Sicherheit im Wohnmobil – ein viel diskutiertes Thema

letzte Bearbeitung: 28.02.2019

Alle Jahre wieder kommt das Thema Sicherheit im Wohnmobil in die Medien. Überfälle, Einbrüche und Fahrzeugdiebstähle werden geschildert und natürlich in den Wohnmobilforen reichlich diskutiert.

Wirklich hilfreich sind diese Berichte und Diskussionen nicht. Jede Besatzung ist gefordert, sich eigene Gedanken über das Thema Sicherheit auf Reisen zu machen.

Sind Wohnmobilreisende besonders gefährdet?

Wer mit einem Wohnmobil unterwegs ist, signalisiert bereits durch das Fahrzeug, dass hier Leute reisen, die nicht zu den ärmsten Teilen der Gesellschaft gehören. Erfahrungsgemäß befinden sich für Diebe lohnenswerte Dinge wie z.B Fotoausrüstung, Laptop und mehrere Mobiltelefone im Fahrzeug. Für dunkle Gestalten bilden Wohnmobile ein interessantes Ziel.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, dass die Wohnmobilgemeinde einfach zu bestehlen ist. Das gewaltsame Öffnen der Fahrerhaustür ist einfach und gehört in „Fachkreisen“ zum Grundwissen. In den Urlaubsorten stehen die Fahrzeuge an allen Ecken, während sich die Besatzungen die Sehenswürdigkeiten anschauen.

Zu unserem Glück gibt es jedoch auch Hindernisse und Unwägbarkeiten, die das Risiko für Langfinger erhöhen. Selten ist klar, ob das Fahrzeug wirklich unbewohnt ist. Vielleicht ist ein Reisender zurückgeblieben oder der 60kg-Hund liegt schlafend unter dem Tisch. Um das Fahrzeug herum stehen in der Regel weitere Fahrzeuge und es besteht die Gefahr, beobachtet zu werden.

Die Objekte der Begierde liegen nur selten offen im Fahrzeug. Die Wohnmobile sind unterschiedlich eingerichtet und ausgestattet. Das Durchsuchen benötigt Zeit und erhöht das Risiko, entdeckt zu werden.

So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Einbrüche nach immer dem gleichen Muster ablaufen. Ein kurzer Einsatz des Schraubenziehers und die Fahrertür ist offen. Schnell erfolgt die oberflächliche Durchsuchung mit anschließender Flucht. Die Betreiber von Vermietungen kennen dies Schadensbild gut.

Zusammenfassend meine ich, dass wir Wohnmobilisten nicht unmittelbar im Fokus der Einbrecher stehen. Allerdings bin ich auch sicher, dass es einige Spezialisten gibt, die es auf unser Eigentum abgesehen haben.

Risiko Übernachtungsplatz ?

Zum Einstieg in das Thema hier eine kleine selbst erlebte Geschichte aus Schweden:

Wir standen wir einsam und allein auf einem Parkplatz direkt an einem größeren Fluss und genossen den langen ruhigen Sommerabend. Kurz vor 23:00Uhr, die Dämmerung begann gerade, fuhr ein PKW auf den Platz. Auf einem Anhänger stand ein weiteres Fahrzeug.  Mehrere Männer begannen, den PKW abzuladen. Wir beobachteten das Geschehen in aller Ruhe. Erst als weitere Fahrzeuge auf weiteren Anhängern antransportiert wurden, kam bei uns Misstrauen auf. Beobachteten wir gerade schwedische Autoschieber bei der Arbeit? War es an der Zeit, in den Fluchtmodus überzugehen?

Bei jeder Übernachtung, insbesondere außerhalb von Camping- oder Stellplätzen stellt sich die Frage nach der Sicherheit. Gerade bei Freistehern steht das Thema hoch im Kurs.

Jede Besatzung muss für sich entscheiden, ob ein Platz sicher ist oder nicht. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben. Leere Flaschen und Glasscherben am Rand oder ein freundlich grüßender Bauer geben Hinweise. Entscheidend bleibt das Bauchgefühl der Besatzung.

Wir nutzen gern Plätze, an denen selten Wohnmobile übernachten. Ein Hintergedanke dabei ist, dass Einbrecher Stellen bevorzugen, wo jeden Abend müde Reisemobilbesatzungen nach langer Fahrt übernachten. Wer schaut schon über Wochen jede Nacht vorbei, ob mal ein Mobil auf dem Friedhofsparkplatz steht?

Viele Wohnmobile gemeinsam auf dem Parkplatz einer Raststätte täuschen die Sicherheit nur vor. Die Besatzungen nutzen den Parkplatz, um sich auszuruhen und Kraft für den nächsten Tag zu sammeln. Das ist eine gute Gelegenheit für die Diebe, mal einen leisen Blick durch die Fahrertür zu werfen.

Risiko Gasüberfälle?

Insbesondere vor den großen Ferien holen die Zeitungen das Thema aus der Versenkung. In den Foren nehmen die Diskussionen über das Thema Fahrt auf. Es geht um immer die gleiche Frage: Gibt es die Überfälle mit Narkosegas wirklich?

Wenn ich als Ingenieur die Berichte lese, stoße ich auf einige Unklarheiten, Aus meiner Sicht klappt es nicht, eine Besatzung zu betäuben.

Die wichtigste Frage  ist, welches Gas verwenden die Räuber? Es muss schon ein sehr spezielles Produkt sein, das gleich schwer wie Luft ist. Oder wechseln die Bösewichter die Gasart in Abhängigkeit vom Mobiltyp? Wird für Alkovenmodelle und Hubbettvarianten ein leichtes Gas, das nach oben steigt, verwendet, während für Fahrzeuge mit Bett auf Normalhöhe ein schweres Gas zum Einsatz kommt?

Nehmen wir als Beispiel unser altes Fahrzeug. Der Hund schläft in der Regel unter dem Tisch der Dinette, während wir die Nacht im Alkoven verbringen. Wählt der böse Bube ein Gas, das nach oben steigt, würden wir Dank einer Überdosis ums Überleben kämpfen, bevor sich eine Wirkung bei unserem Hund einstellt. Bei einem schweren Gas stirbt der Hund lange bevor das Gas den Alkoven erreicht.

Ab welcher Konzentration beginnt das Mittel zu wirken? Wie stellt der Einbrecher sicher, dass die Reisenden nicht durch eine Überdosis getötet werden? Wie schützt sich der Einbrecher gegen die Wirkung des Gases? Schließlich muss er ebenfalls in das Fahrzeug steigen, um die lohnenswerten Dinge einzusammeln.

Der zweite offene Punkt ist die einzuleitende Gasmenge. Bisher wurden an keinem Tatort Gasflaschen oder andere Werkzeuge gefunden. Die Bösewichte räumten immer den Platz in Ruhe auf und beseitigten die Flaschen.

Eine kleine Spraydose reicht nicht, um ein Wohnmobil mit 15 Kubikmetern Rauminhalt mit Gas zu füllen. Dazu sind schon größere Mengen erforderlich.

Wie kommt das Gas in das Fahrzeug? Der oft erwähnte kleine Schlauch durch die Fensterdichtung kann es nicht sein. Das Befüllen des Mobils würde sicherlich bis zum nächsten Mittag dauern. Hinzu kommt, dass das Gas nur ganz langsam einströmen darf, um keine Geräusche zu verursachen.

Ursache Übermüdung?

Eher glaube ich an eine andere, einfachere Variante. Die meisten Besatzungen werden solche Tage bereits erlebt haben. Der Tag war lang, es gab viel zu sehen und zu entdecken. Viele Kilometer legte man zurück. Alle Beteiligten, auch der Hund, sind richtig geschafft von dem langen Reisetag.

Endlich findet man ein halbwegs geeignetes Plätzchen für die Nacht und es geht in die Betten. Jetzt kommt die Zeit der Langfinger. Im Mobil herrscht Ruhe. Die Bewohner liegen im Tiefschlaf. Leise wird die Tür geöffnet und man schleicht hinein. Hier höre ich mit meiner Beschreibung lieber auf, schließlich möchte ich keine Ideen verbreiten.

Für diese These spricht, dass die immer genannten Schwerpunkte der Gasüberfälle auf den klassischen An- und Abreiserouten liegen. So ein langer Tag auf der Autobahn schlaucht und der Schlaf ist entsprechend tief.

Risiko: Parkplatz am Tage

Meine Einschätzung nach ist das Risiko eines ungebetenen Besuchers während des Tages am größten. Nehmen wir den großen Parkplatz eines Supermarktes in einer Ferienregion. Bereits am frühen Morgen stehen mehrere Wohnmobile auf dem Platz. Die Besatzungen wollen nur schnell einige Kleinigkeiten einkaufen, wer nimmt für die paar Minuten schon die Wertsachen mit?

Die großen Parkplätze an Sehenswürdigkeiten bieten ebenso gute Gelegenheiten. Auch dort findet man immer einige Wohnmobile, deren Besitzer sich auf einer Besichtigungstour befinden. Allerdings sind Geld und Fotoapparat meist mit unterwegs.

Sicherheit durch Zusatzschlösser

Die einschlägigen Zubehörkataloge bieten jede Menge Zubehör an, um die Sicherheit erhöhen. Die Palette reicht von einfachen Vorhängeschlössern bis zu Alarmanlagen für richtig viel Geld.

Der einfachste Einbruchsschutz sind Zusatzschlösser. Wenn die Türen geschützt sind, erschwert dies jede Einbruchsmethode wesentlich. Zu diesem Zweck gibt es einfache Lösungen, die ein Öffnen der Türen von außen verhindern. Verdeckt angebrachte Zusatzschlösser oder der bekannte Knackerschreck erschweren den unerwünschten Besuch im Fahrerhaus. Selbst das Einschlagen der Scheibe hilft nicht weiter, die Tür bleibt verschlossen.

Um den Trick mit dem Schraubenzieher zu verhindern, gibt es Bleche, die diese Einbruchstechnik verhindern. Leider ist der Einbau nicht ganz einfach.

Zusatzriegel gibt es natürlich auch für die Aufbautür. Allerdings halte ich diese Tür nicht für das Hauptangriffsziel, da jede Tür anders ist und es viele sehr unterschiedliche Schließsysteme am Markt gibt. Der Einbrecher wird kaum das Risiko eingehen, insbesondere wenn schon für Laien erkennbar ist, dass ein handelsübliches massives Zusatzschloss eingebaut ist.

Sicherheit durch Alarmanlagen

Etwas aufwändiger sind Alarmanlagen. Je nach Umfang lassen sich mittlerweile viele Dinge überwachen. Die Palette reicht vom Einbruchsalarm bei ungewollten Öffnen der Türen bis zur Absicherung der Fahrräder auf dem Campingplatz.

Der große Nachteil dieser Anlagen liegt im Verhalten der Mitcamper und Passanten. Kaum Jemand reagiert noch auf die Sirene. Ganz ehrlich, was tun Sie, wenn Sie eine Alarmanlage hupen hören?

Sicherheit durch das Verhalten

Eine wichtige Sicherheitsmaßnahme ist das Verhalten der Besatzungen. Immer wieder hört man von dem geklauten Handy oder der Brieftasche, die im Fahrerhaus lag. Hier gilt es, die Verlockung an der Quelle zu verhindern. Wertsachen gehören nicht in das Fahrerhaus. Insbesondere in der Nacht ist die Verlockung groß, die Fototasche oder das Telefon dort abzulegen, damit es nicht im Wege ist.

Ebenso wichtig ist es, auch bei der Parkplatzwahl am Tage sorgfältig vorzugehen. Besonders gilt dies für Stadtbesuche und beim Einkauf.. Natürlich möchte man mit dem großen Fahrzeug kein Hindernis darstellen. So wird es am Rande abgestellt. Gern genommen werden Parkplätze an Hecken oder Mauern. Und schon bietet sich ein schöner Schutz für die Langfinger. Besser ist es, dort zu parken,, wo der Betrieb ist und ständig Menschen am Fahrzeug vorbeikommen.

Beim Aussteigen sollte es selbstverständlich sein, die wichtigsten Sachen mitzunehmen. Dabei kann ein kleiner Rucksack gute Dienste leisten. So erkennt der Bösewicht, dass die wertvollen Dinge mitgenommen werden.

Beim Einkaufen kann es zweckmäßig sein, dass ein Besatzungsmitglied beim Fahrzeug bleibt. Wenn jedoch alle Mitreisenden mit in den Markt möchten, gehören die üblichen Sicherungsmaßnahmen dazu. Das klingt selbstverständlich. Leider gibt es jedoch genug Berichte von Reisenden, die für die paar Minuten den Aufwand scheuten.

Zum Schluss

Wer auf dieser Erde lebt, muss damit rechnen, irgendwann einmal mit einem Einbruch oder Diebstahl konfrontiert zu werden. Das Risiko erhöht sich im Urlaub, unabhängig von der Urlaubsart. Dennoch sollte man ohne Panik oder Angst seine Reisen genießen. Etwas gesunder Menschenverstand und schon steht dem entspannten Urlaub nichts entgegen. Auf Reisen gibt es so viele schöne Dinge, dass man nicht immer nur überlegen sollte, wer eventuell Böses im Schilde führen könnte.

Ich gebe es zu, auch unser Mobil war bereits das Ziel von bösen Buben. Das Fahrzeug stand ganz normal geparkt in einer kleinen Straße. Der Einbrecher schlug die Beifahrerscheibe ein und öffnete die Tür. Allerdings geschah dies nicht irgendwo im Ausland, sondern direkt bei uns zu hause vor der Wohnungstür. Anschließend installierte ich Riegel an den Türen. Die ausführliche Geschichte kann hier nachgelesen werden.

Und was geschah bei den Autoschmugglern?

Auf dem jetzt nicht mehr einsamen Parkplatz in Schweden verzichteten wir auf die schnelle Flucht, behielten das Geschehen aber im Auge.

Bereits nach kurzer Zeit löste sich das Rätsel. Kurz vor Mitternacht erschienen auf dem Fluss mehrere bewohnte Holzflöße und legten am Ufer an. Die Neuankömmlinge räumten ihr Hab und Gut vom Floß in die bereit gestellten Autos um. Wie wir später aus dem Netz erfuhren, standen wir am Endpunkt einer mehrtägigen Floßstrecke und erlebten die Rückgabe am Ende der Reise. Für uns in unserem Mobil interessierte sich Niemand.

Ich gebe zu, dass uns am Anfang der Geschichte leicht mulmig zu Mute war. Nachdem die Situation klar war, konnten wir über unsere erste Besorgnis lachen.

Wer von Ihnen hat Erfahrungen mit Diebstahl oder gar Raub auf seinen Touren machen müssen? Für einen kleinen Bericht im Kommentar wäre ich dankbar.

Zum Weiterlesen

Dieser Artikel beschäftigte sich mit der Theorie. Im zweiten Teil geht es um unsere konkreten Sicherheitsmaßnahmen, die wir ergriffen haben und regelmäßig anwenden.

3 Replies to “Sicherheit im Wohnmobil – ein viel diskutiertes Thema”

  1. Ha, endlich lese ich mal wieder von einem, der dieser ganzen Gasgeschichte ähnlich skeptisch gegenüber steht. Ich habe zwar nicht das nötige Fachwissen wie du, aber es war mir nie einleuchtend, wie das gehen sollte. Das Gas müsste – wenn es nicht in grossen Flaschen etc. herumgeschleppt werden soll – ja so unglaublich stark sein, dass sicherlich längst auch Todesfälle hätten beklagt werden müssen.

    Die meisten "Gasopfer" beklagen sich am nächsten Morgen ja über starke Kopfschmerzen. Vielleicht waren sie auch einfach zu lange im Ausgang und haben ein paar Gläser zu viel getrunken. Das erklärt ganz nebenbei auch den tiefen Schlaf, der das ungestörte Ausräumen möglich machte. Oder das WoMo wurde schon ausgeräumt, als die Reisenden noch im Gasthof waren. Wegen ihrer Trunkenheit haben sie's bei der Rückkehr nicht bemerkt.

  2. Danke für den Beitrag zu Gasüberfällen. Wir, Ingenieurin und Industriemeister in chemischen Betrieben, teilen die Meinung zu 100%. Aber wie soll man einer Versicherung erklären, dass man mit berauschtem Kopf vergessen hat, die Türen zu verriegeln? Da hilft nur das Märchen vom Gasüberfall.
    Unser vorheriges Wohnmobil wurde übrigens auch schon ausgeraubt, auf der ersten Tour an Heiligabend an der Alhambra in Granada auf einem bewachten Parkplatz, soviel dazu … Zum Glück hatten die Bösen nicht genug Zeit, alle Fächer und Sitzbänke zu durchsuchen, so dass nicht alles weg war.

  3. Hallo Euch Allen,
    wir fahren seit Jahren jährlich 6-7 Monate nach Scandinavien. Die Gas-Schauergeschichten glaubte ich auch noch nie. Ich unterhielt mich mit einem Anästhesysten, der das Ganze auch als „Geschichten“ abtat.
    Also einfach gesunde Vorsicht walten lassen, wie es schon im Blog beschreiben wird.
    Wir stehen auch immer erst ab Mittelnordschweden ( Dalarna) frei, aus den auch hier schon genannten Gründen, aber ab Dalarna ist das kein Problem mehr, da wir auch sehr viele versteckte Plätze kennen.
    Euch allen eine allzeit knitterfreie Reise,
    Gruß Gerd

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