Mit dem Kastenwagen in den Winterurlaub?

Im Winter trennt sich die Wohnmobilgemeinde in drei Gruppen. Eine Gruppe meldet das Wohnmobil ab und überwintert das Fahrzeug an einer geschützten Stelle. Die zweite Gruppe macht sich auf den Weg nach Spanien oder Marokko, um den Winter in den wärmeren Gefilden zu verbringen. Nur eine kleine Gruppe ist im Winter in Mitteleuropa unterwegs.

Unsere Nutzung des Wohnmobils liegt irgendwo zwischen diesen Gruppen. Wir nutzen das Wohnmobil im Winter hauptsächlich für Mehrtagestouren. Erst Ende Februar Anfang März geht es auf die erste längere Tour.

Mittlerweile haben wir genug Erfahrungen gesammelt, um in unserem Pössl auch bei Frost problemlos übernachten zu können. Allerdings haben wir auch Lehrgeld bezahlt.

Ist ein Kastenwagen wintertauglich?

So pauschal ist diese Frage nicht zu beantworten. Ein schnelles „Ja natürlich“ ist falsch. Ebenso stimmt es nicht, dass die Blechkisten für den Wintereinsatz nicht geeignet sind.

Die Fahreigenschaften auf Schnee oder Eis

Beginnen wir bei den Fahreigenschaften bei winterlichen Straßen. Spätestens bem Fahren auf einer Schneedecke wird das Fahrzeuggewicht spürbar. Selbst mit guten Winterreifen wird ein Wohnmobil mit Frontantrieb nicht zum Geländewagen.

Wir erlebten es mehrfach, dass uns bereits eine dünne Schneedecke auf dem Parkplatz das Anfahren erschwerte. Diese kleinen Erfahrungen lehrten uns, auf weite Touren bei schneebedeckten Straßen zu verzichten. Insbesondere auf verschneiten Gebirgsstraßen gehören Ketten unbedingt dazu.

Dies gilt übrigens nicht nur für Kastenwagen. Unser Alkovenmobil reagierte ebenso empfindlich auf kalte Füße.

Aus dem Camperleben: Auf einem fast schneefreien Campingplatz stellte ich das Fahrzeug auf einer 5cm Altschneedecke ab. Beim Start am nächsten Morgen weigerte sich unser Pössl, die in der Nacht entstandene Eisplatte unter den Rädern zu verlassen. Erst nach mehrfachem vor zurück Schaukeln erreichten die Räder wieder den Altschnee und die Fahrt konnte beginnen.

Der warme Innenraum gehört dazu

Wenn wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind, möchten wir nicht frieren. Ebenso sitzen wir nicht gern im dicksten Pullover und mit mehreren Sockenschichten vor dem Fernseher. Daher ist es für uns wichtig, dass die Heizung das Fahrzeug auf angenehme Temperaturen bringt.

Unsere kleine 4kw-Truma schaffte es bis jetzt immer, den Kastenwagen zu beheizen und für ein angenehmes Klima zum sorgen. Dazu ist es erforderlich, mit den Ausströmen etwas zu experimentieren. Sonst kann es passieren, dass die Toilette zur Sauna mutiert und Füsse kalt bleiben.

Weiterhin möchte ich nicht verschweigen, dass die Temperatur im Fahrerhaus immer etwas hinter dem restlichen Fahrzeug zurück bleibt. Die meiste Wärme geht durch die Front- und Seitenscheiben verloren. Hinzu kommt, dass im Fahrerhaus keine Heizungsausströmer vorhanden sind.

In der Nacht im Bett fanden wir es bisher immer sehr gemütlich. Mit der Zeitsteuerung der Heizung senken wir die Temperatur ab. Pünktlich vor dem Aufstehen beginnt dann die Truma am frühen Morgen wieder den Dienst und sorgt für angenehme Wärme beim Frühstück.

Wie hoch ist der Gasverbrauch?

Diese Frage kommt immer wieder, wenn es um Wintercamping geht. Leider gibt es keine allgemeingültig Antwort. Viele Faktoren kommen zusammen, die alle die Angaben beeinflussen. Daher möchte ich mich hier auf ein Beispiel beschränken.

Bei meiner Solotour zum Königssee war ich vier Tage unterwegs. Hinzu kam der Tag vor der Abfahrt mit dem Aufheizen auf ca. 10Grad und eine Nacht im Frostschutzbetrieb. Tagsüber, wenn ich außerhalb des Wohnmobils unterwegs war, senkte ich die Heizung auf 16Grad ab.

Mit dem Kühlschrank auf Gasbetrieb und jeden Tag eine warme Mahlzeit reichte eine Gasflasche gerade aus, um nach der Rückkehr die Ausräumarbeiten im Warmen erledigen zu können. Die Außentemperaturen lagen nachts bei -4Grad, am Tage schwankte das Thermometer um den Gefrierpunkt.

Friert das Wasser ein?

Im Winter gilt eine Hauptsorge immer dem Wasser. Schließlich möchte niemand einen Leitungsbruch durch Frost verursachen. Um es kurz zu machen, auch bei 10Grad Minus froren uns noch keine Frischwasserleitungen ein. Voraussetzung ist dafür eine entsprechende Temperatur im Inneren des Fahrzeugs.

Wichtig ist es, nach der Reise die Leitungen wieder zu entleeren. Meist lassen wir das Frischwasser bereits beim letzten Entsorgen am Reiseende ab. Damit ersparen wir uns die kritischen Blicke unserer Nachbarn, wenn Wasser aus dem Wohnmobil läuft.

Ein anderes Thema ist das Abwasser. Der Tank befindet sich unisiliert unter dem Fahrzeug. Da hat der Frost ein leichtes Spiel. Unsere Lösung dieses Problems ist ganz einfach und von Wohnwagencampern millionenfach erprobt. Der Abwasserablass wird geöffnet und das Abwasser mit einem Eimer aufgefangen. Der Eimerinhalt wandert dann regelmäßig zur Entsorgung, bevor sich ein großer Eisklotz bilden kann.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt herum verzichteten wir bisher auf diese Maßnahme und nutzten den Tank ganz normal. Schäden sind in 20 Wohnmobiljahren bei dieser Vorgehensweise nicht aufgetreten.

Eine Warnung

Immer wieder setzen Besatzungen elektrische Zusatzheizgeräte ein, um Gas zu sparen. Es ist kein Problem, entsprechend geeignete Geräte zu nutzen, um schnell für Wärme zu sorgen. Für die Dauerheizung von Wohnmobilen sind die Puster nicht geeignet.

Der Grund ist einfach. Im Winter gilt es, Schwitzwasser und zugefrorene Leitungen zu vermeiden. Daher haben die Hersteller die Warmluftkanäle so verlegt, dass die Wärme an die kritischen Stellen hinter den Möbeln gelangt. Der Warmluftheizer unter dem Tisch erreicht diese Stellen nicht. Die Folge sind feuchte Stellen an der Außenwand oder zugefrorene Wasserleitungen.

Als Elektriker möchte ich nicht verschweigen, dass die beliebten Schnellheizer eine entsprechende Elekroinstallation von Fahrzeug, Zuleitung und Campingplatz erfordern und nicht ohne Aufsicht betrieben werden sollten.

Fazit

Der Kastenwagen ist nicht das ideale Wohnmobil für einen langen Winterurlaub. Der höhere Gasverbrauch und die geringe Bewegungsfreiheit sprechen für uns gegen einen längeren Winterurlaub.

Dennoch gibt es keinen Grund, im Winter den Pössl zu Hause zu lassen. Niemand muss frieren oder auf Wohnmobilkomfort verzichten. Wir stellten jedenfalls im Wintereinsatz keine nennenswerten Unterschiede zwischen Kastenwagen und Alkovenmobil fest.

Wir genießen es sogar, bei kaltem Winterwetter gemütlich in unserem kleinen Schneckenhaus zu sitzen und ein einen leckeren Glühwein zu trinken.

One Reply to “Mit dem Kastenwagen in den Winterurlaub?”

  1. Wir fahren mit unserem Pössl Summit 640 auch gerne im Winter auf kurze Touren und von Weihnachten bis in die ersten Januartage zu einem Freund auf dessen Campingplatz im Innviertel. Bisher haben wir auf diesen Reisen den Wassertank samt Boiler entleert. Den Trick mit dem Eimer für das Grauwasser würden wir gerne ausprobieren. Aber – bei etwa 4 Grad plus entleert das Sicherheitsventil des Boilers unseren gesamten Frischwassertank. Übersehen wir etwas?

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