel über die Geschichte mitteilte.

 

 

Nachdem wir den Burgfelsen wieder verlassen hatten, diesmal folgten wir den Schildern, stoppten wir noch am Tesco. Nach der eher geringen Auswahl in den kleineren Läden der Highlands machte es Spass, mal wieder mehr Auswahl in den Regalen zu finden.

Auf der nur 50km langen Fahrstrecke dachten wir, die Außentemperaturanzeige unseres Wohnmobils ist defekt. Auf nur wenigen Kilometern sank die Anzeige von 24Grad C auf 13Grad C. Das Thermometer hate recht, in Edinburgh fielen wir mit kurzer Hose und T-Shirt auf. Nach dem Einchecken auf dem Campingplatz nutzten wir den Abend noch zu einem längeren Spaziergang am Firth of Forth in der sehr frischen Meeresbrise.

Der Stadtbesuch in Edinburgh

Obwohl Gewitter und Starkregen angesagt war, nutzten wir den nächsten Tag zum Besuch der Altstadt von Edinburgh. Der Shuttlebus vom Campingplatz brachte uns in 15Minuten fast bis in das Zentrum. Unser erstes Ziel war das Edinburgh Castle. Bei unserer Ankunft dachten wir, auf einem Marktplatz gelandet zu sein. Menschenmengen besuchten die Anlage.

Der Andrang besserte sich nachdem die 13:00Uhr Kanone abgefeuert war. Wir gingen durch die Festungsräume und besichtigten die Kronjuwelen und Machtinsignien Schottlands. Irgendwie konnte ich mir ElisabethII, die  auch Königin von Schottland ist,  nicht mit dem großen Schwert vorstellen.

 

 

Mittlerweile verfinsterte sich der Himmel und es donnerte einige Male. Wieder einmal hatten wir Glück, denn das Schauer zog ohne einen Tropfen Regen an uns vorbei. So konnten wir die Golden Mile in Angriff nehmen.  Wir bummelten über den bekanntesten Straßenzug Schottlands und ließen uns einfach treiben. Da wir keine Lust auf eine weitere Besichtigung hatten, bogen wir in Nebenstraßen ab und gelangten über den Grasmarket, dem früheren Hinrichtungsplatz, zurück um Abfahrtspunkt des Busses zum Campingplatz.

Der Besuch von Edinburgh war interessant und lohnenswert. Der große Touristenandrang beschränkte sich auf den direkten Bereich an der Festung und den Beginn der Golden Mile. Für uns steht fest, dass wir die sehenswerte Stadt mit ihrem geschlossenen Stadtbild nochmals besuchen werden.

 

Der Abschied von Schottland und ein Riesenrad für Schiffe

Mit dem Besuch von Edinburgh war unsere Schottlandrundreise beendet. Jetzt ging es wieder in Richtung England. Unterwegs legten wir noch eine längere Pause in Falkirk ein. Dort erfand man eine besondere Konstruktion, um den Höhenunterschied von 25m zwischen zwei Kanälen zu überwinden. Zwei Tröge werden in einer mit einem Riesenrad vergleichbaren Konstruktion auf und ab befördert.

Die Anlage ist für Besucher gut erschlossen. Rundfahrtschiffe ermöglichen den Besuchern, das Bauwerk hautnah zu erleben. Für das leibliche Wohl sorgt eine Cafeteria. Als Techniker freute es mich, dass ein technisches Bauwerk so viele Besucher anzieht. Wir verbrachten fast zwei Stunden mit der Besichtigung des Rades. Dank des schönen Wetters saßen wir in der Sonne und beobachteten das Treiben.

 

 

Mit diesem Abstecher war das Kapitel Schottland 2016 für uns abgeschlossen. Wir machten uns etwas schwermütig auf den Weg in Richtung Süden. Anfangs kamen wir gut voran. Um wieder auf der A1 (M) und M11 Richtung London zu kommen, wählten wir die A66 in Richtung Süden. Dies war ein Fehler, denn wir fuhren in einen massiven Stau. Mehrfach standen wir fast 10 Minuten an einer Stelle. Wir verloren fast eine Stunde.

Eine Übernachtung im Sherwood Forest

Irgendwann suchten wir einen Platz für die Nacht. Durch Zufall gelangten wir in den Sherwood Forrst. Wir suchten den Campingplatz Clumberpark, der sich fast direkt an der Autobahn befinden sollte. Die Suche gestaltete sich schwierig. Es dauerte eine Zeit, bis wir begriffen, dass der Platz mitten in einem großen parkähnlichen Waldgebiet befand. Die Zufahrt erfolgte durch einen verzierten Torbogen. Erst als wir das zweite Mal vor dem Tor landeten, entdeckten wir das kleine Hinweisschild des Campingplatzes. Jetzt trauten wir uns, die Einfahrt zu nutzen. Wir gelangten in einen schönen Wald mit einer 4km langen Lindenallee. Der Platz lag erst am Ende der Straße völlig abgeschieden und ruhig in der Natur.

Nach einer kurzen Erholungspause spazierten wir noch mit unserem Hund durch den Wald, der schon zum Sherwood forrest gehört. Wenn wir mal wieder in diese Ecke Englands kommen, werden wir etwas mehr Zeit einplanen.

Nach der Nacht bei Robin Hood wartete die Fähre in Dover auf uns. Davor lag noch die Fahrt um London herum. Anders als am Samstag herrschte schon auf der M11 erheblicher Verkehr. Einige Verkehrsteilnehmer gingen mir auf die Nerven. “ Fahrt doch gleich Autoscooter“ war öfter im Wohnmobil zu hören. Meist ging es um zu geringen Abstand oder sehr knappe Spurwechsel. Besonders störend wirkte sich der Fahrstil der LKW aus, die oft kilometerlang nebeneinander fuhren und den Verkehr aufhielten.

Dank der von uns bewusst gewählten Mittagszeit kamen wir staufrei um London herum und erreichten fast planmäßig Dover. Allerdings zogen sich die Passkontrolle und und das Einchecken in die Länge. Diesmal waren es nicht die genauen Kontrollen, sondern die geringe Zahl offener Schalter verzögerte die Abfertigung. So erreichten wir erst kurz vor dem Verladebeginn unsere Spur.

Die Überfahrt verlief bei sehr ruhigem Sommerwetter ruhig und ereignislos. Zu meinem Erstaunen musste ich mich erst wieder an das Fahren auf der richtigen Seite gewöhnen. Nach wenigen Kilometern klappte es wieder wie immer. Da wir keine Lust auf noch mehr Autobahn hatten, fuhren wir wieder zum Stellplatz in Gravelines und verbrachten dort den Rest des Tages.

Um Kraft für die lange Rückfahrt zu sammeln, schliefen wir aus und gingen den Tag gemütlich an. Diesmal wählten wir die Route über Lille und Luxemburg. Wir besuchten unterwegs noch einen großen Supermarkt in Frankreich, um zu hause nicht gleich einkaufen zu müssen. Wie immer gefiel uns der Markt sehr gut. In Frankreich wird insbesondere die frische Ware schön präsentiert. Da bekommt man Lust auf die Produkte.

Natürlich nutzten wir die Durchfahrt durch Luxemburg zu einem Tankstopp. Wir kamen bis Kaiserslautern, wo wir uns einen Übernachtungsplatz suchten. Wir landeten auf einem Parkplatz eines Spass- und Wellnessbades nahe der Autobahn.

Am nächsten Tag spulten wir noch die letzten 300km der Reise ab. Nach dem üblichen Stau bei Sinsheim ging es flott voran. Am Mittag war unser Ausflug nach Schottland beendet und wir erreichten wieder wohlbehalten zu hause.

Mit dem Wohnmobil durch Schottland, Teil 3
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