Gastbeitrag: Sam Hund auf Reisen, Schottland und Irland

Ein Beitrag von meinem Gastautor Sam Hund

Ab und an vergessen meine Leute den geordneten Tagesablauf. Ich ahne es dann schon: Eine Reise mit dem Wohnmobil steht bevor.

Zuerst wandert der halbe Hausstand in das große Auto vor der Tür. Manchmal werden sogar Hundespaziergänge verschoben oder fallen sehr kurz aus. Meine Menschen haben keine Zeit für mich, da es nach ihrer Meinung wichtigere Dinge zu tun gibt.

Irgendwann kommt dann der kritische Zeitpunkt. Ich muss aufpassen, dass ich nicht allein zu Hause bleiben muß. Ohne die beiden Hilfskräfte wäre mein Leben sicher anstrengender. Futter und Wasser suchen, allein spielen, ich darf nicht daran denken.

Dann postiere ich mich an der Tür und versuche bei nächster Gelegenheit mit in das Wohnmobil zu kommen. Am besten klappt dies, wenn Frauchen meine Decke und meine Näpfe einräumt.

Aus den Gesprächen meiner Menschen hatte ich die Begriffe England, Irland, Fähre und Wurmkur gehört. Was das nur wieder bedeutet?

Schon wieder zum Tierarzt

Beim letzten großen Packen im Frühjahr unterbrach Frauchen die Arbeit und machte sich mit mir auf den Weg zum Tierarzt. „Was soll das?“ ging es mir im Kopf herum. Gepieckst hatte mich der Kerl schon beim letzten Besuch und Bauchschmerzen hatte ich auch nicht.

Zu meiner Überraschung gab es nur ein Stück Wurst und schon war der Besuch beendet. Frauchen legte großen Wert auf einen Eintrag in meinen Ausweis.

Der Arzt meinte wohl, dass ich die Tablette in der Wurst nicht bemerkt habe. Irrtum, aber für ein Stück leckere Wurst esse ich sogar Medizin.

Dunkelhaft für Hunde?

Der nächste Tag verlief im typischen Urlaubsmodus. Jede Fahrtunterbrechung verhalf mir zu einem Spaziergang in einer neuen Gegend. Spannend, was es da so zu schnüffeln gab.

Dann schlug das Schicksal zu. Erst hielt Herrchen wieder einmal an einem kleinen Häuschen neben der Straße. Diesmal ging es nicht um Geld oder andere Zettel, es ging um mich. Eine fremde Frau gab uns eine Maschine, mit der Frauchen mich bedrohte. Gerade als ich auf lauten Protest umschalten wollte, piepte das Ding und die Aktion war beendet. Zur Belohnung für die Benutzung des Gerätes bekamen wir ein Schild mit einem Hundesymbol für die Frontscheibe.

Weiter ging die Fahrt. Auf einmal fuhr Herrchen ganz langsam. Es ging in einen großen Kasten, der mich an das Parkhaus in unserer Stadt erinnerte. Meine Leute packten ein paar Kleinigkeiten ein. Zu meinem Schreck kam dann der bekannte Spruch:“ Du kannst nicht mit. Wir kommen bald wieder.“ Das konnte doch nicht ihr Ernst sein.

Am Ende vom Lied saß ich ganz allein im völlig dunklen Wohnmobil. Obwohl ich etwas müde war, konnte ich nicht schlafen. Erst rumpelte es dauernd um mich herum, dann begann das ganze Wohnmobil zu wackeln. Das hält doch kein Hund aus.

Nach unendlich langer Zeit ging das Licht wieder an. Da legte ich mich sicherheitshalber erst mal unter den Tisch, denn die Klapperei begann erneut. Zum Glück erschienen bald darauf meine Leute. Diesmal konnte ich meine Freude nicht verbergen.

Schon wieder eine Fähre?

Die Katastrophe namens Urlaub in Irland ging weiter. Bereits am nächsten Tag wiederholte sich das „Fähre fahren“ genannte Übel noch einmal. An die Hunde dachte dabei keiner.

Wieder landete ich in Dunkelhaft im Wohnmobil. Zwar hatten meine Leute die Lampe eingeschaltet, aber nach draußen schauen konnte ich auch vom Sitz nicht.

Wieder begann die Schaukelei. Diesmal wackelte das Wohnmobil noch viel stärker und die Fahrt wollte kein Ende nehmen. Irgendwie gelang es mir, auch diese Einzelhaft zu überstehen.

Selbstverständlich wiederholte sich die ganze unliebsame Geschichte nochmals auf der Rückfahrt zurück zu meinen geliebten heimischen Feldwegen.

Urlaubserinnerungen an Irland

Zum Glück verlief die anschließende Zeit des Urlaubs viel besser. Ich durfte oft mit meinen beiden Mitreisenden das neue Land erkunden. Zu entdecken gab es viel. Ich durchstreifte Gebüsche und kletterte über Felsen. Sogar an den Strand durfte ich mit. Leider schmeckte das Wasser nicht. Hinzu kamen unberechenbare schäumende Wellen .

Zu meiner Unterhaltung gab es oft Schafe. Entgegen meiner Abenteuer in Schottland durfte ich diesmal nicht auf die Weiden. Dafür liefen die feindlichen Tiere sogar mitten im Ort herum. Da habe ich mich richtig aufgeregt, das versteht ihr sicherlich.

Wie schon in England und Schottland, so mußte ich auch in Irland meist an der Leine gehen. Für meine einheimischen Freunde schien dies ganz selbstverständlich zu sein. Zum frei Herumlaufen gab es in einem Park in Dublin einen extra eingezäunten kleinen Bereich für uns.

Immer wieder lustig finde ich es, wenn es um meine Hinterlassenschaften geht. Auf Schildern stand oft, dass unsere Haufen viel Geld kosten. Ob deshalb die Besitzer unsere Haufen sogar aus den Brennnesseln entfernen? Seit wann sind die Hinterlassenschaften so wertvoll? Fragen über Fragen.

Mein Fazit: Reisen ist toll, aber am schönsten ist es im heimische Körbchen

Die lange Reise gefiel mir gut. Ihr glaubt nicht, was ich alles erschnuppert habe. Toll ist dass auf reisen Herrchen und Frauchen immer viel Zeit für mich haben. Dafür nehme ich sogar langweilige Autofahrten in Kauf.

Auf jeden Fall passe ich beim nächsten Packen wieder auf, dass mein Gepäck und ich rechtzeitig im Wohnmobil landen.

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