Freies Übernachten, die grenzenlose Freiheit genießen?

In  Wohnmobilzeitungen und in der Werbung tauchen immer wieder Bilder von Wohnmobilen irgendwo einsam in einer schönen Landschaft auf. Wer träumt nicht von so einem Urlaub ohne Einschränkungen. So wächst die Anzahl der Zulassungen jährlich und der Handel ist hoch erfreut.

Allerdings sind die schönen Bilder nicht immer die Wahrheit. Wie so oft im Leben gilt der Grundsatz: „Die Freiheit des Einzelnen geht nur soweit, bis die Freiheit anderer eingeschränkt wird.“

Eine Anfrage über die Kontaktadresse des Blogs gab mir zu denken und führte zu diesem Artikel. Kurz zusammengefasst schrieb eine Dame aus Schweden: „Wir haben die letzte Nacht in einem schwedischen Wald verbracht. Am Morgen kam ein Auto und der Fahrer fotografierte unser Fahrzeug von mehreren Seiten. Dürfen wir so einfach fotografiert werden?“ Erst der letzte Satz brachte mir Klarheit: „Wir standen am Ende eines 1km langen Waldweges ohne den Weg zu blockieren, im Wald zwischen den Bäumen.“

Anders ausgedrückt und an die Verhältnisse in Schweden angepasst, klingt der Vorgang ganz anders. Ein Wohnmobil fährt in einen kleinen, vielleicht privaten Waldweg hinein, der zu einer ablegenden Hütte oder zu einem Bauernhof führt. Als der Weg zu eng wurde, ging es ein Stück in den Wald abseits der Straße weiter, bis ein geeigneter Platz gefunden war. Dort verbrachte die Besatzung die Nacht.

Da war sie also die große Freiheit und die kostenlose Übernachtung in der unberührten Natur, die die Werbung versprochen hatte. Nur gefiel dies anscheinend dem Grundstücksbesitzer nicht. Meine Antwort werden die regelmäßigen Leser einer Artikel kennen, denn schon öfter versuche ich, zu erklären, dass es auch in Schweden kein Recht gibt, überall mit Fahrzeugen herumzufahren. Das Jedermannsrecht erlaubt es Wanderern und Kanuten, unter Einhaltung bestimmter Regeln, überall in der freien Natur zu übernachten.

Klar, er Platz im Wald war sicher sehr schön, ruhig und dann noch kostenlos. Da können Park- und Stellplätze nicht mithalten.Aus Sicht des Eigentümers sieht der oben geschilderte Vorgang ganz anders aus. Da fährt wieder so ein deutscher Tourist auf dem kleinen Weg herum und parkt dann noch neben dem Weg mitten im Wald.

Natürlich übernachten wir auch gern an schönen Plätzen abseits der Stellplätze. Wir versuchen dabei, uns an die Regeln zu halten und die Anwohner in der Nähe nicht zu stören. Leider sind diese Stellen selten.

Es sollte jedem Käufer oder Mieter eines Wohnmobils klar sein, dass ab und zu Kompromisse bei der Übernachtungsplatzwahl erforderlich werden. Nicht immer ist es möglich, einen schönen Platz zu finden. Die zunehmende Zahl Gleichgesinnter erleichtert die Suche nicht. So wird es jedem schon passiert sein, die Nacht an weniger schönen Stellen verbracht zu haben.

Fakt ist es, dass es die ganz große Freiheit für uns Wohnmobilfahrer nicht existiert. Da gilt es, sich von den Hochglanzbildern zu verabschieden.In der Realität erfolgen immer mal wieder freie Übernachtungen in Industrie- und Gewerbegebieten oder auf einem Parkplatz am Rande der Straße. Leider sind diese Bilder nur selten zu sehen.

Wir suchen nicht gezielt nach dem Superplatz. Die schönsten Stellen fanden wir zufällig bei der Durchfahrt. Sollten wir keine Übernachtungsgelegenheit finden, suchen wir ebenso gern einen Stell- oder Campingplatz auf. Wir sind zwar nicht völlig frei, aber sehr flexibel unterwegs.Damit können wir gut leben und schöne Urlaube verbringen.

2 Replies to “Freies Übernachten, die grenzenlose Freiheit genießen?”

  1. Auch in Deutschland habe ich schon wilde Camper im Wald erlebt. Den Leuten ist meist nicht bewusst, dass sie beispielsweise Zufahrten für Forstfahrzeuge behindern. Hier kann es schnell zu erheblichen Geldeinbußen kommen, wenn diese durch Blockade Zeit verlieren. Lebensgefährlich wird es, wenn gar Zufahrten zu Rettungspunkten versperrt sind. Urlaub machen, ok, aber Gedankenlosigkeit deswegen als legitim ansehen; da verstehe ich keinen Spaß und erstatte regelmäßig Anzeige in dem von uns verwalteten Forst.

    1. Anscheinend ist ja wirklich kein Argument zu hahnebüchen, um nicht vorgebracht zu werden. Seien es nun die Millionenverluste, wenn ein Baumstamm 120 Sekunden später als vorgesehen im Sägewerk landet oder die hunderte, ach was, tausende Todesfälle jedes Jahr, verursacht durch böswillige Freisteher im Wald, die auf den vielbefahrendsten Rückewegen den zahlreich vorbeifahrenden Rettungswagen nicht schnell genug Platz machen.
      Gott sei Dank findet sich überall ein Blockwart mit Luftschutzhelm, der schnell die Polizei ruft. Damit ist schlimmeres verhindert und die Herren in Blau haben ja auch nichts wichtigeres zu tun.
      Ein Held, wer darüber so offen berichtet.
      Es darf gelacht werden.

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