Sylt mit dem Wohnmobil – Camping auf der Nobelinsel?

Wenn Reiselustige an Sylt denken, bestimmen Bilder von feinen Hotels und Ferienwohnungen in roten Backsteinhäusern die Vorstellungen.  An das Leben auf dem Campingplatz denkt erst einmal niemand.

Bei der Planung unserer Wohnmobiltouren spielten Inseln bisher nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich Rügen und Bornholm besuchten wir mit dem Wohnmobil. 

Früher war dies anders. Als unsere Kinder noch klein waren, mieteten wir öfter eine Ferienwohnung auf Föhr. Die Insel mit ihren flachen Stränden erwies sich als Paradies für kleine Kinder.

Jetzt überlegten wir, welches Ziel wir im Rahmen unserer kurzen Herbsttour ansteuern könnten. Dabei entstand der Gedanke, noch einmal Föhr einen Besuch abzustatten. Immerhin gibt es mittlerweile einen Stellplatz auf der Insel.

Beim Blick auf die Karte lag plötzlich Sylt vor unseren Augen. Unser Interesse war geweckt. Warum nicht einmal den nördlichsten Punkt unseres Landes besuchen? Aber Camping auf der Insel der Reichen und Schönen, ist das überhaupt möglich? Wie kommt das Wohnmobil auf die Insel?

Die Campingplätze

Unsere Fragen waren einfach zu klären. Ein Blick in die einschlägigen Campingführer brachte Klarheit. Sylt verfügt über mehrere große Campingplätze. 

Die Plätze liegen meist in den Dünen. So ist die Stellplatzauswahl für Wohnmobile auf einigen Campingplätzen etwas eingeschränkt, da der Sand nicht befahrbar ist. Dafür gibt es meist einen zu Fuß erreichbaren Zugang zum endlosen Sandstrand..

Wir schauten uns die Plätze im Netz an und entschieden uns für das Dünencamp Wenningstedt, da der nächste Strandzugang direkt zum Hundestrand führte.

Problemlos konnten wir dort noch eine Woche vor Reisebeginn einen Platz buchen. Bei unserer Ankunft gab es reichlich freie Parzellen. Erst mit Beginn der Brückentagwoche (3.Oktober) füllte sich der Platz sichtbar.

Auf Nachfrage erhielten wir die Information, dass die Campingplätze in den Ferien und an den Feiertagen  alle komplett belegt sind. Anreisen ohne Reservierung sind in diesen Perioden keinesfalls zu empfehlen.

Die nächste Überraschung waren die Preise. In der Nachsaison zahlten wir (Wohnmobil, 2 Personen, 1 Hund, Strom) unter 30€ für die Nacht.. Darin war die Kurtaxe bereits enthalten. Da haben wir schon für schlechtere Plätze viel mehr bezahlt.

Der Weg auf die Insel

Leider befördert die DB keine Wohnmobile von Niebüll über den Hindenburgdamm nach Westerland. So bleibt den Wohnmobilreisenden nur die Fähre von Havneby auf Rømø nach List auf Sylt. Die Anreise zum Fährhafen ist aus Deutschland nur unwesentlich länger. Dafür besteht gleich noch die Möglichkeit, den großen Autostrand auf Rømø zu besuchen.

Nicht nur durch die von der DB verschmähten Camper erhielt die Syltfähre-Reederei einen Aufschwung. Mittlerweile verstärkt ein zweites Schiff die Flotte. Damit sind in der Hauptverkehrszeit stündliche Abfahrten möglich.

Die Buchung unserer Überfahrt klappte reibungslos über das Internet. Wir buchten nur die Hinfahrt fest. Der Rückfahrtermin blieb offen, um einen zeitlichen Spielraum zu haben. Die spätere Platzreservierung erfolgte mit einem kurzen Anruf. Die Kosten betrugen knapp 100€ für unseren 6m kurzen Kastenwagen.

Mobilität auf der Insel

Auf Sylt kommt der Gast ohne ein eigenes Fahrzeug aus. Für die Besuche in der näheren Umgebung ist das Fahrrad das ideale Verkehrsmittel. Viele Radwege erleichtern es, auf den PKW zu verzichten. Oft verlaufen diese gut zu fahrenden Wege abseits der Hauptstraßen..

Für weitere Entfernungen stehen gute Busverbindungen zwischen den Inselorten zur Verfügung. Sogart die Fahrradmitnahme ist möglich. Leider ist das Tarifsystem nicht sehr logisch aufgebaut.

Der Strand

Der wahre Reichtum der Insel ist der endlose Sandstrand und die angrenzende Dünenlandschaft.  Schon beim Zugang ist der Camper klar im Vorteil. Meist liegen die Plätze in der ersten Reihe, wenn es um den Strandzugang geht. 

Über gepflegte Wege geht es durch und über die Dünenkette zu den Strandzugängen. So benötigten wir in Wenningstedt maximal 10 Minuten vom Wohnmobil zum Strand. Da liegen sicherlich viele Ferienwohnungen ungünstiger. 

Die Orte

Die Inselorte verfügen über einen sehr unterschiedlichen Charakter. Die Bandbreite reicht von der Hafenorten List und Hörnum über das Familienbad Wenningstedt bis zur Stadt Westerland, dem Inselzentrum. Nicht vergessen werden darf der Nobelort Kampen.

Bei unserem Kurzbesuch reichte es leider nur für Besuche in Westerland.und List. Westerland ist der Hauptort mit viel Trubel, Menschen und Verkehr. Schwere Bausünden der Vergangenheit, unendlich viele Restaurants von der Pommessbude zum Sterneküche, eine mit Strandkörben zugepflasterte Promenade und ein schöner Strand ließen uns etwas ratlos zurück. 

Fazit

Wenningstedt Strand bei Regen

Die Sansibar mußte auf unseren Besuch verzichten. Gleichfalls steigerten wir nicht den Umsatz von Louis Vuitton. Dennoch fanden wir den Syltbesuch sehr erholsam und interessant. Uns überraschte die Unberührtheit der Dünenlandschaften und die Weite. Mein ganz persönlicher Urlaubshöhepunkt war ein Spaziergang im Regen am völlig menschenleeren Strand von Wenningstedt.

Die Orte, insbesondere Westerland, brauchen wir nicht. Selbst in der Nachsaison gab es dort für unseren Geschmack zu viel Tourismus und Selbstdarstellung.

Nach unserem ersten Besuch gehört für uns Sylt neuerdings zu den interessanten Reisezielen, insbesondere wenn wir es einmal ruhiger angehen möchten. Und Dank unseres Pössl halten sich sogar die Übernachtungspreise in Grenzen.

Weitere Artikel zu Schleswig-Holstein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.