Allein reisen mit dem Wohnmobil, meine Erfahrungen

letzte Änderung 14/05/2021

Ab und an bekomme ich von meiner Frau frei, um allein ein paar Tage auf Tour zu gehen. Da ich über mehr Freizeit verfüge, klappt es immer mal wieder, eine Kurzreise als Alleinfahrer zu unternehmen. Obwohl ich es nicht glauben wollte, ist es etwas Besonderes, ohne Partner zu reisen.

Es gibt zwei Situationen, in denen der Unterschied besonders deutlich wird. Zum einen fehlt der gewohnte Gesprächspartner im Mobil. Ebenso ändert sich das Verhalten der Menschen auf den Stell- und Campingplätzen.

Zwei leere Plätze im Wohnmobil

Bereits auf der Anreise gibt es deutliche Unterschiede. Der Beifahrersitz bleibt leer und dient als Ablage für Getränke und Verpflegung. Aus dem Radio dudelt kein Popsender leise im Hintergrund. Laut und klar verständlich läuft ein spannendes Hörbuch als Ersatz für die Gespräche mit der Beifahrerin. Weiterhin geht der gewohnte Griff rechts neben den Fahrersitz ins Leere. Die Hand findet keinen vierbeinigen Begleiter zum streicheln.

Natürlich fehlt der Partner auch im weiteren Verlauf der Tour. Während meiner ersten Alleinfahrt entwickelte sich langsam eine eigener Ablauf für den Tag. Die Veränderungen beginnen schon beim Frühstück. Statt Filterkaffee genügt mir ein Instantkaffee, statt dem lecker gekochtem Abendessen reichen mir auf einer solchen Reise ein paar Bratwürstchen in der Pfanne.

Allein ein Restaurant aufzusuchen ist nicht mein Fall. Ein Kaffee auf einer Terrasse ist in Ordnung, aber den Abend allein in einem Speiselokal zu verbringen, finde ich nicht sehr verlockend. So ist mein Leben im Mobil sehr einfach und ohne großen Schnickschnack, Die Tage enden meist vor einem Bildschirm. Entweder die Glotze oder der Computer sorgen für die Unterhaltung.

Mehr Distanz dem Stell- oder Campingplatz

Später, bei der Ankunft auf einem Campingplatz, erfolgt bei der Anmeldung sofort eine Nachfrage: “Sie reisen wirklich allein?” Manchmal hatte ich das Gefühl, die Mitarbeiter witterten einen Betrugsversuch. Besonders viele Fragen gab es, als ich mich allein auf einem Platz anmeldete, der uns schon von einem früheren Besuch in der Datenbank fand: “Und der Hund ist auch nicht mit dabei?” Im Nachhinein ärgerte ich mich über die Tonart des Gesprächs. Noch einmal werde ich mir ein solches Verhör nicht gefallen lassen.

Auf den Übernachtungsplätzen gibt es einige Hobbykollegen und -kolleginnen, die einem alleinreisenden Mann mit deutlich mehr Abstand und Reserviertheit begegnen. Nach meiner Erfahrung ist es schwieriger, mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Dabei sind Alleinreisende mittlerweile keine Seltenheit mehr.

Anfangs dachte ich, dass ich zu sehr auf meine Situation als Soloreisender achtete und tat die Unterschiede als unbedeutend ab. Mittlerweile bin ich jedoch überzeugt, dass Einzelreisende stärker unter Beobachtung stehen. Die Aufmerksamkeitsstufe entspricht in etwa der einer Dickschiffbesatzung mit Smart auf dem Hänger.

Allein unterwegs, die Vorteile

Bisher hört sich mein Text eher negativ an. Dabei hat eine Tour ohne mitbestimmende Mitreisende auch einige Vorteile. Schon der Tagesablauf unterscheidet sich deutlich. Völlig unabhängig kann ich den Tag gestalten. Es begin nt mit der Aufstehest und endet mit dem Fernsehen abends im Bett.

Die Zielauswahl gestalte ich immer so, dass ich mir Dinge ansehen kann, die meine Frau nicht so sehr interessieren. So radelte ich durch den Hamburger Hafen und begleitete Schiffe auf der ersten Fahrt auf der Ems. Ich suchte besondere Brücken oder wartete für ein Foto auf die blaue Stunde. Alle diese Aktivitäten wären wesentlich kürzer ausgefallen, wenn wir zu zweit unterwegs gewesen wären.

Mein Fazit

Ab und an macht es mir Spass, allein auf Tour zu gehen. Dann geniesse ich meine Unabhängigkeit. Für immer wäre es keine Lösung für mich. Oft fehlt mir meine Frau an meiner Seite. Ich vermisse den Austausch über die Erlebnisse des Tages und die interessanten Gespräche auf langweiligen Autobahnfahrten.

So ist es nicht verwunderlich, dass mein persönliches Fazit zweigeteilt ausfällt: Allein reisen ja, aber nur als Ausnahme.

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