Wo wird übernachtet? Frei stehen, Stell- oder Campingplatz?

Wenn es ums Übernachten geht, trennt sich die Wohnmobilgemeinde schnell in verschiedene Gruppen auf. Freisteher lehnen Campingplätze ab, während es für Stellplatznutzer oft undenkbar ist, auf einem Parkplatz zu übernachten.  Aus meiner Sicht hat jede Möglichkeit ihre Stärken und Schwächen. Im folgenden Artikel beschreibe ich, wie wir uns je nach Stand der Dinge entscheiden, denn wir nutzen alle drei Varianten, je nach Lage der Dinge.

Ein Beispiel

Schön erkennen konnten wir die Unterschiede in Punta Sabioni am Lago de Venezia. Dort gab es in einer Entfernung von zwei Kilometern alle drei Übernachtungsvarianten nebeneinander.

Wir wählten bei der Anreise ohne zu überlegen den Campingplatz, denn wir wollten uns einige Tage erholen. Unsere Parzelle lag im Schatten unter großen Bäumen. Dank der Nachsaison hatten wir jede Menge Raum um das Mobil herum für Tisch und Stühle. Direkt nebenan begann die große, völlig leere Zeltwiese. Unsere Ruhepausen verbrachten wir meist draußen. Für die Körperpflege gab es ein schönes sauberes Waschhaus mit großen Duschen. Naturgemäß war es kein billiges Vergnügen, Camping in Italien kostet richtig Geld.

Der Wohnmobilstellplatz lag nur wenige Meter vom Campingplatz entfernt. Auch hier gab es den einen oder anderen Platz mit einer freien Nachbarparzelle. Tisch und Stühle sahen wir nur sehr wenig. Die hohe Bretterwand um den Platz wird nicht sehr gemütlich auf die Besucher gewirkt haben. Die Sanitäranlagen konnten wir leider nicht testen. Dort hätten wir etwa ein Drittel der Übernachtungskosten sparen können.

Ganz kostenlos bestand die Möglichkeit, auf einem staubigen Schotterparkplatz direkt am Meer in Strandnähe zu stehen. Meerblick gab es aus dem Fahrzeug nicht, da eine Hochwassermauer zwischen Meer und Straße den direkten Blick auf das Wasser verhinderte.  Große Schilder wiesen in verschiedenen Sprachen auf die Regeln für Wohnmobile hin. Nicht erlaubt waren Markise, Stützen und jede Art von Campingartikeln. Selbst das Grillen war untersagt.

Hauptsächlich fehlte uns der Schatten, denn die Mobile standen den ganzen Tag in der Sonne. Die offenen Fenster und Türen zeigten uns die Innentemperaturen an. Hinzu kam die Staubwolke, die jedes Fahrzeug, das über den Platz fuhr, aufwirbelte.

Da wir uns auf einer Urlaubsreise befanden, kamen für uns weder der Stellplatz noch der Parkplatz in Frage. Wir zahlten etwas mehr und genossen nicht nur den Komfort, endlos zu duschen, ohne an unsere Tanks denken zu müssen.

Allerdings könnte unsere Entscheidung ganz anders ausfallen, wenn wir einmal Venedig an einem verlängerten Wochenende im Winter besuchen. Dann dient das Mobil nur zum Übernachten und als Basislager für den Besuch der Stadt der Kanäle. Die zwei Nächte würden wir dann auf dem Parkplatz verbringen.

Unsere Vorgehen

Wie aus dem oben stehenden Beispiel zu erkennen ist, gibt es für uns nicht nur die eine Lösung. Wir entscheiden immer entsprechend der Situation, wo wir übernachten.

Das freie Stehen ist unser Favorit, wenn es nur um die Übernachtung geht. So nehmen wir auf langen Fahretappen selten einen Umweg zu einem Stellplatz in Kauf, wenn wir unterwegs eine Übernachtungsmöglichkeit finden. Da reicht dann der etwas abseits liegende Parkplatz. Manchmal suchen wir sogar vorher mit den bekannten Satelitenfotos nach Plätzen zum freien Übernachten in der Nähe unseres Zieles. So fanden wir z.B. eine ruhige Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe der Musicaltheater in Stuttgart.

Die Angebote der Stellplätze nutzen wir meist bei Stadt- und Wochenendtouren. Oft gibt es Stellplätze in Citynähe oder mit gutem Nahverkehrsanschluss. Das Fahrzeug ist gut untergebracht und meist gibt es Strom sowie V+E. Da wir dann etwas entdecken und erleben möchten, spielt es keine Rolle, dass das Sitzen neben dem Wohnmobil oft nicht unserer Vorstellung von Erholung entspricht.

Wenn es um Urlaub und Entspannung geht, sind schöne Campingplätze unsere Favoriten. Man hat Platz um das Fahrzeug herum und kann sich ausbreiten. Stühle, Tisch und die Fahrräder finden ihren Platz unter der Markise. Die Gemütlichkeit steht im Vordergrund.

Die Grenzen verschwimmen

In den letzten Jahren beobachten wir verstärkt den Trend, dass die Grenzen zwischen stell- und Campingplatz sich langsam aufweichen. So gibt es mittlerweile Stellplätze, die sich im Komfort (Sanitäranlagen, Parzellengröße) immer mehr an die Campingplätze angleichen. Selbstverständlich nähern sich die Preise für die Übernachtungen ebenfalls an.

Manchmal bedauern wir diese Entwicklung, denn die kostengünstigen Übernachtungsmöglichkeiten auf einfachen Stellplätzen gehören fest zu unseren Zielen. Allerdings geniessen wir ebenso gern die Vorteile eines komfortablen Stellplatzes.

Fazit

Alle drei Möglichkeiten der Übernachtung sind für uns attraktiv. Es kommt auf die jeweilige Reiseplanung, das Wetter und nicht zuletzt unsere Stimmung an, welche der Varianten wir bevorzugen. Schließlich reisen wir mit dem Wohnmobil, um flexibel und unabhängig zu sein. Daher scheidet keine der Übernachtungsmöglichkeiten bereits im Vorfeld aus.

 

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