Mit dem Wohnmobil durch Schottland, Teil 1

Ein Traum wurde wahr, wir schafften es, Schottland einen Besuch abzustatten. Von Mitte Mai bis Anfang Juni bereisten wir den Norden der britischen Insel. Gleichzeitig war es die erste großen Tour mit unserem kleinen Pössl. Wir waren gespannt, wie sich das kleine Mobil unterwegs schlagen würde.Um es vorweg zu nehmen, es wurde eine schöne Tour durch interessante Orte und Landschaften. Hinzu kam das nicht ganz typische Wetter. 

Die Anreise

Wie immer begann unsere Fahrt am Abend, sofort nach dem die letzten Handgriffe erledigt waren. Über die A3 ging es staulos gut voran. Bereits zum zweiten Mal landeten wir im Umfeld des ICE-Bahnhofs Limburg. Dank einer großzügigen Planung gibt es dort Straßen mit Parkbuchten auf der grünen Wiese. Das vorgesehene Gewerbegebiet lässt weiter auf sich warten.

Nach einer erholsamen Nacht ging es früh weiter in Richtung Westen. Über Köln und Aachen erreichten wir Belgien. Bis auf den üblichen Stau um Brüssel herum verlief die Fahrt ruhig und langweilig. Am Nachmittag erreichten wir unser Etappenziel, den Wohnmobilstellplatz Gravelines in der Nähe von Calais.

An dieser Stelle fällt den Schottland-Experten auf, dass wir den langen Weg über Calais – Dover gewählt haben. Der Grund für diese Entscheidung hat vier Beine  und bellt manchmal. Um dem Hund die lange Fährüberfahrt von Amsterdam nach Newcastle zu ersparen, nahmen wir die längere Fahrstrecke in Kauf.

Zurück zu unserer Anreise. Nach einer Pause machten wir uns noch auf den Weg, Gravelines einen kurzen Besuch abzustatten. Wir fanden eine schöne Kleinstadt mit einer großen Vauban-Festungsanlage. Nach dem Spaziergang ging es bald ins Bett, denn am nächsten Morgen stand die große Überfahrt auf dem Programm.

 

 

Die große Überfahrt

Wie erwartet schliefen wir in Gravelines ungestört und ruhig. Nach einem Schnellstart und 20 Minuten Anfahrt erreichten wir den Fährhafen in Calais. Auf den letzten Kilometern bot sich ein ein bedrückendes Bild. Kilometerweit führte die Schnellstraße zum Fährhafen zwischen Stacheldrahtzäunen hindurch. An vielen Stellen standen Polizisten. Das Camp der Refugees stimmte uns nachdenklich. Passen diese Bilder zu unserer aufgeklärten Gesellschaft, die sich die Einhaltung der Menschenrechte auf die Fahne geschrieben hat?

Im Fährhafen verliefen die Kontrollen zögerlich, da die französischen Grenzbeamten in jeden Kofferraum schauten. Bei uns reichte ein Blick in die geöffnete Schiebetür. Anscheinend kannte die Beamtin die Größe unseres Kellers nicht. Auch das Bad blieb unkontrolliert.

Der Check-In klappte diesmal ohne Probleme, unser Hund erhielt nach der üblichen Chipkontrolle die Einreiseerlaubnis auf die Insel. Plötzlich ging es ganz schnell, ohne weitere Wartezeit ging es vom Schalter direkt auf die Fähre. Als vorletztes Fahrzeug fuhren wir auf das Schiff. Während wir noch das Auto verließen, begann bereits das Ablegemanöver. Ohne unser Zutun befanden wir uns auf einer früheren Überfahrt.

Bei Nieselregen konnten wir uns leider nur kurz außen auf der Fähre aufhalten. Im Inneren verursachten mehrere Schulklassen etwas Unruhe. Dennoch verging die Zeit mit einem Kaffee und einem Besuch im Shop und wir erreichten Dover.

Drive left bis an die Rennbahn von Thirsk

Das Abenteuer Linksverkehr begann. Wie schon beim ersten Mal fühlten sich die ersten Kilometer völlig falsch an. Über die M20 gelangten wir auf den Autobahnring um London.  Nur an der Themsequerung Dartfort Crossing gab es einen kleinen Stau vor dem Tunnel. Dank der Vorbereitung ersparten wir uns die Gedanken über die Bezahlung der Maut. Bald erreichten wir die M11, The North, die uns nach Schottland bringen sollte. Über lange Strecken kam der Tempomat zum Einsatz, da das Verkehrsaufkommen am Samstag nur gering war.

Für die erste Nacht hatten wir einen Campingplatz an der Pferderennbahn in Thirsk, nördlich von York, reserviert. Nach der langen Reise wollten wir nicht noch einen Platz suchen müssen. Die Entscheidung war richtig, denn der autobahnnahe Platz war am Abend ausgebucht. Wir richteten uns häuslich ein, bevor wir den Tag mit einem Bummel durch die typische englische Kleinstadt abschlossen. Die gesamte Stadt war an vielen Stellen mit gehäkelten Fahnen, Bällen und Figuren verziert. Ein örtlicher Handarbeitsklub sorgte auf diese Art für einen heiteren Anblick der Ortschaft.

 

Eine Enttäuschung in Melrose

Am nächsten Morgen machten wir uns auf die letzte Etappe unserer Anreise. Irgendwie war uns entgangen, dass wir auf unserer Route den Northcumberland Nationalpark durchqueren mussten. Auf kleinen Straßen arbeiteten wir uns durch die schöne Landschaft Richtung Norden. An der schottischen Grenze legten wir einen kurzen Stopp ein, die obligatorischen Bilder wollten fotografiert werden.

 

 

Unser erstes Ziel war die Melrose Abby. Leider klappte es nicht, die bekannte Ruine zu besichtigen. Ein handgeschriebener Zettel am Eingang informierte uns, dass die Anlage aus unvorhersehbaren Gründen nicht besichtigt werden kann. So begnügten wir uns mit dem Blick durch den Zaun der Anlage.

 

 

Etwas enttäuscht machten wir uns auf den Weg nach North Berwick. Auf dem nur schwach besuchten Tantallon-Campingplatz fanden wir einen Platz mit einem herrlichem Blick auf den Firth of Forth und den Bas Rock. Mit einem längeren Abendspaziergang und der Beobachtung der Lichtstimmungen über den Firth of Forth ging der Tag zu Ende.

 

 

Erholung in North Berwick und eine Ruine an der Steilküste

Nach einer kalten Nacht (4Grad C) begann der Tag mit strahlendem Sonnenschein. Wir bummelten etwas und brachten unseren Pössl wieder in Ordnung. So war es bereits fast Mittag, als wir uns auf den kurzen Weg zum Tantallon Castle machten.

Das erste Mal nutzten wir die Historic Scottland Mitgliedsausweise und betraten die Ruine ohne weitere Kosten. Die Überreste der Festung sind nicht besonders sehenswert. Es ist die Lage der Festung direkt an der Steilküste, die den besonderen Reiz ausmacht. Bei bestem Ausflugswetter liessen wir uns Zeit und genossen die Sonne und die Aussicht.

 

 

Der Abschnitt der schottischen Ostküste wird vom Bas Rock, einem Vulkanfelsen im Meer, dominiert. Das Besondere an dem Felsen ist die große Bastöppel-Kolonie. Der deutsche Name der Vögel hat hier seinen Ursprung. Jede Möglichkeit auf dem Felsen wird von den Vögeln zum Brüten genutzt. Mit dem Fernglas konnten wir einen guten Eindruck über die herrschende Enge auf dem Vulkanfelsen im Meer gewinnen. Ein Besuch auf der Insel mit dem Leuchtturm ist aus Naturschutzgründen für Besucher nicht möglich. Vogelkundler halten die Bastöppelkolonie auf Helgoland für einen Ableger dieser Kolonie.

 

 

Nach einer längeren Kaffeepause wanderten wir noch ein Stück an der Küste entlang. Auf dem Weg ans Ufer des Firth of Forth mussten wir immer die Augen offen halten, denn zwischen Campingplatz und Küste befand sich ein stark genutzter großer Golfplatz. Auf dem ausgeschilderten Fußweg forderten Schilder zur Vorsicht vor Golfbällen auf. Am Wasser angekommen, nutzte unser Hund eine sandige Stelle zu einem ersten Bad in der eiskalten Nordsee. Die Wassertemperatur interessierte ihn nicht.

Wind in Stonehaven

Am nächsten Morgen nahmen wir wieder Kurs in Richtung Norden. Das Wetter zeigte sich freundlich, aber kalt. Am Morgen sahen wir noch einstellige Werte auf dem Thermometer. Den ersten Stopp legten wir in South Queensferry  ein, um die drei großen Brücken über den Firth of Forth zu betrachten. Leider ist diese Sehenswürdigkeit touristisch nicht gut erschlossen, die Parkplatzsuche war nicht einfach.

Insbesondere die alte, überdimensioniert wirkende Eisenbahnbrücke aus dem Jahre  1890 fanden wir sehenswert. Durch die wuchtige Bauweise fallen Züge auf der Brücke nicht auf. Hintergrund war der Einsturz der Brücke über den Tay bei Dundee kurz vor dem Bau der Querung. So entschieden sich die Ingenieure für die sichere Seite. Die Berechnung einer derart komplizierten Fachwerkkonstruktion war damals eine Meisterleistung.

Die Autobahnbrücke von 1964 ist den Belastungen des hohen Verkehrsaufkommens nicht mehr gewachsen. Daher befindet sich eine dritte Brücke, eine Hängebrücke, im Bau. Im schottischen Fernsehen sahen wir später einen Bericht über Verzögerungen beim Bau. Die Fertigstellung 2016 ist derzeit fraglich.

 

Firth of Forth Schottland

Wir gingen nur kurz am Ufer entlang und betrachteten die technischen Bauwerke. Leider gab es kein gutes Licht zum Fotografieren.

Das nächste Ziel war Dunnator Castle an der  Ostküste Schottlands. Die Ruine liegt malerisch an der Nordseeküste. Bei schnell wechselnder Bewölkung und einem eisigem Wind nahmen wir den Ab- und Aufstieg zur Ruine in Angriff. Die malerische Lage der Festung auf einem Felsen direkt an der Nordsee  machte den Besuch noch interessanter. Wir besichtigten die Anlage in Ruhe, bis es uns zu kalt wurde. Der starke Wind sorgte dafür, dass wir kalte Hände bekamen. Da halfen die vereinzelten Sonnenstrahlen nicht.

Um Dunnator Castl ranken sich einige Geschichten. Während einer Belagerung durch die Engländer gelang es den Verteidigern, die auf der Burg lagernden Kronjuwelen Schottlands aus der Anlage zu schmuggeln. Wie dies gelang, wird sehr unterschiedlich dargestellt. Dunnator Castle Schottland

Nach der Besichtigung entschieden uns für eine Übernachtung auf dem Platz des Caravan Clubs in Stonehaven. Wie schon an den vergangenen Tagen lies der Wind nach und wir machten wir uns noch zu einem abendlichen Spaziergang entlang der Bucht von Stonehaven auf.  Für unseren noch nicht in allen Lebenslagen abgeklärten Hund entwickelte sich die Strandpromenade zu einer Herausforderung. Zwanzig Möwen auf einem Geländer, welcher junge Hund kann da schon ruhig vorbeigehen?

 

 

Glenfiddich, eine Schottlandtour ohne Whisky geht nicht!

Der nächste Tag begann mit einer schlechten Nachricht. Schon Bett sahen wir die dunklen Wolken über dem Dachfenster. Ab und zu fielen Tropen auf das Dach. Wir änderten unsere Planung und beschlossen, eine schottische Whiskybrennerei zu besichtigen. Wir entschieden uns für einen Besuch der Glenfiddich Destille, da wir den Whisky bereits kannten und die Lage in Dufftown gut zu unserer geplanten Strecke passte.

Das schlechte Wetter motivierte uns nicht, so dauerten Frühstück und Körperpflege wieder einmal länger und wir kamen erst spät zurück auf die Straße. Über eine interessante Gebirgsstraße ging es dem edlen Getränk entgegen. Bei der Ankunft an der Brennerei hatten wir Pech, denn wir mussten 45 Minuten auf die nächste Führung warten. Wir verbrachten die Zeit im schönen Kaffee und stärkten uns für den Fabrikrundgang.

Nach einem einführenden Film führte uns eine nette junge Dame fachkundig durch die Brennerei. Leider durften wir nicht überall fotografieren. Durch den hohen Alkoholgehalt der Luft bestand eine erhöhte Explosionsgefahr. Insgesamt dauerte die Führung über eine Stunde und endete mit einer kleinen Whiskyprobe. Der Fahrer erhielt zur Entschädigung eine Probeflasche zum Mitnehmen.

Bei der Verköstigung lernten wir gleich noch etwas die Landessprache. Anstelle unseres Prost sagen die Schotten „slàinte mhath“ was grob übersetzt so viel wie „gute Gesundheit“ bedeutet. Den anschließenden Besuch im Fabrikverkauf überstand das Portemonnaie unbeschadet, denn die edlen Tropfen sind im deutschen Supermarkt wesentlich günstiger zu haben.

 

 

Da wir die kommenden Bank Holidays und die damit verbundene Reisewelle im schottischen Norden verbringen wollten, machten wir uns nach dem Brennereibesuch wieder auf den Weg in Richtung Inverness. Den windigen Abend verbrachten wir auf der Black Isle in Rosemarkie auf dem Campingplatz. Da das Wetter, insbesondere der Wind, nicht zu weiteren Aktivitäten einlud, holten wir die uns entgangene Whiskyprobe im Wohnmobil nach.

Das Nordostende der britischen Insel

Der Donnerstag begann mit dem Auffüllen des Kühlschrankes. Wir verbrachten einige Zeit in dem großen Tesco in Inverness und begutachteten das schottische Lebensmitelangebot. Wieder einmal erstaunten uns die Preise von frei verkäuflichen Tabletten und Salben. Auffällig fanden wir das große Angebot an Fertig- und Schnellgerichten. Entgegen unserer letzten Englandreise klappte das Tanken nur mit Bezahlung an der Kasse. Die Automaten der Zapfsäulen konnten keine unserer Karten lesen.

Mit gut gefülltem Vorrat fuhren wir weiter in Richtung Norden. Die A9 erwies sich als eine landschaftlich sehr schöne Strecke. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke auf die Küste und das Gebirge. Erst auf dem letzten Abschnitt geht es  etwas langweiliger dahin. Je weiter wir in den Norden kamen, nahm die Besiedlung ab und die Straße wurde enger.

Wir hielten wacker bis zum Ende durch und erreichten gegen Abend John O‘ Groats, das Nordostende der britischen Insel. Nach dem Anmelden auf dem Campingplatz unternahmen wir noch einen kleinen Abendspaziergang an die Küste. Wir beobachteten die Fähren zu den vor uns liegenden Orkney-Inseln und erkundeten den kleinen Hafen. Leider schaffte es die Sonne nicht mehr ganz, die Wolken zu vertreiben, jedoch versprach der Himmel eine Wetterverbesserung.

Beim Spaziergang passierte mir noch ein kleiner Unfall. Unser Hund konnte einen anderen Vierbeiner nicht leiden und zog an der Leine. Dabei stolperte ich und machte die unsanfte Bekanntschaft mit dem schottischen Asphalt eines Parkplatzes. Zum Glück blieb der Sturz ohne Folgen.

 

 

Duncansby Stacks, Wandern über Schafsweiden

Nach einer kalten Nacht, die Truma musste arbeiten,  begann der Tag mit lockerer Bewölkung. Nach einem geruhsamen Frühstück und einem Wohnmobilputz machten wir uns auf den Weg, die Klippen um die Duncansby Stacks zu erwandern. Der Weg führte uns vom Campingplatz über Weiden und vorbei an Farmen. Bei dieser Gelegenheit lernte unser Vierbeiner gleich den Umgang mit Schafen. Zu seinem großen Leidwesen durfte Sam die Tiere nicht jagen. Dabei hätte er so gern Schwung in die Herde gebracht.

Der letzte Aufstieg auf die Anhöhe der Steilküste kostete Kraft. Dann hatten wir es geschafft. Die bizarren Felsformationen am nordöstlichsten Punkt von Schottland lagen vor uns. Durch die ablegene Lage am äußeren Ende Schottlands trafen wir nur wenige Besucher. Wir fragten uns, wie es auf dem Wanderweg an der Küste zugehen würde, wenn diese tolle Küstenformation irgendwo in Deutschland liegen würde.

In den Felsen brüteten an allen bruttauglichen Stellen die Möwen. Manche Vögel legten sogar Wert auf die Gestaltung der Brutplätze und hatten sich Blumengärten vor dem Nest angelegt. Wir waren uns sicher, dass die Möwen an einem Wettbewerb „Schöner Brüten“ teilnahmen.

Vorbei am Leuchtturm machten wir uns auf den Rückweg. Diesmal folgten wir immer der Küstenlinie. Dabei begleitete uns die mittlerweile völlig hinter den Wolken hervorgekommene Sonne.

Etwas geschafft erreichten wir unser Wohnmobil. Selbst unser Hund zeigte leichte Ermüdungserscheinungen. Es folgte ein normaler Abend mit dem Schreiben des Reiseberichts, der Sicherung der Bilder und dem Strickzeug.

 

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