Besuch einer Schiffsüberführung der Meyer-Werft

Mehrmals im Jahr überführt die Meyer-Werft ein neu gebautes Kreuzfahrtschiff von Papenburg über die Ems nach Emden. Eine weitere Überführung steht kurz bevor. Voraussichtlich Ende März macht sich die Norwgian Joy auf den Weg in die Weltmeere. Ein solches Ereignis lockt viele Schaulustige an. Insbesondere die reiselustigen Wohnmobilfahrer sind immer zahlreich vertreten.

Das Ausdocken

Der Ablauf folgt immer dem gleichen Schema. Sobald die Arbeiten in der Bauhalle, einem großen überdachten Dock, abgeschlossen sind, wird das fast fertige Schiff mit Schleppern aus der Halle gezogen und erstmals der breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Bereits dieses Ausdocken ist ein großes, von Presse, Funk und Fernsehen begleitetes Ereignis. Das große Werfttor wird geöffnet und Schlepper ziehen den Neubau ganz langsam aus der Halle.

Die Überführung über die Ems

Eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten ist die Überführung des Ozeanriesen über die Ems bis zur Nordsee. Dazu wird die Ems, die bis Papenburg eine Seeschiffahrtsstraße ist, mit Hilfe des Emssperrwerks in Gandersum aufgestaut. Mehrere Schlepper helfen dem Schiff, die Engstellen zu meistern.

Ein erster Höhepunkt ist bereits das Verlassen des Werfthafens der Meyer-Werft in Papenburg. Die Schiffe können die Ems nur durch eine enge Schleuse erreichen. Hier sind die ersten sehr genauen Manöver erforderlich.

Dem Verlauf der Ems folgend, geht es nach Weener. Dort wird bereits im Vorfeld ein Teil der Eisenbahnbrücke ausgebaut, damit die Schiffe überhaupt die Engstelle passieren können. Ein weiterer sehenswerter Punkt ist das Passieren der Klappbrücke in Leer. Insgesamt benötigen die Schiffe für die ca. 40km lange Strecke bis Emden fast einen Tag.

Mit dem Wohnmobil zur Schiffsüberführung

Aida Stella im Werfthafen der Meyer-Werft bei Nacht

Die gesamte Region entlang der Ems ist auf den Besucheransturm vorbereitet. Für Wohnmobile gibt es Übernachtungsmöglichkeiten in Papenburg direkt am Werfthafen der Meyer Werft und in Weener. Für eine Schiffsüberführung werden meist zusätzliche Stellplätze bereitgehalten. Nicht so gut sieht es mit Strom und Ver- und Entsorgung aus. Ich kenne nur die Möglichkeit in Weener.

Die gesamte Strecke kann vom Emsdeich aus gut beobachtet werden. In Papenburg ist das Gelände um den nördlichen Teil des Werfthafens frei zugänglich und bietet einen guten Blick auf das Geschehen. Je nach Tageszeit kann es sein, dass das Schiff mit einem kleinen Feuerwerk von der Werft verabschiedet wird.
Da es der Wettergott nicht immer gut mit den Schiffsbeobachtern meint und die Arbeiten sich über mehrere Stunden hinziehen können, empfiehlt es sich, wetterfeste Kleidung und stabiles Schuhwerk dabeizuhaben.

Unsichere Termine erschweren die Planung

Für uns Sehleute ist es die größte Schwierigkeit, dass eine genaue Reiseplanung nicht möglich ist. Zwar gibt die Meyer Werft auf ihrer Webseite meist eine Woche im voraus den Termin der Überführung bekannt, aber Verschiebungen sind jederzeit möglich.
Die Ursache ist einfach, die Wetterlage und der Wasserstand der Ems können jederzeit zu Verschiebungen führen. So gab es schon Vorverlegungen und Verzögerungen von mehreren Tagen. Um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, empfiehlt es sich, die Seite der Werft im Blick zu behalten. Dort finden sich immer der aktuelle Stand der Planungen.

 

Lohnt sich ein Besuch? Meine Erfahrungen

 

Für mich war der Besuch ein Erlebnis. Wer sich für Schifffahrt interessiert und mal so einen Kreuzfahrtriesen aus der Nähe sehen möchte, sollte sich so ein Ereignis nicht entgehen lassen. Es ist schon spektakulär, mitzuerleben, wie exakt ein so großes Schiff durch die Engstellen manövriert wird.

Bei meinem Besuch erlebte ich die Terminverschiebungen direkt mit. Meine Planung erfolgte so, dass ich ganz gemütlich anreisen wollte. Zum Glück erfuhr ich noch rechtzeitig von einer Vorverlegung und konnte meine Reiseplanung anpassen.

Durch die Verlegung begann die Überführung erst kurz nach Mitternacht. So war ich in der frostigen Nacht bis ca. 3:00Uhr draußen unterwegs. Eine Überführung am Tage hätte mir besser gefallen.

Erstaunt hat es mich, dass trotz der Kälte mitten in der Nacht so viele Besucher die Abfahrt verfolgten. Später erfuhr ich, dass vergleichsweise nur wenige Gäste anwesend waren. Bei besseren Voraussetzungen sind es anscheinend noch wesentlich mehr Zuschauer die sich das Spektakel ansehen möchten. Die Werft und die Orte sind auf den Besucheransturm gut vorbereitet.

Ein Fehler von mir war es, dass ich zugunsten eines guten Fotoplatzes die Dockschleuse vor der Überführung überquert hatte. Durch die Bauart der Schleuse, die viel manuelle Arbeit erfordert, dauerte es lange, bis ich zurück zum Wohnmobil gehen konnte. So verlängerte sich mein Aufenthalt in der Kälte um eine Stunde.

Trotz der schlechten Termin- und Wetterlage fand ich es spannend, einmal eine solche nautische Meisterleistung aus der Nähe zu sehen. Da die Terminplanung es erlaubte, besuchte ich 2015 die Überführung der Anthem of the Seas. Das Wohnmobil freute sich schon ungeduldig auf die erste Reise 2015.

Links

Intern:

Überführung der Anthem of the Seas
Stellplatz: Parkplatz der Meyer Werft
Reisebericht Papenburg und Bremerhaven – Schiffe schauen

Extern:

Die Homepage der Meyer Werft

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