Camping in England, die Besonderheiten auf der Insel

Camping in England, besser in Großbritannien, hat seine Eigenheiten. So wundert es mich nicht, dass ich immer wieder Fragen zu diesem Thema bekomme. Es gibt ein paar Dinge, die der Wohnmobilreisende wissen sollte, wenn es auf die Insel geht.

Wie schon mehrfach geschrieben, ist es schwer, einen Platz für eine freie Übernachtung zu finden. Auf den wenigen geeigneten Parkplätzen steht das ungeliebte „No Overnight Parking“ Schild. Hinzu kommt, dass es an den durch Hecken begrenzten Straßen und Wegen keine geeigneten Stellen gibt. Reine Wohnmobilstellplätze sind auf der Insel unüblich. So bleiben fast nur die zahlreichen Campingplätze zum Übernachten übrig.

Noch ein kleiner Hinweis zum Übernachten an der Autobahn. An den Raststellen ist die kostenlose Parkdauer auf zwei Stunden begrenzt. Anschließend wird eine Tagespauschale von ca. 30 Pfund fällig. Wir konnten beobachten, dass die Parkdauer von Mitarbeitern überwacht wird.

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Campingplätzen: Die Plätze der Campingclubs, freie unabhängige Plätze und Farmcampings. Um es noch komplizierter zu machen, findet der Besucher in touristisch geprägten Gegenden an der Küste Hinweisschilder zu Campsites, die sich dann als Hüttensiedlung mit transportablen Ferienhäusern entpuppen. Nur selten ist ein normaler Campingplatz angeschlossen.

Die Campingclubs

Eine Besonderheit sind die Campingclubs mit ihren Clubplätzen. Bis auf wenige Ausnahmen nehmen diese Plätze auch Nichtmitglieder auf. Dennoch halte ich es je nach Reiseroute für zweckmäßig, eine Kurzmitgliedschaft für Besucher zu erwerben. Die Vorteile für Mitglieder sind

  • kostenlose Reservierung (online oder per Telefon, Reservierung jederzeit änderbar))
  • Günstigere Übernachtungspreise (8Pfund bis 12 Pfund pro Nacht und Parzelle)
  • Bevorzugte Behandlung durch die Warden

Die zwei großen Vereine unterscheiden sich wenig. Die Ähnlichkeit geht so weit, dass selbst die Webseiten gleich aufgebaut sind. So verwundert es wenig, dass die Logos für Ungeübte gleich aussehen. Nur an der schematisch dargestellten Fahne erkennen Eingeweihte den jeweiligen Club.

Ullapool Campingplatz am MeerEs gibt:“The Caravan Club“ (Im Wind wehende Fahne im Logo) und „The Camping and Caravanning Club“ mit dem festen Wimpel im Logo. Da ich keine Empfehlung für einen der Clubs aussprechen kann, ist es empfehlenswert, sich vor einer Reise zu erkundigen, welcher Verein mehr Plätze entlang der Route betreibt und sich danach für eine Organisation entscheiden.

Beide Vereine bieten zusätzlich die Übernachtung auf zahlreichen Certified Sites an. Diese kleinen Plätze bieten nur 5.10 Stellplätze, meist bei einer Farm oder einem Pub. Dort ist eine preisgünstige Übernachtung möglich. Natürlich freuen sich die Betreiber über einen Besuch im Hofkaffee, im Hofladen oder im Pub.

Die Clubmitgliedschaft auf Zeit

Die Mitgliedschaft kann vorab beantragt werden oder direkt auf dem ersten Platz einer der Organisationen abgeschlossen werden. Die Kosten für eine Kurzmitgliedschaft sind so bemessen, dass nach 3 bis 4 Übernachtungen die eingesparten Kosten die Mitgliedsgebühr übersteigen. Leider erhalten Mitglieder eines Clubs beim Konkurrenten keine Vergünstigungen.

Die von uns besuchten Clubplätze zeigten sich immer gut gepflegt und straff organisiert. Für uns Mitteleuropäer wirkten anfangs die Mitarbeiter des Caravanclubs in ihre einheitlichen grünen Dress, meist mit kurzer Hose, leicht befremdlich. Häufig nutzten wir die Möglichkeit, uns im Internet vorab grob über die Platzbelegung zu informierten oder eine Parzelle für den nächsten Tag vorzubuchen.

Eine Stornierung der Reservierung klappte ebenso reibungslos. Nur einmal erlebten wir, dass die Reservierung in den weiten des Netzes verloren gegangen war. Die Ursache lag in der sehr schlechten Internetverbindung auf dem einsamen Platz auf der Insel Skye in Schottland. Allerdings durften wir durch nette Bemühungen der Mitarbeiter dennoch auf dem vollen Platz übernachten.

Die Parzellentypen

Viele Plätze verfügen über verschieden große Parzellen. Die Unterscheidung erfolgt in drei Gruppen: Zeltplätze, Pitch without Awning und Pitch With Awning. Wörtlich übersetzt geht es Plätze mit oder ohne Markise oder Vorzeit. Für ein nicht zu langes Wohnmobil reicht die kleine Variante, da die Unterscheidung geschichtlich bedingt auf Wohnwagen bezogen ist.

  • Pitch without Awning: Platz für einen PKW und einen Wohnwagen
  • Pitch with Awning: Platz für einen PKW, einen Wohnwagen und ein Vorzeit.

Abend am Lizzard PointWeiterhin unterscheiden die Betreiber zwischen Hardstanding und Grass. Diese Differenzierung trafen wir selten an, meist waren alle Plätze entweder auf Gras oder auf Schotter. Oft ist nur der Abstellbereich für das Fahrzeug geschottert. So bleibt der Rasen von den Reifen verschont.
Nur ganz selten trafen wir Plätze ohne eine Aufteilung in feste Parzellen. Meist erfolgte die Markierung durch Pfosten oder Linien. Abgrenzungen durch Hecken und Büschen gab es nie. Die Plätze sind offen und frei einsehbar.

Das Problem mit der Tür

Unsere Fahrzeuge sind in der Regel so gebaut, dass sich der Hauptausgang und die Markise auf der rechten Seite befinden. Bei den Campingfahrzeugen der Inselbewohner befinden sich die Einrichtungen auf der linken Seite. Auf den Campingplätzen erfordert es daher etwas Überlegung, bevor das Fahrzeug abgestellt wird. Oft stehen Hinweisschilder, die eine Parkrichtung vorschreiben. Leider stimmen die Angaben nicht für uns Linkslenker.

Cornwalls SträndeAnderenfalls stehen die Fahrzeuge Tür an Tür. Nicht jeder Camper mag es, wenn der Nachbar seinen Tisch nur einen Meter neben den eigenen Campingmöbeln aufstellt. So ist es zweckmäßig, das Fahrzeug abweichend von der Mehrheit genau in der anderen Richtung zu parken. Es sieht witzig aus, wenn 90% der Mobile vorwärts abgestellt werden und nur die wenigen Mitteleuropäer anders herum stehen.

Die Stromanschlüsse

Die Campingplätze in England und Schottland sind elektrisch auf dem aktuellen Stand der Technik. Überall konnten wir unsere blauen CE-Kupplungen problemlos verwenden. Manchmal benötigten wir unsere 25m Kabel in voller Länge, um den nächsten Kasten zu erreichen. Die Abrechnung erfolgte immer pauschal und ist häufig schon im Platzpreis enthalten. Auffällig war es für uns, dass die Inselbewohner nur die vorgeschriebenen orangefarbigen Kabel verwenden.

Hunde und andere Haustiere

Entgegen der mitteleuropäischen Praxis gibt es auf der Insel keine Gebühren für die Hunde. Die Haustiere gehören einfach dazu. „Oh no, we have no Tax for Dogs“ hörten wir immer wieder. Häufig gibt es einen extra gekennzeichneten Bereich zum Ausführen der Tiere direkt am oder auf dem Platz (Dogwalk). Jedoch gilt auch hier: Immer das bekannte Tütchen mitführen und benutzen (Clean up!). Zur Entsorgung gibt es spezielle Müllbehälter. Plätze mit Hundeverbot fanden wir nie.

Die Sanitäreinrichtungen

Die Ausstattung der Sanitärgebäude genügte immer unseren Anforderungen. Leider muß der Reisende einige Abstriche in Kauf nehmen. So gibt es, wie es landestypisch ist, nur selten Mischbatterien. Am Waschtisch befinden sich ein Wasserhahn für Warmwasser, manchmal Heißwasser, und ein Kaltwasserhahn. Das Mischen auf die Wunschtemperatur gehört zu den Übungen, die nur ein Engländer perfekt beherrscht, In den Duschkabinen gab es häufig nur eine fest voreingestellt Temperatur. Eine Regelung war selten möglich. Leider gibt es immer noch vereinzelte Münzautomaten, die zum Schnellduschen verleiten sollen.

Auch wenn die Anlagen nicht immer auf dem neuesten Stand waren, erfolgte eine regelmäßige Reinigung. Der Wischer zum Reinigen der Dusche war obligatorisch. Nur einmal, auf einem extrem günstigen Farmcamping, fanden wir ein Waschhaus, das fast nicht benutzbar war.

Der Netzzugang

Nicht nur für uns spielt der Internetzugang für immer mehr Camper eine wichtige Rolle. Ähnlich zu Deutschland findet man die ganze Bandbreite der Möglichkeiten. Wir erlebten, dass weder ein WLAN noch eine Mobilfunkverbindung vorhanden war. (Für Notfälle gab es ein Münztelefon.) Ebenso gab es Plätze mit kostenlosem Netzzugang mit guter Übertragungsgeschwindigkeit. Leider übertreiben einige Betreiber bei den Kosten. 5Pfund für eine Stunde Surfen im Netz erscheint mir sehr überteuert.

Strand bei Durness SchottlandDie Preise

Die Kosten für eine Übernachtung entsprechen meist dem gebotenen Komfort. Während wir für zwei Personen auf einfachen Campings nur 10Pfund pro Nacht zahlten, forderten besser ausgestattete Plätze bis zu 22Pfund.

Campingführer

In den deutschen Campingführern findet man leider nur einen kleinen Teil der britischen Campingplätze. Einen umfassenden Führer für Großbritannien fanden wir nicht. Jedoch gibt es im Internet die Seite ukcampsite.co.uk. Dort sind alle Übernachtungsmöglichkeiten aufführt. Dank einer einfachen Umkreissuche findet der Reisende schnell einen passenden Platz in der Nähe. Leider gibt es die Seite nur in Englisch.

Auf der genannten Seite bekommt der Leser Dank des Bewertungssystems und der Kommentare schnell einen Überblick über den Platz. Teilweise gibt es sogar die Möglichkeit, direkt von der Seite aus eine Parzelle zu reservieren. Wir nutzen die Seite immer bei unseren Planungen unserer Reisen. Die für uns in Frage kommenden Platzbeschreibungen speichern wir im PDF-Format auf unserem Handy. So konnten wir unterwegs auch ohne Netzzugang auf die Daten zugreifen.

Die Platzbelegung

Unterwegs stellt sich immer wieder die Frage, ob es in der Zielregion freie Campingplätze gibt. Wir reisten immer ausserhalb der englischen Ferien. In diesen Zeiten gab es nie Schwierigkeiten, einen freien Platz zu ergattern. Etwas enger ging es an den Bank Hollidays zu. Selbst im äußersten Norden Schottlands füllten sich die Plätze schlagartig. Wir fanden jedoch immer einen Platz.

Auf unseren Reisen bemerkten wir einen deutlichen Unterschied in der Belegung der Plätze. Während die Clubplätze stark belegt waren, gab es auf den unabhängigen Einrichtungen reichlich freie Parzellen.

Die Öffnungszeiten

Da wir es erlebten, dass wir bereits um 18:30Uhr vor einer verschlossenen Schranke standen, sollte man wissen, dass viele Plätze den Empfang bereits zwischen 18:00Uhr und 20:00Uhr schließen. Wer später anreist, landet dann vor der Schranke auf einem extra für „Late Arrivals“ reservierten Bereich vor dem Platz. Wir gewöhnten uns an, unsere Etappen so zu planen, dass wir uns erst einen Platz für die Nacht suchten und uns anschließend noch auf eine Entdeckertour begaben.

Fazit

Camping in England ist etwas anders. Dennoch unterscheidet sich das Campingleben nur unwesentlich von den hierzulande üblichen Plätzen. Wir hatten nie Probleme, einen Platz für die Nacht zu finden. Ich kann es nur empfehlen, Großbritannien mit dem Wohnmobil kennen zu lernen.

Welche Erfahrungen hast du auf der Insel gesammelt? Vielleicht gibt es noch Dinge, die ich vergessen habe?

Camping in England, die Besonderheiten auf der Insel
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2 Replies to “Camping in England, die Besonderheiten auf der Insel”

  1. Danke für die vielen Tipps!
    Wir fahren das erste mal nach GB.
    Da sind erlebte Erfahrungen in fremden Ländern
    Gold & Silver wert!
    Gute Fahrt und Gute Zeit!
    Aus Bern, Rolf

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