6 Dinge, die mich beim Reisen mit dem Wohnmobil immer wieder stören

Das Reisen mit dem Wohnmobil ist für uns die ideale Reiseform. Man erkundet völlig ungebunden andere Länder und Regionen. Bei Stadtbesuchen ist das Hotelzimmer auf Rädern immer dabei. Leider gibt es Dinge, die mir auf unseren Reisen immer wieder den Blutdruck erhöhen.

Volle und enge Stellplätze

Jeder Wohnmobilfahrer kennt das Thema. In der Zielregion gibt es einen sehr gut beschriebenen Stellplatz. In allen Stellplatzführern gibt es nur Lob. Damit steht das Ziel für die Fahrt fest. Leider ist der Platz bei der Ankunft sehr gut besucht. Nach einer Platzrunde findet man noch eine passende Lücke.

Im Laufe des Abends füllt sich der Platz weiter. Irgendwann wird es so eng, dass es unmöglich ist, ein Fenster zu öffnen, ohne sich mit dem Nachbarn abzusprechen. Bei mir entsteht dann immer das Gefühl der Käfighaltung. Gleichzeitig wird mein Fluchtinstinkt ausgelöst.

Mittlerweile vermeide ich derartige Plätze, sofern es möglich ist. Lieber fahre ich einige Kilometer weiter oder nutze einen Campingplatz, bevor ich mich in so eine Wohnmobilausstellung stelle.

Kampf um die besten Plätze

Auf einigen Stellplätzen gibt es Parzellen mit einer besseren Aussicht. Egal, ob das Meer, eine Weide oder ein Feld zu sehen ist, immer sind diese Plätze in der ersten Reihe umkämpft und in der Regel besetzt. Spannend wird es erst, wenn ein Hobbykollege abreist.

Vergleichbar mit dem Le-Mans-Start im Autorennsport sprinten mehrere Besatzungen hinter das Lenkrad. Schnell noch das Stromkabel ausstecken und los geht der Sprint. Die Möbel, Keile und weitere Dinge bleiben liegen, schließlich gewinnt die schnellste Besatzung.

Richtig unterhaltsam wird es erst, wenn zwei Fahrzeuge gleichzeitig vor dem freien Platz erscheinen. Zweimal erlebte ich in einer solchen Situation Musterbeispiele deutscher Streitkultur. Überhören konnte man die Diskussion nicht. Immer wieder lese ich, dass wir Wohnmobilfahrer eine große Familie sind. Stimmt, denn in jeder Familie gehört ein deftiger Krach dazu.

Nie werde ich an einem solchen Wettkampf teilnehmen. Wenn es sich ergibt, stelle ich mich bei der Ankunft auch auf den besseren Platz. Für einen Stellplatzkrieg ist mir mein Urlaub zu schade. Gefällt mir mein Platz so bleibe ich, gefällt er mir nicht, geht es weiter.

Stromanschluss um jeden Preis

Selbstverständlich benötigt jeder Wohnmobilst auf dem Stellplatz sofort nach der Ankunft einen Landstromanschluss. Kaffeevollautomat, Großbildfernseher und der Heizlüfter wollen in Betrieb genommen werden. Manchmal hilft auch ein transportables Induktionskochfeld, Gas zu sparen.

Leider sind schon alle verfügbaren Steckplätze in der Nähe belegt. So greift der gut vorbereitete Fahrer zu dem ganz langen Kabel und es entstehen aus elektrischer Sicht abenteuerliche Konstruktionen mit mehrere Kabeltrommeln. Ganz Sparsame benutzen sogar die Verlängerung aus der Wohnung. Solche Basteleien gefährden die Insassen und alle Nachbarn auf dem Stellplatz.

Ver- und Entsorgungsanlagen

Wer plant die Entsorgungsanlagen? Auf Grund meiner Erfahrungen bin ich sicher, dass die meisten Planer Wohnmobile nur von Bildern kennen. Hinzu kommen fehlende Kenntnisse der einfachsten physikalischen Gesetze. Wasser, auch kein Abwasser fließt bergauf!

Die Folgen sind immer wieder zu sehen. Säulen sind nur mit viel rangieren anzufahren, der Abwassereinlass befindet sich 30cm über dem Boden. Nach Ende der Entsorgung steht das Restwasser noch im Schlauch und landet unvermeidbar auf dem Platz.

Ein weiterer Punkt, der mir immer wieder negativ auffällt, wird durch gedankenlose Mitcamper verursacht  Bei jedem Wasserwechsel beansprucht die Frischwasserbetankung die meiste Zeit. Leider können einige Herren, ja es waren immer die Herren, die Zeit nicht abwarten. Egal, ob da noch ein Fahrzeug an der Entsorgung steht, die Kassette wird 1m neben meinem Frischwasserschlauch entleert und gereinigt.

Ich warte noch darauf, dass einer dieser ungeduldigen Camper die Fäkalien auf den Fuß schüttet. Wer so handelt, muss schon einmal damit rechnen, ein Opfer meines erhöhten Blutdruckes zu werden. Manchmal rutscht mir dann in der Aufregung der Schlauch aus der Einfüllöffnung.  Das kann ja schnell mal passieren.

Leider gleichen manche Entsorgungsanlagen einer Kläranlage. Oft tritt das Problem auf, wenn eine Rinne für das Abwasser vorhanden ist. Wieder einmal liegt die Ursache am Egoismus der Nutzer. Da man die verschmutzte Klappe des Fäkalieneinlasses nicht öffnen möchte, entleert man die Kassette in die Abwasserrinne. Toilettenpapier und andere größere Dinge passen nicht durch das Gitter. Ist doch egal, die Reise geht ja weiter. Wir haben für solche Fälle immer einige Paare einfachste Arbeitshandschuhe und einen Drahthaken dabei.  Damit kann jeder Bodeneinlass geöffnet werden,

Reinlichkeit im Wohnmobil

Die Wohnmobilisten sind reinliche Menschen. Das Mobil glänzt wie neu. Hygenie gehört dazu. Sogar Wasserleitungen und Tanks werden regelmäßig mit den schärfsten Mitteln gereinigt. Damit die Arbeit nicht umsonst war, darf kein Schmutzwasser in den sauberen Grauwassertank.

Die Lösung ist einfach: Tür auf, raus mit dem Nudelwasser hinter den nächsten Busch. 20 Minuten später, das Essen war lecker, öffnet sich wieder die Tür, das Spülwasser landet vor dem Mobil. Der Grauwassertank bleibt immer sauber.

Sparsamkeit

So ein Wohnmobil ist eine teure Anschaffung. Dafür möchten wir jetzt auf der Reise ganz preiswert oder besser kostenlos übernachten. Der Geheimtipp klappt immer. Man benötigt nur einen guten Wecker und Geduld.

Die Anfahrt zum Stellplatz darf erst nach 21:00Uhr erfolgen, denn dann ist es sicher, dass der Platzwart nicht mehr zugegen ist. So ist es unmöglich, die Gebühr zu zahlen. Nach einer erholsamen Nacht klingelt um sechs Uhr der Wecker. Es erfolgt ein Schnellstart zur Ver- und Entsorgung und weiter zum nächsten öffentlichen Parkplatz. Dort wird in Ruhe gefrühstückt.  Leider war am Morgen so früh das Bezahlen des Stellplatzes noch nicht möglich.

Sogar beim Entsorgen kann man viel Geld sparen. An Münzautomaten für die Schwarzwasserentsorgung muss man nur warten, bis ein zahlungskräftiger Nachbar sein Geld eingeworfen hat. Ist die Klappe erst einmal offen, kann der eigene Fäkalientank schnell noch mit entleert werden.

Versöhnliches zum Schluss

Alle die geschilderten Punkte sind nicht aus der Luft gegriffen. Alle diese Dinge habe ich mehrfach erlebt oder beobachtet. Dennoch gehört das Reisen mit dem Wohnmobil für mich zu den besten Möglichkeiten, die Welt zu entdecken. Hinzu kommt, dass die meisten Besatzungen nett und freundlich sind. Die vielen schöne Erlebnisse auf Stellplätzen überwiegen und verdrängen die ärgerlichen Dinge. Wie immer sind es einige schwarze Schaafe, die durch ihr Verhalten für Unmut oder für den schlechten Ruf sorgen.

 

2 Replies to “6 Dinge, die mich beim Reisen mit dem Wohnmobil immer wieder stören”

  1. Diese Erfahrungen haben wir leider auch schon alle machen müssen. Wir fahren auch gern zu Stellplätzen, die als zu teuer oder sehr uneben beschrieben werden, da ist es teilweise etwas leerer. Ansonsten kann ich aber nur bestätigen, dass uns das Reisen mit dem Wohnmobil sehr viel Spaß macht und wir überwiegend gute Erfahrungen gemacht haben.

  2. Gerade die Sparsamkeit ist uns auch schon häufiger begegnet. Man steht die Nacht und ab 15.00 Uhr ist der Platz fast leer. Zwischen 16 und 18 Uhr kommt der Platzwart rum und kassiert.
    Danach kommen dann alle wieder und fragen tatsächlich die anderen ob der Platzwart schon durch ist. Ich sage dann immer ja!! Wir sollten doch froh sein, wenn an mittlerweile so vielen Orten tolle Stellplätze an Seen, Schleusen usw. entstehen, die Strom und Sanitär bieten. Dann die Zeche zu prellen gefährdet uns alle. Wenn immer nur zugebuttert werden muß, werden die Plätze wieder geschlossen oder nur mangelhaft gepflegt.

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