Kurtaxe: Ein Wutausbruch an der Nordsee

Während unseres letzten Aufenthaltes an der Nordsee packte mich wieder einmal die Wut. Ich griff zum Computer und schrieb meine Meinung über die Wegelagerer am Deich nieder:

Der Besucher kommt an die Nordsee und möchte das Meer sehen. Leider geht es nicht, denn:“Kein Zugang ohne Kurkarte“ Ein netter Herr in einem kleinen Häuschen hätte gern einige Euro, erst dann dürfen die Gäste das Meer in Augenschein nehmen.

Kurtaxenkasse in Büsum
Büsum: Mautstelle auf dem Deich

Mittlerweile haben einige Orte den freundlichen Mann schon gegen einen Automaten eingetauscht. Der Herr läuft jetzt als amtlicher Kontrolleur auf dem Deich entlang und prüft die Meeransehberechtigung. Oft beginnt eine hektische Suche, bis der Zettel gefunden ist. Alternativ gibt es nur den Weg an den Automaten. Jetzt fehlt nur noch das erhöhte Kurentgeld für Schwarzdeichbegeher. 

Diese Landschaftssteuer gibt es nur in Deutschland. Nirgendwo an anderer Stelle erlebten wir ähnliche Gebühren, wenn es nur um einen kurzen Besuch ging. Selbst der Strand Praya des Cathedrais in Spanien kann kostenlos besucht werden, wenn ein freier Besuchstermin verfügbar ist. In Frankreich sind die Strände von Nizza oder Biarritz ohne Kassenhäuschen kostenlos zu betreten.

Kurtaxe, dies Wort gibt es nur in der deutschen Sprache. In keinem anderen Land der Welt wird die Natur und die Landschaft auf diese Art vermarktet und der Zutritt reguliert.

Meerblick nur gegen Gebühr

Meine Forderung ist klar: Schafft die Kurtaxe für Tagesbesucher ab! Wenn wir länger an einem Ort Urlaub machen, dort übernachten und die ganze Zeit die Segnungen der Kureinrichtungen und Strände nutzen, dann sind wir gern bereit, eine Tourismusabgabe zu entrichten. Die Infrastruktur muß schließlich irgendwie finanziert werden.

Aber an einem regnerischen Septembertag die Meeransehgebühr zu zahlen, um einmal für 30 Minuten auf den Deich zu dürfen, das fange ich nicht an.

Liebe Nordseeküstenabriegler, wenn es so weitergeht, dann in Zukunft ohne mich!

2 Replies to “Kurtaxe: Ein Wutausbruch an der Nordsee”

  1. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen – irgendwie spiegelt dieses Vorgehen aber die deutsche Mentalität wider. Ich bin selbst Schleswig-Holsteinerin und seit 12 Jahren nach Rückkehr aus Andalusien am (freien) Atlantik mit der Problematik hier an den Küsten konfrontiert. Mich stört diese Art der Abzocke schon seit ich denken kann, nirgends auf der Welt kommt man auf die Idee, die teils naturbelassenen Strände (z.B. St. Peter Ording) mit einer saftigen Abgabe zu belegen. Natur gehört uns allen! Meine Wanderungen auf Sylt habe ich eingestellt, da mittlerweile sogar Kurtaxe für Vierbeiner erhoben wird. In SPO und auf Sylt sind ja auch die Einheimischen von diesem Wahnsinn betroffen. Einmal eine Stunde mit meinen Pferden am Strand von SPO reiten, kostete uns mit Gebühr für Pferde und Parken des Autos mit Hänger am Naturstrand fast vierzig Euro. Ich finde, es reicht! Ich selbst wohne nahe der dänischen Grenze, keine Frage, welche Strände ich nutze (Roemoe z.B., naturschöner, ruhiger und ohne Kommerz). Für die Parkgebühren in SPO kann ich woanders zu Mittag essen. Besonders irre Blüten treibt der Kurtaxenwahnsinn in Ost-Deutschland, kommt man bei einer Strandwanderung von einem (Kur-)ort zum nächsten, fällt wieder Gebühr an. Meine Meerurlaube finden daher ausschließlich in Skandinavien, vorzugsweise Schweden statt.
    Es betrifft vor allem die Tagestouristen oder Einheimische, die mal einen Spaziergang am Meer machen möchten und ausser dem Wasserblick nichts in Anspruch nehmen.
    Deutschland stellt sich wie so oft selbst ein Bein …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.