Eine Fotoreise (fast) ohne Fotos
Vergesslichkeit und falsche Entscheidungen

Der Orginalpost „Kurzreise nach Papenburg und Bremerhaven“ steht schon lange auf diesen Seiten. Die ganze Wahrheit über eine teilweise misslungene Reise umschrieb ich damals freundlich. Jetzt stieß ich wieder auf die Bilder. Spontan beschloss ich, jetzt die ganze Geschichte zu erzählen.

Hinzu kommen jetzt auch einige mit heutiger Technik gerettete Bilder. Die Enttäuschen-Funktion von Lightroom leistet mittlerweile eine gute Arbeit.

Neuschnee ohne Ende

Ziel meiner Reise war es, die Emsüberführung der Aida Stella mitzuerleben. Dank Internet erfuhr ich rechtzeitig von dem geplanten Termin. Rechtzeitig, zwei Tage vorher, machte ich mich am Abend auf den Weg. Ich wollte noch ca 300km fahren und dann irgendwo übernachten. Die Reststrecke wollte ich am nächsten Tag ausgeruht in Angriff nehmen.

Die Pleiten- und Pannenserie begann bereits gleich nach der Abfahrt. Es begann heftig zu schneien. 50km weiter blieb der Schnee auf der Autobahn liegen. Es ging nur langsam und vorsichtig voran. Nach etwa 2 Stunden Fahrt verlor ich die Lust, weiter auf der schneeglatten Fahrbahn herumzurutschen.

Auf einem Autobahnparkplatz fand ich einen zur Übernachtung geeigneten halbwegs ruhigen Platz.

Nach dem Abendessen erreichte mich beim Feierabendbier die nächste Hiobsbotschaft. Auf Grund von Wetter und Wasser war die Emsüberführung der Aida Stella um ca. 12 Stunden vorverlegt worden. Der neue Abfahrtstermin war am nächsten Abend kurz vor Mitternacht. Ich vertagte die Entscheidung über das weitere Vorgehen auf den nächsten Morgen.

Aufgeben ist keine Option

Als der Wecker klingelte, blickte auf eine schöne Winterlandschaft. Zu meinem Glück hatten die Räumdienste gut gearbeitet. Um kurz nach 6:00Uhr war ich wieder auf der Strasse. Es ging weiter Richtung Norden.

Am Mittag erreichte ich Papenburg und fand noch einen der letzten freien Plätze für mein Wohnmobil. Nach einem Spaziergang zur Erkundung der möglichen Fotostandorte beschloss ich, etwas vorzuschlafen, um dann in der Nacht fit zu sein. Um 22:00Uhr sollte es losgehen.

Der Schreck in der Abendstunde

Kurz vor dem Abmarsch begann ich meine Fotoausrüstung startklar zu machen. Da traf mich fast der Schlag. Alles aber auch alles erdenkliche Zubehör lag im Fotofach des Wohnmobils oder in der Fototasche. Nur die kleine Adapterplatte, die die Kamera mit dem Stativ verbindet, blieb unauffindbar. Ohne diese Platte ist es nicht möglich, die Kamera auf dem Stativ zu befestigen. Zu Hause im Schrank lagen bestimmt mehrere der kleinen Dinger im Kasten. Nur in Papenburg um 22:00 Uhr am Faschingsfreitag war keine Platte in der Nähe.

Alle meine schnelle Ideen für ein Provisorium erwiesen sich als untauglich. So machte ich mich etwas enttäuscht dennoch auf den Weg. Ohne es zu bemerken traf ich gleich nach dem Losgehen die nächste falsche Entscheidung. Ich überquerte die Dockschleuse der Werft, um eine bessere Sicht auf das Geschehen zu haben.

Die Aida Stella machte sich auf den Weg in Richtung Meer. Um auch ohne Stativ zu einigen Bildern zu kommen, drehte ich die Empfindlichkeit hoch und hoffte auf den Bildstabilisator. So entstanden einige halbwegs brauchbare Bilder von der Abfahrt des Schiffes aus Papenburg.

Die Abfahrt erwies sich als wirklich sehenswert. Es ist erstaunlich, mit welcher Präzision das große Schiff durch die enge Ausfahrt gesteuert wurde.

Warten in der Kälte

Nachdem das Schiff langsam die Ems abwärts fuhr, bemerkte ich meinen letzten Fehler. Durch die offene Seeschleuse der Werft war mir der Rückweg versperrt. Leider führten die Monteure noch kleine Reparaturen aus, die das Schließen des Tores weiter verzögerten.

So verbrachte ich weitere zwei Stunden bei Minusgraden draußen in der Nacht. In der Ferne konnte ich das Schiff noch gut sehen und hören. „Time to say Goodbye“ erschallte fast in Endlosschleife.

Erst um 3:00Uhr erreichte ich durchgefroren das warme Wohnmobil. Insgesamt verbrachte ich fünf Stunden in der Kälte, um ein paar technisch unzureichende Fotos auf die Chipkarte zu bekommen.

Shit happens.