Norwegen mit dem Wohnmobil – Von Sogndal bis Runde

Dieser zweite Teil unseres Reiseberichts schildert unsere Erlebnisse von von Flam über Sogndal, Fjaerland, Hellesylt und  Geiranger zur Vogelinsel Runde. Gerade dieser Abschnitt unserer Reise zeigt schön die Gegensätze, die wir auf unserer Tour fanden. Obwohl uns die niedrigen Temperaturen erhalten blieben, erlebten wir Natur pur.

Von Flam über das Fjell nach Sogndal

Der Tag begann verzögert, da wir zu lange schliefen. Wir legten einen Schnellstart ein, aber Frühstück und Startvorbereitungen dauern immer eine gewisse Zeit.

Unser erster Weg war eine LPG-Tankstelle in Voss. Problemlos gab es Gasnachschub. Anschließend stoppten wir nochmals kurz am Wasserfall Tvindefossen, um bei besserem Wetter noch einige Fotos aufnehmen zu können.

 

Da wir keine Lust auf 40km Tunnel verspürten, wechselten wir die Route und wählten die Strecke durch das Myrkdalen und den Vikafjellsvägen in Richtung Vik am Sognefjord. Wie erwartet kamen wir wieder mit jedem Höhenmeter weiter vom Frühling in den Winter. Auf über 1000m über dem Meer lagen neben der Straße noch riesige Schneemassen. Die Streckenführung war einfach atemberaubend.

Im folgenden kleinen Video aus der Fahrersicht können Sie uns ein Stück des Weges begleiten. Um den Film etwas interessanter zu gestalten, erfolgt die Wiedergabe leicht beschleunigt.

Auf einem der wenigen geräumten Parkplätze legten wir eine Mittagspause ein und genossen die Aussicht und die sich schnell ändernden Wetterstimmungen. Die folgende Abfahrt an den Sognefjord erwies sich ebenso spannend wie die Fahrt durch das Gebirge. Die Ausblicke in das Tal und den Fjord belohnten uns für die Fahrt durch Schnee und Eis.

 

 

Mit der Fähre überquerten wir den Sognefjord in Richtung Halle. Über Leikanger ging es weiter nach Sogndalen. Auf einem Campingplatz in der Nähe fanden wir einen schönen Stellplatz mit Meerblick.

Nach einer kleinen Pause spazierten wir am Fjord entlang und kletterten am Ufer über die Felsen. Dank des Campingplatznetzes konnten wir unsere Mails lesen und den Reisebericht fortsetzen. Mit immer wieder interessanten Ausblicken auf den Fjord und die Berge endete wieder ein schöner Urlaubstag, diesmal ganz ohne Sorge um den Inhalt unserer Gasflaschen.

 

Über Fjaerland nach Hellesylt

Bei der täglichen Prüfung des Wetterberichtes entstand die Idee einer kleinen Routenänderung. Ursprünglich wollten wir uns langsam auf den Weg Richtung Küste machen. Da es dort in den nächsten Tagen länger regnen sollte, beschlossen wir, zuerst dem Geirangerfjord einen Besuch abzustatten.

Von Sogndalen ging es Richtung Fjaerland. Das Gletscherzentrum konnten wir uns nicht entgehen lassen. Und wir wurden nicht enttäuscht. Das ganze Museum ist sehr gut gemacht. Es gibt alle Informationen auch in englischer und deutscher Sprache. Mittels Schautafeln und kleiner Experimente erfährt man alles über die Eismassen. Selbst eine nachgebildete Gletscherspalte kann besucht werden. Zusätzlich wird ein eindrucksvoller Film eines Hubschrauberfluges über die Gletscher in 180Grad-Projektion gezeigt.

Eine spannende Sonderausstellung (mit wackelndem Boden) beschäftigt sich mit dem Klimawandel, einem sehr aktuellem Thema. Das Museumspersonal startet auf Anfrage den Multimediateil in Deutsch. Keine Hemmungen, es lohnt sich wirklich!

 

 

Wir verbrachten zwei Stunden in dem Museum. Anschließend suchten wir die Gletscherzungen in der Nähe des Museums auf. Die Anfahrt zum Supphellebreen erfolgte über eine nicht befestigte kleine Straße. Manchmal dachten wir schon, über Bauernhöfe zu fahren. Erst als wir den Linienbus im Gegenverkehr trafen, erkannten wir, dass wir richtig waren.

Auf dem Parkplatz legten wir gleich die Mittagspause ein, um das nächste Regenschauer abzuwarten. Es klappte und wir konnten die wenigen Meter bis zum besten Gletscherblick trocken hinter uns bringen. Direkt unterhalb der Eismassen war gut zu erkennen, dass immer wieder Eismassen vom Gletscher herabstürzen.

 

Die zweite Gletscherzunge in Museumsnähe fanden wir sehr einfach. Wir beschränkten uns auf einen Blick zum Gletscher und setzten die Fahrt Richtung Nordfjord fort. Durch eine tolle Landschaft gelangten wir nach Hellesylt, dem Fährhafen am Geirangerfjord.

Auf dem kleinen Campingplatz erlebten wir das erste Mal in diesem Urlaub das System Selbstbedienung. An der Rezeption fand man die Quittung und die Preise, das Geld kam mit der Anmeldung in einen Briefkasten.

Der Tag endete mit einem Abendspaziergang durch das kleine Hellesylt zum Wasserfall mitten im Ort. Das Rauschen war im ganzen Ort zu hören.

 

Der Geirangerfjord

Am Morgen, gleich nach dem Aufstehen, erlebten wir eine Überraschung. Zuerst fielen uns eine große Zahl von Reisebussen auf, die in der Nähe des kleinen Campingplatzes parkten. Den Grund entdeckten wir während des Frühstücks. Die Empress, ein Kreuzfahrtschiff mit 1800 Passagieren, legte im kleinen Hafen von Hellesylt an, um Passagiere auf einen Landausflug zu entlassen.

Wir schauten uns das Anlegemanöver natürlich aus der Nähe an, schließlich passierte es vor unserer Wohnmobiltür. Wie bei vielen Dingen des täglichen Lebens, so nutzten die Norweger eine einfache, aber zweckmäßige Methode. Mit einem kleinen Boot holten zwei Personen die Leinen vom Schiff und übergaben die Trossen den Kollegen an Land.

 

 

Nachdem das  Manöver erfolgreich verlaufen war, machten wir uns startklar. Mit der Autofähre reisten wir durch den Geirangerfjord bis nach Geiranger. Die Fahrt führte vorbei an steilen Felsen, schönen Wasserfällen und alten meist aufgegebenen Bergbauernhöfen.

 

 

In Geiranger bekamen wir erst einmal einen kleinen Schreck. Das erste Mal in diesem Urlaub holte uns der Massentourismus ein.  Busse, Wohnmobile und PKW gab es reichlich. Am Hafen dominierten die Souvenir- und Pulloverläden. Hinzu kamen die Passagiere der Empress, die kurz vor unserem Eintreffen in Geiranger festmachte.

Da wir vielleicht auf der Rückfahrt Richtung Oslo nochmals durch Geiranger fahren werden, verzichteten wir auf die Busfahrten zu den bekannten Aussichtspunkten und bummelten durch das Örtchen. Zufällig entdeckten wir ein Hinweisschild zu einem Wasserfallweg.

Neugierig, wie wir sind, folgten wir den Hinweischildern. Bald sahen wir schon, was gemeint war. Ein Fluss aus  den Bergen floss mächtig rauschend den Berg hinab. An der Seite verlief ein Treppenweg parallel. Wir stiegen den Weg am Wasserfall hinauf. Nach unserer Schätzung überwanden wir ca. 300 Stufen. Am Ende des Weges gab es noch eine kleine Aussichtsplattform mit einem schönen Fjordblick. Wieder einmal erlebten wir, dass selbst bei stark besuchten Orten ein paar Schritte genügen, um sich dem Besuchergewühl zu entziehen.

Leider waren wir beim Aufstieg zu langsam, um das  das Fjordmuseum am Ende des Weges noch zu besuchen, da es in der Nebensaison nur bis 15:00Uhr geöffnete hatte. So machten wir uns wieder auf den Rückweg, diesmal folgten wir der Straße hinab zum Fjordufer.

Nach einer Kaffeepause und einem Besuch im größten Souvenirladen (unsere Geldbörse blieb geschlossen) erschien schon unsere Fähre für die Rückfahrt zum Wohnmobil im Fjord. Wieder gab es eine einstündige Reise durch den 15km langen beeindruckenden Geirangerfjord.

 


Eigentlich sollte der Tagesbericht hier enden. Aber während wir es uns gerade gemütlich machen wollten, erschien unsere Verfolgerin, die Empress wieder in Hellesylt. Der Ablauf vom Vormittag wiederholte sich. Diesmal blieb das Schiff nur so lange, bis die vielen Tagesausflugspassagiere wieder an Bord gegangen waren. So brauchten wir keine Bücher zum lesen, wir hatten Kreuzfahrtkino vor dem Fenster.

Von Hellesylt auf die Vogelinsel

Aus irgendeinem Grund erwachten wir früh. Wir frühstückten in Ruhe und machten das Mobil fahrklar. Da der Campingplatz keine Ver- und Entsorgungsmöglichkeit hatte, viel dieser Programmpunkt aus.

Wir verliessen Hellesylt in Richtung Küste.. Unterwegs legten wir noch einige Fotostopps ein und in Voda füllten wir den Kühlschrank wieder auf. Es folgte eine Mittagspause mit Fjordblick, bevor das Abenteuer „tiefster Tunnel unter dem Meeresspiegel“ begann. Gleich nach der Tunneleinfahrt ging es mit 8% Gefälle hinab unter das Meer. An der tiefsten Stelle ging es sofort wieder mit 9% Steigung bergauf. Für uns langsamere Fahrzeuge gab es eine dritte Fahrspur. Mit 60km/h, mehr schafften wir nicht, ging es bergan. Nach 7km erblickten wir wieder das Tageslicht.

 

 

Das Abenteuer ging weiter. Langsam wurde die Straße immer enger. Schließlich folgten mehrere einspurige Brücken, die Verbindungen von Insel zu Insel. Die erste Brücke stellte eine kleine Mutprobe dar. Durch die Höhe der einspurigen Brücke konnte man nicht erkennen, ob Gegenverkehr unterwegs war. Dass sich  direkt am höchsten Punkt eine Ausweichstelle befand, erkannten wir erst, als wir oben angekommen waren..

Nach der längsten Brücke hatten wir die Vogelinsel Runde erreicht. Auf einer sehr kleinen Straße ging es zum Campingplatz. Wir entsorgten das Mobil und erhielten einen schönen Stellplatz direkt an der  Mauer zum Meer. Auf der einen Seite bafand sich die offene See, auf der anderen Seite sahen wir in der Ferne die Inseln um Alesund und die schneebedeckten Berge. Von der Aussicht her war es einer der besten Plätze, an denen wir je standen.

Nach einem kleinen Nachmittagsschläfchen und der obligatorischen Kaffeepause nahmen wir den steilen Aufstieg in Richtung Vogelfelsen in Angriff. Es ging steil bergauf. 300Höhenmeter waren auf sumpfigen Moorboden zu überwinden. Durch unsere fehlende Ortskenntnis machten wir einen großen Umweg, der uns aber tolle Ausblicke auf die Insel und die norwegische Küste bescherte. Hinzu kam, dass einzelne kleine Regenschauer vorbeizogen. Die Lichtstimmung wechselte im Minutenabstand.

An den Vogelfelsen bemerkten wir, dass wir zu früh gestartet waren. Die Vögel zeigten sich erst später in der Abendsonne. Wir waren jedoch hungrig und erschöpft von unserem langen Weg und begaben uns auf den Rückweg. Die zurückgelegte Strecke betrug nur wenige Kilometer, aber die Höhenunterschiede forderten ihren Tribut. Erschöpft erreichten wir wieder unser Wohnmobil.

Das Ergebnis der Wanderung waren eine volle Speicherkarte und zwei Paar nasse Schuhe und Socken, denn nicht immer war der Moorboden so tragfähig, wie er aussah. Eine große Schuhreinigung war erforderlich.

 

Runde – Mit dem Boot zu den Vögeln

Am Morgen weckte uns die Sonne. Der Himmel zeigte sich blau. Dennoch starteten wir langsam in den Tag. So bemerkten wir erst, als wir zu einer kleinen Erkundungstour mit den Rädern starten wollten, den Zettel am Wohnmobil, der uns auf die Vorverlegung unserer gebuchten Bootstour hinwies.

Wir änderten das Tagesprogramm und erledigten den Hausputz. Nach dem vorverlegten Mittagessen machten wir uns auf den Weg in Richtung Runde (der Ort). Wir radelten fast bis zur Brücke. Anschließend parkten wir unsere Räder am Hafen und warteten auf den Beginn unsere Rundfahrt.

 

Mit uns bestiegen 13 Personen das kleine Schiff. Damit waren die Plätze ausgebucht. Während der Fahrt zu den Vogelfelsen informierte uns der Kapitän über die auf Runde brütenden Vögel.

Im weiteren Verlauf der Fahrt fuhr er ganz dicht an die Felsen mit den brütenden Vögel heran und gab immer wieder Erklärungen auf Englisch. Dabei bemühte er sich, die Namen der Vogelarten in der jeweiligen Landessprache der Passagiere zu benutzen. Bei Niederländern, Schweizern (französisch) und Deutschen keine ganz leichte Übung für die norwegische Zunge.

Über eine Stunde fuhren wir in der Nähe der Felsen herum und sahen tausende von Vögeln, bevor es auf die Rückfahrt ging. Da sich das Wetter verschlechtert hatte, fiel die komplette Umrundung der Insel aus. Johann machte sich Sorgen um die Seefestigkeit seiner Fahrgäste.

Über Runde, die Vögel und die Bootsfahrt gibt es noch viel zu schreiben. Dazu gibt es einen extra Artikel, da es den Rahmen dieses Reiseberichts sprengen würde.

 

 

Nach den sehr interessanten zwei Stunden fuhren wir die 4km zum Campingplatz zurück. Gerade als unser Kaffee fertig war, begann es zu regnen. Glück gehabt, denn die Fahrt im offenen Boot bei Regen wäre kein Vergnügen gewesen. So verbrachten wir einen ruhigen Abend im Wohnmobil. Zum Abschluss des Tages, wir wollten gerade ins Bett gehen, bot uns die untergehende Sonne noch ein schönes Farbenspiel am Himmel.

 

 

Damit endet dier Teil des Reiseberichtes.

zum Weiterlesen

 

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