21.01.2016

Der Schleusenpark Waltrop

Kategorie: Reisetipps, Region: Deutschland
Die alte Schachtschleuse vom Unterwasser gesehen Schleusenpark Waltrop

Diesmal habe ich einen kleinen Reisetipp für alle Wohnmobilreisenden, die sich für die Binnenschifffahrt interessieren. Es gibt einen Einblick in die Geschichte dieser Transportart und in die Technik der Schleusen und Hebewerke. Mein Reisetipp geht nach Waltrop in den Schleusenpark und in das Museum Hebewerk Henrichenburg.




Mein Besuch im Schleusenpark entstand spontan, da Castrop-Rauxel fast an meinem Wege lag. Allerdings verweilte ich viel länger, als ich es geplant hatte. Es war einfach zu interessant, um nur im Schnelldurchgang durch das Museum und die Schleusen zu gehen.

Das Besondere am Schleusenpark ist die Lage an der Abzweigung des Rhein-Herne-Kanals (RHK)vom Dortmund-Ems-Kanals(DEK). Die Schiffe auf dem DEK müssen einen Höhenunterschied von 14m überwinden. Im Laufe der Geschichte errichteten die Kanalbetreiber unterschiedliche Aufstiegsbauwerke. Da die älteren Anlagen nicht abgerissen wurden, können wir heute vier verschiedene und sehr unterschiedliche Bauwerke besichtigen.

Große Teile der Anlage, insbesondere das alte Schiffshebewerk Henrichenburg, sind in das Westfälische Landesmuseum für Industriekultur integriert. So ist der Bestand des technischen Denkmals gesichert.

Das Museum mit dem alten Hebewerk

Mittelpunkt des Museums ist das alte Schiffshebewerk. Damals überwanden die Schiffe den Höhenunterschied in einem Wassertrog, der ähnlich eines  Aufzuges gehoben und gesenkt wurde.  Die sehenswerten technischen Anlagen sind begehbar und gut erklärt. Der festgelegte leere Trog ist ebenso begehbar wie die Steuerkanzel ganz oben auf der Anlage. Allerdings sollte man schwindelfrei sein, wenn man den Aufstieg in Angriff nimmt. Am alten Schiffshebewerk  verbrachte ich die meiste Zeit meines Museumsbesuches. Es fasziniert mich immer wieder, mit welchen einfachen Mitteln damals die technische Anlagen konstruiert wurden.


Am Unterwasser in der Maschinenhalle des Hebewerks gibt es eine Ausstellung über die Binnenschifffahrt gestern und heute. Oberhalb, in einem kleinen Hafen,  warten restaurierte Schiffe  auf die Besucher. Die Kinder finden einen Spielplatz mit einer kleinen Fähre.

Die alte Schachtschleuse

Die nächste Besonderheit des Schleusenparks befindet sich direkt neben dem Museum. Das Nachfolgebauwerk des Hebewerkes, die 1914 erbaute Schachtschleuse, liegt ebenfalls trocken und kann auf einem Fußweg begangen werden. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, auf dem Grund durch eine Schleusenkammer zu gehen? Auf diese Weise werden die Dimensionen eines solchen Bauwerkes deutlich erlebbar.

Während meines Besuchs nutzten einige Kinder das Gefälle in der ehemaligen Schleusenkammer, um mit Inlinern so nicht schnell zu werden. Dabei ist eine gute Bremstechnik erforderlich, sonst endet die wilde Fahrt im Hafenbecken.

Um die Besonderheit dieser Schleuse zu erkennen, genügt ein Blick neben die Kammer. Schon damals baute man eine Sparschleuse. Dabei wird ein großer Teil des Wassers an der Seite gespeichert, um beim nächsten Schleusenvorgang wieder verwendet zu werden. Diese Technik wird heute noch bei vielen modernen Hebeanlagen angewandt.


Die neue Großschleuse

Weiter geht unser Rundgang mit der neuen Schleuse, die derzeit dafür sorgt, dass die Schiffe auf dem DEK die 13m  Höhenunterschied überwinden können.  Das Bauwerk entstand 1989 und zeigt den heutigen Stand der Technik. Wer schon andere moderne Schleusen besucht hat, erkennt, dass fast alle Anlagen gleich aussehen. Frühere Generationen legten mehr Wert auf die Unverwechselbarkeit der Bauwerke.

Den regen Schiffsverkehr kann man gut beobachten und von der Straßenbrücke schaut man den Schiffern bei dem Manövrieren  auf den Kopf.


Das neue Schiffshebewerk 

Das in der Baugeschichte als drittes Bauwerk errichtete neue Schiffshebewerk befindet sich wieder direkt neben der neuen Schachtschleuse. Das 1962 errichtete Bauwerk nutzt im Prinzip die gleiche Technikwie das alte Hebewerk. Wieder wurde ein Wassertrog ähnlich einer Aufzugskabine genutzt, um die Schiffe zu heben oder zu senken.

Das Hebewerk war bis 2005 zusätzlich zur Großschleuse in Betrieb und diente in der letzten Phase hauptsächlich den Freizeitkapitänen. Die Stilllegung erfolge  auf Grund von technischen Mängeln an der damals 43 Jahre alten Technik. Derzeit gibt es immer noch Bestrebungen, dieses technische Denkmal wieder in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen. Allerding befürchte ich, dass die sicherlich hohen Sanierungskosten diese Ideen verhindern werden. So wird auch das neue Hebewerk zu einem Technikdenkmal werden.


In der Nähe gibt es genug Parkplätze und ein Restaurant zum Stärken nach dem Spaziergang durch den Schleusenpark. Zum Zeitpunkt meines Besuches (2015) lag der Schleusenpark im Ortsteil Henrichenburg außerhalb der Umweltzone von Castrop-Rauxel und war von der Autobahn ohne grüne Plakette erreichbar.

Fazit

Leider konnte ich mir diese Anlage nicht mehr genauer anschauen, da ich schon viel zu viel Zeit im Schleusenpark verbracht hatte. Insgesamt war es für mich ein schöner Besuch, den ich bei passender Gelegenheit sicherlich wiederholen werde. Besonders technikinteressierte Wohnmobilisten empfehle ich, einen Besuch in Waltrop mit einzuplanen, wenn man in der Nähe vorbeikommt.

 Zum Zeitpunkt meines Besuches (2015) lag der Schleusenpark im Ortsteil Henrichenburg außerhalb der Umweltzone von Castrop-Rauxel und war von der Autobahn ohne grüne Plakette erreichbar.

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