Ein typischer Tag auf dem Christkindlesmarkt in Nürnberg oder: Der Stau auf der Rolltreppe

Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist in der ganzen Welt bekannt. Nur kann der Besuch so seine Tücken haben. Der Artikel beschreibt, nicht ganz ernst gemeint, wie ein solcher Tag in Nürnberg ablaufen kann.

Der örtliche Busunternehmer bietet günstige Reisen zum Nürnberger Christkindlesmarkt an. Schnell ist eine Reise gebucht. Am nächsten Wochenende geht es los.

Am Abfahrtstag meldet der Wetterbericht +5Grad C und Nieselregen in Nürnberg. Macht nichts, die Fahrt beginnt. Die Anreise vergeht schnell. Der nette Busfahrer vermeidet unnötige U-Bahnfahrten und steuert den Markt direkt an. Das Verbot für Reisebusse in der Innenstadt ignoriert er und fährt direkt Richtung Hauptmarkt. Nach wenigen Metern ist bereits Schluss. Der Bus kommt nicht mehr weiter. Überall stehen Busse kreuz und quer. Die Nürnberger zeigen sich erfreut über den Besuch aus der Fremde und begrüßen den Bus mit einem Hupkonzert. Schnell aussteigen und auf geht es zum Christkindlesmarkt.

Nach zwei Stunden im Marktgedränge zwischen Glühwein-, Lebkuchen,- und Bratwurstbuden wird es langsam kalt und nass. Selbst der Glühwein erwärmt nicht mehr. Es beginnt die Suche nach einem Lokal. Leider entscheiden viele Besucher ähnlich. Alle Tische sind belegt. Mit Glück findet man einige Zeit später einen Platz in einem rustikalen Restaurant etwas weiter vom Markt entfernt. Nach dem guten fränkischen Essen geht es wieder hinaus in die Kälte. Was tun mit der Zeit bis zur Abfahrt des Busses?

Einkaufen! Auf in die Kaufhäuser, dort ist es warm. Und schon beginnt ein besonders Erlebnis, der Stau an der Rolltreppe. Die Nürnberger machen die Weihnachtseinkäufe (selbstverständlich unter Umgehung des Christkindlmarktes), Die Besucher wollen in das warme Kaufhaus und sich aufwärmen. Draußen im Regen gefällt es nur noch den ganz hart gesottenen Besuchern.

Das Ergebnis ist klar. Vor den Rolltreppen bilden sich Schlangen. Es wird geschoben und gedrückt. Aber das Ziel ist erreicht: Unseren Besuchern wird warm. Die eine oder andere Kleinigkeit wandert in die Tüten. Anschließend geht es auf eine Tasse Glühwein nochmals zum Christkindlesmarkt. Schließlich gibt es da die schönen Tassen, ein schönes und günstiges Andenken.

Die letzte Hürde folgt auf dem Weg zum Bus. Was sagte der Fahrer noch beim Aussteigen: Ich warte auf dem ausgeschilderten Busparkplatz. Mit der U-Bahn kein Problem. Nur in welche Richtung? Welche Haltestelle ist am Parkplatz? Ganz einfach, man läuft einfach den anderen Besuchern nach und irgendwie findet man den Bus.

Während der Rückfahrt bewundert man gegenseitig die neuen Errungenschaften. Die Kälte und Nässe, das Gedränge an den Rolltreppen ist vergessen. Schön war es. Alle sind sich einig, im nächsten Jahr kommen wir wieder.

Auf dem Markt geht es weiter. Auf die Tagestouristen folgen die Nürnberger. Die Einheimischen genießen den Markt erst, wenn die Busse bereits wieder auf dem Weg in die Heimat sind.Es gibt nur noch am Glüweinstand eine kurze Schlange, das Gedränge vom Tage ist vergessen.

Später zieht man in Nürnberg Bilanz. Trotz des schlechten Wetters besuchten wieder viele Touristen den Markt. Die Kassen der Kaufhäuser sind gut gefüllt, aber  der ganz große Umsatz blieb aus. Die Kommunale Parkaufsicht verzeichnet einen neuen Knöllchenrekord und die Polizei verhaftete drei Taschendiebe. Die Verkäufer des Christkindlmarktes sitzen vor dem Ofen oder in der Badewanne und wärmen sich auf, mit einem leisen Grinsen auf dem Gesicht. Das Geschäft lief gut, nur die Tassen werden knapp.

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