Irland mit dem Wohnmobil 1: Über Dover und Fishguard nach Cork

Es geht los, die Anreise nach Calais

Unsere Reise nach Irland begann wieder einmal nach einem Termin in Norddeutschland. Aus diesem Grund führte unser Weg auf der berüchtigten Autobahn A2 Richtung Westen. Durch das Himmelfahrtswochenende herrschte bereits am Morgen starker Rückreiseverkehr. Dennoch kamen wir gut voran. 

Ohne jeden Stau durchfuhren wir das Ruhrgebiet und erreichten am frühen Nachmittag die Niederlande. Unsere Planung sah vor, entweder in den Niederlanden oder in Belgien die Nacht zu verbringen. So entschieden wir uns, bis zu unserem Stammstellplatz in Gravelines bei Calais durchzufahren. 

Kurz nach 18Uhr erreichten wir den Stellplatz und staunten nicht schlecht, denn der Platz war sehr gut besucht. Damit hatten wir an einem Sonntagabend nicht gerechnet.  Vermutlich führte die kurze Woche in Großbritannien zu einem erhöhten Reiseaufkommen in Frankreich.

Abend am Strand von Gravelines
Abend am Strand von Gravelines

Von Calais über den Kanal nach Folkestone

Dank unserer schnelleren Anfahrt konnten wir den Montag gemütlich angehen lassen. Ursprünglich hatten wir eine Fähre um 15:20Uhr gebucht. Dank unseres Flexitarifs fuhren wir bereits um 12:30Uhr auf die Spirit of France.

Zu unserem Leidwesen verlief die Überfahrt sehr unruhig. Nein, die Ursache waren nicht die Wellen des Kanals. Gefühlte 100 Schulklassen aus den Niederlanden und Deutschland bevölkerten lautstark das Schiff. Klassenfahrt lautete das Schlagwort.

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Eine Portion Fish and Chips half uns, die Fahrt zu überstehen, da das Restaurant weitgehend Teeniefrei war. Anschließend, bei der Ankunft in Dover, galten wieder einmal die Autoscooterregeln. Wir haben es noch nicht erlebt, dass die Ausfahrt durch den Fährhafen ohne Drängeln und Hupen verlief. Die Verkehrsführung sollte einmal gründlich überarbeitet werden.

Ein Tipp für Dover: Pause auf der Schutthalde

Durch einen Zufall entdecke ich bei der Reiseplanung den Aussichtspunkt Samphire Hoe. Als ich das Hinweisschild sah, begann ein kleines Abenteuer. 

Wissenswertes über Samphire Hoe

Kurz nach dem letzten Kreisverkehr von Dover folgt eine unscheinbare Abfahrt, ausgeschildert mit Samphire Hohe. Die Ausfahrt endet an einer Ampel.

Das Lichtzeichen regelt den Verkehr durch einen einspurigen steilen Tunnel Richtung Küste. Keine Angst, die Durchfahrtshöhe beträgt über 4m. Selbst Reisebusse nutzen den Tunnel regelmäßig.

Nach dieser Mutprobe endet die Straße an einem Parkplatz mit herrlichen Ausblicken auf das Meer und die Kreidefelsen. Einige Spazierwege laden ein, sich die Beine zu vertreten oder den Hund auszuführen. Zur Stärkung hält ein Kiosk Erfrischungen und Kaffee bereit. Leider ist das Parken nach Einbruch der Dunkelheit verboten.

Wie erwartet passte unser Pössl durch den Tunnel und wir landeten wohlbehalten auf dem Parkplatz. Nicht nur unser Hund freute sich über etwas Bewegung nach der aufregenden Fährfahrt. Zum Abschluss des Spaziergangs unterhalb der Kreidefelsen gab es noch einen leckeren Cappuccino

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Die kurze Strecke zu unserem Tagessziel, dem Platz des Camping und Caravaning Club in Folkestone, brachten wir schnell hinter uns. Sogar das Fahren auf der falschen Seite klappte wieder. Es ist erstaunlich, wie schnell das Gehirn sich umstellen kann.

Den Rest des Tages verbrachten wir auf dem Campingplatz oder bei Spaziergängen an der Kanalküste. Obwohl der Küstenabschnitt beim Campingplatz nicht dem Idealbild eines Strandes entsprach, konnten wir die Kreidefelsen ungestört in Augenschein nehmen.

Auf der Landbridge quer durch England

Am Dienstag stand uns die lange Fahrt vom Englischen Kanal an die Irische See bevor. Insgesamt lagen 540km  quer durch England und Südwales bevor. 

Daher begann der Tag bereits am frühen Morgen. Sofort nach dem üblichen Morgenprogramm machten wir uns auf den Weg. Über die M20 ging es in Richtung London.

Bereits nach einigen Kilometern stockte der Verkehr. Fast die gesamte M20 zwischen Dover und London bestand aus Baustellen. Daher ging es nur mit reduzierter Geschwindigkeit Richtung London.

Auf dem Londoner Außenring ging es erstaunlich gut voran. Vom größten Parkplatz Großbritanniens spürten wir nichts. Dennoch zog sich die vielbefahrene Strecke in die Länge. Endlich erreichten wir die M4 in Richtung Wales. Bekannten Orten wie Ascot, Windsor und Oxford schenkten wir keine Aufmerksamkeit, Irland wartete auf uns.

Ganz auf Sehenswürdigkeiten konnten wir dennoch nicht verzichten. Auf der Suche nach einem Supermarkt gerieten wir unbeabsichtigt in den Magic Roundabout Kreisverkehr in Swindon. Irgendwie gelang es uns, in dem Kreisverkehrschaos den richtigen Weg zu finden. Wie sagte schon Obelix: „Die spinnen, die Britten“

Regen in Wales

Mit gefülltem Kühlschrank machten wir uns wieder auf den Weg. Gegen Abend erreichen wir unser Etappenziel, das Fishguard Caravan and Camping Ressort auf einer Landzunge außerhalb des Ortes. Da wir den Platz sicherheitshalber vorgebucht hatten, erwartete uns ein Zettel mit Platznummer an der bereits geschlossenen Rezeption.

Fishguard Campingplatz im Regen

Leider nutzte uns die sehr schöne Lage wenig. Das Wetter spielte nicht mit. Bei Nieselregen und tief hängenden Wolken drehten wir noch eine lange Runde um den Campingplatz und bestaunten die spektakuläre Lage an der Steilküste, bevor wir uns ins Wohnmobil zurückzogen.

Die große Überfahrt nach Irland

Unserer vorsichtigen Planung verdankten wir einen langsamen Start in den Tag. Sogar das Wetter hatte ein Einsehen mit uns. So erfolgte bereits die morgentliche Hunderunde bei Sonnenschein und schöner Aussicht.

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Erst am Mittag machten wir uns auf den Weg zur Fähre. Nach einer kurzen Wartezeit durften wir auf die Stena Nordica. Die Auffahrt erwies sich etwas uneben, aber unsere Trittstufe blieb von Bodenberührungen verschont. Mit etwas gemischten Gefühlen verließen wir das Auto und damit auch unseren Hund, der Allein im Wohnmobil bleiben musste.

Die Überfahrt verlief bei ruhiger See unspektakulär und ruhig. Daher erreichten wir pünktlich Rosslare. Nach dem Verlassen der Fähre und der unkontrollierten Einreise nach Irland machten wir uns auf den Weg nach Wexford. Auf dem dortigen Campingplatz verbrachten wir den Abend und unsere erste Nacht in Irland. Leider folgte uns das Wetter, denn am Abend tröpfelte wieder der Regen auf das Dach.

Cobh und Cork zwei Orte auf einen Streich

Der Tag begann mit Sonnenschein und blauem Himmel. Nachdem wir unsere Tanks entleert und gefüllt hatten, machten uns auf den Weg nach Cobh, einer Kleinstadt in der Nähe von Cork. An der Strecke fanden wir einen kleinen Parkplatz mit einer sehenswerten Aussicht.

Aussicht auf die Landschaft an der irischen Ostküste
Aussicht auf die Landschaft an der irischen Ostküste

Etwas erstaunt waren wir beim Tanken.  Im Kassenraum einer normalen Tankstelle verbarg sich ein richtiger Minisupermarkt mit vielen Artikeln des täglichen Bedarfs. Daher kamen die Einwohner kurz vorbei, um einzukaufen. Mit einem Tankstellenshop wie wir ihn kennen, hatte der Laden keine Ähnlichkeit.

Am Ziel in Cobh gab es für uns noch reichlich Platz auf dem dortigen Stellplatz. Mit Blick auf das Wasser legten wir eine längere Pause ein, bevor wir uns zu einer Ortsbesichtigung auf den Weg machten, Wir fanden eine hübsche Kleinstadt, die von der Lage am Naturhafen und von der Lage am Steilhang geprägt ist. Die Höhenunterschiede innerhalb der Innenstadt sind beachtlich.

Wissenswertes über Corbh

Die Stadt Corbh mit ca. 12000 Einwohnern liegt an einem der größten Naturhäfen der Welt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Kreuzfahrtschiffe hier anlegen. Pro Jahr besuchen ca. 70 Schiffe die Stadt. Insgesamt profitiert Cobh von der Nähe zu Cork. Eine Art S-Bahn verbindet die Städte alle 30 Minuten.

In die Geschichte ging Cobh als Auswandererstadt ein. Von hier fuhren die Schiffe der Auswanderer in Richtung Amerika ab. Auch die Titanic besuchte die Stadt. Es war der letzte Hafen, den das Schiff anfuhr. Ein Titanic-Museum und ein Auswanderpfad erinnern an die Vergangenheit.

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Wir stärkten uns noch mit einem Handkrafted Icecream, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten. Den Rest des Tages verhielten wir uns ruhig und erholten uns von der anstrengenden Anreise zur grünen Insel.

Mit dem Zug nach Cork

Nach einer sehr ruhigen Nacht verfügten wir über neue Energie. Ein Besuch in Cork stand auf dem Programm. Das Wohnmobil durfte sich weiter in Cobh auf dem Stellplatz erholen, denn wir nutzten zur Anreise die S-Bahn.

Wissenswertes über Cork

Cork ist mit 125.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Irlands. Durch die geografische Lage im Mündungsgebiet des River Lee verfügt Cork über einen großen natürlichen Hafen. Die wichtigen Kaianlagen liegen zwar in den angrenzenden Gemeinden. Dennoch spielt der Hafen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft und den Fremdenverkehr.

Früher gehörten die Textilindustrie und der Export von Kerrygold (Butter) zu den wirtschaftlichen Schwerpunkten. So ist es nicht verwunderlich, dass es in Cork ein Buttermuseum gibt.

Mittlerweile ist die Computerfirma Apple mit der Èuropazentrale der größte Arbeitgeber der Stadt. An der Universität studieren ca 18000 Studenten.

Dank eines Kombitickets konnten wir zusätzlich die Stadtbusse nutzen, um vom Bahnhof in die Stadt zu gelangen. Insgesamt erreichten wir nach ca. 45 Minuten das Stadtzentrum. Die größte Herausforderung der Anreise war es, auf dem Bahnhof die Bushaltestelle zu finden, denn das Gelände war eine Großbaustelle.

Gleich zu Anfang besuchten den English Market, eine Art überdachter Marktplatz mit vielen Ständen. Wir bewunderten das Angebot an frischen Lebensmitteln und Gewürzen. Anschließend ließen wir uns einfach durch die Stadt treiben und schauten uns die vielen Geschäfte an. Uns fiel auf, dass es ein Teil der Gebäude im Erdgeschoß von schönen Läden genutzt werden, während die weiteren Stockwerke einen baufälligen und ungenutzten Eindruck machten.

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Nach einem kleinen Mittagessen und ein paar Besorgungen brachte uns der Bus wieder zum Bahnhof. Mittlerweile kannten wir das System. Am Eingang zu den Bahnsteigen stehen automatische Schranken, die sich erst kurz vor dem Eintreffen des Zuges mit der Fahrkarte öffnen lassen. Vorher ist es nicht möglich, auf den Bahnsteig zu gelangen. Andere Länder, andere Sitten.

Leider klappe unser Plan nicht ganz, vor dem Regen wieder zurück am Stellplatz zu sein. Das schon lange sichtbare Regenschauer kam schneller wie erwartet. So erwischte es uns doch noch auf dem Weg vom Bahnhof Cobh zum Wohnmobil. So erreichten wir leicht durchnässt unser rollendes Zuhause.

Am Abend bemerkten wieder wir wieder der Zeitunterschied zu Deutschland. Nachdem wir den Fernseher anstellten, um die Tagesschau zu sehen, lief bereits der Abendspielfilm. Wir waren eine Stunde zu spät dran.

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