Sind Wohnmobilfahrer Herdenmenschen?

Wohnmobilreisende sind in der Regel Individualisten und wollen auf Reisen unabhängig sein. Manchmal habe ich da so meine Zweifel. Ich denke, einige Wohnmobilfahrer sind Herdenmenschen und suchen Schutz in der Gruppe.

Beginnen möchte ich mit drei Beispielen:

  • Ein Wohnmobil steht zum Übernachten auf einem normalen Parkplatz abseits in einer Ecke. Später erscheint ein zweites Mobil auf dem Parkplatz. Wo parkt die Besatzung ihr Fahrzeug? Natürlich maximal zwei Meter entfernt neben dem bereits abgestellten Fahrzeug, obwohl der ganze Platz leer ist.
  • Ein Wohnmobil erreicht eine Sehenswürdigkeit. Es beginnt die Parkplatzsuche. Wo wird zuerst geschaut? Natürlich dort, wo schon weitere Mobile stehen. In Kürze entsteht in einer Parkreihe eine Ansammlung von Reisemobilen, während in anderen Parkreihen kein Mobil zu sehen ist.
  • Auf einem nur mäßig belegten Wohnmobilstellplatz stehen drei oder vier Fahrzeuge im Abstand von zwei bis drei Metern voneinander entfernt. Der restliche Platz ist leer.

Wie entsteht dies Herdenverhalten?

Aus meiner Sicht haben wir es mit  unterschiedlichen Effekten zu tun, die diese Rudelbildung fördern. Wenn eine Wohnmobilbesatzung einen Park- oder Übernachtungsplatz sucht, signalisiert ein bereits geparktes Fahrzeug: Hier ist Platz für Wohnmobile, hier kann man übernachten. Automatisch wird die Richtung angesteuert. Als zweiter Aspekt kommt das Sicherheitsbedürftnis hinzu. Wo schon Jemand übernachtet, sind wir sicherer. Um den Schutz weiter zu erhöhen, wird möglichst dicht neben dem Gleichgesinnten geparkt.

Diesen Effekt möchte ich mit einer kleinen Geschichte aus diesem Sommer belegen. Wir hatten um 22:00Uhr einen Termin am Flughafen Frankfurt. Da wir schon in der Region unterwegs waren, beschlossen wir, die Wartezeit beim Abendessen auf einem kleinen Parkplatz am Rhein zu verbringen. Kaum stand unser Fahrzeug, gesellte sich ein zweites Mobil hinzu. Um 21:00Uhr machten wir uns auf den Weg, um rechtzeitig am Flughafen zu sein. Während ich ausparkte, kam der Fahrer des zweiten Fahrzeugs auf mich zu. Die erste Frage war: Ist es ihnen hier nicht sicher genug? Ich schilderte unser Vorhaben. Daraufhin beschloss die Besatzung, den Platz ebenfalls zu verlassen.

Dies konnte ich nicht nachvollziehen. Die Entscheidung, ob ein Platz für eine freie Übernachtung geeignet ist, treffe ich immer unabhängig von anderen Fahrzeugen. So habe ich schon mehrfach Plätze wieder verlassen, obwohl dort bereits mehrere Wohnmobile standen. Nach der Ankunft mache ich einen kleinen Rundgang und schaue mir die Umgebung an. Erst dann fällt die Entscheidung.

Ich gebe zu, auch ich orientiere mich in Richtung anderer Wohnmobile, wenn ich einen unbekannten, gut besuchten Parkplatz bei einer Sehenswürdigkeit ansteuere. Hier überwiegt das Bestreben, einen Platz für das Mobil zu finden. Da es meist nur um eine kurze Zeitspanne geht, stört es mich nicht, wenn die Fahrzeuge direkt nebeneinander stehen. Andere Besucher möchten schließlich auch einen Parkplatz finden.

Dagegen ist mir auf Stellplätzen etwas Distanz zum Nachbarn wichtig. Ich habe gern etwas Freiraum um das Mobil, denn ich möchte nicht das gesamte Geschehen im Nachbarfahrzeug mitbekommen. Wenn irgendwie möglich übernachte ich nicht auf Stellplätzen, die so eng sind, dass ich das Öffnen der Fenster oder Türen mit dem Nachbarn absprechen muss. Die Diskussion über den aus Brandschutzgründen geforderten Mindestabstand, üblicherweise 3m, möchte ich hier nicht führen, denn auch ich war schon froh, auf einem vollen und engen Platz noch eine Lücke gefunden zu haben.

Allerdings verstehe ich Wohnmobilbesatzungen nicht, die sich zwischen zwei Fahrzeuge quetschen, obwohl noch genug andere, wesentlich größere Plätze zur Verfügung stehen. Für dieses Verhalten habe ich keine Erklärung, denn die oben beschriebenen Punkte greifen hier nicht. Jetzt höre ich schon die Kritik von den Kuschelcampern,  dass ich mich abgrenzen möchte. Das Gegenteil ist der Fall.  Zu netten Gesprächen unter Gleichgesinnten bin ich immer bereit. Andererseits möchte ich nicht mitbekommen, wenn sich die Nachbarn über die Tagesplanung oder das Fernsehprogramm streiten.

Zusammenfassend bleibt mir die Bitte an die Gleichgesinnten: Herdenverhalten und Kuschelcampen ja, aber nur wo es unvermeidbar ist. Wenn genügend Platz vorhanden ist, überlegen Sie, wie und wo Sie das Wohnmobil abstellen. Kleine Lücken kann man nutzen, aber nur wenn es erforderlich ist. Nutzen Sie die vorhandenen Freiräume, die ein Wohnmobil bietet, auch beim Parken!

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