Kroatien vor 30 Jahren, ein Rückblick

Bei der Planung einer Tour kommt es selten vor, dass wir Orte bereisen, die wir schon von früher kennen. Wir möchten immer neue Dinge sehen und erleben. Derzeit weichen wir von dem Grundsatz ab und planen wir eine Reise, die ich vor über 30 Jahren schon einmal unternommen habe

Es geht nach Kroatien, genau an die Orte, die ich bereits vor über 30 Jahren mit dem Käfer bereist habe. Da der Urlaub mir nachhaltig im Gedächtnis blieb, gibt es diesmal einen Reisebericht aus der Vergangenheit und ohne ein Wohnmobil. Mit dem Käfer und einem Zelt ging es auch!

Wir, drei Jugendliche zwischen 17 und 19 Jahren, machten uns sehr zum Leidwesen unserer Eltern, von Niedersachsen nach Jugoslawien auf den Weg. Schon das Packen war ein kleines Abenteuer, denn 3 Personen und die Zeltausrüstung in den Käfer hinein zu bekommen,  bedurfte einiger Fehlversuche.

In zwei Etappen fuhren wir über den Brenner und vorbei an Bozen. In Triest verloren wir völlig die Orientierung und drehten Ehrenrunden durch die Stadt.  Wir benötigten einige Zeit, bis wir die Lösung fanden. Woher sollten wir denn wissen, dass Riejka in Italien Fiume heißt?

So erreichten wir erst gegen Abend die damals noch berüchtigte Küstenstraße. In Vodice verlies uns die Kraft und wir stellten unser Zelt auf den nächstbesten Campingplatz. Wir wollten nur noch aus dem warmen Auto heraus und schlafen.

Unsere erste Entscheidung, ein paar Tage auf dem Platz zu verbringen, änderten wir am nächsten Tag, da wir auf dem schattenlosen Gelände nahezu gegrillt wurden. Sonne ist schön, aber ganz ohne Schatten an der nackten Felsküste hielten wir es nicht aus.

Baden mit Risiko, die Krka Wasserfälle

Es ging weiter nach Süden. Schließlich landeten wir auf dem kleinen Campingplatz direkt an den Krka-Wasserfällen, mitten im heutigen Nationalpark. Der Platz war chaotisch und die Sanitäranlagen eine einzige Katastrophe.  Die zufahrt führte über eine enge Schotterpiste von Skradin direkt am Meer entlang. Da wir jedoch einen schönen Standplatz direkt an einem kleinen Wasserfall fanden, nahmen wir den Rest in Kauf. Dort verbrachten wir den Großteil des Urlaub.

Gebadet wurde direkt auf den einzelnen Stufen des Wasserfalls, während das Wasser durch das Kraftwerk geleitet wurde. Verbote und Absperrungen gab es nicht. Spannend war es immer, denn ohne Vorwarnung kamen die Wassermassen mehrmals am Tage tosend über den Wasserfall. Wer die ersten Anzeichen nicht bemerkte, dem blieb nur noch der Sprung in die Tiefe. Alle anderen Wege versperrten die Wassermassen.

Besonders Tagestouristen, die beim Eintreffen nur die abgeschalteten Wasserfälle mit den vielen schönen Badebecken sahen, gerieten immer wieder in missliche Situationen und verloren bei der Flucht vor dem Wasser Papiere oder Fotoapparate. Für uns war es ein Paradies. Keine Regeln, ein Stellplatz direkt an einem Miniwasserfall im Schatten und Badespass ohne Ende, was wollten wir mehr?

Der Unfall

Besonders im Gedächtnis blieb uns ein Zwischenfall, der uns zu einem unerwünschten Kontakt mit den jugoslawischen Behörden verhalf. An einem Abend machten wir uns mit dem Auto auf den Weg über feldwegartige Straßen, immer an den Seen oberhalb der Wasserfälle entlang. Einen Nationalpark gab es noch nicht. Auf der Rückfahrt, bei einsetzender Dunkelheit, lief mir eine sehr alte Dame, die am Wegesrand stand, hinten gegen den Kotflügel des Käfers und stürzte.

Zuerst standen drei ratlose Jugendliche und eine Frau mit Platzwunde am Kopf in der uns unbewohnt erscheinenden Wildnis. Während wir uns noch vom ersten Schreck erholten, erschienen mehrere Männer und kümmerten sich um die Verletzte.  Miliitz und Ambulance waren die einzigen Worte, die wir verstanden.
Wir hatten Glück, der Fahrer des nächsten an der Unfallstelle vorbeikommenden Autos war ein in Deutschland lebender Gastarbeiter, der uns beruhigte und übersetzte. Bald erschien die Polizei und der Krankenwagen. Dies führte dazu, dass sich die meisten der mittlerweile erschienenen Schaulustigen entfernten.

Die Polizisten nahmen mir den Fahrzeugschein ab und bestellten mich für den nächsten Morgen nach Sibenik auf die Wache. Wir überlegten die halbe Nacht, das Land schnell zu verlassen, denn wir hatten ja bis auf den Fahrzeugschein unsere Reisedokumente. Wir entschieden uns, zu bleiben. Sicherheitshalber informierten wir noch unsere Zeltnachbarn um im Notfall Hilfe zu bekommen.

Auf der Wache musste ich mittels eines Dolmetschers nochmals den Hergang schildern. Später erschien der Sohn der Verunfallten, der aussagte, dass seine Mutter dement sei und weggelaufen war. Er glaubte unsere Schilderungen sofort. Die Aussage rettete uns. Wir wurden für unschuldig erklärt. Nach einem längeren netten privaten Gespräch mit dem Polizisten endete unser Autounfall-Abenteuer.

Insgesamt war der ganze Urlaub aus heutiger Sicht chaotisch und nicht ohne Risiko. Damals fanden wir den Trip in das damalige Jugoslawien als ein Abenteuer. Und selbst heute denken wir drei noch gerne an die Tage in Skradin zurück. Jetzt freue ich mich darauf, die Stätten meines ersten großen Reiserlebnisses nochmals zu besuchen.

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