Solarzellen auf dem Wohnmobil sind für uns keine Lösung

letzte Änderung 31/10/2022

Wer schon einmal einen Stellplatz von oben betrachten konnte, kennt das Bild. Auf fast allen Fahrzeugen sind mehr oder weniger viele Solarmodule montiert. Bei uns fehlt diese Ausstattung, da wir uns aus mehreren Gründen gegen diese Art der Stromerzeugung entschieden haben.

Unsere Reisegewohnheiten

Unsere Reisezeiten unterscheiden sich von der großen Masse, da wir selten im Hochsommer unterwegs sind. Hinzu kommt, dass für uns auch die Wintermonate für kürzere Reisen in Frage kommen. Unterwegs bleiben wir selten länger an einem Ort. Nach ein oder zwei Tagen zieht es uns meist weiter.

Auf längeren Reisen in der warmen Jahreszeit nutzen wir häufig Campingplätze, um uns auszuruhen und zu entspannen. Wir genießen die größeren Parzellen und den Komfort der Plätze. Nur ab und zu, je nach Reiseland, übernachten wir frei an einer schönen Stelle. Anders sieht es im Herbst und im Frühjahr aus. Das Leben spielt sich dann mehr im Wohnmobil ab. Die Größe der verfügbaren Terrasse spielt keine Rolle, wenn das Wetter nicht dazu passt. So kann uns dann auch ein Parkplatz irgendwo im Nirgendwo als Übernachtungsplatz dienen.

Unser Strombedarf

Unser Stromverbrauch auf Reisen hält sich in Grenzen. So entschieden wir uns bewusst für einen mit Gas versorgten Absorberkühlschrank. Damit entfällt schon ein großer Stromverbraucher im Fahrzeug.  Die größten Verbraucher sind die Heizung, und Fernseher. Die LED-Beleuchtung spielt bei den Verbrauchsabschätzungen keine nennenswerte Rolle.

Beachten müssen wir jedoch den Bedarf unserer Mobiltelefone, Computer und Fotoapparate. Es gibt immer irgendein Gerät zum Laden. Im Laufe eines Tages wandert so eine nennenswerte Energiemenge in die unterschiedlichen Akkus. Von Anfang an beschafften wir uns für alle Mobiltelefone eine 12V-Lademöglichkeit.

Weiteren Luxus wie z. B. eine Kaffeemaschine oder einen Fön gibt es an Bord nicht. Wir kommen auf Reisen gut ohne diese elektrischen Helfer aus. So kommen wir ohne einen Wechselrichter aus.

Unsere Elektroausstattung

Bei warmen Temperaturen reichte uns unsere 95Ah Batterie für unsere Zwecke gut aus. Wir sind viel draußen, die Heizung hat Pause und der Fernseher setzt Staub an. So kommen wir über zwei bis drei Tage gut mit der Energie aus, ohne uns viele Gedanken machen zu müssen.

Im Winter wurde es enger, daher verdoppelten wir die Akkukapazität auf 180Ah nach dem unsere erste Batterie zu schwächeln begann. Mehr zu unserem Batteriewechsel gibt es in den folgenden Artikeln zu lesen: „Verstärkung der Batterie im Pössl“ und „Welche Batterie für das Wohnmobil?

Die Aufladung erfolgt entweder durch den Ladebooster während der Fahrt oder über den Landstromanschluss der Plätze. Dank der Erweiterung kommen wir jetzt gut damit aus. Selbst mit Heizung brauchen wir uns erst nach mehreren Tagen Gedanken um den Strom zu machen.

Hinzu kommt, dass wir unser Fahrzeug ohne großen Aufwand zu Hause gut mit Landstrom versorgen können. Eine zusätzliche Versorgung während der Standzeiten benötigen wir nicht.

Solarzellen sind für uns keine Alternative

Immer wenn es um die Vergrößerung der Unabhängigkeit geht, wird sofort der Einbau einer Solaranlage empfohlen. Dieser Ansatz ist richtig, wenn es um die reine Nutzung im Sommer geht. Oft ist dann der Kompressorkühlschrank der größte unverzichtbare Verbraucher. Dann ist es durchaus sinnvoll, die Batterien mittels Sonne zu betanken.

Bei uns sieht es anders aus. Wir wollen im Sommer an den heißen Tagen im Schatten stehen und bei der Platzwahl nicht an die Stromversorgung denken müssen. Unterwegs sorgt bereits unser Ladebooster für eine fast volle Batterie. Am Ziel beginnt dann die Entnahme. Bei Verfügbarkeit kommt der Landstrom hinzu. Auf diese Art hatten wir bisher noch nie Probleme mit der Stromversorgung.

Die Solaranlage ist im Winter keine Hilfe

Das Hauptargument gegen eine Solaranlage auf dem Dach ist der Herbst- und Wintereinsatz des Wohnmobils. Bedingt durch den niedrigen Sonnenstand können die flach auf dem Fahrzeug liegenden Module nur noch sehr begrenzt Energie in die Batterie einspeisen. Ein nennenswerter Ertrag wird nicht erzielt. Hinzu kommt, dass die Sonnenscheindauer stark zurückgeht. Unter Berücksichtigung dieser Fakten reicht eine kleine 100Wp nicht aus, um im Winter einen nennenswerten Beitrag zu leisten.

Unsere Solaranlage im Gartenhaus mit 120Wp schafft es im Winter gerade, die Batterie zu Puffern und die Verluste auszugleichen. Es reicht, um nebenbei noch für einige kurze Besuche, die Beleuchtung sicherzustellen. Ein Aufladen meiner Akkuwerkzeuge klappt erst wieder ab Ende März, obwohl das Element schräg steht und optimal nach Süden ausgerichtet ist.

Unser Fazit

Damit fallen bei uns der hohe Verbrauch und die eingeschränkte Solarleistung zeitlich zusammen. So sparten wir nach einigen Überlegungen die schon eingeplanten Kosten für die Anlage und fahren weiterhin mit einem freien, unbeklebten Dach durch die Lande.

Diese Entscheidung beruht auf unseren Reisegewohnheiten. Für viele Wohnmobilreisende kann das Ergebnis einer genauen Überlegung zu einer anderen Entscheidung führen, da viele Faktoren zu beachten sind.

Dieser Beitrag möchte den Solarstrom im Wohnmobil nicht verteufeln. Insbesondere für Sommerreisende mit Kompressorkühlschrank und großem TV-Gerät kann die Solartechnik ein wertvolles Hilfsmittel sein.

Wie siehst du die Solaranlage auf Dach? Welche Erfahrungen hast Du gesammelt? Das Kommentarfeld wartet schon auf deinen Eintrag!

3 Replies to “Solarzellen auf dem Wohnmobil sind für uns keine Lösung”

  1. Hallo,
    ich bin seit 1985 Wohnmobilist, habe in der Zeit etwas Erfahrung sammeln können ( 5 Mobile ) und stehe meistens Autark.
    Auf 3 Mobile habe ich eine Solaranlage aufgebaut, im Vollintegrierten war die Anlage nicht besonders nützlich da am Abend die meisten Abnehmer laufen, heißt an dieser Stelle die Batterie ist das Kennstück der ganzen Anlage. Mein jetziges Womo ist ein Kastenwagen mit Kompressorkühlschrank hier war die Empfehlung des Anbieters eine Solaranlage einzubauen, hier fehlen mir noch die Erfahrungswerte (1/2 Jahr alt).
    Zurück zum Thema, das Kernstück der Anlage die Batterie wird durch die Hersteller mit neuester Technik (AGM,Gel usw.) angeboten und gerne verkauft(sehr teuer).
    Jetzt kommt wieder meine Erfahrung habe sämtliche Batterie durch und musste feststellen, dass alle eine Lebensdauer von höchstens 5 Jahre haben, Fazit ich habe mir in den letzten Jahren nur Bleibatterien gekauft (viel günstiger).

    Schöne Grüße
    WomoMichel

  2. Ich (reiner Sommer-Urlauber) habe für ca. 200Wp Solarzellen auf dem Dach, einen Kompressorkühlschrank drin und betreibe nachts mein Atemtherapiegerät über einen Wechselrichter. Eine 230 AGM versorgt nur den Kühli und den WR.

    Wichtig ist bei AGM, dass die notwendige Ladespannung anliegt!
    Bei mir sind das 14,8V.
    Die werden vom programmierbaren Solarladeregler oder/und über einen Sterling-Hochleistungsregler von der Lima geliefert. Solarstrom und der von der Lima gehen direkt auf die AGM.
    Ohne diese hohe Spannung werden die AGM nie voll und leben dann deshalb nur kurz. Wenn man die Ladetechnik nicht anpassen will/kann, sind AGM-Akkus rausge-schmissenes Geld!
    Das gilt auch weitgehend für Gel-Akkus, die m.W. 14,4V benötigen! Das erzählt aber der sog. „Fachverkäufer“ seinem ahnungslosen Kunden nicht!

    Die Starterakkus (2 x 88AH) und die normalen Wohnraum-Akkus (2 x 100 Ah) werden bei mir von der AGM über Trenndioden gespeist. Diese Dioden „bremsen“ um ca. 0,7V, so dass für Fahrzeugelektrik und alle Elektrogeräte die originalen ca. 14V anliegen.

  3. Für unseren anderthalb Jahre alten Pössl Summit 640 laufen auch gerade die Denkprozesse über den Nutzen einer Solaranlage ab. Wir haben eine Standard-Wohnraumbatterie mit 95 Ah, der Kühlschrank läuft mit 12V. Auch wir wechseln zwischen Campingplatz, Stellplatz und Plätzen ohne jede Ausstattung bzw. Freistehen und träumen eigentlich davon, mal mehr als 2 Nächte frei stehen zu können.
    Nachdem wir jetzt seit Ende Mai durch die Corona-Lockerungen wieder Touren in Deutschland machen, stellen wir fest, dass unsere Limitierung weniger durch den Strom als vielmehr auf der Wasserseite stattfindet. Der Vorteil der völligen Autarkie erspart uns die Benutzung von Toiletten und Waschräumen, zwingt uns mit 2 Personen aber dazu, täglich die Toilettenkassette zu entleeren. Und da wir das tägliche Duschen im komfortablen Pössl-Bad genießen, brauchen wir auch regelmäßig Frischwasser und Grauwasserentsorgung. Also nix mit einigen Tagen frei stehen.
    Nach dem Lesen deiner informativen Artikel denken wir jetzt zunächst über eine zweite Wohnraumbatterie und einen Ladebooster nach.

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