Sicherheit im Wohnmobil – ein viel diskutiertes Thema

Wie immer im Frühjahr und Sommer kommt das Thema Sicherheit im Wohnmobil in die Medien. Die Berichte sind nicht immer hilfreich und sachlich. Daher habe ich mir meine eigenen Gedanken zum Thema gemacht.

Zum Einstieg in das Thema hier eine kleine selbst erlebte Geschichte aus Schweden. Wir standen wir einsam und allein auf einem Parkplatz direkt an einem größeren Fluss und genossen den langen ruhigen Sommerabend. Kurz vor 23:00Uhr, die Dämmerung begann gerade, fuhr ein PKW auf den Platz. Auf einem Anhänger stand ein weiteres Fahrzeug.  Mehrere Männer begannen, den PKW abzuladen. Wir beobachteten das Geschehen in aller Ruhe. Erst als weitere Fahrzeuge auf weiteren Anhängern antransportiert wurden, kam bei uns Misstrauen auf. Beobachteten wir gerade schwedische Autoschieber bei der Arbeit? War es an der Zeit, in den Fluchtmodus überzugehen?

 

Sind Wohnmobilreisende besonders gefährdet?

Wer mit einem Wohnmobil unterwegs ist, signalisiert bereits durch das Fahrzeug, dass hier Leute reisen, die nicht zu den ärmsten Teilen der Gesellschaft gehören. Erfahrungsgemäß befinden sich für Diebe lohnenswerte Dinge wie z.B Fotoausrüstung, Laptop und Navigationsgerät im Fahrzeug. Für dunkle Gestalten scheinen Wohnmobile als lohnenswertes Ziel. Hinzu kommt, dass die Fiat-Türen in den einschlägigen Kreisen als leichte Opfer bekannt sind.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, dass die Wohnmobilgemeinde eine einfach zu bestehlende Gruppe darstellt. Allerdings gibt es für Langfinger auch Hindernisse. Selten ist klar, ob das Fahrzeug wirklich unbewohnt ist. Vielleicht ist ein Reisender zurückgeblieben, oder der 60kg-Hund liegt schlafend unter dem Tisch. Um das Fahrzeug herum stehen in der Regel weitere Fahrzeuge und es besteht die Gefahr, beobachtet zu werden.

Die Objekte der Begierde liegen in der Regel nicht offen im Fahrzeug. Die Wohnmobile sind unterschiedlich eingerichtet und ausgestattet. Das Durchsuchen benötigt Zeit und erhöht das Risiko, entdeckt zu werden.

Zusammenfassend meine ich, dass wir Wohnmobilisten nicht unmittelbar im Fokus der Einbrecher stehen. Allerdings bin ich auch sicher, dass es an bestimmten, viel besuchten Orten einige Spezialisten gibt, die es auf unser Eigentum abgesehen haben.

Risiko Übernachtungsplatz ?

Bei jeder Übernachtung, insbesondere außerhalb von Camping- oder Stellplätzen stellt sich die Frage nach der Sicherheit. Im Rahmen der oben genannten Diskussionen stehen meist die Risiken beim Freistehen im Mittelpunkt.

Jede Besatzung muss für sich entscheiden, ob ein Platz sicher ist oder nicht. So schaue ich mir die Gegend in Ruhe an, bevor wir uns häuslich niederlassen. Wir nutzen gern Plätze, an denen selten Wohnmobile übernachten. Ein Hintergedanke dabei ist, dass Einbrecher Stellen bevorzugen, wo jeden Abend müde Reisemobilbesatzungen nach langer Fahrt übernachten. Wer schaut schon über Wochen jede Nacht vorbei, ob mal ein Mobil auf dem einsamen Wanderparkplatz steht?

Aus diesem Grund meiden wir stark frequentierte Parkplätze an Autobahnen oder Fernstraßen. Meist findet man in der Nähe noch ein ablegenes Plätzchen, abseits vom Betrieb, Meist verläuft dort die Nacht ruhiger.

Viele Wohnmobile gemeinsam an einer Raststätte geben mir kein Gefühl der Sicherheit, denn ein solcher Ort kann eine hohe Anziehungskraft auf Einbrecher ausüben. Ich gehe nicht davon aus, dass viele Fahrzeuge ein mehr an Sicherheit garantieren, denn alle Besatzungen möchten sich nur ausruhen und Kraft für den nächsten Reisetag sammeln. Wirklich alle Besatzungen?

Risiko Gasüberfälle?

Zwangsläufig kommt an dieser Stelle das Thema Gasüberfälle. Insbesondere vor den großen Ferien holen die Zeitungen das Thema aus der Versenkung. Als Ingenieur stoße ich auf einige Unklarheiten, die mir bisher Niemand schlüssig beantworten konnte. Daher bezweifle ich einen Großteil der Berichte.

Die wichtigste Frage  ist, welches Gas verwenden die Räuber? Es muss schon ein sehr spezielles Produkt sein, das gleich schwer wie Luft ist. Oder wechseln die Bösewichter die Gasart, je nach Mobiltyp? Für Alkovenmodelle und Hubbettvarianten ein leichtes Gas, das nach oben steigt, für Fahrzeuge mit Bett auf Normalhöhe ein schweres Gas?

Nehmen wir als Beispiel unser Fahrzeug. Der Hund schläft in der Regel unter dem Tisch der Dinette, während wir die Nacht im Alkoven verbringen. Wählt der böse Bube ein Gas, das nach oben steigt, würden wir Dank einer Überdosis ums Überleben kämpfen, bevor sich eine Wirkung bei unserem Hund einstellt. Bei einem schweren Gas stirbt der Hund lange bevor das Gas den Alkoven erreicht.

Ab welcher Konzentration beginnt das Mittel zu wirken? Wie stellt der Einbrecher sicher, dass die Reisenden nicht durch eine Überdosis getötet werden? Wie schützt sich der Einbrecher gegen die Wirkung des Gases? Schließlich muss er ebenfalls in das Fahrzeug steigen, um die lohnenswerten Dinge einzusammeln. Ein Narkosearzt konnte diese Fragen nicht beantworten.

Der zweite offene Punkt ist die einzuleitende Gasmenge. Noch nie habe ich in einen Bericht gehört oder gelesen, dass irgendwelche Gasflaschen oder Schläuche aufgefunden wurden. Die Bösewichte räumten also immer den Platz in Ruhe auf und beseitigten die Flaschen. Eine kleine Spraydose reicht nicht, um ein Wohnmobil mit 15 Kubikmetern Rauminhalt mit Gas zu füllen. Dazu sind schon größere Mengen erforderlich. Als Camper kennt man die Gewichte von vollen Gasflaschen recht gut.
Wie kommt das Gas in das Fahrzeug? Der oft erwähnte kleine Schlauch durch die Fensterdichtung kann es nicht sein. Das Befüllen des Mobils würde bis zum nächsten Mittag dauern.

Eher glaube ich an eine andere, einfachere Variante. Die meisten Besatzungen werden solche Tage bereits erlebt haben. Der Tag war lang, es gab viel zu sehen und zu entdecken. Viele Kilometer legte man zurück, alle Beteiligten, auch der Hund, sind richtig geschafft von dem langen Reisetag. Endlich findet man ein halbwegs geeignetes Plätzchen für die Nacht und es geht es in die Betten. Jetzt kommt die Zeit der Langfinger. Im Mobil herrscht Ruhe. Die Bewohner liegen im Tiefschlaf. Leise wird die Tür geöffnet und man schleicht hinein. Hier höre ich mit meiner Beschreibung lieber auf, um keine Ideen zu verbreiten.

Für diese These spricht, dass die immer wieder genannten Schwerpunkte der Gasüberfälle auf klassischen An- und Abreiserouten liegen. So ein langer Tag auf der Autobahn schlaucht und der folgende Schlaf ist entsprechend tief. Dies ist die wichtigste Voraussetzung für die oben andeutungsweise beschriebene Methode.

Risiko: Parkplatz am Tage

Meine Einschätzung nach ist das Risiko eines ungebetenen Besuchers während des Tages am größten. Nehmen wir den großen Parkplatz eines Supermarktes in einer Ferienregion. Bereits am frühen Morgen stehen meist mehrere Wohnmobile auf dem Platz. Die Besatzungen wollen nur schnell einige Kleinigkeiten einkaufen, wer nimmt für die paar Minuten schon die Wertsachen mit?

Die großen Parkplätze an Sehenswürdigkeiten bieten ebenso gute Gelegenheiten. Auch dort findet man immer einige Wohnmobile, deren Besitzer sich auf einer Besichtigungstour befinden. Allerdings sind Geld und Fotoapparat meist mit unterwegs.

Sicherheit durch Technik

Beginnen möchte ich mit dem Einbruchsschutz am Fahrzeug. Wenn die Türen geschützt sind, erschwert dies jede Einbruchsmethode wesentlich. So rüstete ich zwei kleine Riegel nach, die ein Öffnen der Fahrzeugtüren von außen verhindern. Selbst wenn ein Bösewicht die Scheibe einschlagen sollte, bekommt er die Tür nicht auf, da die versteckten Riegel von außen nicht zu erkennen sind. Eine zusätzliche „Kindersicherung“ erschwert die Bedienung. Klettern wäre die einzige Möglichkeit, in das Fahrzeug zu gelangen. (Selbst unsere KFZ-Werkstatt musste anrufen, um die Tür zu öffnen)

Den gleichen Effekt bieten die im Netz verkauften Krallen oder notfalls ein einfacher Spanngurt zwischen den Griffen der Fahrzeugtüren. Mit wenig Aufwand kann man so den Schwachpunkt Fahrerhaus auch im Mietmobil entschärfen. Gleichzeitig signalisiert man, dass die Besatzung auf Sicherheit achtet.

Eine ähnliche Riegeltechnik gibt es für die Aufbautür. Allerdings halte ich diese Tür nicht für das Hauptangriffsziel, da jede Tür anders ist und es viele sehr unterschiedliche Schließsysteme am Markt gibt. Der Einbrecher wird kaum das Risiko eingehen, insbesondere wenn schon für Laien erkennbar ist, dass ein handelsübliches massives Zusatzschloss eingebaut ist.

Wir haben eine ganz einfache zusätzliche Sicherung. Bei unserem Alkovenmobil steht die Leiter nachts immer innen vor der Tür. Falls ein Bösewicht die Tür von außen öffnet, kommt zur Begrüßung die Leiter entgegen geflogen. Dann schlafen wir sicherlich nicht mehr. Diese kleine Idee entstand ursprünglich aus Platzgründen, wenn alle Schlafplätze benötigt wurden.

Auf Gaswächter oder ähnliche Dinge verzichten wir bewusst. Diese Warngeräte sind nur dann sinnvoll, wenn bekannt ist, auf welche Betäubungsmittel die Geräte reagieren sollen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Gase. Der umgangssprachliche Begriff Gaswächter bezieht sich meist auf Butan oder Propan und schützt nur bei Defekten an der Gasanlage des Mobils.

Sicherheit durch das Verhalten

Zur Vorbeugung gehören bei uns einige kleine Verhaltensregeln. Immer wieder hört man von dem geklauten Handy oder der Brieftasche, die im Fahrerhaus lag. Hier gilt es, die Verlockung an der Quelle zu verhindern. Wertsachen gehören nicht in das Fahrerhaus. Insbesondere in der Nacht ist die Verlockung groß, die Fototasche oder das Telefon dort abzulegen, damit es nicht im Wege ist.

Für wichtig halte ich tagsüber die Wahl des Parkplatzes, besonders in Städten, bei Sehenswürdigkeiten und am Supermärkten . Natürlich möchte man mit dem großen Fahrzeug kein Hindernis darstellen. Man parkt am Rande und an Begrenzungen. Gern genommen werden Parkplätze an Hecken oder Mauern. Und schon bietet sich ein schöner Schutz für die Langfinger. Wir parken meist da, wo der Betrieb ist und ständig Menschen am Fahrzeug vorbeikommen. Immer wieder lese ich den Tipp, zwischen LKW oder Bussen zu parken. Gibt es einen besseren Sichtschutz für Einbrecher?

Beim Aussteigen nehmen wir immer unsere Rucksäcke mit, um Beobachtern zu signalisieren, dass die wertvollen Dinge mitgenommen werden. Die Fenster verdunkeln wir nicht, es soll ruhig jeder sehen, dass im Fahrzeug keine Wertgegenstände herumliegen. Das Bedienteil des Radios und das Navi kommen an eine nicht einsehbare Stelle in ein kleines Versteck.

Zum Einkaufen gehen wir selten gemeinsam. Ich hasse Supermärkte! Und wenn einmal alle Mitreisenden Lust auf einen Einkaufsbummel haben, bleibt immer noch unser Vierbeiner, meist dekorativ auf dem Beifahrersitz liegend, zurück. Die Sicherungsmaßnahmen (Türriegel) erfolgen analog zu einer längeren Abwesenheit.  Die Rucksäcke kommen ebenfalls zum Einsatz.

Zum Schluss

Wer auf dieser Erde lebt, muss damit rechnen, irgendwann einmal mit einem Einbruch oder Diebstahl konfrontiert zu werden. Das Risiko erhöht sich im Urlaub, unabhängig von der Urlaubsart. Dennoch sollte man ohne Panik oder Angst seine Reisen genießen. Etwas gesunder Menschenverstand und schon steht dem entspannten Urlaub nichts entgegen. Auf Reisen gibt es so viele schöne Dinge, dass man nicht immer nur überlegen sollte, wer eventuell Böses im Schilde führen könnte.

Ich gebe es zu, auch unser Mobil war bereits das Ziel von bösen Buben. Das Fahrzeug stand ganz normal geparkt in einer kleinen Straße. Der Einbrecher schlug die Beifahrerscheibe ein und öffnete die Tür. Allerdings geschah dies nicht irgendwo im Ausland, sondern direkt bei uns zu hause vor der Wohnungstür. Anschließend installierte ich die Riegel an den Türen. Die ausführliche Geschichte kann hier nachgelesen werden.

Bei den schwedischen Autoschiebern verzichteten wir auf die schnelle Flucht, behielten das Geschehen aber im Auge.

Bereits nach kurzer Zeit löste sich das Rätsel. Auf dem Fluss erschienen mehrere bewohnte Holzflöße und legten am Ufer an. Die Neuankömmlinge räumten ihr Hab und Gut vom Floß in die bereit gestellten Autos um. Wie wir später aus dem Netz erfuhren, standen wir am Endpunkt einer mehrtägigen Floßstrecke und erlebten die Rückgabe am Ende der Reise. Für uns in unserem Mobil interessierte sich niemand.

Ich gebe zu, dass uns am Anfang der Geschichte leicht mulmig zu Mute war. Nachdem die Situation klar war, konnten wir über unsere erste Besorgnis lachen.

Wer von Ihnen hat Erfahrungen mit Diebstahl oder gar Raub auf seinen Touren machen müssen? Für einen kleinen Bericht im Kommentar wäre ich dankbar.

Zum Weiterlesen

One Reply to “Sicherheit im Wohnmobil – ein viel diskutiertes Thema”

  1. Ha, endlich lese ich mal wieder von einem, der dieser ganzen Gasgeschichte ähnlich skeptisch gegenüber steht. Ich habe zwar nicht das nötige Fachwissen wie du, aber es war mir nie einleuchtend, wie das gehen sollte. Das Gas müsste – wenn es nicht in grossen Flaschen etc. herumgeschleppt werden soll – ja so unglaublich stark sein, dass sicherlich längst auch Todesfälle hätten beklagt werden müssen.

    Die meisten "Gasopfer" beklagen sich am nächsten Morgen ja über starke Kopfschmerzen. Vielleicht waren sie auch einfach zu lange im Ausgang und haben ein paar Gläser zu viel getrunken. Das erklärt ganz nebenbei auch den tiefen Schlaf, der das ungestörte Ausräumen möglich machte. Oder das WoMo wurde schon ausgeräumt, als die Reisenden noch im Gasthof waren. Wegen ihrer Trunkenheit haben sie's bei der Rückkehr nicht bemerkt.

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