Ein Blick zurück: Die Gedenkstätte Berliner Mauer

Bei unserem letzten Aufenthalt in Berlin besuchten wir die Gedenkstätte Berliner Mauer. Dort gelingt es, die Auswirkungen der undurchlässigen Grenze erlebbar zu machen. Im folgenden Reisetipp geht es um diese Sehenswürdigkeit, die man bei einem Berlinbesuch nicht vergessen sollte.

Viele Jahre unseres Lebens verbrachten wir in der Nähe der deutsch/deutschen Grenze. Unsere Heimat lag nur wenige Kilometer von dem undurchdringlichen Zaun entfernt. Später lebten wir mehrere Jahre in Berlin und die Grenze gehörte zum täglichen Leben. Heute fragen uns unsere Kinder nach den Auswirkungen der deutschen Teilung. Leider kann das kleine Stück Grenzzaun in meinem Schreibtisch nicht erzählen.

Bei einem unserer Berlinbesuche schafften wir es, uns etwas Freizeit zu verschaffen und uns auf die Suche nach der Mauer zu begeben. Leider gehen die Berliner nicht immer sorgfältig mit geschichtsträchtigen Orten um. Die immer nach vorn gerichtete Denkweise begann vor vielen Jahren mit dem Abriss des Stadtschlosses und setzt sich bis heute fort. So war nach der Wende das Schicksal der Berliner Mauer schnell entschieden. Das häßliche Stück Vergangenheit verschwand aus dem Stadtbild. Nur eine gepflasterte Linie durch die ganze Stadt symbolisiert den ehemaligen Verlauf.

Um das in der Welt einmalige Bauwerk und die vielen Mauertoten nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen, entstand an der Bernauer Strasse die Gedenkstätte Berliner Mauer. Den Ort wählte man mit Bedacht, denn die Mauer verlief dort direkt an den Hauswänden der östlichen Strassenseite. Kurz nach der Schließung der Grenze spielten sich an der Stelle dramatische Szenen ab. Immer wieder versuchten Menschen aus den Fenstern der Häuser in den Westen zu fliehen.

Die Gedenkstätte

Das gesamte Gebiet der Gedenkstätte zieht sich ca. 1,4km an der Straße entlang. Ein kleines Stück der Grenzbefestigung ist im Orginal erhalten. Wie zu Zeiten der Mauer kann man die Befestigungsanlagen nur von einem erhöhten Aussichtspunkt einsehen. Dies verstärkt den Eindruck und versetzte mich um fast 30 Jahre in der Zeit zurück.

Weitere Teile der Mauer werden durch Stahlkonstruktionen symbolisch dargestellt. So kann der Besucher das frühere Aussehen nachvollziehen. Viele Schautafeln erinnern an die Geschichte der Straße und an die vielen Fluchtversuche. An Stelle der früheren Kirche befindet sich heute eine kleine Kapelle. Das Orginalbauwerk stand der Grenzsicherung im Wege und wurde von den DDR-Grenzern abgerissen.

Viele Schautafeln informieren die Besucher über die Ereignisse an der Mauer. Es gibt eine Fotoausstellung und ein Besucherzentrum. Das Gebiet ist jederzeit frei zugänglich. Nur der Aussichtsturm und das Besucherzentrum sind nur während der normalen Öffnungszeiten zugänglich.

Wir gingen über den ganzen Abschnitt und lasen viel. Unsere Gespräche drehten sich um unsere Erinnerungen an diesen Teil der deutschen Geschichte. Besonders beeindruckten mich die Bilder der auf der Flucht gestorbenen Menschen. 1973 teilte ich zwei Wochen das Krankenzimmer mit einem ehemaligen DDR-Bewohner, der während seiner Flucht beide Beine verloren hatte und nur ganz knapp dem Tode entronnen war.

Wer beim Berlinbesuch etwas Zeit übrig hat, sollte sich diesen Spaziergang durch die jüngere Geschichte nicht entgehen lassen.

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