No Fusina, ein Venedig-Abenteuer

Bei unserem letzten Venedigbesuch fiel uns eine kleine, aus heutiger Sicht lustige Geschichte ein, die wir bei einem früheren Besuch der Stadt erlebten. Seit diesem Tag gehört der Begriff „No Fusina“ fest zum Sprachgebrauch unserer Familie.

Damals besuchten wir die Stadt mit unseren Kindern. Vom Campingplatz in Fusina fuhren wir mit dem Schiff in die Stadt. Wir bummelten durch Venedig und verlebten einen schönen Tag. Das letzte Schiff, Abfahrt 18:30Uhr, sollte uns zum Wohnmobil zurück bringen.

Bei unserem Stadtbummel verschätzten wir uns in den Entfernungen. Um das Schiff noch zu erreichen, beschlossen wir, mit dem Vaporetto zum einzigen Anleger Richtung Campingplatz zu gelangen. In unserer Eile verwechselte ich die Stationen Zattere und Zaccaria.
Den Irrtum bemerkten wir erst, als der Wasserbus in die falsche Richtung abbog. Am nächsten Anleger wechselten wir die Linie, jetzt stimmte der Kurs. Leider war es zu spät. Wir sahen das Schiff noch ablegen, leider ohne uns. Wir waren vorerst gestrandet.
Zum Glück erinnerten wir uns, dass es eine Buslinie zum Campingplatz gab. Nur wo fährt der Bus ab? Wie kommen wir zur Haltestelle? Bei unseren Mädels sank die Stimmung. Wir beschlossen, mit dem Vaporetto zum Bahnhof an der Piazzale Roma  zu fahren.
Der Plan ging auf, am Bahnhof erhielten wir die benötigten Informationen. Allerdings gab es keine direkte Buslinie, wir mussten in Mestre am Busbahnhof umsteigen.
Der nächste Teil der Rückreise verlief reibungslos. wir gelangten zum Busbahnhof und fanden ohne Schwierigkeiten die Haltestelle in Mestre. Es dauerte nicht lange, und ein Bus der gewünschten Linie traf ein. Viele Fahrgäste, teilweise auch Rucksackreisende, strömten Richtung Einstieg.
„No Fusina, Fusina next Bus“ rief der Fahrer uns entgegen. Fast alle Fahrgäste gingen zurück und warteten weiter. Was blieb uns sonst übrig. Dumm war nur, dass sich die Szene alle 10 bis 15 Minuten wiederholte. Ein Bus der Linie traf ein, es strömte zum Einstieg. „No Fusina, no Fusina“.
Leider half uns der ausgehängte Fahrplan nicht weiter. Wir erkannten zwar, wann der nächste Bus abfuhr, fanden aber nicht heraus, ob Fusina oder no Fusina. Mittlerweile erreichte die Stimmung der Kinder einen neuen Tiefpunkt. Die Notkekse waren aufgegessen und die Getränkevorräte aufgebraucht.
In der Nähe gab es keinen Laden, um Nachschub zu beschaffen. Wir trauten uns nicht, uns weiter zu entfernen, denn irgendwann musste der „next Bus Fusina“ mal kommen. Unsere Leidensgenossen an der Haltestelle zeigten sich genauso erstaunt und irritiert wie wir. Wir konnten nur warten.
Insgesamt verbrachten wir so 1,5 Stunden an der Haltestelle und hörten mindestens 5mal den bekannten Ruf eines Busfahrers. Dann die Erlösung, diesmal klang es besser: „Fusina, Fusina now“
Kurz vor 22:00Uhr erreichten wir endlich unser Wohnmobil. Wir hatten es geschafft und wir waren geschafft. Die Lösung erfuhren wir am nächsten Tag. Die Linie verkehrte in den Abendstunden nur auf einem wesentlich kürzerem Teilstück. Der Endhaltestelle am Campingplatz bediente der Bus nur noch alle zwei Stunden.
Seit diesem Abenteuer hört man in der Familie „no Fusina“ wenn es um Schwierigkeiten im Nahverkehr geht.

2 Replies to “No Fusina, ein Venedig-Abenteuer”

  1. danke für diese nahezu missionarische aufklärungsleistung. viele leute mit naiven vorstellungen und schmalem budget buchen sich in fusina ein und haben keinerlei plan von den taktungen der ansonsten tadellosen öffis in mestre/venedig. manchmal sollte man sich (unter berücksichtigung der logistischen begebenheiten def. ) auch für eine vermeintlich "teurere" unterkunft entscheiden. am ende spart man dann doch.
    ach ja, camper werden im osten richtung airport vce auch öffi-mäßig besser bedient. preislich meiner eigenerfahrung nach auch.

    • Wir sind ja lernfähig und haben bei unserem letzten Besuch eine für uns ideale Ausgangsbasis für einen Venedig-Besuch in Punta Sabbioni gefunden. Wir wollten damals kein Geld sparen, es ging uns nur um einen kindergeeigneten Campingplatz in der Nähe der Lagunenstadt.

      Das ganze Warten hätten wir uns sparen können, wenn wir dem Merkblatt des Campingplatzes gefolgt wären. Dort war genau diese etwas größere zeitliche Lücke im Fahrplan beschrieben.

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