Der Tag an dem das Wohnmobil streikte – Wie finde ich ein Hotel in Paris?

Leider erwischte uns der Pannenteufel direkt im Umland von Paris. Das Erlebnis zeigte mir die Wichtigkeit und die Vorteile eines Pannenschutzbriefs. Oder kennen Sie eine Möglichkeit, in Paris ein bezahlbares Hotelzimmer für 4 Personen und einen Hund zu finden?

Vor einigen Jahren fuhren wir an einem Samstag im August Richtung Normandie/Bretagne. Als erstes grobes Ziel peilten wir Le Havre an. Kurz vor Paris gab es einen kleinen Stau. Nach der Auflösung schaltete ich wie gewohnt in den fünften Gang. Es tat einen Schlag und das Kupplungspedal rutschte durch. Fluchend hoppelten wir ohne Kupplung auf den Standstreifen.

Leider hatten wir uns ein Stück pannenunfreundliche Autobahn zum Ausrollen ausgesucht. Wir befanden uns zwischen einer sehr stark befahrenen Auf- und Abfahrt. Eine Notrufsäule gab es nicht. Ich schickte die Kinder und den Hund hinter die Leitplanke und schnappte mir das Handy. Das Chaos begann.

Der ADAC Notruf nahm den Fall auf und bat uns, über die nicht vorhandene Notrufsäule einen Abschleppdienst zu ordern. Ich benötigte lange, bis der Mitarbeiter verstand, dass die Notrufsäule eine sehr gefährliche Option war. Wir erhielten eine Notrufnummer. Dies half uns nicht, da es der Notruf der Feuerwehr in Paris war. Man konnte uns nicht helfen, denn ein Feuer gab es bei uns nicht.

Der zweite Anruf beim  ADAC-Pannenservice startete die nächste Runde. Wir erreichten einen anderen Gesprächspartner an der Hotline, die Diskussion um die Notrufsäule begann erneut. Endlich gab uns der Mitarbeiter eine zentrale Notrufnummer für Frankreich. Der dortige Gesprächspartner verstand kein Deutsch oder Englisch. Erst nach einigen Schwierigkeiten verband man uns mit einem Ansprechpartner, mit dem wir uns in Englisch unterhalten konnten. So gelang es, einen Abschleppwagen zu ordern.

Eine halbe Stunde später war das Wohnmobil am Haken. Wir landeten auf einem etwas heruntergekommenen Hof des Abschleppunternehmens. Überall standen ausgebrannte oder stark zerstörte Fahrzeuge. Eine Reparatur war dort nicht möglich. Wieder einmal riefen wir beim ADAC in München an. Man versprach, uns zu helfen.

Kurze Zeit später kam der Rückruf. Unser Auto werde zu einem Boschdienst in Paris geschleppt. Die Übernachtungsfrage sei in Bearbeitung, da die Reparatur bestenfalls am Montag erfolgen könnte.

Wir begannen, unser nötigsten Sachen für drei Tage im Hotel zu packen. Mangels Koffer füllten wir zwei Müllsäcke mit Kleidung. Kaum lagen unsere Habseligkeiten bereit,  da erschien der Abschleppwagen. Diesmal lud der sehr nette Fahrer unser Fahrzeug auf den LKW. Die Gesamthöhe erschreckte mich leicht.

Unter der ersten Brücke ging im Schritttempo hindurch. Dann ging es mit 80km/h über die Autobahn nach Paris. Dort brachte uns der Abschlepper direkt vor ein Hotel einer bekannten Kette. Am Empfang lagen die Buchungsbestätigung und Kostenübernahmeerklärung vom ADAC bereits vor. Selbst mit unseren Plastiktüten schaute uns niemand komisch an. Ohne Probleme erhielten wir unsere Zimmer, während der Fahrer das Wohnmobil wenige Straßen weiter auf einem abgesperrtem Werkstatthof sicher abgestellte.

Da die Reparatur erst am Dienstag erfolgen konnte, verbrachten wir zwei Tage in Paris und drei Nächte im Hotel. Die Gesamtkosten für den ADAC beliefen sich auf 1500€, wir zahlten 73€ an die Werkstatt für die Reparatur, davon waren 19€ Materialkosten.

Seit diesem Erlebnis ärgere ich mich nie wieder über die jährlichen Kosten für den ADAC. Wie hätten wir ohne die Unterstützung aus München in Paris ein Hotel gefunden?

Aktualisierung:
Durch die laufende Diskussion überlege ich derzeit wieder, meine ADAC-Mitgliedschaft zu kündigen. Durch die geschilderte Erfahrung ist es mir wichtig, dass die alternativen Anbieter ähnlicher Versicherungsleistungen eine immer erreichbare Notrufzentrale betreiben. Denn in unserem Fall waren die Kosten zweitrangig. Die Haupthilfe bestand in der Koordination der einzelnen Schritte. Dies muss ein anderer Anbieter leisten können, bevor ich bereit bin, zu wechseln.

Übrigens, vielleicht hilft es mal einem Leser: Kupplungsseil nennt man in Englisch clutch cable. Die Vokabel lernten wir vom ADAC am Telefon. Die Aktion mit den zwei Abschleppunternehmen ist in Frankreich üblich. Die Autobahnen befinden sich in Privatbesitz. Nur bestimmte Unternehmen verfügen über die Lizenzen der Autobahnfirmen. So wird das Fahrzeug erst von der Autobahn geholt und dann bei Bedarf an eine andere Firma übergeben.


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One Reply to “Der Tag an dem das Wohnmobil streikte – Wie finde ich ein Hotel in Paris?”

  1. Wir hatten d. J. auch eine Panne mit dem WoMo in F. Es genügte ein Anruf beim ADAC, eine halbe Stunde später – abends um 21:30 h – war ein Mechaniker mit Abschlepper bei uns, konnte aber den Schaden direkt beheben u. wir konnten weiter fahren. ICH werde auf jeden Fall im ADAC bleiben, kein anderes Unternehmen ist so gut organisiert !

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